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VDMA diskutiert den 'War for Talents'

IT-Fachkräfte finden und entwickeln

Der erhöhte Bedarf an IT-Fachkräften für die Industrie ist schon länger ein viel besprochenes Thema. Dabei spielt nicht nur die demografische Entwicklung eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass Industrieprodukte und insbesondere hoch komplexe Produkte aus dem Maschinen- und Anlagenbau immer stärker von IT durchdrungen sind. Hinzu kommt, dass die Welten der Unternehmens- und der Produkt-IT in Zukunft eng verwoben miteinander kommunizieren sollen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau hat die wachsenden Anforderungen an das IT-Personalmanagement diskutiert, präzisiert und Lösungsansätze erarbeitet. Dabei wurden zunächst die allgemeinen gesellschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Aspekte untersucht. So vollzieht sich derzeit, parallel zum demografischen Wandel, ein Wertewandel, der im ‚War for Talents‘ durchaus beachtenswert ist. Statussymbole, welche für die heutigen Entscheider noch maßgeblich waren, verlieren an Bedeutung zu Gunsten höherer Freiheitsgrade in Ort und Zeitpunkt der Leistungserbringung gegenüber dem Arbeitgeber. Die ‚Work-Life-Balance‘ der ‚Digital Natives‘, welche längst die Mehrheit der Beschäftigten in den Unternehmen ausmachen und die 2020 zunehmend die Führungspositionen in der Wirtschaft besetzen werden, ist ein Faktor, der bei der Gestaltung und Ausprägung von IT-Jobs zu berücksichtigen ist. Zudem verschieben sich durch die Digitalisierung Rollen und Anforderungen. Ständige Erreichbarkeit ist heute die Regel und Analysten prophezeien die ‚Post-Festangestellten-Ära‘: Die Unternehmen werden zwingend mehr und mehr auf sich wandelnde, virtuell vernetzte Teams bei der Lösung ihrer Aufgaben vertrauen müssen.

Aspekte des IT-Personalmanagements

Die IT, die sich heute als ‚Business Enabler‘ versteht, muss entscheidende und erfolgsrelevante Themen identifizieren und im Sinne möglicher Geschäftsmodelle für das Unternehmen ausprägen. Dabei ist sie Anbieter von Systemlösungen, die sich an Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsprozessen orientieren. Dies erfordert ein tiefes, koordiniertes Prozess- und Technologieverständnis, das prägend für die Anforderungen an IT-Mitarbeiter ist. Zudem ist mehr denn je die Kommunikationsfähigkeit gefragt, um die Strategie und Umsetzung digitaler Lösungsszenarien auf einer konsistenten Grundlage zu vermitteln. Die Qualifikationsportfolios von IT-Mitarbeitern müssen in diesem Zusammenhang nicht nur definiert, sondern nachhaltig bewirtschaftet und weiterentwickelt werden, denn bei der bestehenden Änderungsdynamik in der IT ist das Wissen von Mitarbeitern nach wenigen Jahren veraltet.

Klassische Qualifikationsmerkmale

Für die Auswahl der richtigen IT-Mitarbeiter spielen klassische Qualifikationsmerkmale eine entscheidende Rolle. Diese sind einerseits in dem Attribut Grundschnelligkeit (Auffassungsgabe, Abstraktionsvermögen, mentale Stärke), weiterhin im Bereich Umfeldorientierung (Aufgabenverständnis, Alltagskompetenz, Sprachfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit) und schließlich im fachlichen Können (Ausbildung, Expertise, Erfahrung, Begabung, Interessen) zu identifizieren. Maßgebliche Hebel für die Motivation der Mitarbeiter sind dabei das Einkommen (Gehalt, Incentives, Privilegien), die Würdigung von Interessen (Arbeitsgebiet, Kompetenzen, soziales Umfeld, Wertschätzung, Vertrauen) sowie die beruflichen Perspektiven (Karriere, Sicherheit).

