Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Traceability erfolgreich umsetzen

Die Bedeutung der zuverlässigen Rückverfolgbarkeit von Produkten und Produktionsschritten für Industriebetriebe steigt mit den Qualitätsansprüchen der Abnehmer. Der Zentralverband der Elektroindustrie unterstützt Unternehmen mit einem Leitfaden zur Rückverfolgbarkeit, der auch eine XML-Schnittstelle zwischen Automatisierungsebene und Traceability-Systemen beschreibt.

Bild: Fotolia – creative studio

Bereits im Jahr 2008 hat der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) eine Traceability-Initiative mit dem Ziel gestartet, einen gemeinsamen Leitfaden ‚Identifikation und Traceability‘ in der Elektro- und Elektronikindustrie zu erstellen. An der Initiative des Fachverbands Electronic Components and Systems waren mehr als 130 Vertreter aus über 80 Unternehmen beteiligt – die Branchen reichten von der Automobilindustrie, Medizintechnik und ‚Weißer Ware‘ über Baugruppenproduzenten, Hersteller von Halbleitern, passiven Bauelementen, elektromechanischen Bauelementen und Leiterplatten bis hin zu Distributoren, Versicherungen und Softwareherstellern.

Der Verband beschreibt in seinem Leitfaden den Themenkomplex der Identifikation und Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette und zeigt Strategien für interne und externe Traceability auf. Durch eine Traceability-Betrachtung aus technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht soll der Anwender bei der Planung und Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen unterstützt werden. Kernpunkte sind Definitionen, Nutzen und Aufwandsbetrachtungen, Daten für die Rückverfolgbarkeit, Technologien von Schnittstellen und Beispiele aus der Praxis.

Insbesondere die enthaltene Kennzeichnungsmatrix zur Datenweitergabe sowie eine vorgeschlagene Standardschnittstelle für die Maschinenanbindung könnten die praktische Umsetzung von Traceability-Konzepten in Zukunft erheblich vereinfachen. Durch die Sammlung von immer mehr und immer genaueren Daten werden in Zukunft auch immer präzisere Eingriffe in Produktionsprozesse möglich. Der Leitfaden legt unter Berücksichtigung dieser und weiterer inhaltlicher Ansatzpunkten eine Grundlage dafür, das Bewusstsein in der Branche für die Möglichkeiten der Traceability zu erhöhen.

Traceability Schritt für Schritt in die Praxis umsetzen



Peter Erhard

Für Unternehmen bietet es sich bei der Umsetzung entsprechender Initiativen an, Rückverfolgbarkeit Schritt für Schritt zu verwirklichen. Der Einstieg sollte mit den etwas weniger komplexen Maßnahmen erfolgen, beispielsweise der Erfassung von Materialdaten als Voraussetzung für die Produkt-Rückverfolgbarkeit. Erst in der zweiten Phase widmen sich die meisten Unternehmen der Prozess-Traceability und gehen dabei von Test- und Prüfdaten zu weiteren Maschinenparametern über. Der letzte wichtige Baustein ist dann schließlich die automatisierte Prozessverriegelung auf Basis aktueller Traceability-Daten. Ein frühzeitiger Einstieg in das Thema lohnt sich auf jeden Fall, denn Elektronikunternehmen, die bei der Rückverfolgbarkeit eine konsequente Strategie verfolgen, können in Zukunft gleich dreifach profitieren:

  • Qualitätssteigerung in der Fertigung
  • Reduktion von Produktionsfehlern
  • Transparenz in der Lieferkette.

Das Thema Traceability hat für die Elektronikbranche in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Viele Kunden erwarten heute von ihren Lieferanten, dass sie über Systeme verfügen, die eine eindeutige Identifikation und Rückverfolgung jedes beliebigen elektronischen Bauteils ermöglichen. So lassen sich im Mängelfall die möglichen Fehlerquellen schneller eingrenzen und ganz gezielte Rückrufaktionen auslösen. Auch die Hersteller können von durchgängiger Rückverfolgbarkeit profitieren: Überblick zum Fertigungsgeschehen ist der Schlüssel zu nachhaltigem Kostenmanagement und Prozessoptimierung im Unternehmen. Zusammen mit dem Leitfaden wurde eine neue Kennzeichnungsmatrix zur Datenweitergabe entwickelt. Ziel dieses Labels ist es, die Materialkennzeichnungen der unterschiedlichen Hersteller zu standardisieren und so die Erfassung von Produkt- und Logistikdaten im Wareneingang zu vereinfachen. Außerdem hat die Traceability-Initiative eine Empfehlung zur Anbindung von Equipment über eine einheitliche Kommunikationsschnittstelle erarbeitet. Dafür stehen Konfigurationsdateien im XML-Format zur Verfügung, die mit vorhandenen Softwaresystemen verknüpft werden können und so den Integrationsaufwand erheblich reduzieren.

Prozessoptimierung vom Wareneingang bis zum Warenausgang

Bevor Unternehmen mit der Implementierung geeigneter Technologien beginnen, sollten sie sich mit den Grundlagen und unterschiedlichen Ausprägungen von Rückverfolgbarkeit vertraut machen. Unter Traceability wird allgemein die Identifizierung und Rückverfolgbarkeit von gefertigten Produkten verstanden. Mit Hilfe einer eindeutigen Kennzeichnung lässt sich der Ursprung eines Endproduktes über die gesamte Lieferkette bis hin zum einzelnen Bauteil zurückverfolgen. Eine saubere Prozesskette ermöglicht dabei sowohl die Rückverfolgung als ‚Forward Tracking‘ vom Endprodukt zur Fehlerursache, als auch Traceability vom Fehler zum Endprodukt im Sinne eines ‚Backward Tracking‘. Wenn es um die konkrete Umsetzung von Lösungen zur Rückverfolgbarkeit geht, wird meist zwischen Produkt- und Prozess-Traceability unterschieden. Mit dem Einsatz skalierbarer und modularer Manufacturing-Execution-Systeme (MES) lassen sich diese Anforderungen IT-seitig unterstützen. Der Fokus liegt hierbei neben Produkt- und Prozess-Traceability auf Material- und Rüstmanagement sowie der Integration von Handarbeitsplätzen. Dieser Ansatz eignet sich nicht nur für die Elektronikfertigung: MES-Einsatz kann sich für Automobilindustrie oder Halbleiterfertigung gleichermaßen lohnen, um effiziente Prozessabläufe und ein bestmögliches Kosten/Nutzen-Verhältnis zu unterstützen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wird weniger Energie verbraucht, sinken Betriebskosten ohne Produktivitätsverlust. Gerade im Verteilzentrum könnte viel Sparpotenzial brach liegen. Denn dort haben technische Fortschritte die Leistung, aber auch den Energiebedarf, in die Höhe getrieben. Daher sind zuletzt viele Materialflusshersteller an ihre Reißbretter zurückgekehrt, um energiesparende Varianten ihrer Fahrzeuge, Kräne und Managementsysteme herzustellen.‣ weiterlesen

Hat das ERP-System einmal den Anschluss verpasst, muss nicht immer gleich etwas Neues her. Sasse Elektronik gelang mit seinem IT-Partner Cosmo Consult das Re-Engineering der Business-Anwendung. Der Lohn bestand in deutlich kürzeren Prozessen bei erheblich weniger Papier im Büro.‣ weiterlesen

ERP-Lösungen spielen eine zentrale Rolle in den Unternehmen und das tun sie gut. So die Erfahrungen von 2.089 Anwenderunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, die im Zuge der aktuellen Studie ‘ERP in der Praxis‘ durch die Analysten der Trovarit mittlerweile zum 10. Mal befragt wurden. Die Studie weist Zufriedenheitsbewertungen von mehr als 40 ERP-Lösungen aus.‣ weiterlesen

Insbesondere Unternehmen der Fahrzeugbau- und Elektroindustrie besitzen großes Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs in ihrer Produktion. Daher haben die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) und Limtronik als Mitglieder des SEF Smart Electronic Factory e.V. einen Use-Case entwickelt, in dem Wartungsintervalle eines energieintensiven Reflow-Ofen sensorgestützt optimiert werden.‣ weiterlesen

Edge Computing ist für die industrielle IT grundsätzlich nichts Neues. Seit Jahrzehnten werden Geräte und Monitore in der Produktion weit entfernt von zentralen Rechenzentren betrieben. Das aktuelle Revival des Begriffes ist auch technologischen Innovationen geschuldet, die Latenzen auf wenige Millisekunden senken.‣ weiterlesen

Auch durch Bewegungen wie Fridays for Future und extreme Wetterphänomene befassen sich Unternehmen intensiver mit dem ökologischen Wandel. Doch während Energieeffizienzprojekte bereits häufig betrieben werden, stehen die Möglichkeiten zum Materialsparen eher selten im Fokus. Dieser Artikel liefert Impulse entlang der Wertschöpfungskette, Ressourcen erst gar nicht zu verbrauchen.‣ weiterlesen

Die Gründungsmitglieder der Gaia-X-Initiative haben die Gründungsurkunden zur Gaia-X AISBL unterzeichnet. Interessierte Unternehmen und Initiativen sind aufgerufen, sich an der gemeinnützigen Vereinigung zu beteiligen.‣ weiterlesen

Mit Microsoft Dynamics 365 Online und einer CRM-Branchenlösung von Orbis hat Triflex den Grundstein zur Harmonisierung der IT-Landschaft und für durchgängige Datenflüsse und Prozesse im Vertrieb und im Marketing gelegt. Datenverwaltung in der Cloud schafft jetzt die Transparenz für effizienteren Vertrieb und zum Heben neuen Absatzpotenzials.‣ weiterlesen

Der TÜV-Verband fordert in einem Positionspapier KI-gestützte Anwendungen und Systeme — etwa automatisierte Fahrzeuge oder Roboter — in Abhängigkeit vom Risiko zu regulieren.‣ weiterlesen

Wenn Unternehmen Digitalisierungsprojekte angehen, tun sie dies oft mit einem externen Partner. Die Frage ist nur mit Welchem? IFS hat in einer Studie ermittelt, welche Faktoren bei der Auswahl eine Rolle spielen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige