Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Richtlinien können auch das Engineering verbessern

Standards mit anderen Augen sehen

Aktuelle Normen und Standards für die Fertigungsindustrie spiegeln weithin anerkannte Regeln der Technik wider. Dennoch steht vor ihrer Einführung in vielen Unternehmen die Diskussion, ob die bereits etablierten Unternehmensprozesse den in Normen definierten nicht vorzuziehen seien. Für eine Einführung sprechen allerdings zum einen bereits wirtschaftliche Erwägungen, etwa um bei einem Beurteilungsverfahren infolge eines Maschinenausfalls auf der sicheren Seite zu stehen. Zum anderen können – bei entsprechender Sichtweise – eingeführte Normen den Blick auf Potenzial lenken, um Prozesse im Engineering umfassend auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren.

Bild: Eplan

Normen und Standards dokumentieren weithin anerkannte Regeln der Technik. Sie beschreiben die Ergebnisse von Normungsgremien, in denen Experten und Fachleute den Stand der Technik als Handlungsempfehlungen zur Umsetzung entsprechender Aufgabenstellungen herausgearbeitet haben. In der Praxis kommt es in Fertigungsunternehmen häufig zu einer Diskussion, ob Aufgabestellungen im eigenen Maschinen- und Anlagenbau nicht auch anders als in der Norm beschrieben zu lösen seien. Dazu ist festzustellen, dass Normen im Beurteilungsfall – zum Beispiel nach einem Maschinenausfall oder einer entstandenen Gefährdung – als vorweggenommene Sachverständigengutachten gelten. Demnach wird die Konformität der Maschine und Anlage zur gesicherten Norm geprüft. Liegt diese nicht vor, muss ein Gutachter im Rahmen eines Nachweisverfahrens den Beweis der Gleichwertigkeit erbringen. Dabei bilden die anzusetzenden Normen wiederum die Mindestvoraussetzung. Daher bilden die aktuellen Normen und Standards immer häufiger auch eine Grundlage in Auftragsvergaben und Abnahmen. Das heißt, wird nicht der ausführliche Nachweis erbracht, dass ein Produkt allen entsprechenden Normen und Standards genügt, wird häufig die Beauftragung oder die finale Abnahme durch den Kunden verweigert, da auch dieser wiederum an die Einhaltung der Normen und Standards gebunden ist.

Wettbewerbsvorteile nach der Einführung von Normen erschließen

Viele Normen sind aufgrund ihres Umfangs und der teilweise komplexen Inhalte schwer zu verstehen und damit auch schwer für die eigene Aufgabenstellung zu interpretieren. Es gilt auch herauszufinden, welche Normen im eigenen Tätigkeitsbereich – etwa im Maschinen und Anlagenbau – überhaupt zu berücksichtigen sind. Etablierte Arbeitsweisen im eigenen Unternehmen lassen sich nur schwer verändern, gerade bei bereichsübergreifenden Prozessen. Wenn der eigene Blickwinkel jedoch einmal verlassen wird, können Normen die Chance bieten, eigene Workflows kritisch zu betrachten, Probleme und Nachteile zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen das Verbesserungspotenzial zu heben. Zudem bieten Normen ein standardisiertes Lösungsangebot für technische Anforderungen. Sind sie erst einmal umgesetzt, gestatten sie mit überschaubarem Aufwand den Vergleich technologischer Erzeugnisse und bilden eine Grundlage, um Aspekte der Sicherheit und Qualität einschätzen zu können. Mit der Einhaltung von Normen und Standards können Unternehmen in vielen Fällen die Qualität ihrer Produkte unterstreichen und damit ihre eigene Marktposition stärken.

Vereinfachte Engineering-Abläufe entlang von Standards

Normen bieten noch weiteres Potenzial im Umfeld des Engineering. Denn sie stellen auch eine Bibliothek von wiederverwendbaren und erprobten Lösungen und Vorgaben dar. Werden Normen auf diese Weise als Standards genutzt, können sich viele Engineering-Prozesse vereinfachen lassen, da Methoden, Vorgehen und Anwendung in Leitfäden vorgegeben werden. Ein Beispiel hierfür ist die IEC 81346. Diese Norm steht per Definition für Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichnung in industriellen Systemen, Anlagen, Ausrüstungen und Industrieprodukten. Beim ersten Blick erscheint das Papier beliebig komplex und ihre Umsetzung eher nur mit einem zusätzlichen Aufwand in der Projektierung verbunden, als einen eigenen Nutzen mitzubringen. Bereits das Beschreiben der Aspekte als normspezifische Betrachtungsweise schreckt so manchen davor ab, sich tiefer mit der Norm zu befassen:

  • Ortsaspekt (+)
    Der Ortsaspekt befasst sich mit Frage, wo sich das physikalische Objekt befindet.
  • Funktion (=)
    Der Funktionsaspekt befasst sich mit Frage, was macht das physikalische Objekt.
  • Produkt (-)
    Der Produktaspekt befasst sich mit Frage, welche Technologie eingesetzt wird.

