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Updatefähig trotz Modifikationen

Zu den größten Herausforderungen bei Systemauswahl und -einführung zählt die Balance zwischen Standardsoftware und Individualprogrammierung. Zum einen kosten Anpassungen des Unternehmenssystems Zeit und Geld, zum anderen besteht die Gefahr, individuelle Anpassungen beim nächsten Releasewechsel aufwändig nachpflegen zu müssen. Der Einsatz moderner Programmierverfahren kann helfen, dieses Problem zu lösen.

Bild: Fotolia/Lincoln Rogers

Auch die ausgereifteste Standardsoftware kann nicht alle individuellen Gegebenheiten und Prozesse eines Unternehmens abdecken. Deshalb muss sie in aller Regel im Rahmen der Einführung angepasst werden. Allerdings darf sie dadurch ihre Releasefähigeit nicht verlieren: Installiert das Unternehmen eine neue Programmversion des eingesetzten Enterprise Resource Planning-Systems, sollten die individuellen Modifikationen aus der Vergangenheit selbstverständlich auch dort zur Verfügung stehen. Das lässt sich unter anderem gewährleisten, indem die Software bereits von Haus aus für bestimmte Aufgaben eine hohe Flexibilität mitbringt und individualisierbar ist.

Auf diese Weise lässt sich beispielsweise die Gestaltung von Masken der Benutzeroberfläche in flexiblen Systemen frei gestalten: Der Benutzer kann entscheiden, welche Felder er sehen möchte und welche nicht, wo sie auf dem Bildschirm platziert werden und wie sie grafisch aussehen sollen. Da es sich dabei de facto nicht um Modifikationen, sondern vielmehr um die konkrete, individuelle Ausgestaltung des Standards handelt, lassen sich diese Anpassungen beim Releasewechsel automatisch übernehmen. Sie stehen in der neuen Version so selbstverständlich zur Verfügung, wie etwa die persönlichen Einstellungen beim Update eines Internet-Browsers.

Individuelle Prozesse im neuen Release lauffähig

Ähnlich verhält es sich mit den Prozessabläufen. Die einfachste und auch eleganteste Möglichkeit bietet hierbei ein integriertes Business Process Management (BPM). Über ein solches, in der Software hinterlegtes Regelwerk, lassen sich individuelle Prozesse vergleichsweise einfach grafisch modellieren und anschließend auf Knopfdruck im System hinterlegen oder ‚deployen‘: Die Software legt die erstellten Prozesse ab und führt sie künftig selbstständig aus. Da die Abläufe damit nicht im Quellcode des ERP-Systems programmiert wurden, sondern sich flexibel einstellen lassen, können sie bei einem Releasewechsel problemlos ‚mitgezogen‘ werden. Es genügt, der neuen Version die grafischen Modelle der veränderten Prozessabläufe bekannt zu geben, und sie sind dort lauffähig.

Ebenfalls automatisch kann die Übernahme von individuellen Änderungen an der Datenbank, beispielsweise eine Ergänzung um zusätzliche Felder oder Typänderungen, erfolgen. Dafür gibt es unterschiedliche Wege. Ein zielführender Ansatz ist der ‚Drei-Wege-Vergleich‘. Ein speziell entwickeltes Tool prüft hierbei den Auslieferungszustand der installierten Version, den tatsächlichen Zustand der Installation und den Auslieferungszustand des neuen Releases, das eingespielt werden soll. So kann das Werkzeug ermitteln, wo es beim Anwender Anpassungen gab und die nötigen Schritte zur Übernahme dieser Modifikationen ausführen.

‚Extension-Points‘ unterstützen individuelle Anpassungen

Etwas schwieriger gestaltet sich die Angelegenheit, wenn Änderungen am eigentlichen Programmcode vorgenommen wurden. Um den Releasewechsel auch auf dieser Ebene vollautomatisch zu ermöglichen, hat sich in der Praxis die Ausstattung der Software mit so genannten ‚Extension-Points‘ bewährt – speziellen Stellen im Code, an denen individuelle Programme andocken können. Die Einrichtung und Verteilung dieser Punkte erfolgt nach Erfahrung: Sie stehen dort bereit, wo oftmals Modifikationen nötig sind. Ein Beispiel dafür ist die Preisfindung. Zwar ist hier der Standard bereits mit den gängigsten Verfahren ausgestattet, die sich flexibel einstellen lassen. Trotzdem haben einige Anwender sehr spezielle, eigene Preisfindungsverfahren. Deren Programmcode lässt sich am entsprechenden Extension-Point hinterlegen und kann dort aufgerufen werden. Auf diese Weise ist die Modifikation nicht mehr Bestandteil des Sourcecodes, sondern wird in Form eines Zusatzprogramms separiert hinterlegt. Dieses bleibt beim Releasewechsel der ERP-Software unangetastet, und lässt sich auch in der neuen Version am entsprechenden Extension-Point aufrufen.

Sicherer Umgang mit ‚Quellcode-Manipulationen‘

Der Einsatz des Drei-Wege-Vergleichs bietet sich auch an, um beliebige Quellcode-Stellen des Unternehmenssystems frei anzupassen. Die vorgenommenen Änderungen werden dann von den Releasewechsel-Tools identifiziert und extrahiert. Der extrahierte Code wird über automatisierte ‚Sourcecode-Manipulationen‘ oder ‚Refactorings‘ an die neuen Gegebenheiten angepasst und an den entsprechenden Positionen im neuen Release eingebunden. Das gelingt häufig automatisch, in vielen Fällen sind aber Eingriffe zum Beispiel in Form von Kontrollen oder manueller Programmierung nötig. Wie hoch die automatische Trefferquote dabei ist, hängt maßgeblich vom Alter der Programm-Version ab, die abgelöst werden soll. Hat ein Unternehmen mehrere Releasezyklen übersprungen, hat sich in der Zwischenzeit der Programmcode des Standards in aller Regel stark verändert – und entsprechend umfangreicher fallen solche manuellen Eingriffe aus. Generell gilt: Je aktueller die Anwender bei ihren Installationen sind, desto einfacher fällt der Releasewechsel aus.

Updatefähig trotz Modifikationen
Bild: Fotolia/Lincoln Rogers



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