Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Unternehmenssystem ablösen

Prinzip der sanften Systemmigration

Die Enterprise Resource Planning-Lösungen vieler Fertigungsunternehmen sind bereits länger als 15 Jahre im Einsatz und teilweise nicht mehr in der Lage, zentrale Prozesse der Wertschöpfungskette abzubilden. Dennoch schrecken viele IT-Entscheider vor einem Migrationsprojekt dieser Größenordnung zurück. Dabei lassen sich bei Beachtung einiger Regeln viele Risiken reduzieren, die mit einem Systemwechsel einhergehen.




Bild: F&M Consulting

Seit dem großen Enterprise Resource Planning-Boom (ERP) aus dem Jahr 2000 sind viele ERP-Systeme aus dieser Anschaffungszeit an die Leistungsgrenzen der Wartbarkeit und Skalierbarkeit gestoßen. In den letzten zehn bis 13 Jahren wurde zu dem einstigen Standard Manufacturing Resource Planning II (MRPII) so viel an Zusatzsoftware entwickelt und an die vorhandenen ERP-Systeme angekoppelt, dass veraltete Unternehmenslösungen vielerorts nur noch die Zusatzprodukte mit Informationen versorgen, aber als die primär führenden Systeme kaum noch essenzielle Aufgaben haben.

Da Software-Anbieter jedoch an den meist fremden Softwaremodulen ebenfalls ihren Lizenzanteil einnehmen möchten, sind viele der neuen Enterprise-Softwarelösungen nicht mehr monolithischer Bauform, sondern – im Sinne der Entwicklung zur ‚Industrie 4.0‘ – hochkomplex und vernetzt. Dennoch muss auch die Basis für diese Technologie erneuert werden. Somit hat eine ERP-Migration zur heutigen Zeit nicht mehr viel mit einem Update oder Upgrade vergangener Zeiten gemein. Die Herausforderungen haben sich gegenüber der Zeit der Ersteinführung verändert, zumal die Infrastruktur und die Systemprozesse vorhanden sind und zu einem großen Teil effizient eingesetzt werden. Somit wird ein Systemwechsel im laufenden Betrieb ein echter Kraftakt. Dabei kann bei einer Systemeinführung schon die Berücksichtigung einiger Regeln dabei helfen, den Wechsel ohne das Risiko eines Betriebsstillstandes zu meistern.

Lebenszeit alter Systeme vielerorts abgelaufen

Die meisten ERP-Systeme sind trotz Branchenstandards hoch individuell angepasst. Anbieterseitige Releasewechsel wurden in vielen Unternehmen auch aufgrund fehlender Wartungsverträge häufig nicht durchgeführt. Viele Betriebe haben deshalb in den letzten Jahren versucht, die Lebenszeit ihrer Unternehmenssoftware mit Hilfe von Server- und Desktopvirtualisierungen zu verlängern. Aber auch mit dieser Methode stoßen viele IT-Verantwortliche mittlerweile an Grenzen, da Serverbetriebssysteme, Datenbanken und Client-Betriebssysteme nach und nach abgekündigt werden. Zudem haben sich die Anforderungen oftmals verändert, so dass die damals ausgesuchte Software den heutigen Unternehmensprozessen nicht mehr gerecht wird. Der Handlungsbedarf an Softwareaktualisierung besteht bei vielen Unternehmen gerade im Mittelstand bereits seit einigen Jahren.

Spätestens, wenn alte Produkte kaum noch stabil oder wartbar betrieben werden können, wird es Zeit für einen Wechsel. Aufgrund schlechter Erfahrungen mit ERP-Einführungsprojekten ist der Respekt vor einer Migration in vielen Unternehmen entsprechend hoch. Vor einem entsprechenden Projekt muss zudem die Frage geklärt werden, wer die Projektverantwortung für eine Migration übernehmen soll – schließlich betrifft sie das gesamte Unternehmen. Viele interne EDV-Verantwortliche wollen diese Verantwortung aber nicht mehr übernehmen, auch da ein solches Projekt nur zu einem geringen Anteil mit Technik zu tun hat.



Bild: F&M Consulting

Erweiterte migrations- und projektorientierte Methodik

Um eine ERP-Einführung möglichst reibungslos und risikominimiert zu projektieren, hat die Duisburger Unternehmensberatung F&M Consulting anhand einer Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit dem ERP-Portal ‚Fertigungsmanagement 24′ durchgeführt wurde, ein Konzept zur ’sanften‘ Migration aufgesetzt. Hierbei werden klassische Themen aus der Reorganisation, im Sinne von Business Process Reengineering, berücksichtigt und mit migrations- und mit projektorientierten Methoden kombiniert. Insgesamt verfolgt das Konzept die Ziele:

