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Vertikale Integration

Mit Software kommt mehr als Technologie ins Haus

Enterprise Resource Planning-Systeme werden vielerorts modernisiert. Die produktionsnahen Manufacturing Execution-Systeme gewinnen an Bedeutung. Weitere Vorteile verspricht es, beide Systeme zu verzahnen. Mit Methode lassen sich die technischen Neuerungen und ein Wandel der Unternehmenskultur so verbinden, dass Produktion und Management enger als zuvor zusammenarbeiten.



Bild: © Squaredpixels/iStockphotos

Eine aktuelle Studie von Bearingpoint unter 105 produzierenden Unternehmen zeigt: Mit einem durchgängig eingesetzten Manufacturing Execution System (MES) als Teil der strategischen IT-Landschaft in der Produktion stellen Unternehmen eine Weiche für die digitale Fabrik. 88 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass MES-Systeme in Zukunft an Bedeutung gewinnen, knapp drei Viertel haben vor, in den nächsten drei Jahren in Shop Floor-IT zu investieren. Der Grund für den Fokus auf MES ist nach den Autoren der Bearingpoint-Studie die Brückenfunktion von MES zwischen Enterprise Resource Planning-Anwendung (ERP) zur Steuerung der betriebswirtschaftlichen Prozesse und der Maschinensteuerung (SPS). Eine Integration ermögliche es, ein Vielfaches an Daten zu nutzen und Prozesse zu digitalisieren. Dahinter stecke vor allem die Erwartung, Nutzen aus besseren Daten zu schöpfen. Die Frage ist, wie das funktioniert.

Kosten sparen ist nicht alles

Bei ERP-Anwendungen geht es nicht länger nur darum, Kosteneinsparungen voranzutreiben. Oft zählen zu den Zielen, Wachstum zu fördern, neue Marktchancen zu realisieren und das Risikomanagement zu verbessern. Das erfordert weniger Silo-Denken und mehr abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Viele aktuelle ERP-Systeme bieten umfassende Collaboration-Funktionen und ermöglichen eine dynamische Anpassung an spezifische Anforderungen für Kundenorientierung sowie die Entwicklung des Neugeschäftes. Dafür unterstützen Systeme häufig mobile Geräte und haben Analyse-Funktionen an Bord. Indem Daten ansprechend visualisert werden, helfen sie Mitarbeitern bei ihren Entscheidungsfindungen. Um das zu beschleunigen, stehen Systeminformationen immer häufiger in Echtzeit zur Verfügung.

Nutzen identifizieren

In Verbindung mit der Funktionsvielfalt der ERP-Systeme lässt sich abschätzen, welchen Mehrwert integrierte MES-Informationen bringen können. Häufig wird das MES nur als Werkzeug der Produktion im Tagesgeschäft betrachtet. In Wahrheit liegen in der Shop Floor-IT nicht selten Daten ab, die bei konsequenter Nutzung zu erheblichen Wettbewerbsvorteile führen können. Kernkomponenten eines MES sind die statistische Prozesssteuerung und statistische Qualitätskontrolle. Sie ermöglichen in der Produktionssteuerung vorauszuberechnen und grafisch darzustellen, was am laufenden Arbeitstag für störungsfreie Abläufe im Sinn einer bestmöglichen Gesamtanlagenproduktivität zu erledigen ist.

Ein Manufacturing Execution-system kann die vorausschauende, präventive Instandhaltung sicherstellen und die ‚Just-in-time‘-Produktion mit weniger Stillstandszeiten sowie Ausschuss ermöglichen und gleichzeitig zur Produktqualität beitragen. Über die Ausgabe von relevanten Kennzahlen zeichnet das MES im operativen Management unterdurchschnittliche und hochleistungsfähige Anlagen aus. Auf dieser Basis lassen sich der Einsatz von Maschinen optimieren und viele Engpässe vermeiden. Im Ergebnis können sich die Produktionsrate und Profitabilität der bestehenden Anlagen erhöhen – nicht selten in einer Weise, dass Investitionen in diesem Umfeld zugunsten von Maßnahmen für Unternehmenswachstum verlagert werden können.

Business Cases entwickeln

Während die Vorteile von ERP- und MES-Anwendungen auf der Hand liegen, muss der Mehrwert aus der Integration beider Systeme zuvor meist in Business Cases ermitteln werden. Als Ansatz dient oft eine der zentralen Herausforderungen von Fertigungsunternehmen: die Produktionsplanung aus dem ERP effizient mit den Realitäten der Produktion und dem MES in Echtzeit zu verknüpfen und zentral zur Verfügung zu stellen. Aus der ERP-MES-Integration können Fertigungsunternehmen einen ganzheitlichen Blick auf Geschäftsprozesse im Kontext zu Produktionsabläufen erhalten. Produktionsdaten lassen sich zur operativen Steuerung sowie in Hinblick auf die vielversprechendste Wirtschaftlichkeit der Produktionsergebnisse heranziehen. Zu einer ‚Single Source of Truth‘ vereint, liefern die integrierten Systeme präzisere Daten aus der Produktion an das Management, um im Unternehmen Prozesse aufeinander abstimmen zu können.

Der Echtzeit-Abgleich der Informationen von ERP und MES trägt zur Integrität der Daten für präzise Terminierung, Planung, Überwachung, Beschaffung und Kostenrechnung bei. Schließlich umfasst die Integration Strukturdaten, Produktionsplanung und -reporting und überführt Daten in eine durchgängige, bidirektionale Informationsumgebung. Anwender können häufig genauere Lieferterminzusagen ausgeben, wissen mehr über den tatsächlichen Arbeits- und Materialeinsatz und greifen als Ergebnis der engen Vernetzung und verzögerungsfreien Rückkopplung zwischen ERP und MES auf erweiterte Business Intelligence-Analysen zurück. Zudem bietet ein Echtzeit-Informationskreislauf zwischen den Unternehmenssystemen und der Produktion eine aktuelle Sicht auf die Verfügbarkeit von Maschinen und Produktionsressourcen.

Engere Zusammenarbeit

Vor der Evaluation und der Investition in die MES- und ERP-Landschaft müssen Fertigungsunternehmen definieren, was in der Produktion mit den beiden Systeme erreicht werden soll – zumal die Anwendungen meist zeitlich versetzt implementiert werden. Eine der Hürden bei der Einschätzung des Potenzials beider Systeme ist, dass sie häufig von unterschiedlichen Geschäftsbereichen eingekauft und betrieben werden – das MES von der Betriebsleitung, das ERP von IT-Abteilung und Finanzwesen. Es ist wichtig, dass alle an einem Tisch sitzen, um alle Chancen einer ERP-MES-Integration zu erkennen und zu fördern. So beginnt mit der Integration beider Systeme oft auch ein kultureller Wandel im Unternehmen.

Treiber Digitale Transformation

Isolierte Einzellösungen in der Produktionssteuerung erweisen sich in Märkten, die eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit fordern, als ineffizient. MES-Daten können dem Management dabei helfen, die Ursachen von Gewinnen und Verlusten besser zu verstehen, Entwicklungen vorauszusehen und das Handeln darauf abzustellen. Investitionen in eine ERP-MES-Integration sind daher nur zum Teil ein Technologieprojekt. Entsprechend ausgerichtet, stellen sie einen strategischen Schachzug im Wettbewerb dar. Zumal bei Initiativen zu Big Data, mobilen Technologien und Internet of Things (IoT) immer mehr und neue Daten sowie Prozesse in betriebliche Abläufe eingebunden werden müssen. Wer früh die Weichen für einen reibungslosen Datenfluss sicherstellt und den Nutzen von der Maschine bis zum Management optimiert, kann vielleicht den entscheidenden taktischen und zeitlichen Vorsprung vor dem Wettbewerb erzielen.


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