Aus einem anderen Blickwinkel lassen sich auch hier Vorteile in der Anwendung von Normen und Standards erkennen. Davor gilt es zunächst, die eigenen Produkte nach dieser Gliederung und den genannten Aspekten zu durchdenken: Wo befinden sich die Komponenten in den Maschinen und Anlagen? Welche Funktionen werden durch welche Komponenten abgedeckt? Sind die eingesetzten Technologien, insbesondere mechatronische Komponenten, über die Gewerke hinweg durchgängig gekennzeichnet? Die ermittelten Antworten können beispielsweise als Grundlage dienen, wiederverwendbare Einheiten in den eigenen Produkten zu definieren. Sind diese Einheiten einmal erkannt, lässt sich per konsequenter Wiederverwendung der Engineering-Prozess an vielen Stellen optimieren und das Produktportfolio Schritt für Schritt standardisieren. Sind beispielsweise die Schaltpläne konsequent nach den Vorgaben der IEC 81346 strukturiert und die Bauteile entsprechend gekennzeichnet, ist der Grundstein für methodische Änderungen im Engineering bereits gelegt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes ProPlanE haben die Projektpartner den Prototypen einer Analyseplattform entwickelt, mit der sich die Fertigungsplanung auf Basis von Process-Mining-Verfahren in Echtzeit optimieren lässt.‣ weiterlesen

Maschinen- und Anlagenbauer sind Vorreiter bei der Nutzung von Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). Mehr als jedes Dritte Unternehmen (34%) nutzt die Technologien bereits – doppelt so viele wie vor einem Jahr (17%). Auch im direkten Vergleich mit anderen Branchen sticht der Wert deutlich hervor – hier nutzen erst 15% die Technologien. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research im Auftrag von Tata Consultancy Services (TCS). 

‣ weiterlesen

Schneider Electric hat seinen ersten Innovation Hub in der DACH-Region eröffnet. Ab sofort steht Kunden, Partnern, Schülern und Studenten auch im Schwarzwald ein Schneider Electric Innovation Hub offen.

‣ weiterlesen

Meistens wird künstliche Intelligenz in Bezug auf ihren Nutzen diskutiert, während mögliche Risiken allenfalls beiläufig erwähnt werden. Doch die autonomen Systemen haben das Potenzial, auf die gesamte Gesellschaft einzuwirken. Darum sollten beim Einsatz von KI stets ethische Aspekte einbezogen werden.‣ weiterlesen

Ein Cyberangriff auf das eigene Unternehmen sowie auf einen Zulieferer führte beim DAX-Konzern Beiersdorf zu einem Umdenken in Sachen IT-Sicherheit. Das Unternehmen entschied sich daraufhin, seine kritischen Zulieferer einem Security-Assessment zu unterziehen.‣ weiterlesen

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung ihre Strategie Künstliche Intelligenz beschlossen. Das Ziel: Die weitere Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz ganzheitlich politisch zu gestalten. Nun zog man seitens der Regierung eine Zwischenbilanz.

‣ weiterlesen

Als ein Unternehmen bei einem Digitalprojekt auf eine Maschine stieß, die sich zwar technisch, aber nicht wirtschaftlich sinnvoll in das Zielsystem integrieren ließ, installierte es kurzerhand Kamera und Minirechner. Diese Lösung fotografiert nach Bedarf das HMI und verarbeitet das Bild zu den benötigten Systeminformationen.‣ weiterlesen

In die Entwicklung von KI-Anwendungen fließen weltweit Multi-Milliarden-Dollar-Beträge. Ganz vorne dabei: Die großen Plattform-Betreiber aus den USA und China. In weiten Bereichen außen vor sind die Europäer. Im folgenden Beitrag geht es um Technologien, Trends und Player, welche die globale Wirtschaft in den kommenden Jahren nachhaltig prägen werden.‣ weiterlesen

Produzierende Unternehmen stellt die Digitalisierung vor einen grundlegenden Wandel. Kennzeichen hierfür ist die systematische Integration von Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Automatisierungstechnik in industriellen Wertschöpfungsstrukturen.‣ weiterlesen

Der ERP-Anbieter Proalpha übernimmt Tisoware, ein Anbieter für Zeitwirtschaftssoftware. Gemeinsam wollen beide Unternehmen ihre Kunden noch besser bei der Digitalisierung unterstützen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige