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Qualitätsfertigung von Hightech-Produkten

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Blick in eine der klimatisierten Werkhallen von Ruetschi mit CNC-Langdrehautomaten, auf denen Teile mit bis sechs tausendstel Millimeter Toleranz hergestellt werden. Bild: Ruetschi Technology AG

Die Abläufe bestimmen die Software

Parallel zur Systemeinführung wurden auch die Prozesse des Qualitätsmanagementsystems überarbeitet. Ruetschi ist zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 13485. Die ERP-Einführung erfolgte deshalb schrittweise mit dem Ziel, auch die Prozesse des Managementsystems in der Software abzubilden. Das hatte allerdings zur Folge, dass Anpassungen und Erweiterungen am System vorgenommen werden mussten. Der Projektleiter und Verantwortliche für das Qualitätssystem bei Ruetschi, Adrian Hofer, erläutert dazu: „Es war positiv, dass Gewatec uns nicht die Abläufe vorgab, sondern dass die Projektleitung flexibel auf unsere speziellen Bedürfnisse weitestgehend einging.“ Erweiterungen betrafen beispielsweise Funktionen der an den Maschinen angebrachten BDE-Funkterminals sowie die Stempelhistorie, die zeigt, wer was wann gestempelt hat. Oder es wurden FDA-konforme Abläufe gestaltet, wie etwa die eindeutige Identifikation eines Anwenders per Fingerabdruck.

Wichtig war auch die Anpassung bei der Programmverwaltung: Das CNC-Programm wird direkt an den Fertigungsauftrag angehängt, sodass auch später nachvollziehbar ist, dass das Teil mit genau diesem CNC-Programm gefertigt wurde. Die Fertigungsnummer eines Auftrages unterstützt die eindeutige Rückverfolgbarkeit bis zum Rohmaterial: Alle Dokumente, Zeichnungen, NC-Programme oder Spezifikationen sind im Artikelstamm hinterlegt und mit dem Fertigungsauftrag verlinkt. Da jedes Dokument mit der Nummer des Fertigungsauftrags versehen ist wird zudem verhindert, dass eine Zeichnung mit falschem Index benutzt wird. Eingeplant werden die Fertigungsaufträge mit dem Leitstand des Systems, der mit Vorwärts- und Rückwärtsterminierung die Arbeitsgänge zeitrichtig einsetzt. Bei Engpässen wird der Arbeitsgang per ‚Drag-and-drop‘ verschoben.

Am Provis-BDE/MDE-Leitrechner lässt sich der Zustand aller Maschinen in Echtzeit anzeigen. Bild: Gewatec

Funkterminals erleichtern dem Werker die Arbeit

Für die Bedienung der Funkterminals benötigt ein Werker keine PC-Kenntnisse. Er kann per Barcode den Arbeitsgang für einen Auftrag am Terminal anmelden. Rüsten und Produktion gehören dann etwa zum Arbeitsgang ‚Drehen‘, das Terminal erkennt aus den Produktionssignalen, wann der Rüstvorgang beendet ist und die Produktionsphase beginnt. Die Rüstzeit wird dabei automatisch gespeichert. Wenn eine Störung auftritt, kann der Werker ebenfalls am Terminal eingeben, warum die Maschine steht. NC-Programme werden über die gleiche Schnittstelle geladen und nicht per Laptop oder Diskette.

Die einfache Handhabung der BDE-Terminals erleichterten den Mitarbeitern die Akzeptanz der neuen IT-Lösung und halfen Ressentiments gegenüber der großen Palette an Auswertemöglichkeiten, die das eingesetzte BDE-/MDE-System Provis bietet, abzubauen. Ein Prüfplan kann ebenfalls mit dem Fertigungsauftrag verlinkt werden, sodass bei der Anmeldung des Arbeitsganges der Prüfauftrag automatisch erzeugt wird. Der Mitarbeiter wird dann durch die Signallampe auf dem Terminal informiert, wann das nächste Messintervall erreicht ist und vom System durch die Messungen geführt.

Mit dem CAQ-Modul, das auch Funktionen wie Reklamationsbearbeitung und Prüfmittelverwaltung abdeckt, konnten bei der Erstellung der Prüfpläne und der Abwicklung der Prüfvorgänge Zeitersparnisse von bis zu 50 Prozent realisiert werden. Insgesamt zeigt sich Ruetschi zufrieden mit dem neuen System. Mit der integrierten Lösung haben sich nach seinen Angaben viele der Ziele realisiert, wie die Umsetzung von Rückverfolgbarkeit und das schnelle Auffinden aller Messwerte. „Was auch erwähnt werden sollte, sind die Reduzierung der Gesamtdurchlaufzeiten sowie die Ordnung in der Fertigung, die man schon fast als Marketingargument einsetzen kann. Denn Kunden sind oft absolut beeindruckt, wenn wir aktuell am Bildschirm zeigen können, welche Teile gerade unten in der Produktion mit welcher Qualität gefertigt werden“, sagt der Geschäftsführer.


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