Beitrag drucken

Vom CAD-System auf die Webseite

3D-Welten für den Kunden

Hersteller modularer Produkte, die das dreidimensionale Zusammenstellen von Bauteilen im Browser anbieten wollen, stehen vor zahlreichen Herausforderungen: Die Anwendung soll im besten Fall komfortable zu bedienen sein, ohne Plug-ins laufen und vor allem vorhandene CAD-Daten einfach integrieren.

Bild: Resolto

Um Prozesse von Konstruktion über Vertrieb bis hin zur Fertigung zu vereinfachen und Beratungs- und Erfassungskosten zu reduzieren, stellt die visuell geführte Produktkonfiguration über die Webseite eines Unternehmens einen Schlüsselfaktor dar. Doch durch die einfachen Bedienoberflächen von Mobilgeräten wie iPod oder iPad sind die Erwartungen von Kunden an die Bedienbarkeit von Software gestiegen. Während neue Bedienkonzepte im Consumer-Bereich vergleichsweise schnell Verbreitung finden, stellen ansprechende Nutzeroberflächen in der Kommunikation zwischen Unternehmen vielfach eine Ausnahme dar. Häufig sind Software-Installationen und Schulungen durch den Hersteller beim Kunden erforderlich. Doch mit der Benutzerakzeptanz steht und fällt jede Software.

Technik-Hürden für Online-Anwender senken

Für den Anwender steht in der Regel weniger die Technologie hinter der angezeigten Bildschirmmaske im Vordergrund, sondern einfache Bedienung und ansprechendes Layout. Dennoch kann die Technologie etwa eines Produktkonfigurators Anwender in Kundenunternehmen vor teils erhebliche Hürden stellen. „Produktkonfiguratoren gibt es viele“, sagt Volker Meier. Meier ist Geschäftsbereichsleiter der Wittenstein Motion Control GmbH, die Komponenten und Software für mechatronische Antriebslösungen anbietet. „Unser Problem war, dass die Tools alle installiert werden müssen oder schlicht nicht attraktiv sind.“

Gerade die Installation von Software stellt ein Hindernis für Unternehmensanwender dar. Denn viele Betriebe schränken die Zugriffsrechte der Anwender für Software-Installationen ein. Dabei bietet sich gerade für global agierende Unternehmen der Einsatz von Browser-Anwendungen an: Um die Verteilung der Anwendungen muss sich das Unternehmen keine Gdanken machen, zudem arbeiten Kunden, Zulieferer und Mitarbeiter mit dem aktuellen Daten und 3D-Modellen. „Wir wollten alles unter einen Hut bringen. Super 3D-Ansichten, freie Konfiguration, frisch generierte CAD-Daten und Stücklisten in Echtzeit. All das aber im Browser und ohne Plugin-Installation“, sagt Meier.

Einsatz per Webserver senkt Wartungskosten

Das Unternehmen Resolto bietet hierzu den Resolto Produktkonfigurator an. Die browser-basierte Lösung kommt ohne Installation aus und lässt sich auf einfache Weise beispielsweise an vorhandene Produktdatenmanagemant- und Vertriebssysteme anbinden. Dem Webseitenbesucher stellt die Software einen grafischen Konfigurator zur Verfügung. Auf Basis von im Browser dargestellten 3D-Daten können Anwender die gewünschten Endprodukte aus den passenden Komponenten zusammenstellen. Frei drehbare 3D-Ansichten erleichtern das Arbeiten mit dem Produktkonfiguratorm etwa um Bauteile einer Anlage über den Browser zusammenzustellen. Die Basis für den Konfigurationsprozess bildet dabei das CAD-Programm des Herstellers.

Das System unterstützt gängige Programme wie Solidworks, NX, Catia und AutoCAD, Branchenlösungen wie Imos CAD können ebenfalls angebunden werden, sofern sie eine passende Schnittstelle anbieten. Das Programm wurde gemeinsam mit Wittenstein von der Einzellösung zur Standardsoftware entwickelt. Der Online-3D-Konfigurator nimmt CAD-Berechnungen in Echtzeit vor, generiert Stücklisten und Angebote und bietet sich für den Einsatz in modularen Produktstrategien an. „Durch den zentralen Einsatz der Software auf einem Web-Server wird die Betreuung der Kunden besonders übersichtlich. Updates der Software oder der Datenbank erfordern keine Rollout-Strategie. Das Marketing gewinnt zudem wertvolle Statistiken über das Nutzer-Verhalten“, erläutert Meier die Rolle der Lösung für Wittenstein.

Maßverbindliche Konstruktionspläne

Technologisch arbeitet die Software als Schichtenmodell: Im 3D-CAD werden Datenmasken angelegt, das Online-System nimmt die individuellen Konfigurationsparameter der Kunden entgegen und leitet sie über die Schnittstellen des CAD-Systems weiter. Dort werden aus den eingegebenen Daten kundenspezifische Produktionsblätter erstellt, die als maßverbindliche STEP-, IGES- oder PDF-Konstruktionspläne in das CAD-System des Kunden übertragen werden können. Stücklisten und Angebote aus dem Konfigurator unterstützen den Vertrieb. Durch das Zusammenspiel mit anderen Anwendungen – etwa Enterprise Resource Planning-System (ERP) oder Produktdatenmanagement-Lösung (PDM) des Herstellers – lassen sich auch verbundene Unternehmensabläufe unterstützen und weitgehend automatisieren.

Vom Online-System in die Kundendatenbank

Nachdem der Kunde die Konfiguration im grafischen Online-System erstellt hat, liefert das System das fertig kalkulierte Angebote einschließlich digitaler Zeichnung aus. Gerade für Vertrieb und Marketing können technisch und preislich korrekte Angebote und Kostenvoranschläge sowie maßgenaue Konstruktionspläne schnell Vorteile bringen, während die Online-Auswertungen der Kundenaktionen per Serverstatistik dem Hersteller Ansätze zur Verbessrung seines Angebots liefern kann. „Ein Riesenpotenzial sehen wir in der Entlastung des globalen Vertriebs“, erläutert Meier. Der Bereichsleiter kennt die Herausforderungen internationaler Märkte. „Weltweit allen Vertrieblern tagesaktuelle Informationen an die Hand zu geben, wird nun viel einfacher. Zudem sind die eintreffenden Kundenanfragen sehr viel qualifizierter. So setzt unsere Beratung jetzt da an, wo unsere Experten einen viel besseren Hebel entwickeln“, sagt Meier.

 

Zum Unternehmen

Die Resolto Informatik GmbH wurde im Jahr 2003 im nordrheinwesfälischen Herford gegründet, das Unternehmen bietet unter anderem Lösungen für Intralogistik, integrierte Produktkonfiguration und Wissensmanagement an. Der Resolto Produktonfigurator kommt inzwischen bei verschiedenen modularen Systemlösungen in der Industrie zum Einsatz, unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau, bei Photovoltaik-Unternehmen sowie bei Kabel- und Kontakttechnik-Herstellern. Zu den Kunden des Software-Anbieters zählen Firmen wie Wittenstein, Wago und Centro Solar, das Unternehmen arbeitet aber auch für Anbieter aus dem Privatkundensegment. Neben der Softwareentwicklung bietet das Herforder IT-Haus Dienstleistungen an, die von Systemwartung und Medienberatung für Online-Projekte bis zur Begleitung von Corporate Governance-Program­men im Unternehmen reichen.


Das könnte Sie auch interessieren:

22 Organisationen aus Industrie und Wissenschaft haben erstmals gemeinsame Empfehlungen für eine Innovationspolitik vorgelegt. Unterschrieben haben unter anderem der Daad, die Helmholtz-Institute, der VDMA und ZVEI. ‣ weiterlesen

Der französische Softwarehersteller Dassault Systèmes wird die amerkanische Exa Corporation für rund 400 Millionen US-Dollar kaufen. Damit erweitert der Anbieter von PLM- und Engineering-Lösungen sein Portfolio insbesondere im Bereich der Strömungssimulation. ‣ weiterlesen

Viele Unternehmen stehen dem Thema Künstliche Intelligenz grundsätzlich positiv gegenüber. Doch noch haben viele Firmen nicht das richtige Knowhow, um eigene KI-Projekte zu starten. Auch der organisatorische Rahmen und die fehlende Akzeptanz stehen der Marktdurchsetzung von KI-Lösungen noch im Weg. Das ergab eine Untersuchung des amerikanischen Business Analytics-Softwarehersteller SAS Institute.‣ weiterlesen

Sensordaten effizient nutzen

Im Stahlwalzprozess sammeln Tausende von Sensoren kontinuierlich Daten. Zwar übertragen die Sensoren diese Daten mittlerweile weitestgehend automatisiert, häufig erfolgt die Auswertung jedoch manuell. Das bedeutet viel Aufwand und einige Risiken bei Energieeffizienz oder Produktqualität. Gute Gründe, die Sensordaten automatisiert zu analysieren. ‣ weiterlesen

Materialise übernimmt Actech

Materialise, ein belgischer Anbieter von Additive Manufacturing-Angeboten, hat die Sctech GmbH auf Freiberg/Sachsen erworben. Actech ist ein Full Service-Hersteller von komplexen Metallgussteilen. Mit der Übernahme will Materialise sein Portfolio spezielle 3D-gedruckte Metallteile erweitern.‣ weiterlesen

Cyberangriffe auf die Industrie: Fertigungsbranche ist Top-Ziel

Etwa jede dritte Cyberattacke auf Rechner für industrielle Kontrollsysteme (ICS, Industrial Control Systems) in der ersten Jahreshälfte 2017 richtete sich gegen Unternehmen aus der Fertigungsbranche. Das zeigt der aktuelle Kaspersky-Bericht über Cyberbedrohungen für industrielle Automationssysteme [1]. Der zahlenmäßige Höhepunkt der Angriffe lag dabei im März 2017 – auch bedingt durch Wannacry. Zwischen April bis Juni gingen die Werte wieder leicht zurück. ‣ weiterlesen