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Projektmanagement beim MES-Einsatz

Erfolgsfaktoren für die Systemeinführung

Einführungsprojekte für Software stehen in dem Ruf, häufig Zeit- und Kostenrahmen zu sprengen. Die Einrichtung eines Manufacturing Execution-Systems macht da keine Ausnahme: Für eine erfolgreiche Installation ist zielgerichtetes Vorgehen gefragt.

Bild: Fotolia – Alterfalter

„Das Budget hat nicht ausgereicht.“ „Der Terminplan wurde nicht eingehalten.“ „Es wurden nicht alle Anforderungen erfüllt.“ Solche oder ähnliche Aussagen fallen bei der Einführung von Software-Systemen immer wieder. Die Gründe liegen meist in Fehlern bei Projektvorbereitung und Begleitung, etwa wenn komplexe Zusammenhänge unterschätzt wurden. Diese Gefahr besteht auch und gerade bei der Einführung eines Manufacturing Execution-Systems (MES), bei dem zahlreiche Abteilungen und unterschiedlichste Personen eines Produktionsunternehmens involviert sind. Gerade beim Einsatz einer Software-Lösung gilt es, drei wesentliche Größen in den Griff zu bekommen, die über den Erfolg eines solchen Projektes entscheiden:

  • Funktionelle Anforderungen an das MES
  • Vorhandenes Budget
  • Geplanter Zeitrahmen

Angelpunkt Anforderungsmanagement

Bereits bei der Auswahl des passenden Anbieters spielt die Definition der Anforderungen im Rahmen eines Pflichtenheftes eine entscheidende Rolle. Denn nur eine exakt beschriebene Aufgabenstellung gestattet die spätere Kontrolle des Projektverlaufs und vermeidet Diskussionen um Funktionsumfang und Anpassungen. Moderne MES werden auf Basis eines modular aufgebauten Baukastensystems eingerichtet. Anwender sollten daher zuerst die Frage für sich beantworten, welche Komponenten sie in welchem Umfang im Betrieb einsetzen wollen – und ob zusätzliche Änderungen an der Software benötigt werden.

Hauptbestandteile einer MES-Lösung sind Betriebs- und Maschinendatenerfassung (BDE/MDE) zur Erfassung von Auftrags- und Maschinendaten. Hinzu kommen Komponenten für die Fertigungssteuerung beziehungsweise Feinplanung zur Reihenfolgebildung und Terminierung der Fertigungsaufträge. Daneben steht in der Regel ein Ressourcenmanagement für Maschinen, Werkzeuge, Material und Personal zur Verfügung. Zahlreiche Systeme bieten außerdem Funktionen für Qualitätsmanagement, Instandhaltung und Rückverfolgbarkeit an. Auch fertigungsspezifische Kennzahlenauswertungen (KPI)?zählen zum Leistungsspektrum aktueller MES.

Rahmenbedingungen im Pflichtenheft festschreiben

Um die benötigten Komponenten eines MES in der gewünschten Ausprägung festzuhalten, empfiehlt sich der Einsatz eines Pflichtenheftes. Das Dokument sollte auch die Beschreibung der Ist-Situation im Betrieb enthalten, insbesondere wenn es um die Ablösung oder Integration bestehender Lösungen oder Komponenten geht. Abhängigkeiten und Schnittstellen zu anderen Systemen, etwa Enterprise Resource Planning (ERP), sollten ebenfalls beschrieben sein.

Darüber hinaus gilt es, technische Rahmenbedingungen frühzeitig zu klären und zu dokumentieren. Das zeigt das Beispiel einer geplanten integrierten Maschinendatenerfassung: Aus der Anforderung, Daten zu Rüsten, Produktion, Stillstand, Störungen und Prozessverlauf zu erfassen, ergibt sich, dass eine technisch einfache Kommunikation über digitale oder analoge Signale nicht möglich ist. Stattdessen muss ein Datenaustausch mit der Steuerung der Maschine erfolgen. Dazu gilt es anschließend zu klären, ob die Maschinen auf eine SPS-Kommunikation vorbereitet sind und die gewünschten Informationen zur Verfügung stehen. Diese Fragen sollten frühzeitig durch Rücksprache mit dem Maschinenhersteller geklärt werden. Denn im frühen Projektstadium lässt sich zumeist noch rechtzeitig ermittelten, ob und mit welchem Aufwand Anpassungen möglich sind.




Professionelles Projektmanagement spielt bei der Einführung von IT-Lösungen eine entscheidende Rolle. Denn wer die Abhängigkeiten im Projektverlauf aus den Augen verliert, riskiert steigende Kosten und Integrationszeiten. Bild: GFOS

Lösungen verschiedener Anbieter vergleichen

Im Rahmen des Auswahlprozesses kann dann unter anderem in Workshops mit Software-Anbietern überprüft werden, ob die vorgestellte Lösung die im Pflichtenheft definierten Anforderungen abdeckt. Hierbei gilt es auch darauf zu achten, wie flexibel sich das MES an Detailanforderungen anpassen lässt. Denn im späteren Projektverlauf – etwa bei Feinkonzeption, Implementierung und im Betrieb – können sich noch Änderungswünsche ergeben. Betriebe sollten sich daher informieren, welche Anpassungen das eigene IT-Personal am System vornehmen kann, und welche Änderungen der Lieferant der Lösung im Rahmen einer Programmanpassung durchführen muss. Moderne MES gestatten beispielsweise die Änderung von Rückmeldefunktionen am BDE-Erfassungs- terminal ohne tiefgehende Programmkenntnisse. So lassen sich aufwändige und kostenintensive Programmanpassungen vermeiden und Vorteile einer Standardlösung gezielt nutzen, ohne auf die Berücksichtigung individueller Anforderungen zu verzichten.

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