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Die Ära Reaktionsfähigkeit

Unternehmen und ihre IT im Wandel

Die Ära Reaktionsfähigkeit

Viele Unternehmen erhöhen aus strategischen Gründen ihre Reaktionsfähigkeit. Damit sollen Exporthürden schneller überwunden, Innovationen vorangetrieben und Wertschöpfungsmodelle entwickelt werden. Viele Funktionen von Enterprise Resource Planning-Systemen lassen sich für diese Aufgaben hervorragend einsetzen.

Bild: © Jacob Wackerhausen / iStock / Thinkstock

Früher waren Informationen in Unternehmen begrenzt in der Menge und ‚passiv‘ – beispielsweise nur mit etwas Glück dann verfügbar, wenn man sie brauchte. Dies schränkte die Reaktionsfähigkeit ein, da Anwender in der Regel bereits erheblich Zeit und Aufwand einsetzen musste, um die Informationen zu bekommen. Mit zunehmendem IT-Systemeinsatz wurden Informationen reichhaltiger und ‚aktiver‘: Strukturierte Daten wurden analysiert, um beschleunigt Antworten auf Fragen darauf zu finden, was zu tun ist. Allerdings beschränkte die Datenflut Entscheider oftmals in ihrer Fähigkeit zu agieren. Mit aktuellen Mitteln lassen sich Informationen intuitiv darstellen und im passenden Format und Kontext zum passenden Zeitpunkt zur Verfügung stellen. Diese Evolution von Daten in Organisationen ist eine der Grundlagen für mehr Reaktionsfähigkeit – und dafür, dass die Fähigkeit zu reagieren zum treibenden Faktor für Investitionen in Enterprise Resource Planning-Systeme (ERP) geworden ist: 30 Prozent der Unternehmen in EMEA gaben bei einer kürzlich erhobenen Umfrage an, dass sie Agilität und Wachstum hierfür als entscheidend erachten.

Reagieren können

In vielen Industriebereichen ist die gestiegene Anforderung an Reaktionsfähigkeit getrieben von einem verstärkten Fokus auf Vertrieb und Serviceleistungen statt auf Investitionsprojekte und Ausrüstung. Ein Beispiel dafür ist die Anzahl der Bereiche, in denen Produkte als Leasing-Modell mit Mehrwert-Diensten ausgestattet werden, statt sie einfach nur herzustellen und zu verkaufen. Diese Serviceorientierung bedeutet mehr und regelmäßige Kontakte mit Kunden. Es bedeutet auch, dass Organisationen mit ihren veränderten Geschäftsmodellen innovativer sein müssen und es kann darauf hinauslaufen, generell in instabilen Märkten agieren zu müssen, die ständigen Veränderungen unterliegen. Jedoch ist es für viele Unternehmen eine Herausforderung, reaktionsfähiger zu werden.

Es bedeutet, aus eigener Kraft mit täglichen Veränderungen zum Vorteil des Unternehmens zurechtzukommen – ob das die Lagerhaltung ist, um auf wechselnde Kunden- und Produktanforderungen Antworten zu finden oder die Suche nach neuen Marktchancen für das bestehende Geschäftsfeld. Genauso wie im operativen Bereich müssen Unternehmen auch strategisch agil sein – nach außen mit Kunden und nach innen mit Mitarbeitern. Interne und externe Faktoren sind insbesondere in Hochleistungsindustrien wie der Fertigung einem ständigen Wandel unterworfen, weshalb Reaktionen und Anpassungen möglichst ohne Verzögerung erfolgen müssen. Was vielen Unternehmen dafür fehlt, ist die Sicht auf die dafür erforderlichen Daten. Reaktionsfähigkeit heißt also auch, auf Daten schnell, intuitiv und lückenlos zugreifen zu können.

Technologieunterstützung

Bei Entscheidungen können geeignete Technologien helfen. Vielen Firmen ist bewusst, dass die Implementierung eines ERP-Systems dafür ein kritischer Schritt ist. Hier kommt es darauf an, solch ein System nicht nur als Unternehmenssoftware zu betrachten. Ein ERP-System ist für viele Mitarbeiter heute der zentrale Datenpool für kontextbezogene Informationen auf unterschiedlichen Kanälen und Formaten. Dementsprechend sollte ein ERP-System für mehr Reaktionsfähigkeit folgende Kriterien erfüllen:

Mit Epicor Social Enterprise hat Software-Anbieter Epicor eine Kommunikationsplattform in sein Enterprise Resource Planning-System integriert. Die Funktionalität soll Mitarbeiter zum Beispiel bei der Projektkoordination unterstützen. Bild: Epicor

Über die IT hinaus denken

Reaktionsfähigkeit ist nicht nur eine Frage der IT, sondern auch der Unternehmensführung. Schließlich geht es nicht allein um die Einführung einer Vielzahl an Unternehmensanwendungen und mobilen Lösungen. Es geht um die Veränderung der Einstellung, die Transformation bei Mitarbeitern und Prozessen.

Anforderungen verstehen

Sobald die Geschäftsbereiche sich auf eine Vorgehensweise verständigt haben, muss geklärt werden, welche Art von Informationen eine Rolle spielen. So benötigen etwa Führungskräfte Zugriff auf Daten, die Einblick auf die richtigen Leistungskennzahlen in ihrem Verantwortungsbereich gestatten – ob das nun Umsatz, Gewinnspanne oder die Anzahl der termingerechten Lieferungen ist.

Mit Kernfunktionen starten

Ein Unternehmen wird nicht über Nacht reaktionsfähig. Es ist daher ratsam, sich zunächst auf eine verbesserte Reaktionsfähigkeit in Schlüsselbereichen zu konzentrieren. Ist dies gelungen, kann eine kontinuierliche Verbesserungsinitiative für weitere Geschäftsanforderungen folgen. Reaktionsfähigkeit ist eine neue Ära der Geschäftsevolution. Wollen Unternehmen weiter wettbewerbsfähig sein, haben sie keine andere Wahl als ihr ERP-System zu modernisieren und so mit der sich entwickelnden digitalen Welt Schritt zu halten. Viele Fertigungsunternehmen gehen bereits diesen Weg, indem sie auf Daten-gestütztes Wissen und Verständnis bauen, um zügig Hürden im Export zu überwinden, neue Wertschöpfungsmodelle zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben. Diese Organisationen werden es sein, die in globalen Märkten schnell Antworten auf Herausforderungen finden und daraus nicht nur heute, sondern auch in den kommenden Jahren Vorteile ziehen können.

 
Im Bild: Hermann Stehlik, Vice President Zentraleuropa bei Epicor Software

Anpassungsfähigkeit ist nicht genug

Vor langer Zeit schrieb Charles Darwin: „Es sind weder die Stärksten einer Spezies, die überleben, noch sind es die Intelligentesten. Derjenige überlebt, der sich am besten an Veränderungen anpassen kann“. Das Zitat ‚anpassen oder sterben‘ lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. Auch sie müssen sich mit der Zeit weiterentwickeln, um Erfolg zu haben. Ist allerdings Anpassungsfähigkeit noch genug? Wir alle leben und arbeiten in einer Welt mit immer kürzeren Zeitzyklen für alles, was wir tun – hier hängt Erfolg und das Überleben mehr von unserer Fähigkeit ab, zu reagieren, als sich einfach nur anzupassen. Es besteht ein Unterschied zwischen Reaktions- und Anpassungsfähigkeit. Letzteres bedeutet Veränderung, aber das beschreibt nicht die Geschwindigkeit oder Agilität, mit der sie vollzogen werden muss. Bei Reaktionsfähigkeit geht es darum, dafür in der Lage und schnell zu sein – also sich beschleunigt und flexibler anzupassen.

Das kann bedeuten, Wettbewerber zu überholen, auf interne oder externe Marktveränderungen zu reagieren, höhere Servicelevels zu entwickeln oder stärker auf Innovationen zu setzen. Die Wahrheit ist, dass in Zukunft führende Unternehmen oder Hersteller beides können müssen: sich anpassen und reaktionsfähig sein. Dies zu schaffen ist nicht einfach, wenn eine durchaus erschreckend hohe Anzahl von Anwendern in Umfragen angeben, mit dem bestehenden Enterprise Resource Planning-System (ERP) nicht zufrieden zu sein, aber gleichzeitig solche Lösungen als entscheidend für das Wissen um den Betrieb halten. Wer auf erforderliche Informationen keinen Zugriff hat, kann auch keine fundierten Entscheidungen treffen oder auf die sich verändernde Geschäftsumgebung reagieren. Der Lösungsansatz ist, rohe Fakten in Wissen und Informationen umzuwandeln, die Entscheidungen in Echtzeit unterstützen – auf jeder Hierarchieebene. Bei Bedarf auch entlang erweiterter Wertschöpfungsketten und über alle Abteilungen hinweg. Nur dadurch wird ein Unternehmen wirklich reaktionsfähig.