Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Standortbestimmung in Echtzeit

Funkbasierte Ortung im Produktionsumfeld

Verteilte Wertschöpfungsketten und steigende Anforderungen an die Produktionseffizienz stellen IT-Systeme auf dem Shop Floor vor neue Herausforderungen. Speziell die Integration neuer Datenquellen wird derzeit intensiv diskutiert. Die Automobilindustrie nutzt im Rahmen des IT-gestützten Produktionsmanagement seit einiger Zeit Echtzeit-Ortungsdaten im Ultrabreitbandbereich, um Fertigungsprozesse weiter zu verbessern.

Im Produktionsumfeld können vielfältige Ortungsdaten anfallen, die von der Zuordnung einer Materialbewegung über eine Bearbeitungsstation bis zu komplexen Detailinformationen etwa zu Rüstvorgang oder Materialbearbeitung reichen. Der Rückgriff auf Echtzeitdaten verspricht dabei den Vorteil, dass der Weg von Komponenten durch den Fertigungsprozess anhand ihres tatsächlichen Aufenthaltsortes im Manufacturing-System überwacht und gesteuert werden kann. Bilder: Ubisense AG

IT-Systeme können nur dann optimal arbeiten, wenn sie jederzeit korrekte und durchgängige Informationen aus dem realen Fertigungsgeschehen erhalten. Das gilt insbesondere für die echtzeitbasierte Produktionsplanung und -steuerung in Manufacturing Execution-Systemen (MES). Dieses Funktionsspektrum unterstützt klassischerweise die Erfassung, Aufbereitung und Einbindung von Betriebs-, Maschinen-, Personal-, Prozess- und Produktdaten. Neuerdings werden in Fertigung und Montage auch Echtzeit-Ortungsdaten genutzt, um den Überblick zu laufenden Prozessen zu erhöhen und zusätzliche Optionen für eine automatisierte Steuerung zu gewinnen. Vorreiter in diesem Bereich ist die Automobilindustrie, doch auch andere Segmente der Fertigung können von der Einbindung ‚räumlicher Intelligenz‘ in vorhandene Steuerungssysteme profitieren. Die Wahl und der Nutzen des Ortungssystems hängen allerdings stark von den konkreten Aufgabenstellungen ab.

Ortung und Identifikation im Rahmen von Fertigungsprozessen

Grundsätzlich können Ortungsdaten Auskunft darüber geben, wo sich bestimmte Objekte zu einem bestimmten Zeitpunkt befinden beziehungsweise in der Rückverfolgung befunden haben. Diese Informationen können abhängig vom Ortungssystem unterschiedlich differenziert sein. Entsprechende Daten reichen von ganz einfachen punktuellen Zuordnungen, die etwa das Eintreffen eines Objekts an einer Bearbeitungsstation beschreiben, bis hin zu komplexen dynamischen Detailinformationen wie ‚Schraubwerkzeug X befindet sich im Kofferraum von Fahrzeug Y‘. Ortungsdaten können dementsprechend überall dort sinnvoll genutzt werden, wo einzelne Objekte – Waren, Rohstoffe, Halbfertigfabrikate, Endprodukte oder auch Betriebsmittel – einen definierten Prozess durchlaufen, an bestimmten Positionen bestimmte Arbeitsschritte ausgeführt und diese dokumentiert werden müssen. Die Integration von Ortungsdaten in vorhandene MES ist damit prinzipiell für die gesamt diskrete Fertigung von Interesse. Umso mehr, wenn größere Stückzahlen produziert werden, die sehr variabel und individuell sein können. Bei der Systemwahl stellt sich die Frage, ob und in welcher Form die räumliche Dimension für die Effizienz und Qualität der einzelnen Prozessschritte entscheidend ist. Handelt es sich um eine Fließfertigung mit einer Montagelinie, sind für die produktionsnahe IT auf den ersten Blick nur relativ begrenzte räumliche Informationen erforderlich, um den Prozess zu steuern: Das Produkt wird beim Einfahren in die Station identifiziert – ‚Objekt XY ist jetzt hier‘ – und mit seiner Produktionsnummer angemeldet. Die Geräte der Station holen die Verbau-Information nach der Stückliste beim MES ab und werden entsprechend eingestellt. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Endmontage, in welcher die fertig gemeldeten Daten von den Geräten der Station eingesammelt, mit Sollwerten verglichen und an die Produktionsmanagement-Software zurückgemeldet werden.