  • Ansätze aus dem Reengineering umzusetzen, etwa Orientierung und Ausrichtung an den entscheidenden Geschäftsprozessen und Konzentration auf die Kernkompetenzen des Unternehmens
  • Das bestehende ERP-System auf eine neue Version anzuheben oder zu ersetzen und dabei häufig auftretende Projekt-Komplikationen zu vermeiden
  • Das Tagesgeschäft des Unternehmens so wenig wie möglich zu beeinflussen
  • Die Ressourcenbindung für die Erneuerung der ERP-Lösung zu reduzieren
  • Mit der Projektleitung einen in Migrationsprozessen geschulten Berater zu betrauen
  • Das Unternehmen zu sensibilisieren, in der ERP-Software eine Unternehmenslösung zu sehen
  • Das Projekt mit einer umfassenden Prozessanalyse und -optimierung zu begleiten, um den vielerorts gewachsenen Anforderungen an Unternehmensabläufe gerecht zu werden
  • Eine konsequente Berücksichtigung der ‚echten‘ Wertschöpfung des Unternehmens, etwa in Hinblick auf die Produktionsplanung
  • Eine Analyse zur Verringerung der im Unternehmen eingesetzten Sub-Systeme wie Microsoft Excel und die Überführung der dort ausgelagerten Aufgaben in das neue System
  • Konzeption einer bestmöglichen Hard- und Softwarelandschaft
  • Nutzung von Migrationstools, um Stamm- und Bewegungsdaten aus dem Altsystem in die neue Software zu übertragen
  • Aufbau eines praxisrelevanten Testszenarios oder Prototyps parallel zum Tagesgeschäft, um praxisnahe Testläufe mit aktuellen Geschäftsvorfällen zu gestatten. Dieser Prototyp besteht oftmals aus mehreren Komponenten, zum Beispiel ERP-Lösungen in Verbindung mit einem Manufacturing Execution-System wie Flexpo – MES
  • Optimierung der betrieblichen Anwendungen und aktive Begleitung während der Umschaltphase.


Das könnte Sie auch interessieren:

Nach 84,5 Punkten im Oktober kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex im November auf 86,3 Punkte. Die Unternehmen blicken demnach weniger pessimistisch auf die nächsten Monate.‣ weiterlesen

In Kombination mit einer Augmented-Reality-Brille bietet eine neue Software des Fraunhofer IGD digitale Unterstützung von Absortiervorgängen. Zusammengehörige Bauteile werden direkt im Sichtfeld der Beschäftigten an der Produktionslinie farblich überlagert. Anwender im Automotive-Bereich können so etwa durch beschleunigte Prozesse und eine minimierte Fehleranfälligkeit Kosten reduzieren.‣ weiterlesen

Edge Management, Digital Twin und Data Spaces bilden die Schwerpunkte einer Zusammenarbeit zwischen der Open Industry 4.0 Alliance und dem Labs Network Industrie 4.0.‣ weiterlesen

Wer im öffentlichen Sektor der USA künftig Software vermarktet, muss eine Software Bill of Materials (SBOM) über die verwendeten Komponenten mitliefern. Ist diese Executive Order 14028 der US-Regierung auch für deutsche Firmen relevant? Die IT-Sicherheitschefin von MongoDB, Lena Smart, ordnet das ein - und verweist dabei auf das IT-Sicherheitsgesetz 2.0.‣ weiterlesen

Das Angebot an cloudbasierter Infrastruktur für SAP Hana wächst rasant. Zudem haben sich durch die weitere Option auf die Software-as-a-Service-Version S/4Hana Cloud die Rahmenbedingungen für den Umstieg auf S/4Hana signifikant verändert. Doch insbesondere deutsche Unternehmen zögern laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens ISG weiterhin, auf die Cloud umzusteigen.‣ weiterlesen

Stabilo wollte seine Produktion mit einem MES-System flexibilisieren. Um beim Erstellen des Anforderungskataloges jeden Irrtum auszuschließen, arbeitete der Schreibwarenhersteller mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg zusammen. Die Praxiserfahrungen der dort Beschäftigten wurden in den Prozess eingebunden.‣ weiterlesen

Assa Abloy hat den Cliq Web-Manager seines elektronischen Schließsystems eCliq/Verso Cliq über eine Schnittstelle in die hauseigene Zutrittskontrolle Scala Net integriert. Damit lassen sich beide Systeme über eine Benutzeroberfläche verwalten. Anwendungsbeispiele zeigen, wie sich unterschiedliche Gebäudetypen mit der Lösung sichern lassen.‣ weiterlesen

Im Maschinen-, Sondermaschinen- und Anlagenbau müssen Configure Price Quote(CPQ)-Systeme neben der Angebotserstellung für Einzelsysteme auch die Projektierung und Projektkalkulation für Großmaschinen, Großanlagen und bis hin zu Fabriken unterstützen. In der Praxis erfordert das meist einen Mix aus Assemble to Order (ATO) und Engineer to Order (ETO).‣ weiterlesen

Die Initiative SEF Smart Electronic Factory hat ihren Vorsitzenden Gerd Ohl sowie den 2. Vorsitzenden Gerrit Sames sowie Kassenprüferin Heike Wilson im Amt bestätigt. Ulrike Peters und Volker Jesberger komplettieren den Vorstand.‣ weiterlesen

Das französische Team von Gaia-X Federated Services (GXFS-FR) hat einen ersten Katalog von 176 Gaia-X-konformen Cloud-Diensten erstellt. Nutzer sollen so einen Überblick über Services erhalten.‣ weiterlesen

Der MES-Spezialist Proxia wird von Shoplogix übernommen, einem IIoT-Plattform-Anbieter. Das Unternehmen, das zur FOG Software Group gehört, will mit der Übernahme das eigene Software-Portfolio ergänzen.‣ weiterlesen