Strukturelle Vorgaben

In der Regel gliedern sich die Verantwortungsbereiche innerhalb der IT zum einen in die Betreuung der Anwendungssysteme. Neben der Verfügbarkeit und der Informationssicherheit ist in diesem Bereich auch ein hohes Maß an System- und Datenpflege zu leisten. Weiterhin sind die Systeme laufend an veränderte Anforderungen und Möglichkeiten bezüglich ihrer Funktionalität anzupassen. Ein zweiter Bereich ist die Bereitstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur, die sich von Netzen und Servern über Datenbanken bis hin zu Kommunikations- und Bürosoftware erstreckt. Der dritte Bereich befasst sich mit dem IT Service und Support zur schnellen und professionellen Hilfe bei Systemstörungen und -ausfällen. Im vierten Bereich sind in der Regel neue IT-Projekte angesiedelt, welche mehr oder weniger stark durch externe Ressourcen unterstützt die Umsetzung neuer Geschäftsanforderungen treiben. Vor diesem Hintergrund lassen sich die IT-Kosten in die Bereiche Fixkosten, Supportkosten und Projektkosten untergliedern und verursachergerecht zuordnen.

Priorisierung beim IT-Ressourcenaufbau

Angesichts der Anforderungen an die IT, die sich wachsender Komplexität und immer schnellerer technischer Änderungsdynamik unter der Prämisse der Knappheit der Mittel stellen muss und dabei kundenorientierte und nachhaltige Lösungen zur Unterstützung der Geschäftsprozesse liefern soll, ist eine Priorisierung des Aufbaus von Personalressourcen zu beachten. Dabei gilt die Regel, dass Ressourcen, die einfach zu substituieren sind, nachrangig behandelt werden. So sollte der Fokus in erster Linie auf dem Aufbau des Demand-Managements liegen, welches in der Lage ist, die Geschäftsanforderungen zu interpretieren, in entscheidungsfähigen Projektvorlagen zu formulieren, mögliche Dienstleister zu identifizieren und im Projektfall zu überwachen. Bei einem weiteren Aufbau des IT-Teams wären dann Ressourcen für das Projektmanagement zu schaffen, danach Kräfte für die Organisationsprogrammierung und schließlich Experten und Spezialisten für geführte Systeme und spezielle Applikationen.

Mitarbeiter selbst ausbilden

Es hat sich bewährt, dass Unternehmen ihre IT-Mitarbeiter maßgeblich selbst ausbilden und weiter entwickeln. Die externe Personalrekrutierung ist in der Regel nur der zweitbeste Weg, weil der Qualifikationszuschnitt oft sehr spezifisch, das Wissen um interne Gegebenheiten speziell und das Wissen der extern Eingekauften in der Regel schnell veraltet ist. Ist man dennoch in der Situation, auf dem Arbeitsmarkt den passenden Mitarbeiter finden zu müssen, so muss die Personalabteilung intensiv und qualifiziert darin unterstützt werden, die benötigten Qualifikationsprofile trennscharf zu formulieren.

Neue Herausforderungen durch die Digitalisierung

Mit der Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsprozesse entsteht für die IT ein Umfeld, welches durch internetbasierte ‚Cloud Services‘ gekennzeichnet ist. Verbunden durch schnelle Daten-Autobahnen kommunizieren mobile Lösungen und Apps, werden große Datenmengen bewirtschaftet und entstehen intelligente Industrielösungen, die unter dem Begriff Industrie 4.0 in Deutschland voran getrieben werden. Erfahrungen aus Industrie 4.0-Projekten zeigen, dass sich die Rolle der IT in diesem Kontext nachhaltig verändert. So sind Geschäftsprozesse zukünftig zusätzlich als digitale Geschäftsmodelle abzubilden, Services und Solutions werden zu ‚Digital Business‘.

Multikompetente Teams erforderlich

Dies erfordert in der Umsetzung interdiziplinäre Teams aus den verschiedenen Bereichen des Unternehmens wie Produktentwicklung, Automatisierung, Vertrieb, Produktion und IT. Die IT wird dabei vom Dienstleister zum Teamplayer, der seinen Beitrag für eine erfolgreiche Industrie 4.0-Strategie leistet. Auf Grund der Erfahrung des Bereiches, Prozesse in digitale Lösungen zu überführen, kommt der IT hierbei eine besondere Rolle zu, sie muss die ‚digital Leadership‘ übernehmen und entsprechende Angebote gegenüber dem Unternehmen formulieren.


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