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Seit der Krise sind wir sensibler geworden

Im Logistikzentrum der Ferdinand Bilstein GmbH & Co.KG in Ennepetal liegen mehr als 20.000 PKW- und NKW-Ersatzteile zur Auslieferung bereit, die optimale Warenverfügbarkeit stellt eine Herausforderung für das Fertigungsunternehmen dar. Welche Rolle softwaregestützte Prognosen dabei für die Materialwirtschaft spielen, erklärt Jakob Schäfer, Dipl. Wirt.-Ing. Bestandsmanagement im Geschäftsbereich Automotive.


Bild: Bilstein

IT&Production: Als Ersatzteillelieferant stehen Sie zahlreichen Herausforderungen in der Materialwirtschaft gegenüber. Welche Entwicklungen spielen dabei in jüngster Zeit eine zentrale Rolle?

Jakob Schäfer: Die Herausforderungen sind aus der Wirtschaftskrise 2008 heraus entstanden, als die Bestände im Lager stiegen. Im Durchschnitt gelangen Produkte, die wir heute bestellen, erst in drei Monaten zu uns. Durch die internationalen Beschaffungsmärkte sind die Lieferzeiten sehr lange. Wenn die Nachfrage von heute auf morgen fällt, dann kann man nicht einfach ganz schnell die Bestände reduzieren. Die Software Add One von Inform haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits für ein optimiertes Bestandsmanagement eingesetzt. Allerdings haben wir detaillierte Prognosefunktionen bis zur Krise eher kommissarisch genutzt. Erst in der Krise haben wir erkannt, dass wir eine Person benötigen, die sich ausschließlich mit Prognose und strategischen Entscheidungen auseinandersetzt. Es war letztes Jahr sehr spannend, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem die Konjunktur wieder anzieht und dann die richtige Bestellentscheidung unter Berücksichtigung der Datenanalyse zu treffen.

IT&Production: Was hat sich in Ihrer täglichen Arbeit seit der Wirtschaftskrise verändert?

Schäfer: Seit der Krise sind wir sensibler geworden und schauen noch genauer auf die Marktentwicklung. Wir beobachten genauer, bei welchen Produktlinien und Lieferanten sich Schwankungen zeigen. Das Optimierungstool hilft, Schwachstellen in den Supply Chain Prozessen aufzudecken. Die von Add One ermittelten Logistikkennzahlen wie Bestandsreichweite und Lieferbereitschaftsgrad erleichtern die Entscheidungsfindung. Aufgrund monatlicher Kennzahlen lässt sich nun eine genaue Entwicklung darstellen. Das erhöht die Argumentationsgrundlage gegenüber der Geschäftsführung oder anderen Abteilungen wie dem Vertrieb, dem Einkauf oder dem Produktmanagement.

IT&Production: Gibt es Faktoren im Kfz-Aftermarket, die Bedarfsprognosen und Disposition besonders komplex gestalten?

Schäfer: Die Komplexität steigt allgemein mit den Kundenwünschen. Wir müssen jederzeit über die nachgefragten Komponenten verfügen, in exakter Absprache mit den Lieferanten. Durch unsere mehrstufige Disposition muss jede Stufe verknüpft und präzise geplant werden. Des Weiteren muss unser Lager aufgrund der Teilevielfalt auch Teile mit sporadischem Absatz vorhalten. Aus diesen Gründen sind wir auf präzise Prognoseverfahren angewiesen.

IT&Production: Was erwarten Sie sich von einer Software für die Bestandsoptimierung?

Schäfer: Früher wurde bei Ferdinand Bilstein alles über das Enterprise Resource Planning-System abgewickelt, das natürlich nicht die gleichen Funktionalitäten bieten konnte, wie eine additive Optimierungssoftware. Die Disposition war sehr ungenau, da es keine Prognoserechnung gab. Hier können Anwendungen zur Bestandsoptimierung Saisonalitäten und Schwankungen viel besser prognostizieren.


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