Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Termintreue und Lieferperformance

Feinplanung im Maschinenbau

Die Firma Watt Drive bietet weltweit Lösungen aus dem Bereich Antriebstechnik an. Als spezialisierter Nischenanbeiter muss der Betrieb schnell auf Kundenanforderungen reagieren und sich gleichzeitig durch hohe Termintreue im Markt beweisen. Zur Unterstützung seiner komplexen, manuellen Fertigungsprozesse setzt der Maschinenbauer ein browserbasiertes Feinplanungssystem ein.

Bild: IndustrieInformatik / Watt Drive

Das österreichische Technologie- unternehmen Watt Drive – mit Sitz in Markt Piesting südlich von Wien – entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Getriebemotoren, Drehstrommotoren und Frequenzumrichter. Davon gehen 70 Prozent in den Export; zudem ist Watt Drive in allen wichtigen Industriestaaten mit Niederlassungen und Partnern vertreten. Um sich gegen den Markt dominierende Mitbewerber durchzusetzen, setzt Watt Drive auf eine Nischenstrategie und bietet mit seinem Motor- und Getriebebaukasten ein modular kombinierbares Spektrum kompletter Antriebssysteme für Produktionsmaschinen und industrielle Fertigungsanlagen an. Dieser Ansatz bietet hohe Flexibilität für kurzfristig realisierbare, anwendungsspezifische Antriebslösungen. Dazu werden die Motoren beispielsweise so konzipiert, dass sie weltweit angeschlossen werden können.

Nischenanbieter mit zahlreichen Fertigungsarten

Watt Drive muss als Nischenanbieter sehr viele verschiedene Fertigungsarten wie Montage, Serienfertigung und mechanische Fertigung in der Planung abbilden. Es werden ca. 1.300 Aufträge pro Monat auf 40 Maschinen und 20 Montagearbeitsplätzen abgewickelt. Pro Arbeitsplatz sind bis zu 200 Artikel möglich und je Auftrag sind ein bis zehn Arbeitsgänge mit einer Durchlaufzeit von zwei bis zehn Wochen einzuplanen. Je nach Einsatzgebiet sind ganz unterschiedliche Anforderungen abzudecken: Damit ein Antrieb beispielsweise so leise arbeitet, dass sich eine Bühne im chinesischen Grand Theater von Hangzhou geräuschlos dreht, sind eigene Arbeitsschritte für speziell gefertigte Verzahnungen und geräuschoptimierte Gehäuseteile notwendig. Für Antriebe in der Stahlindustrie, bei Druckereien oder in der Umwelttechnik wiederum andere. Maximale Flexibilität in der Fertigung ist somit von zentraler Bedeutung. Dabei steht das Unternehmen vor der Herausforderung, einerseits Flexibilität und Liefertreue gegenüber seinen Kunden weiter zu erhöhen und gleichzeitig den kostenbewussten Einsatz von Ressourcen nicht zu vernachlässigen.

Im vergangenen Jahr konnte Watt Drive so Umsatzsteigerungen von rund 30 Prozent erwirtschaften. Um diesen Spagat auch langfristig meistern zu können, hat Standortleiter Dipl.-Ing. Michael Kiel die Prozesse des Unternehmens unter die Lupe genommen. Als wichtiger Schritt zur Erreichung der Unternehmensziele ‚Steigerung der Termintreue und Reduktion der Durchlaufzeiten‘ wurde im Jahr 2010 die Entscheidung für die Einführung von Feinplanung und Maschinendatenerfassung der Cronetwork-Suite des Manufacturing Execution System-Anbieters Industrie Informatik getroffen. Als Bindeglied zwischen dem Enterprise Resource Planning-System (ERP) und der Produktion bettet sich das MES in die IT-Infrastruktur des Fertigungsbetriebes ein.

Monatgeprozess in der Werkhalle:?Die Abbildung komplexer Abläufe im Planungscockpit bietet dem Unternehmen bessere Kontrolle über seine Fertigunsprozesse.
Bild: IndustrieInformatik / Watt Drive

Feinplanungscockpit statt Plantafel

Als erstes Projekt wurde die Feinplanung in den Bereichen mechanische Fertigung und Montage als Ersatz für die manuelle Plantafel zur Optimierung der Fertigungsprozesse umgesetzt. Denn in den komplexen Abläufen der mechanischen Fertigung war auch das Optimierungspotential am größten, da eine herkömmliche Plantafel bei diesen Anforderungen schnell an ihre Grenzen stößt. „Insbesondere wenn der Zeithorizont über zwei bis drei Wochen hinausgeht, ist der Unterschied zwischen einer manuellen Plantafel und der Feinplanung, die wir jetzt mit Cronetwork im Einsatz haben, wie der Vergleich zwischen einem Blindflug und einem Hochleistungscockpit“, schildert Kiel die Vorteile des neuen Systems. „Mit der Feinplanung werden die Folgen einer notwendigen Umplanung über einen beliebigen Zeitraum transparent dargestellt, wir können Simulationen durchführen, neue Prioritäten setzen und in Echtzeit wieder an das Produktionsplanungssystem übergeben.“

Für den Standortleiter bietet die Feinplanungslösung ein übersichtliches Interface für die laufende Kontrolle. Er sieht beispielsweise auf einen Blick, wenn Ungereimtheiten bei den Basisdaten oder Kapazitätsengpässe auftreten und kann so rechtzeitig reagieren. Neben der Feinplanung sind sämtliche Applikationsmodule des Systemanbieters webfähig. Dadurch benötigen die Anwendungen zum Einen beim Aufruf über gängige Browser-Software nur minimale Rechnenleistung auf Bedienerseite, zum anderen lassen sich die Daten bei Bedarf auch standortübergreifend etwa per Smartphone abrufen. Dank ergonomischem Oberflächendesign und einfacher Bedienung fällt zudem der Schulungsaufwand vergleichsweise niedrig aus. Erst durch diese Systemeigenschaften war es für Watt Drive möglich, die Software-Einführung in einer Phase sehr hoher Umsatzzuwächse erfolgreich umzusetzen.

