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Auf dem Grat zwischen Umwelt und Kosten

Umweltmanagementsystem

Auf dem Grat zwischen Umwelt und Kosten

Das Umweltmanagementsystem der MTU Maintenance Hannover ist seit mehr als zwölf Jahren gemäß ISO14001 zertifiziert. Nach der Revision der Norm im September 2015 gehörte der Triebwerksinstandhalter zu den ersten Unternehmen, die sich von TÜV Rheinland nach den neuen Anforderungen auditieren ließen. Es zeigte sich, dass ökologisches und ökonomisches Denken keine Gegensätze sein müssen.

Umweltmanagementsystem der MTU: Zu sehen sind drei Triebwerke die instandgehalten werden [1]

Bild: TÜV Rheinland AG

Vom Business Jet bis zum Airbus A380: Wenn mittlere und große Triebwerke der zivilen Luftfahrt repariert oder instand gehalten werden müssen, zählt die MTU Maintenance Hannover GmbH in Langenhagen zu den ersten Adressen. Sie beschäftigt über 1.900 Mitarbeiter in Niedersachsen und ist das Herzstück des MTU-Maintenance-Netzwerks mit weiteren Standorten in Brandenburg, China, Malaysia, Kanada und den USA. Alle Gesellschaften gehören zum deutschen Triebwerkshersteller MTU Aero Engines AG in München, die mit rund 9.000 Mitarbeitern im Jahr 2015 einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftete. Die MTU Aero Engines wurde vor über 80 Jahren in München gegründet, das hundertprozentige Tochterunternehmen in Hannover gibt es seit 1979. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind fest im Leitbild und den jährlichen Unternehmenszielen der MTU-Gruppe verankert. Die MTU Maintenance Hannover erfüllt alle internationalen Umweltstandards, ist von TÜV Rheinland nach ISO14001 zertifiziert und gemäß der EU-Öko-Audit-Verordnung EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) validiert.

In der regelmäßig erscheinenden Umwelterklärung informiert das Unternehmen über seine Umweltpolitik, nennt Daten zur Umweltleistung und beleuchtet die ökologischen Auswirkungen seines Handelns. Zudem unterstützt der Standort Langenhagen die Münchener Muttergesellschaft bei der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts nach dem internationalen Global Reporting Initiative-Standard (GRI G4) und den Prinzipien des UN Global Compact. Die Motivation der MTU für eine Zertifizierung besteht darin, das Unternehmen kontinuierlich zu verbessern. Dass die Umwelt profitiert, ist ein wichtiger Grund. Aber nicht der einzige: Ökologie und Ökonomie müssen Hand in Hand gehen. Die MTU ist sich der Verantwortung für die kommenden Generationen bewusst, für Mitarbeiter, deren Familien und den Standort Langenhagen. Letztlich ist die MTU aber auch ein Industrieunternehmen, das erfolgreich wirtschaften muss. Zertifizierungen sind dabei eine wichtige Hilfe.

Zum Beispiel als Motivationshilfe, den Energie- und Wasserverbrauch laufend zu senken: Im Zuge der Umweltmanagementsystem-Einführung installierte die MTU Maintenance Hannover flächendeckend Messstationen und Sensoren, die fast jede Verbrauchsstelle überwachen. Auf diese Weise lassen sich heute etwa 85 Prozent des genutzten Stroms genau zuordnen. So kann unter anderem verlässlich kalkuliert werden, ob und wann sich der Austausch einer Anlage im Betrieb durch ein weniger verbrauchsintensives Modell amortisiert. Davon profitieren sowohl das Unternehmen als auch die Umwelt. Auch Störungen oder Wasserlecks, die den Verbrauch erhöhen oder Folgeschäden verursachen könnten, offenbaren sich fast in Echtzeit und lassen sich lokalisieren und ausschalten. Die Zertifizierungen helfen also, das eigene Unternehmen besser kennenzulernen und offen zu sein für Chancen und Einsparmöglichkeiten, die das Unternehmen früher vielleicht nicht im Fokus hatte.

Viele Anforderungen erfüllt

Im Februar 2016 ließ sich die MTU Maintenance Hannover als eines der ersten Unternehmen von TÜV Rheinland gemäß der Revision von ISO14001 zertifizieren. Diese erschien im September 2015. Seitdem läuft die dreijährige Übergangsfrist, in der auch die ältere Version noch akzeptiert wird. Ab September 2018 gilt dann nur noch ISO14001:2015. Wie in allen neuen Managementsystem-Normen – beispielsweise ISO9001:2015 – folgt der Aufbau der sogenannten ‚High Level Structure‘ (HLS). Diese soll alle Normen hinsichtlich ihrer Gliederung und der verwendeten Begriffe und Textbausteine vereinheitlichen. 80 Prozent der Veränderungen aus der Revision hatte die MTU bereits im Rahmen der EMAS-Validierung umgesetzt. Dazu gehört die Vorgabe, bei der Festlegung der Umweltziele geeignete Leistungskennzahlen (Key Performance Indicators) zu verwenden, um damit die Umweltleistung besser messen zu können. Oder das neue Kapitel ‚Kontext der Organisation‘, das sich mit den ‚interessierten Parteien‘ des Unternehmens befasst.

Ziel ist es, die Erfordernisse und Erwartungen etwa der Kunden, Lieferanten, Gemeinden, Aufsichtsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Investoren und Mitarbeiter besser zu verstehen und zu bewerten, ob konkrete Anforderungen daraus entstehen. Als größte Herausforderung der revidierten Norm erwies sich die neu aufgenommene Lebenszyklusbetrachtung. Dabei muss das Unternehmen die Umweltauswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung von der Entstehung bis zum Nutzungsende beziehungsweise zur Entsorgung betrachten – also auch Prozesse, die der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit vor- oder nachgelagert sind. Für die MTU Maintenance Hannover bedeutete das, insbesondere ihre Lieferanten und deren umweltbezogene Aktivitäten genauer unter die Lupe zu nehmen. Es soll ein Bewusstsein dafür entstehen, dass umweltbezogenes Engagement für die MTU ein zusätzliches gleichwertiges Entscheidungsmerkmal in künftigen Geschäftsverhandlungen darstellt. Erfolgreiches Umweltmanagement gründet sich bei der MTU Maintenance nicht zuletzt auf dem klaren Bekenntnis der Geschäftsführung und der schlanken Organisation des Unternehmens. Dadurch gibt es nur geringe Widerstände und alle Führungskräfte lassen sich integrieren.

Darüber hinaus gibt es bei dem Instandhalter ein Team, das Umweltthemen kontinuierlich bearbeitet. Da sich die Firma seit vielen Jahren von TÜV Rheinland zertifizieren lässt, kennen die Prüfer das Unternehmen und können schon nach einer Stunde sagen, welche Prozesse sich verbessert haben und welche nicht. Gelegentlich kommt es vor, dass Unternehmen und Prüfer im Zertifizierungsprozess unterschiedliche Ansichten vertreten. Beim Audit für ISO14001:2015 ging die MTU beispielsweise davon aus, dass für die geforderte Risikobewertung die Betrachtung von Gefahren ausreicht, da sich Chancen gegenteilig implizieren. Der Prüfer machte jedoch deutlich, dass auch die Chancen konkret zu beleuchten sind. Daraufhin musste der Instandhalter die Bewertung überarbeiten. Das Nachbessern hat sich gelohnt, schließlich wurde die Zertifizierung gemäß ISO14001:2015 dann erteilt.

Das Umweltmanagementsystem der MTU zielt auch darauf ab, ein Bewusstsein dafür zu fördern, dass umweltbezogenes Engagement für die MTU ein zusätzliches, gleichwertiges Entscheidungsmerkmal in künftigen Geschäftsverhandlungen darstellt. [2]

Bild: TÜV Rheinland AG