Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Predictive Analytics

"Neue Wettbewerber wollen den besten Service bieten"

Unternehmen wie Automobilhersteller wissen ziemlich genau, wo sie stehen. Mithilfe von Business Intelligence können sie präzise Aussagen über ihre Situation treffen. Schwieriger wird es beim Blick in die Zukunft. Detaillierte Aussagen zu erwarteten Entwicklungen und Anforderungen fallen den meisten Firmen schwer. Abhilfe können 'Predictive Analytics' bieten. Im Interview spricht Peter Grendel, Geschäftsführer der Abat+ GmbH, über Voraussetzungen und Chancen von solchen Vorhersagesystemen für die Automotive-Branche.

Bild: Daimler AG

IT&Production: Herr Grendel, ‚Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen‘, heißt es. Inwiefern kann sich das durch ‚Predictive Analytics‘ ändern?

Peter Grendel: Schon immer haben Menschen versucht, die Zukunft vorherzusagen. Das Orakel von Delphi oder Nostradamus sind nur zwei Beispiele dafür. Im Industriezeitalter bemühten sich Analysten, durch Marktprognosen künftige Entwicklungen vorauszusehen. Oft erwiesen sich ihre Einschätzungen jedoch als ungenau. Die Gründe dafür lagen nicht zuletzt in der begrenzten Datenlage. Das ändert sich nun rasant. Wir befinden uns im Informationszeitalter. Heute erzeugt die Menschheit in wenigen Tagen mehr Daten, als in ihrer gesamten Geschichte zuvor. Und moderne Autos tragen maßgeblich dazu bei. Sie sind voller Sensoren und Diagnosesysteme, die Informationen etwa zu Fahrverhalten, Verschleiß und Nutzung erfassen. Gleichzeitig gibt uns die IT leistungsstarke Hard- und Software-Lösungen an die Hand. Sie erlauben eine umfassende Erhebung und Auswertung von Daten. Auf dieser Basis haben wir heute nicht nur die Möglichkeit, die Ist-Situation genau zu bestimmen. Unter Einbeziehung vielfältiger Informationen und verschiedener Analysewerkzeuge können wir Aussagen über die Zukunft treffen, die so präzise sind wie noch nie.

IT&Production: Was können solche analytischen Vorhersagesysteme für die Automobilindustrie leisten?

Grendel: Analytische Vorhersagesysteme sind der nächste logische Schritt. Nur wenige Branchen haben eine so gute Datenbasis wie der Automotive-Sektor. Alleine die Fahrzeuge liefern Unmengen an Daten. Sie sind mittlerweile so komplex, dass etwa in der Mercedes S-Klasse 250 Mal mehr Programmiercode steckt als im Space Shuttle. Hinzu kommen Daten aus Konstruktion, Logistik und Produktion sowie aus dem Service und Market Research. Verknüpfen und analysieren die Hersteller diese Informationen, erhalten sie ungeahnte Möglichkeiten, ihre Prozesse, Produkte und Leistungen zu optimieren. So ließe sich etwa genau und individuell vorhersagen, wann Verschleißteile in einem Auto gewechselt werden müssen. Übermitteln die Fahrzeugsensoren und Diagnosesysteme ihre Informationen an eine Zentrale, wo sie beispielsweise mit Produktionsdaten verknüpft und analysiert werden, lässt sich präzise bestimmen, wann etwa Bremsbeläge oder Stoßdämpfer getauscht werden müssen. Automatisch können dafür der Werkstatttermin vereinbart und ein Ersatzfahrzeug bereit gestellt werden. Das bringt völlig neue, überraschende Optionen für den Service. Unternehmen bieten so künftig echte Ausfallsicherheit und garantierte Mobilität.

IT&Production: Nach welchen Modellen arbeiten derartige Analyse-Lösungen?

Grendel: Unter dem Stichwort ‚Predictive Analytics‘ gehen Spezialisten weit über die Mustererkennung in den Informationsbeständen hinaus, wie sie etwa Data-Mining bietet. Um die Daten auszuwerten werden etwa statistische Berechnungen, soziologische Elemente wie die Spieltheorie, demographische Modelle, Methoden des Operations Research, Logistik- und Maschinendaten sowie Simulationstechniken einbezogen. Im Prinzip nutzen die Experten alles, was dabei unterstützt, die Zukunft präzise voraussagen zu können. Ausgangspunkt dafür sind die Fragestellungen, die vorausschauend beantwortet werden sollen. Entsprechend werden die erforderlichen Datensätze identifiziert und analysiert.


Das könnte Sie auch interessieren:

Auf der SPS - Smart Production Solutions stellt Siemens ein Komplettsystem zum industriellen Bedienen und Beobachten vor: Die Lösung besteht aus einem webbasierten Visualisierungssystem sowie einer neuen Generation von HMI-Bediengeräten.‣ weiterlesen

Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS - Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen auf die steigende Bedeutung von Softwarelösungen für die Anwender hin. Neben zahlreichen Neuheiten bietet die Messe zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm.‣ weiterlesen

Aus SPS IPC Drives mach SPS - Smart Production Solutions: Zum 30-jährigen Bestehen hat sich die Automatisierungsmesse in Nürnberg einen neuen Namen gegeben. Was dahinter steckt und was die Besucher von der diesjährigen Auflage der Messe erwarten können, beantwortet Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS bei der Mesago GmbH, im Interview.‣ weiterlesen

Die technologischen Rahmenbedingungen führen dazu, dass Firmen KI-Lösungen häufiger diskutieren als integrieren. In einer Studie hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO untersucht, wo KI in Unternehmen zu finden ist und was sie dort leistet.‣ weiterlesen

Bei ständig wachsenden Datenmengen kommt es auf leistungsfähige Speicher an. HPC-Datenspeichersysteme bieten eine Möglichkeit dieser Problematik entgegenzutreten. Dabei gibt es die Wahl zwischen Opensource- und kommerziellen Systemen.‣ weiterlesen

Die Berechnungen für die Produktionsplanung können nur so gut sein wie die Qualität der einfließenden Grunddaten. Bei Fehlern in den Daten stimmen auch die nicht. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der automatisierten Korrektur von Daten im Rahmen der Termin- und Kapazitätsplanung mit einem APS-System.‣ weiterlesen

Die Nortec – Fachmesse für Produktion lädt vom 21. bis zum 24. Januar nach Hamburg ein. Unter dem Motto ‘Zukunft? Läuft!‘ finden Besucher Lösungen und Technologien für eine moderne Produktion.‣ weiterlesen

Der Softwareanbieter Sage hat fünf IT-Trends identifiziert, die 2020 für Unternehmen wichtig werden — darunter die Themen Hybrid Cloud, Predictive Data Analytics und Nachhaltigkeit.‣ weiterlesen

Im dritten Quartal 2019 sank der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25%. Dabei gingen die Bestellungen aus dem Inland um 29% zurück. Die Auslandsbestellungen verloren 23%. In den ersten neun Monaten 2019 sank der Auftragseingang um 23%.‣ weiterlesen

Das Blechbearbeitungsunternehmen HA-BE hat die bislang extern durchgeführte Pulverbeschichtung mit einer neuen Anlage in den eigenen Produktionsprozess integriert. Als Drehscheibe fungiert dabei die Sphinx Open Online-Plattform der In-GmbH, mit der die Kommunikation zwischen Produktion und Ressourcenplanung sichergestellt wird.‣ weiterlesen

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes ProPlanE haben die Projektpartner den Prototypen einer Analyseplattform entwickelt, mit der sich die Fertigungsplanung auf Basis von Process-Mining-Verfahren in Echtzeit optimieren lässt.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige