Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Scada-Server im Visier

Die Verwundbarkeit von Industrienetzwerken gegen Angriffe mit 'Würmern' genannter Schadsoftware wie Stuxnet oder Duqu hat gezeigt, dass bei der Entwicklung von Sicherheitslösungen für Scada-Systeme und -Steuerungen Nachholbedarf besteht. Im Hinblick auf veraltete Netzwerktopologien sollten Unternehmen dabei auch die Gefahr, die von klassischen Angriffsmethoden ausgeht, beachten.

Bild: Stonesoft

Mit Netzwerken für die Aufgabe der ‚Supervisory Control and Data Acquisition‘ (Scada), die vorwiegend bei kritischen Infrastruktureinrichtungen wie Wasser- oder Kernkraftwerken und in großen Industrienetzen zum Einsatz kommen, lassen sich komplexe technische Prozesse steuern und überwachen. Das Problem: Bei der Entwicklung der teils über Jahrzehnte eingesetzten Systeme spielten aktuelle Netzwerksicherheitsanforderungen vielfach keine Rolle. Zahlreiche Industrienetzwerke sind mittlerweile veraltet und können aktuellen Bedrohungsszenarien kaum standhalten. Zudem wurden sie ursprünglich nicht für die Anbindung an das Internet ausgelegt.

Im Rahmen der zügig voranschreitenden Vernetzung sind heute zudem immer mehr Scada-Netzwerke an das Internet gekoppelt, ohne dafür ausreichend abgesichert zu sein. Das erleichtert Angreifern den unbefugten Zugriff auf die Systeme, was je nach Einsatzzweck schwerwiegende Folgen für die Verfügbarkeit und Sicherheit von Produktionsanlagen und schlimmstenfalls die öffentliche Ordnung und Sicherheit haben kann. Dies zeigten in den vergangenen Jahren bereits der Computerwurm Stuxnet sowie der Trojaner Duqu.

Eine weit größere Gefahr für solche Systeme geht jedoch von Sicherheitslücken und klassischen Angriffsmethoden aus. Denn aufgrund veralteter Netzwerktopologien werden in Scada-Netzwerken häufig Server eingesetzt, die nur ein- oder zweimal jährlich gepatcht werden. Dadurch benötigen Angreifer nicht einmal einen auf Scada-Systeme spezialisierten Schadecode. Eine unter Umstände schon seit längerem bekannte Sicherheitslücke des Server-Betriebssystems oder eine vergleichsweise einfache Denial of Service (DoS)-Attacke genügt, um in das Netzwerk zu gelangen.

Grundschutz durch Intrusion-Prevention-Systeme

Eine Lösung für den Schutz von Scada-Systemen würde ihre ‚Entnetzung‘ bieten. Die Abkopplung von IT-Netzwerken reduziert dabei die Angriffswege. Eine vollständige Entnetzung ist in den meisten Fällen heute aber nicht möglich. Aus diesem Grund kommen häufig Sicherheitslösungen wie Intrusion Prevention Systeme (IPS) zum Einsatz, die den gesamten Datenverkehr überprüfen. Versucht ein Schädling ins Netzwerk zu gelangen, unterbricht das IPS automatisch die Datenverbindung und die Schadsoftware kann nicht ins Netzwerk eindringen. Gleichzeitig können so gefährdete Server beim virtuellen Patch von Servern und Diensten abgesichert werden, die erst während des nächsten Wartungsfensters gepatcht werden sollen.

Für den Schutz von Scada-Netzwerken sind IPS-Systeme deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Doch absolute Sicherheit bieten sie nicht. Denn die meisten Sicherheitsmechanismen von IPS-Geräten wie beispielsweise Fingerprinting, Protokollanalyse und Signaturerkennung reichen nicht aus. Um diese Funktionen zu umgehen, haben Hacker Methoden wie die so genannten Advanced Evasion Techniques (AET) entwickelt. Mit Hilfe von AET lassen sich Cyberangriffe so verschleiern, dass ein IPS diese nicht mehr erkennt.

Im Gegensatz zu einfachen Evasion-Techniken, gegen die es mittlerweile zuverlässige Schutzmöglichkeiten gibt, kombinieren beziehungsweise variieren AET bereits bekannte Angriffsmuster in einer nahezu unbegrenzten Vielzahl an Möglichkeiten. Eine minimale Veränderung, wie zum Beispiel des Segment-Offsets, reicht bereits aus, damit ein Datenpaket keinem der im IPS-System hinterlegten Angriffsmuster mehr ähnelt. Das hat zur Folge, dass das IPS die verschleierte Attacke im Datenpaket nicht aufspüren und den Datenverkehr nicht unterbrechen kann. Der Angreifer kann sich dann im Scada-Netzwerk ungestört nach möglichen Schwachstellen oder ungepatchten Servern umsehen, ohne Alarm auszulösen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Recalo aus Laatzen ist auf Dienstleistungen im Bereich Asset- und Ladungsträger-Management spezialisiert. Vor allem beim Pooling von Mehrwegladungsträgern richtet sich der Anbieter mit einem sehr individualisierbaren Angebot an Fertigungsunternehmen.‣ weiterlesen

Lieferkettenschwierigkeiten verursachen rund 20 Prozent der Kosten von Fertigungsunternehmen, errechnen Fachleute. Robotergestützte Prozessautomatisierung kann viele der Stolpersteine aus dem Weg räumen, die zu diesen Ausgaben führen. Denn sie machen keine Fehler, halten sich an Regeln und arbeiten pausenlos - im Büro, Lieferantenmanagement und bei der Prozessoptimierung.‣ weiterlesen

Stimmen die Artikeldaten? Sind die Stammdaten genau und rechtskonform? Diese Fragen entscheiden über die Qualität fundamentaler Datenquellen. Wenn sich Fehler in die Stammdaten eingeschlichen haben, wirken sie womöglich quer durch alle Datenbanken und Prozesse hindurch. Diese und weitere Stolpersteine fasst folgende Checkliste zusammen.‣ weiterlesen

Viele neue Produkte und Geschäftsmodelle erfahren heutzutage Geburtshilfe durch Simulation. Mit digitalen Zwillingen verschmelzen Grenzen zwischen simulierten und realen Produktwelten. Entwicklung und Fertigung lassen sich so deutlich effizienter organisieren.‣ weiterlesen

Nach ersten Schätzungen geht das Ifo-Institut von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal aus. Erst im zweiten Quartal gehen die Experten wieder von einem Zuwachs aus.‣ weiterlesen

Die Forschungspartner Technische Hochschule Deggendorf und die Technische Universität München sowie den beiden Unternehmen Schindler & Schill (EasyLogix) und Systema haben das BMWi-ZIM-Projekt MobiCM erfolgreich abgeschlossen. Ziel war die Entwicklung eines Systems zur Zustandsüberwachung von Produktionsmaschinen.‣ weiterlesen

Die Engineering-Plattform DesignSpark von RS Components hat die Marke von einer Million Mitglieder geknackt. Seit seiner Einführung 2010 unterstützt die Plattform Ingenieure, Techniker und Studierende mit einer Vielzahl an technischen Tools und Ressourcen.‣ weiterlesen

Die Normungsorganisationen DIN und VDE DKE haben eine Kooperationsvereinbarung mit 'Enterprise Singapore' getroffen. Die Zusammenarbeit soll unter anderem die Bereiche Industrie 4.0 sowie künstliche Intelligenz umfassen.‣ weiterlesen

Als globale Krise ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung für die Automobilindustrie. Der Absatz neuer PKW ging weltweit um 23 Prozent, in Europa sogar um 27 Prozent zurück. VDA-Geschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel erläutert, wie sich die Branche gegen die Krise stemmt und dabei ihre Flexibilität unter Beweis stellt.‣ weiterlesen

Pandemien gehören im aktuellen Allianz-Risiko-Barometer zu den größten Bedrohungen für Unternehmen. Die damit einhergehenden Sorgen haben sogar den Klimawandel verdrängt, der in der aktuellen Erhebung den 9. Platz belegt.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige