Beitrag drucken

Open Source Mobility

Systemlösungen nach dem Baukasten-Prinzip

Eine immer individuellere und dynamischere Nachfrage löst immense Güterbewegungen aus, die die Logistik vor neue Herausforderungen stellt. Unternehmen benötigen entsprechend integrierte Lösungen, um die Steuerung des gesamten Warenstroms entlang der Wertschöpfungskette abzubilden. Das reicht von der Erfassung mit RFID-Readern und Barcode-Scannern bis hin zur Identifikation der Ware an Terminals. Dazu steht inzwischen auch 'Open Source'-Hardware in Form von modular aufgebauten Geräten, wie beispielsweise Handheld-Computer, zur Verfügung.



Bild: Psion

Open-Source-Ansätze sind in der Software-Entwicklung schon seit einigen Jahren bekannt. Entwickler legen dabei ihre Quellcodes offen und die gesamte Software-Gemeinde kann auf dieser Basis das Grundprodukt modifizieren und neue Lösungen erarbeiten. Im Hardware-Bereich ist dieser Ansatz bisher noch relativ neu. Die so genannte Open Source Mobility-Strategie des Systemanbieters Psion dient der Entwicklung maßgeschneiderte Module, die sich auch für das Erfüllen sehr individueller Anforderungen eignen. Generell werden bei diesem Ansatz Partner, Kunden und Entwickler konsequent eingebunden. Ziel ist es, mit Hilfe der ‚offenen‘ Basis-Module neue Produkte zu entwickeln beziehungsweise vorhandene Produkte ohne großen Aufwand anzupassen, um die nahtlose Integration in das Produktportfolio zu ermöglichen, das sich im Unternehmen im Einsatz befindet.

Hohe Flexibilität bei der Hardwaregestaltung

Um dem steigenden Wettbewerbs- und Kostendruck entgegenzuwirken, muss die Unternehmenslogistik wie auch Unternehmen der Logistikbranche ihre Aufträge schnell und qualitativ hochwertig abwickeln. Die Basis hierfür sind zuverlässige mobile Geräte, die die unterschiedlichsten Anwenderbedürfnisse erfüllen. Hier sind modulare Lösungen gefragt, die problemlos integriert werden können wie Barcode-Scanner, Imager oder RFID-Reader – ohne die komplette Basiseinheit auszutauschen. Diese Module können dann entsprechend der aktuellen Unternehmensanforderungen gewechselt werden, ohne dass dabei die Basiseinheit ausgetauscht werden muss.

Nur wenn mobile Lösungen jederzeit nachgerüstet werden können, bieten sie Planungs- und Investitionssicherheit: So können Firmen mitunter von erheblichen Kosteneinsparungen beim Kauf eines solchen Gerätes profitieren, weil sie nur die Module bezahlen müssen, die sie auch benötigen. Zusätzlich veralten die Produkte nicht innerhalb kurzer Zeit, sondern die Geräte lassen sich bei Bedarf anpassen und aktualisieren. Diese Vorteile heben die Systeme von Serienprodukten ab, bei denen der Käufer das komplette Produkt erwerben muss – inklusive der Module, die nicht genutzt werden.

Zudem bestehen gerade im Logistikbereich Anforderungsprofile an Handheld-Computer, die sehr speziell sind und von einem Serienprodukt nicht immer optimal erfüllt werden können. Die Mobil-Computer müssen beispielsweise besonders robust, stoß- und bruchfest sowie unempfindlich gegen Schmutz, Vibrationen, Feuchtigkeit und Kälte sein. An diesem Bedarf setzt die Entwicklungsstrategie Open Source Mobility für Mobile-Computing-Lösungen an. Das System des Willicher Unternehmens setzt auf Module, offene Innovation und maßgeschneiderte Lösungen. Dieser Ansatz bezieht neben Open Source- auch Open Innovation-Ansätze bei der Konzeption von Handheld Computern wie beispielsweise den Modellen Omnii XT10 und EP10 mit ein. Diese beiden robusten und modularen Mobil-Computer sind die ersten Produkte, die auf Basis des neuen Konzeptes entwickelt wurden.

Produktentwicklung per Online-Plattform

Damit weltweit ein konsequenter Erfahrungsaustausch mit Partnern, Kunden und Entwicklern in Echtzeit stattfinden kann, hat das Unternehmen die länder- und unternehmensübergreifende Online-Plattform Ingenuityworking.com eingerichtet. Die Seite verzeichnet monatlich mehr als 50.000 Besucher, die das Forum zum offenen Dialog nutzen, Kontakte pflegen, diskutieren oder Informationen austauschen. Anwender können hier verfolgen, wie Produktlösungen durch den Beitrag anderer Entwickler erweitert und optimiert werden. Indem Fragen gestellt und Vorschläge unterbreitet werden, leisten die Forumsmitglieder selbst einen Beitrag zur Entwicklung der nächsten Produktgeneration. Zu den Themen der Diskussionsrunden auf der Community-Plattform zählen beispielsweise Data Capture Technologies, RFID- und Wireless-Systeme oder der Meinungsaustausch in der ‚Innovation Zone‘. Die Teilnehmer verfolgen das Ziel, maßgeschneiderte Produkte zu entwickeln oder vorhandene Lösungen anzupassen. So können die Anforderungen unterschiedlicher Zielgruppen besser bedient und Produkte nahtlos in das Portfolio sowie die Unternehmensinfrastrukturen integriert werden.

Multifunktionale Mobilcomputer

Wie in der Praxis eine solche individuelle Anwendung umgesetzt werden kann, zeigt der Transport- und Logistikdienstleister Dachser. Das Unternehmen nutzt mobile Geräte, mit denen Komponenten schnell und genau erfasst werden können. So kann Dachser seine Kapazitäten voll ausschöpfen. Der Transport- und Logistikdienstleister benötigte eine Lösung, bei der eine spezielle Tastatur an einen XT10-Handheld angepasst werden musste, die auf der international standardisierten System Application Software (SAA) von IBM aufbaut. Da die Mitarbeiter von Dachser schon seit vielen Jahren mit dieser Tastatur arbeiten, sollte diese auch bei der Anschaffung neuer Geräte beibehalten werden. Dazu wurde zunächst eine Oberfläche für die Unternehmenssoftware erstellt. Dazu gehörte auch die einheitliche Belegung der zwölf Funktionstasten auf allen Endgeräten sowie Handheld Computern. Psion entwickelte anschließend gemeinsam mit Dachser eine individuelle Lösung, da die Tastatur des Mobilgerätes ein Modul ist, das leicht verändert werden kann. Damit einzelne Geräte – je nach Bedarf – jederzeit nachgekauft werden können, hat das Logistikunternehmen den Handheld sogar in seinen Warenkatalog aufgenommen.

Modulare Lösungen für die Produktionsumgebung

Open Source Mobility wird darüber hinaus auch in der Produktion eingesetzt. Gerade hier ist es für Unternehmen immer wichtiger, ihre Prozesse maßgeschneidert zu gestalten, woraus sich spezielle Herausforderungen an die Hardware-Konzeption von multifunktionalen mobilen Computern ergeben. Auch hier bietet sich der Rückgriff auf den modularen Ansatz an, um alle Komponenten des Produktionskreislaufes je nach den aktuellen Anforderungen an die Infrastruktur zu erfassen. So können flexible Systeme Unternehmen dabei helfen, alle unternehmensspezifischen Schritte von der Fertigung bis zum Händlernetz datentechnisch zu integrieren.

Potenzial für Transport und Lagerlogistik

Der Einsatz der ‚Hardware aus dem Baukasten‘ bietet auch für die bislang noch teilweise sehr unzureichende Ausstattung der Lagerarbeiter großes Potenzial. Entsprechend einer Studie des US-Marktforschungsinstitutes VDC gibt es weltweit über neun Millionen Lagerarbeiter, von denen gerade einmal rund ein Viertel mit mobilen Ident-Lösungen ausgestattet sind. Mit mobilen Computern können Unternehmen gerade in diesen Bereichen deutlich effizienter arbeiten als mit der manuellen Datenerfassng ohne entsprechende Hardware.

 

Zum Unternehmen

Psion gehört zu den Pionieren im Bereich mobiler Handheld Computer. Der Hardware-Anbieter unterstützt Unternehmen seit der Entwicklung des ersten Personal Digital Assistant (PDA) im Jahr 1980 bei der Lösung geschäftlichen Aufgaben mit mobilen Anwendungen. Die integrierten Mobile Computing-Lösungen des Unternehmens umfassen robuste Hard- und Software, sichere drahtlose Netzwerke sowie IT-Dienstleistungen und Support-Programme. Der Anbieter realisiert zudem in Zusammenarbeit mit seinen Partnern und über ein eigenes Entwicklungslabor seit über zehn Jahren kundenspezifische RFID-Lösungen für den Einsatz in unterschiedlichen Umgebungen. Das Spektrum der Komplettlösungen reicht von der Entwicklung spezifischer Antennen über speziell für bestimmte Umgebungsbedingungen entwickelte Transponder bis hin zu komplexen RFID-Gesamtsystemen inklusive der erforderlichen Softwareschnittstellen für die Anbindung an Enterprise Resource Planning-Plattformen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Auf der IT-Sicherheitsmesse IT-SA hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik seinen aktualisierten IT-Grundschutz vorgestellt. In der Veröffentlichung findet sich eine Methode, um anhand verschiedener Module die IT-Sicherheit gezielt zu erhöhen. Viele Erneuerung zielen darauf ab, gerade kleine und mittlere Unternehmen bei der Aufgabe IT-Sicherheit zu unterstützen.‣ weiterlesen

KrackAttacks: BSI warnt vor WLAN-Nutzung

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat kürzlich davor gewarnt, sensible Daten über WLAN-Verbindungen zu übertragen. Grund seien Schwachstellen im Sicherheitsstandard WPA2. Beim Antiviren-Softwarehersteller F-Secure heißt es, das noch keine Angriffstools bekannt sind, die die Schwachstelle ausnutzen. Jetzt sind Hardware- und Softwarehersteller gefragt, schnell Updates anzubieten, die den Fehler beheben.‣ weiterlesen

Produktionsbarometer August 2017

Die deutschen Produzenten haben im Monat August 2,6 Prozent mehr Güter hergestellt als im Vormonat. Das teilte das statistische Bundesamt mit.
‣ weiterlesen

Adel B. Al-Saleh wird Telekom-Vorstand und CEO von T-Systems

Adel B. Al-Saleh wird zum 1. Januar 2018 neues Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und CEO der T-Systems International GmbH. Al-Saleh folgt auf Reinhard Clemens, der die Deutsche Telekom zum Jahresende verlässt.
‣ weiterlesen

Datenschutzgrundverordnung Mehrheit ignoriert Anforderungen

Aktuell haben erst 13 Prozent erste Maßnahmen angefangen oder umgesetzt. Nur eine Minderheit glaubt, die EU-Verordnung fristgerecht umzusetzen. Größte Hürden sind unklarer Umsetzungsaufwand und Rechtsunsicherheit.‣ weiterlesen

Holografische Produktentwicklung bei Ford

Ford erweitert seine Tests mit der Microsoft Hololens-Technologie beim Fahrzeugdesign. Die drahtlosen Headsets können Entwicklern Hologramme von Teilen so anzeigen, als ob sie bereits in ein physisches Fahrzeug integriert seien. Der Fahrzeughersteller verspricht sich davon, die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen.
‣ weiterlesen