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Mit dem Unternehmen wachsen die IT-Ansprüche

Software-Unterstützung für die spanende Fertigung

Mit dem Unternehmen wachsen die IT-Ansprüche

Die S+G Zerspanungstechnik GmbH in Böhmenkirch konstruiert und fertigt komplexe Frästeile unter anderem für den Rennsport, wo es neben technischer Finesse um Flexibilität und Liefergeschwindigkeit geht. Die Prozesssteuerung erfolgt über eine Kombination aus Unternehmenssystem und produktionsnaher IT, die innerhalb von nur zwei Wochen eingeführt wurde.

Bild: S+G Zerspannungstechnik

Harald Seeßle und Martin Gabriel wagten 2006 mit dem Zulieferbetrieb S+G Zerspanungstechnik den Schritt in die Selbstständigkeit. Als Insider in Automobilindustrie und Maschinenbau wussten sie sehr gut, worauf sie sich einließen: „Wir wollten uns in Qualität, Preis und Flexibilität von anderen abheben“, erklärt Gabriel, zuständig für den Vertrieb. „Deswegen bewerben wir uns um schwierige Aufgaben, an denen wir unsere Leistungsfähigkeit beweisen können.“ Dazu wurde softwareseitig ein Produktionsplanungssystem (PPS) eingeführt; die Konstruktion mit einem 3D-System mit integriertem CAM-Modul ausgestattet und schließlich ein CAM-System speziell für die Fünfachs-Simultanbearbeitung angeschafft. In der neu bezogenen Fertigungshalle steht ein Hermle C42 Fünfachs-Bearbeitungszentrum (Bild rechts) mit Verfahrwegen von 800x800x550 Millimetern, einer Hochgeschwindigkeitsspindel und 85 Werkzeugen im Magazin. Nullpunktspannsysteme und Standardwerkzeuge sorgen für höchste Genauigkeit bei geringen Rüstzeiten. Zwei DMU 60 Monoblock-Fünfachs-Bearbeitungszentren, ein Dreiachs-Zentrum und eine Portalfräsmaschine von Kondia ergänzen den Maschinenpark der Halle. „Bei entsprechender Vorbereitung lassen sich durch die Fünfachs-Technologie Bearbeitungszeiten von vier Stunden auf 20 Minuten verkürzen“, schildert Seeßle. „Dies gilt auch für das Simultanfräsen von Freiformflächen.“

Steigenden organisatorischen Anforderungen begegnen

Angesichts von inzwischen 20 Mitarbeitern, Kunden wie Zeiss, AMG, Daimler und Porsche, Aufträgen für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft und einem Einstieg in die Luftfahrttechnik bei einem Airbus-Zulieferer sollten im Jahr 2012 die organisatorischen Grundlagen weiter verbessert werden: „Die wachsende Zahl der Aufträge, Materialbestellungen, Änderungen und Arbeitsschritte ließ sich mit unserem alten System nicht mehr überblicken“, schildert Gabriel. „Außerdem wurden bei der Abrechnung ganze Arbeitsschritte vergessen und Sonderkosten nicht erfasst, die durch Auftragsänderungen entstanden waren.“ Nach einem langwierigen Auswahlprozess entschieden sich die beiden Geschäftsführer Anfang 2013 nach einem Messebesuch und einer Vorführung im Haus für den Einsatz von BIOS2000. Das auf Fertigungsunternehmen zugeschnittene Resource Planning-System (ERP) wird von der Sack EDV-Systeme GmbH in Murrhardt angeboten und implementiert. „Als Einzelfertiger müssen wir Aufträge besonders schnell erfassen und oft bereits starten können, bevor alle Schritte endgültig definiert sind“, erläutert Seeßle. „Ein ERP-System muss bei uns mit wenig Pflegeaufwand schlanke, flexible Prozesse unterstützen.“ Das neue System gestattet dem Anwender dazu beispielsweise, einen Fertigungsauftrag in der Werkstatt anzulegen. Zudem bietet die Software-Oberfläche Daten, Vorgänge und Dokumente zu einem Fertigungsauftrag gesammelt an.

Software-Einführung in zwei Wochen

Ein wichtiger Entscheidungsgrund war auch die Möglichkeit, die vom Systemanbieter entwickelte Planungssoftware Promexs einsetzen zu können. Mit diesem IT-Werkzeug lassen sich Arbeitsgänge automatisch den Arbeitsplätzen zuweisen. Diese Planung lässt sich dann manuell verfeinern, bis alle wichtigen Kriterien wie Materialverfügbarkeit, Liefertermin, Rüstkosten und Maschinenauslastung bestmöglich zusammenpassen. Rückmeldungen über zwei Betriebsdatenerfassungs-Terminals (BDE) sorgen dafür, dass der aktuelle Fertigungsstand stets die Grundlage der Bildschirmdarstellung bleibt. Zwar lag die Lösung preislich im Mittelfeld der Angebote, doch Lizenzen für weitere Arbeitsplätze hätten die Preise anderer Anbieter auf ein vergleichbares Niveau gebracht. Wenige Wochen nach der Investitionsentscheidung implementierte das Softwarehaus das System. Wie die Fertigungsfirma mit der gerade erst installierten Software umging, konnte Geschäftsführer Tilmann Sack bei der drei Wochen später angesetzten Schulung erleben: An sechs Arbeitsplätzen des ERP-Systems, zwei BDE-Terminals und dem Fertigungsleitstand wurde bereits produktiv gearbeitet. Die Mitarbeiter hatten die Stammdaten von 175 Kunden eingepflegt und mit kaufmännischen Daten für das Fibu-Modul angereichert. „Während der Schulung ließen sich Missverständnisse hinsichtlich der Benutzung ausräumen und entstandene Fehler beseitigen“, sagt Sack. „Dies ist unser neuer Einführungsrekord.“

Bild: S+G Zerspannungstechnik

Die IT-Arbeitsumgebung ermöglicht neue Einblicke

Inzwischen sind rund 200 Fertigungsaufträge durch das System gelaufen. Dies führte nicht nur zu positiven Überraschungen: „Bei der Nachkalkulation haben wir Fertigungsaufträge entdeckt, die wir jahrelang zu gleichen Konditionen abwickeln – obwohl sie keinen Deckungsbeitrag liefern“, erzählt Gabriel. „Bei manchen Vorgängen hatten wir schon einen Verdacht – doch die fehlenden Rüstzeiten, zusätzlichen Arbeitsschritte oder schlicht der hohe Werkzeugverschleiß ließen sich nicht klar identifizieren. Nun wissen wir genau, an welchen Punkten wir etwas verändern müssen.“ Aus dem Fundus abgewickelter Projekte lassen sich nun neue Angebote und Kalkulationen generieren, deren Treffsicherheit immer größer wird. Die Mehrmaschinenbedienung und die Ausnutzung mannloser Schichten lassen sich als Optionen ausweisen. Eine flexible Materialplanung führt bis zum richtigen Lagerort – die tatsächlichen Preise werden in der Kalkulation berücksichtigt. In der Fertigungsfeinplanung kann der Anwender sofort erkennen, welche Auswirkungen ein neuer Auftrag auf die Lieferzeiten der übrigen haben würde – und korrigierend eingreifen. Der Überblick über freie Kapazitäten und den aktuellen Auftragsbestand sorgen dafür, dass der Verkauf offensiver und kontinuierlicher arbeiten kann: „Unsere Kunden sollen einmal erteilte Aufträge möglichst immer wieder bei uns platzieren“, sagt Seeßle. „Dazu müssen wir Liefertermine möglichst exakt planen können.“

Teamplanung mit dem Fertigungsleitstand

Dazu trägt auch der Fertigungsleitstand des neuen Softwaresystems bei: Wie an einer herkömmlichen Plantafel werden die Arbeitsplätze nach unten, die Arbeitstage nach rechts abgetragen. Planmäßig verlaufende Aufträge werden grün dargestellt – vor Terminschwierigkeiten warnt die Farbe Rot. Vor dieser Ansicht finden nun die Planungsbesprechungen statt: „Im Team finden wir immer schnell die beste Lösung, wie wir die anstehende Arbeit verteilen können“, sagt Martin Gabriel. In der Software zeigt sich dabei schnell, welche terminlichen Folgen Entscheidungen haben werden. Damit der gesamte Fertigungsprozess erfasst wird, lassen sich auch Fremdvergaben wie Härten oder Veredeln damit überwachen. Die ohnehin knapp kalkulierten Lieferzeiten werden mit diesem Werkzeug weiter verkürzt. „Unsere Kunden erhalten ein Rundum-Sorglos-Paket aus Konstruktion, Entwicklung, Preisen und Terminen“, sagt Vertriebsleiter Gabriel. „Und was wir versprechen, halten wir auch – manchmal mit schlaflosen Nächten.“

Höhere Effizienz durch softwaregestützte Prozesse

Die neue Informationsplattform bietet dem Anwender außerdem viele Nutzenvorteile im Detail: Einkäufer gewinnen Kontrolle über jede Position der Eingangsrechnungen bis hin zum einzelnen Werkzeug. Auch die Ausschusskosten können automatisch erfasst und ausgewertet werden. Jeder Mitarbeiter kann am Telefon Auskünfte zum Auftragsstand geben. Sämtliche Dokumente zu einem Vorgang sind im System vorhanden. Der Verwaltungsaufwand bleibt gering, während die organisatorische Abwicklung ein höheres Niveau erreicht.