ANZEIGE

Werden an der Linie jedoch Werkzeuge einsetzt, deren Position am Produkt aus Qualitätsgründen kontrolliert werden muss, ist eine exakte dreidimensionale Ortung von Produkt und Werkzeug erforderlich. Vergleichbar komplexe Prozesse sind Fertigungsprozesse nach ‚Job-Shop‘ oder ‚Flow-Shop‘ in einem Maschinenpark, etwa die Produktion von Zahnrädern für Getriebe, die verschiedene Stationen jeweils an spezialisierten Maschinen durchlaufen. Auch hier sind entsprechend differenzierte Ortungsdaten erforderlich, denn der Prozessablauf ist je nach Produkt sehr individuell: Ein Produkt muss nicht alle Maschinen anlaufen, aber typischerweise eine Reihenfolge einhalten. Hier können durchgängige Echtzeit-Ortungsdaten sehr wirksam genutzt werden, um zuverlässige IT-gestützte Abläufe und konstante kurze Durchlaufzeiten im Sinne eines ‚One-Piece-Flow‘ zu gewährleisten, da der Durchlauf der Komponenten durch den Prozess anhand ihres tatsächlichen Aufenthaltsortes im MES automatisiert überwacht und gesteuert werden kann. Ähnliches gilt für Finishing- oder Nacharbeitsprozesse: Auch hier sind die Produkte frei beweglich und fahren in der Regel nach einem definierten Ablauf Stationen an, wobei es nötig sein kann, dass Prozessschritte wiederholt oder geändert werden. Die Herausforderung einer effektiven Steuerung des Gesamtprozesses und der Kapazitätsverwaltung der Anlage kann durch exakte Echtzeit-Ortungsdaten erheblich besser gemeistert werden als durch eine manuelle oder halbautomatisierte Erfassung – beispielweise, indem das Ortungssystem eine Änderung im Ablauf automatisch an das IT-System weitergibt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Im Projekt ‘Kitos – Künstliche Intelligenz für TSN zur Optimierung und Störungserkennung‘ arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure gemeinsam an Lösungen für ein dynamisches Netzwerkmanagement in der Industrie.‣ weiterlesen

Laut statistischem Bundesamt hat sich die Industrie im Mai von den Einbrüchen verursacht durch die Corona-Pandemie etwas erholt. Die Produktion legte zu, verfehlt das Mai-Ergebnis des Vorjahres jedoch um 19,3 Prozent.‣ weiterlesen

Zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmensleiter weltweit sind optimistisch, dass sich der europäische Markt relativ schnell vom wirtschaftlichen Abschwung durch die COVID-19-Pandemie erholen wird. Das geht aus einem Report des Beratungsunternehmens Accenture hervor, der auf einer Umfrage unter fast 500 C-Level-Führungskräften in Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum in 15 Branchen basiert.‣ weiterlesen

Wie die Kommunikation in der Arbeitswelt zukünftig aussehen kann, erforschen derzeit die Fraunhofer-Institute für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Dabei steht der digitale Zwilling im Mittelpunkt.‣ weiterlesen

Der ERP-Anbieter Proalpha hat einen neuen Chief Sales Officer. Zum 1. Juli hat Michael T. Sander die Position übernommen. Er folgt auf Andree Stachowski.‣ weiterlesen

Ein Produkt online konfigurieren und sofort bestellen: Was für Verbraucher alltäglich ist, gewinnt auch im B2B-Bereich an Bedeutung. Mit dem Configure-Price-Quote-Ansatz und entsprechender Software kann diese Variantenvielfalt angeboten werden, ohne den Vertrieb zu überlasten oder die Customer Journey aus dem Blick zu verlieren.‣ weiterlesen

Kürzere Durchlaufzeiten, Abläufe und Sequenzen simulieren und frühe Aussagen zu Konzepten und deren Verifikationen treffen zu können - das waren die Wünsche der österreichischen SEMA Maschinenbau. Die Software IndustrialPhysics von Machineering leistet genau das.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige