Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Operative Exzellenz im Flugzeugbau

Flaschenhälse in der Produktion beseitigen

Kontinuierliche Verbesserung stellt einen wichtigen Eckpunkt für das Produktionsmanagement bei Airbus dar: Nach der weltweiten Einführung von schlanken Fertigungsprozessen und einer neuen Strategie zur Qualitätssicherung steht in einem weiteren Projekt die Erhöhung der Produktionsraten im Mittelpunkt.

Bild: Porsche Consulting

Veränderungsprozesse rufen oft Skepsis und Widerstand hervor. Anders bei Airbus: Als 2008 im Hamburger Werk in Finkenwerder erstmals die Einführung ’schlanker‘ Prinzipien aus der Automobilindustrie anstand, nahm zunächst kaum ein Mitarbeiter davon Notiz. Vielen Angestellten des Flugzeugherstellers stand der Kopf gerade ganz woanders: „Wir waren dabei, den A380 in die operative Produktion zu führen – und das mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Da war die Mentalität nicht am Thema Lean oder operative Exzellenz ausgerichtet“, sagt Alexander Dahm, damals Leiter des Werkes Hamburg und heute Vice President Final Assembly Lines and Integration A320 Family. Doch das änderte sich schnell, als innerhalb kurzer Zeit erste Erfolge sichtbar wurden. Nach einer umfassenden Umgestaltung der Arbeitsplätze nach dem ‚5S‘-Prinzip, in deren Verlauf ganze LKW-Ladungen mit falschen oder veralteten Materialien identifiziert und abtransportiert wurden, herrschte wieder Übersichtlichkeit in den engen Räumlichkeiten der Produktion. „Durch diese ersten sichtbaren Erfolge kam auch wieder Begeisterung für Verbesserungsthemen in die Mannschaft und wir begannen, uns näher mit den Chancen operativer Exzellenz zu beschäftigen“, erläutert Dahm.

Schlanke Prozesse von Produktion bis Qualifizierung

Seitdem arbeiten Airbus und die Managementberatung Porsche Consulting zusammen – in Projekten zu den Themen Produktion und Logistik, Beschaffung und Qualität sowie Veränderungsmanagement und Qualifizierung. Zu Beginn lag der Schwerpunkt auf schlanken Produktionsprozessen. Zum Beispel wurden die Abläufe bei der Fertigung des A380 so weit stabilisiert, dass heute fertig montierte Sektionen von Hamburg zur finalen Integration nach Toulouse geliefert werden. „2009 mussten wir noch 2.000 Mitarbeiter von Hamburg nach Toulouse zur Nacharbeit entsenden. Jetzt sind es nur noch 80“, schildert Dahm. Zudem löste der Flugzeughersteller gemeinsam mit den Beratern Probleme in der Abstimmung zwischen Entwicklung und Produktion: Kamen vor der Verbesserungsinitiative Bauunterlagen oft zu spät an die Produktion, konnten diese Prozesse durch die Einführung des Takt- und Fließprinzips aus der Porsche-Sportwagenproduktion deutlich harmonischer aufeinander abgestimmt werden.

Neben den Maßnahmen zur operativen Exzellenz im Hamburger Werk wird mittlerweile auch bei Airbus in Nantes schlanker produziert. Im westfranzösischen Werk wird mit dem Flügelmittelkasten das Herzstück der Flugzeuge gefertigt. Werksleiter Jean-Claude Schoepf erinnert sich: „Das Beratungsunternehmen hat uns kein fertiges Konzept übergestülpt, sondern sich zunächst einmal Zeit genommen, genau zu verstehen, wo unsere Schwierigkeiten lagen. Dabei haben die Porsche-Berater die Teams des Flugzeugherstellers immer wieder motiviert und ihnen wirkungsvolle Methoden zur Problemlösung an die Hand gegeben.“ Da bei alldem auch die Qualifizierung der Mitarbeiter im Mittelpunkt stand, könne Airbus mit dem neuen System heute auch alleine arbeiten.

Fehler früh erkennen mit Quality Gates

Nach der Einführung von schlanken Produktionsprozessen rückten in Nantes Verbesserungen im Bereich Qualität in den Blickpunkt: In einem Pilotprojekt unter Leitung des Qualitätsvorstands wurde ein neues operatives Qualitätsmanagement namens ‚Q6‘ umgesetzt: „Die Strategie setzt auf sogenannte Quality Gates. Mit diesen Prüf-Toren lassen sich Fehler vermeiden oder zumindest rechtzeitig entdecken und abstellen“, sagt Joachim Kirsch, Partner bei Porsche Consulting. „Qualitätsprobleme werden außerdem priorisiert und strukturiert bearbeitet.“ Daneben spielen Kennzahlen, Standards, die Qualifizierung der Mitarbeiter sowie das Management der Qualitätsprozesse auf dem ‚Shop Floor‘ eine wichtige Rolle. In Nantes konnten mit der neuen Strategie die Kosten für die Qualitätssicherung um 15 Prozent pro Jahr reduziert werden. Es folgte der Rollout auf 26 weitere Werke in Europa, bei denen die Kosten pro Jahr durchschnittlich um 32 Prozent sanken. Dabei kann die eingesetzte Methode zur Qualitätskontrolle branchenübergreifend eingesetzte werden. Das ist am Beispiel der Lufthansa Sky Chefs zu beobachten, die mit der selben Methodik die Qualität ihres Airline-Caterings überwachen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Harting und Expleo haben im Rahmen der SPS 2019 in Nürnberg eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Vorstandsvorsitzender Philip Harting und Peter Seidenschwang, Head of Industry bei Expleo Germany, unterzeichneten die Vereinbarung, mit der beide Parteien die langfristige Zusammenarbeit im Bereich datengesteuerter Dienste und IoT-Lösungen für Industriekunden bekräftigen.‣ weiterlesen

Laut einer Accenture-Studie können Unternehmen, die in die Skalierung von Technologieinnovationen investieren, mehr als doppelt so hohe Umsatzwachstumsraten erzielen. Dies betrifft in der Studie lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen.‣ weiterlesen

Mit steigender Auftragszahl stieß das ERP-System der ITV GmbH an seine Grenzen. Viele Prozesse erforderten zudem noch viel Handarbeit, etwa beim Einpflegen von Daten. Diese dokumentenbasierten Prozesse sollten mit einer Branchenlösung künftig digital ablaufen.‣ weiterlesen

Digitalgestützte Assistenzsysteme gewinnen in Fabriken an Bedeutung. Gerade komplexe Fertigungsaufgaben lassen sich so schnell, mit weniger Fehlern und von geringer qualifizierten Mitarbeitern ausüben. Für eine Studie haben 144 Produktionsverantwortliche darüber gesprochen, wie es in ihren Werken um die digitale Assistenz bestellt ist.‣ weiterlesen

Laut aktueller Zahlen des ZEW — Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, blickt die Deutsche Wirtschaft zuversichtlicher in die Zukunft, als noch Ende des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum Dezember stieg der Wert der Konjunkturerwartungen um 16 Punkte.‣ weiterlesen

Um Mobilität in Zeiten von Verstädterung, Ressourcenknappheit und Klimawandel zukunftsfest zu machen, bündeln die Universität Stuttgart und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ihre Forschungskompetenzen im Innovationscampus ‘Mobilität der Zukunft‘ (ICM).‣ weiterlesen

Viele Unternehmen haben das Thema Kundenbeziehungsmanagement auf ihrer digitalen Agenda. Und es geht voran, gerade im Maschinen- und Anlagenbau. Eine aktuelle Umfrage zeigt aber auch, woran es auf dem Weg zur 360°-Kundensicht noch hakt.‣ weiterlesen

Mixaco stellt Industriemischer für Chemikalien, Farben und Kunststoffe her. Jetzt hat die Firma ihr Angebot um eine IoT-Lösung erweitert, mit der Anlagenbetreiber die Leistung ihrer Maschinen online überwachen und sie vorausschauend warten können. In Verbindung mit anderen Bausteinen der IoT-Plattform sind aber noch viel mehr Anwendungen möglich.‣ weiterlesen

Im 23. Global CEO Survey von PWC rechnet mehr als die Hälfte der 1.581 befragten CEOs mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums. Auf lange Sicht zeigen sich die Befragten jedoch optimistischer.‣ weiterlesen

Weit mehr als 200 Aussteller auf werden auf der All About Automation im am 4. und 5. März am Bodensee erwartet. Bei der aktuellen Auflage sind die Themen Robotik und MRK zunehmend stark vertreten.‣ weiterlesen

Trendthemen wie künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit haben Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain. Auf der diesjährigen Logimat, die vom 10. bis zum 12. März in Stuttgart stattfindet, zeigen mehr als 1.650 Aussteller, wo die Reise in der Intralogistik in den nächsten Jahren hingehen könnte.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige