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Nur ein Klick bis zum neuen Stück

Prototyp aus der Einkaufsplattform beziehen

Nur ein Klick bis zum neuen Stück

Der Prototypenbau kostet die verarbeitende Industrie Geld und Geduld. Eine neue Einkaufsplattform soll das Prototyping bei geringeren Kosten beschleunigen und gleichzeitig Missverständnisse vermeiden.

Mit der neuen Lösung sollen Produzenten zu jedem Prototypen den richtigen Prototypenbauer finden können – egal ob in Deutschland oder im Ausland. Bild: T-Systems International

Früher brauchte Ford mehrere Monate und eine halbe Million Dollar, um einen Prototypen für ein Fahrzeugteil zu erstellen. Heute dauert das vier Tage und kostet 3.000 Dollar. Der Grund: 3D-Drucker tragen innerhalb kürzester Zeit Material Schicht für Schicht zu ganzen Werkstücken auf – und verändern damit einzelne Branchen stark. Das glauben jedenfalls laut Hightechverband Bitkom 81 Prozent aller ITK-Unternehmen. Viel schneller kann Prototyping nicht werden. Oder doch? Immer noch machen zahlreiche Faktoren den Prototypenbau langwierig und teuer: Herstellerauswahl, Angebotserstellung, enge Abstimmung sowie nicht eingehaltene Lieferzeiten. Dabei muss die verarbeitende Industrie doch schnell Neuentwicklungen liefern, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die Innovationskraft eines Unternehmens beeinflusst dessen Erfolg, glauben 90 Prozent der Manager in deutschen Industrieunternehmen laut der Studie ‚Industrie-Innovationsindex‘ des Forsa-Instituts. Doch fast alle halten ihr Unternehmen in dieser Hinsicht für verbesserungswürdig.

Den passenden Hersteller im Netzwerk finden

Damit die verarbeitende Industrie ihre Prototypen in Zukunft schneller und günstiger produziert, entwickelt T-Systems derzeit die Lösung ‚Make2Order‘. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Netzwerk von Prototypenbauern, die ihre Angebotspalette, Preise und Produktionsspannen in der Datenbank hinterlegt haben. Die Lösung lässt sich in vorhandene Produktdatenmanagement-Systeme (PDM) und Computer Aided Design-Systeme (CAD) integrieren. Ist ein Auftrag für einen Prototypen zu vergeben, genügt dafür dann ein Klick im unternehmenseigenen System. Die Lösung ermittelt nun nach Kriterien wie Lieferzeitpunkt, Preis, Materialeigenschaften und Kapazität den geeigneten Dienstleister für den Auftrag und gibt die erforderlichen Informationen automatisch an diesen weiter.

„Die Lösung kann Aufträge auch unter verschiedenen Prototypenbauern aufteilen, wenn das zum Beispiel billiger ist“, sagt Christian Liebler, Projektleiter Make2Order bei T-Systems. „Der Auftraggeber hat trotzdem nicht mehr Aufwand, denn wir übernehmen auch die Koordination der einzelnen Dienstleister untereinander.“ Der eine Dienstleister bereitet etwa das 3D-Modell auf den Bau vor, der andere ‚druckt‘ es aus und der Dritte übernimmt die Nachbearbeitung wie das Lackieren oder die Anbringung von Sockeln. Ein von der Software beauftragtes Logistikunternehmen bringt den Prototypen zum jeweils nächsten Arbeitsschritt und zu guter Letzt zum Auftraggeber. Dazu müssen sich die Beteiligten untereinander nicht kennen, denn der Lösungsanbieter fungiert als einziger Vertrags- und Ansprechpartner. Auf Wunsch dient die Lösung auch als einfacher Vermittler zwischen Auftraggeber und Prototypenbauer.

Mit der neuen Lösung sollen Produzenten zu jedem Prototypen den richtigen Prototypenbauer finden können – egal ob in Deutschland oder im Ausland. Bild: T-Systems International

5.000 Partner bis Ende 2016 angestrebt

Die Lösung erfüllt auch das Interesse der Fachabteilungen an qualitativ hochwertigen Prototypen. Denn Einzug in die Datenbank erhalten nur bewährte und für die Industrie geeignete Prototypenbauer. Diese wiederum erlangen mit der Lösung Zugang zu einem weiten Industriekundenkreis und können so die Auslastung ihrer Kapazitäten erhöhen. Bis Ende 2016 sollen rund 5.000 europäische Prototypenbauer am Liefernetzwerk teilnehmen. Spätestens Mitte 2015 soll die Lösung für jeden auf den Markt kommen. Aktuell befindet sich das Cloud-Angebot noch in der Aufbauphase und wird gemeinsam mit ausgewählten Kunden verfeinert und getestet.

Eigene Sicherheitsregeln festlegen

Nicht unwichtig für Entscheider ist die Frage: Wie sicher sind die sensiblen Daten, die über das System weitergegeben werden? Das kann der Kunde selbst entscheiden, denn die Lösung ermöglicht ihm, seine eigenen Sicherheitsbestimmungen festzulegen. So bestimmt er zum Beispiel, wenn die CAD-Daten für einen besonders schützenswerten Prototyp in Deutschland bleiben sollen. Einen Auftrag mit geringerem Sicherheitslevel kann vielleicht auch ein günstigerer Prototypenbauer in einem anderen Land erledigen. Für die Datenübertragung nutzt die Software sichere Leitungen auf Grundlage des OFTP2-Protokolls. „Viele Unternehmen schicken ihre Daten heute einfach per Mail an den Prototypenbauer oder nutzen eine verschlüsselte ZIP-Datei“, sagt Christian Liebler. „Dadurch ist es für Angreifer ein Leichtes, die Informationen abzugreifen. Diese Sicherheitslücke schließen wir mit unserer Lösung.“ Der Anbieter speichert und verarbeitet die Daten ausschließlich in eigenen Rechenzentren in Deutschland und mit entsprechend strengen Datenschutzbestimmungen.

Missverständnissen vorbeugen

Die Übertragung der Daten und der Transport des fertigen Prototyps reichen jedoch nicht aus, um den Auftrag erfolgreich zu erledigen. Denn der Prototypenbau erfordert eine enge Abstimmung zwischen Auftraggeber und Hersteller. Um die 3D-Daten zu einem druckbaren Modell zu vereinfachen, hält der Prototypenbauer in mündlicher oder schriftlicher Form Rücksprache mit dem Auftraggeber. Dabei entstehen oft Missverständnisse. Um solche in Zukunft zu vermeiden, hat der Lösungsanbieter einen 3D-Viewer in die Lösung eingebaut. In diesen lädt der Hersteller ein 3D-Modell und klingelt den Auftraggeber über die Plattform an. Per Chat oder in einer späteren Version auch über Voice-over-IP-Funktion klären beide Parteien alle Fragen nun anhand des Modells.

Alle Änderungen der Beauftragung werden dokumentiert. Das soll helfen, Streitigkeiten zu vermeiden. Mit der Lösung will der Anbieter zunächst Industrieunternehmen in Deutschland ansprechen, mittelfristig aber auch in ganz Europa. Der Anbieter ist dabei offen für Interessenten aus allen Anwendungsbereichen. „Wir entwickeln außerdem eine Variante der Lösung, mit der verarbeitende Unternehmen ihre eigenen Prototypenbau-Abteilungen beauftragen“, sagt Liebler. „Diese interne Variante ist mit der öffentlichen vernetzt. Sind die eigenen Hersteller ausgelastet, kann die Lösung Aufträge an externe Dienstleister verteilen. Auch im Falle einer Sonderfertigung, für die die eigenen Mittel nicht genügen, kann der Bedarf über das öffentliche Netzwerk bedient werden.“