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Volkswagen führt neue EDI-Formate ein

Mit ein paar Zeichen um die Welt

Volkswagen führt in einem langjährigen Projekt neue Standards für die Kommunikation mit Lieferanten ein. Gemeinsam mit anderen Autobauern wurden im Verband der Automobilindustrie Empfehlungen entwickelt, die die Wolfsburger nun in sogenannte 'Globale Nachrichten' umsetzen. Ein Lehrstück über die Herausforderungen an modernes Supply Chain Management.

Bild: Volkswagen AG

Rund 66,9 Millionen Kubikmeter Material hat die Konzernlogistik der Volkswagen AG im Jahr 2014 transportiert. Das entspricht in etwa dem Volumen von 26 Cheops-Pyramiden. Damit der Autobauer an seinen 37 fahrzeugbauenden Standorten in Europa arbeiten kann, unterhält er rund 28.500 Lieferbeziehungen mit 5.600 Lieferanten – ein gewaltiges Netz, dessen Dimensionen im globalen Maßstab nochmals deutlich größer werden. Denn weltweit produziert Volkswagen sogar an über 100 Standorten. Hinter den Beziehungen zu 1st-, 2nd- und n-Tier-Lieferanten verbirgt sich ein imposantes Kommunikationsaufkommen. In Europa wurden beispielsweise 2013 rund neun Millionen Lieferscheine ausgestellt, angenommen und verabeitet. Es sieht nicht so aus, als würde das in absehbarer Zukunft wieder weniger werden. Der Fahrzeugmarkt wächst, vor allem getrieben durch die Nachfrage in Amerika und Asien. Eine Studie der IHS Automotive aus dem Februar 2014 geht davon aus, dass der globale Automarkt bis 2018 auf 99,8 Millionen Fahrzeuge anwachsen wird. 2011 waren es noch 75,7 Millionen gewesen. Dieses Wachstum geht einher mit steigender Komplexität auf sämtlichen Ebenen der Supply Chain.

Vulkane und Hurrikane

Zudem werden die Lieferketten auch von externen Faktoren beeinflusst: Die AKW-Katastrophe von Fukushima in Japan, die Verwüstungen durch den Hurrikan Katrina in den USA oder der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island mit all den Konsequenzen für Menschen, Wirtschaft und Verkehr zeigen, wie fragil ein weltumspannendes Handelsnetz sein kann. Doch es sind nicht nur die Wege der Waren, die Supply Chain-Managern Kopfzerbrechen bereiten; auch die den Warenflüssen zugrunde liegenden Informationen sind wichtig. Für die Verantwortlichen bei Volkswagen gilt die Informationslogistik als Erfolgsfaktor in der Lieferkette. In Wolfsburg ist man sich über die Konsequenzen der weltweiten ökonomischen Entwicklungen einig: Die Globalisierung bringt verschiedene Konsequenzen für das Supply Chain Management mit sich, wie immer komplexere Lieferketten mit mehr Prozesspartnern in verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen und IT-technischen Voraussetzungen. Mit neuen, an die geänderten Rahmenbedingungen angepassten Nachrichten, so das Kalkül beim niedersächsischen Autobauer, lässt sich dieser Entwicklung entgegenwirken.

„Nicht mehr abbildbar“

Schon vor über zehn Jahren machten sich Verantwortliche beim Wolfsburger Autobauer Gedanken darüber, wie die Kommunikation mit den Lieferanten transparenter und Supply Chain-Prozesse sicherer gestaltet werden könnten. Sie kamen zu dem Schluss, dass die alte EDI-Kommunikation zukünftigen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. Matthias Lühr, Leiter Informationsprozesse Materiallogistik des Konzerns, sagt: „Die Prozesse waren irgendwann einfach nicht mehr abbildbar.“ Mitte der 2000-er Jahre dann setzten sich zum ersten Mal einige Hersteller im Verband der Automobilindustrie (VDA) zusammen, um über neue Standards zu beratschlagen. Zu diesem Zeitpunkt waren die EDI-Formate für den elektronischen Datenaustausch schon rund 30 Jahre alt. Auch die Anzahl der Formate sollte reduziert werden; bei Volkswagen waren für Abrufe beim Lieferanten acht unterschiedliche im Einsatz. Mit der VDA-Empfehlung 4984 soll zukünftig nur noch eines benutzt werden. Bei der Einführung neuer Nachrichtenformate geht es aber nicht nur darum, Komplexität zu reduzieren. Mit den neuen Standards werden auch mehr Informationen fließen, die das Verarbeiten der Nachricht sowie den Logistikprozess insgesamt unterstützen sollen. Das sind beispielsweise Informationen zur Werkszufahrt oder Kontaktdetails zum Disponenten.

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