Termintreue um 15 Prozent gesteigert

In den vergangenen Monaten wurde die Termintreue in der Fertigung bereits um rund 15 Prozent verbessert. Standortleiter Kiel hat sich zum Ziel gesetzt, auch bei Sonderanfertigungen ähnlich gute Werte wie bei Standardlösungen zu erreichen – die Termintreue liegt dort inzwischen bei über 90 Prozent. „Watt Drive muss hochflexibel sein, um dauerhaft erfolgreich zu bleiben. Neben unseren Spezialprodukten müssen wir dem Kunden mehr bieten als andere Anbieter. Durch unsere geringe Größe mit weltweit 220 Mitarbeitern können wir rascher und flexibler reagieren als andere. Um unsere ‚PS‘ voll auf die Straße zu bringen, benötigen wir aber die dementsprechenden Tools und haben uns für die Industrie Informatik als MES-Partner entschieden“, konstatiert Kiel.

Maschinendatenerfassung in Vorbereitung

Als nächster Schritt ist die Einführung der Maschinendatenerfassung geplant: Über ein Kennzahlen-Cockpit erhalten dann sowohl das Management als auch jeder verantwortliche Mitarbeiter einen grafischen Überblick über aktuelle Kennzahlen (Key Performace Indicators, KPI) aus der Produktion. Dazu gestattet das System, auf Produktionsebene Schlüsselgrößen zu messen und Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten. Über eine Kennzahlenanalyse kann zeitnah auf Abweichungen reagiert werden. Mit dem zugehörigen ‚Dashboard‘ werden eine Vielzahl von mitgelieferten und maßgeschneiderten Auswertungen dargestellt. Damit verbessert sich für Watt Drive die Informationsqualität weiter, um im internationalen Wettbewerb flexibel agieren zu können. Michael Kiel zieht auch über die Zusammenarbeit mit dem Systemanbieter positive Bilanz: „Das Team der Industrie Informatik hat die Lösung in einer sehr partnerschaftlichen Herangehensweise implementiert und dabei viel Praxis-Know-how bewiesen.“


Das könnte Sie auch interessieren:

Ein Produkt online konfigurieren und sofort bestellen: Was für Verbraucher alltäglich ist, gewinnt auch im B2B-Bereich an Bedeutung. Mit dem Configure-Price-Quote-Ansatz und entsprechender Software kann diese Variantenvielfalt angeboten werden, ohne den Vertrieb zu überlasten oder die Customer Journey aus dem Blick zu verlieren.‣ weiterlesen

Kürzere Durchlaufzeiten, Abläufe und Sequenzen simulieren und frühe Aussagen zu Konzepten und deren Verifikationen treffen zu können - das waren die Wünsche der österreichischen SEMA Maschinenbau. Die Software IndustrialPhysics von Machineering leistet genau das.‣ weiterlesen

Der VDE hat mit Prof. Dr. Armin Schnettler einen neuen Präsidenten. Er folgt auf Dr. Gunther Kegel.‣ weiterlesen

Individuelle Kundenwünsche beeinflussen zunehmend die Produktion. Mit der Verbindung von Verkaufs- und Produktionskonfiguration lässt sich die Komplexität einer variantenreichen Fertigung in den Griff bekommen.‣ weiterlesen

52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben bezüglich der digitalen Transformation erhöhen. Dies hat der Business-Software-Anbieter IFS in einer Studie ermittelt für die weltweit mehr als 3.032 Führungskräfte befragt wurden.‣ weiterlesen

Die Bekuplast-Unternehmensgruppe produziert Mehrweg-Transportverpackungen aus Kunststoff. Seit 2019 dient ein Enterprise-Content-Management-System (ECM) von ELO als Grundlage, zentrale Geschäftsprozesse zu automatisieren und mit den IT-Systemen zu verzahnen.‣ weiterlesen

Bosch Rexroth gibt einige Veränderungen in der Geschäftsführung bekannt. Unter anderem tritt Filiz Albrecht die Nachfolge von Christoph Kübel an, der zum Jahresende in den Ruhestand geht.‣ weiterlesen

Der Solution Manager von SAP stand lange im Ruf, nicht das Organisationsgenie unter den Business-Anwendungen zu sein. Doch der Hersteller hat in Version 7.2 viel am Werkzeug verbessert. Der Produzent von Lebensmittelzutaten Döhler hat daher den SolMan von SAP mit dem BPM-Tool Aeneus verknüpft, um die Gestaltung von mehr als 2000 Geschäftsprozessen zentral und nachhaltig zu strukturieren.‣ weiterlesen

In einer weltweiten Studie haben TÜV Rheinland und das Marktforschungsinstitut Ponemon untersucht, wie es um die Cybersicherheit von Industrieanlagen bestellt ist. Demnach ist die Operational Technology besonders gefährdet.‣ weiterlesen

Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.‣ weiterlesen

Unternehmenswachstum sorgte bei der Penn GmbH für ein Umdenken in der Unternehmensstrategie. Mit der Implementierung eines Manufacturing Execution Systems wollte man etwa Excel-Listen in der Produktionsplanung ablösen. Mit der MES-Lösung von Proxia gelang es sogar, die Anlagenverfügbarkeit auf fast 100 Prozent zu steigern.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige