Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Manufacturing Execution Systeme

Feinplanung der Fertigung bewältigt die Auftragsflut

Die Alfred Konrad Veith GmbH & Co. KG fertigt als Anbieter von Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbau rund 130.000 Artikel. Um trotz dieser Produktvielfalt passgenau zu fertigen, implementierte der Betrieb kürzlich ein Manufacturing Execution System. Mithilfe der Software ließen sich Durchlaufzeiten und Termintreue deutlich verbessern.

Bild: Sack EDV-Systeme GmbH

Die Veith KG hat sich zu einem weltweit agierenden Anbieter von Normalien, Werkzeugen, Komponenten und kompletten Baugruppen im Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbau entwickelt. Um die Anforderungen der Kunden in Automobilindustrie, Medizintechnik und anderen Branchen zu erfüllen, investiert das Unternehmen ständig in neueste Fertigungstechnologie – erst kürzlich wurden mehrere Schnellläufer-Maschinen beschafft. Doch bei 130.000 eigenen Artikeln und rund 1.800 aktiven Fertigungsaufträgen muss auch die Organisation stimmen. Dabei hilft das Enterprise Resource Planning-System (ERP) von Infor, das Einkauf, Vertrieb, Disposition und Lager sowie die Erstellung der Fertigungsaufträge umfasst – jedoch keine Fertigungsfeinplanung für mechanische Bearbeitungen unterstützt. Die Fertigungspapiere wurden bisher den einzelnen Arbeitsplätzen zugeteilt, wo Mitarbeiter diese eigenverantwortlich abarbeiteten. „So konnten wir Terminüberschreitungen nicht verhindern“, sagt Fertigungsleiter Robert Dietle. Auch Vergaben zur Lohnfertigung, zum Härten oder Beschichten ließen sich nicht exakt terminieren und kontrollieren.

Stückzahlen bis zu 100.000

Jeder Auftrag enthält etwa zehn Arbeitsgänge, davon ein bis zwei Fremdvergaben. Durch Abrufaufträge mit Stückzahlen bis zu 100.000 liegt die durchschnittliche Lieferzeit bei etwa 14 Tagen, doch viele Komponenten verlassen bereits einen Tag nach der Bestellung das Haus. „Deshalb haben wir eine MES-Software gesucht, die so schnell und so flexibel ist wie wir“, sagt Bärbel Kapfer (Bild) aus der Geschäftsleitung. Sechs Manufacturing Execution-Systeme (MES) standen zur Auswahl. „Bei manchen Systemen war die Darstellung zu komplex“, sagt Fertigungsleiter Robert Dietle. „Bei fast 15.000 aktiven Arbeitsgängen sind komplexe Grafiken auf dem Monitor nicht mehr überschaubar.“ Ein größeres Problem bildeten jedoch die Rechenzeiten bei der automatischen Planung: „Manche Systeme brauchten einen Nachtlauf, um die Datenmenge zu verarbeiten“, sagt Dietle. „Wenn man mehrmals am Tag neu planen muss, sind solche Rechenzeiten nicht hinnehmbar.“ Die MES-Lösung ‚Pro Mexs‘ von Sack EDV-Systeme gestattete dies. Doch eine Schwachstelle gab es: Der MES-Anbieter konnte zwar Integrationen zu einer Vielzahl von ERP-Systemen nachweisen – aber nicht mit dem System von Infor. In einem Workshop wurde die Spezifikation der neuen Schnittstelle festgelegt. Mitarbeiter von Infor realisierten vor Ort einige Anpassungen. Nach vier Wochen präsentierte der MES-Anbieter das Ergebnis.



Verschiedene Formkerne für den Kunststoff-
Formenbau. Bild: Sack EDV-Systeme GmbH

Nun werden alle Arbeitsgänge in der mechanischen Fertigung mit dem MES geplant. Zwei- bis dreimal pro Tag werden die freigegebenen Aufträge aus dem ERP-System an das MES übertragen. Daraufhin wird automatisch ein neuer Planungsvorschlag erzeugt. Sonderaufträge oder lang bestehende Abrufaufträge lassen sich manuell mit den gewünschten Prioritäten versehen. „Dabei sieht man sofort, welche Auswirkungen dies auf andere Termine hat“, sagt Robert Dietle. Die Bearbeitungszeiten dauern häufig nur fünf Minuten. „Wir müssen den Fokus darauf legen, die Aufträge so vernünftig zu planen, dass es möglichst wenig Reibungsverluste gibt“, sagt der Leiter der Arbeitsvorbereitung Rüdiger Wiebl (Bild auf der linken Seite, rechts). In den verschiedenen Fertigungsbereichen stehen Infomonitore, die für jeden Arbeitsplatz den Planungsstand anzeigen können. So wissen Mitarbeiter rechtzeitig, welche Aufgaben sie zu erledigen haben. Innerhalb eines Tagespensums übernimmt der Mitarbeiter eigenverantwortlich die Rüstoptimierung. „Diese Flexibilität schafft bei unseren engagierten Mitarbeitern die nötige Akzeptanz“, sagt Bärbel Kapfer. In Zukunft sollen die Fertigungszeichnungen ebenfalls auf den Monitoren abrufbar sein. Über Terminals werden die Arbeitsgänge per Barcode-Scanner als ‚fertig‘ gemeldet.

Termintreue verbessert

Mit der neuen MES-Software konnte das Unternehmen seine Termintreue verbessern. „Wir haben wesentlich früher die Möglichkeit zu korrigieren und zu informieren“, sagt Robert Dietle. Damit der gesamte Fertigungsprozess erfasst wird, lassen sich auch Fremdvergaben überwachen. Die knapp kalkulierten Lieferzeiten werden so abgesichert. Die Vertriebsmitarbeiter können realistische Lieferzeiten anbieten, weil sie auf die Kapazitätsdaten zugreifen. Ausfälle von Mitarbeitern oder Maschinen und die geeigneten Gegenmaßnahmen lassen sich simulieren. Wartungsarbeiten gehen rechtzeitig in die Planung ein. Schließlich dient die Lösung auch zur Vorbereitung langfristiger Investitionsentscheidungen: „Wir erkennen nun realistischer, welche Kapazitäten wir ausbauen müssen“, sagt Bärbel Kapfer. Weil über das Unternehmen eine wahre Auftragsflut hereingebrochen ist, kam die Einführung zur rechten Zeit. „Wir sind wesentlich leistungsfähiger geworden“, sagt Bärbel Kapfer. Geschäftsführer Jürgen Pfledderer (Bild obere Seite, links) hatte die Suche nach einer geeigneten Planungssoftware vorangetrieben und sogar eine Diplomarbeit dazu initiiert. „Deshalb freue ich mich besonders, dass wir nun eine Lösung gefunden haben, die gut funktioniert“, sagt er.


Das könnte Sie auch interessieren:

Von der industriellen Produktion über die Intralogistik, von der landwirtschaftlichen Maschine bis zur Medizintechnik: Digitalisierung ist eine Voraussetzung für den künftigen Erfolg eines Unternehmens. Im Gespräch verdeutlicht Branchenexperte Stefan Götz den Kern eines cleveren Industrial-IT-Setups: Technologie, Kommunikation, Daten, IoT, Automation und Vernetzung. Der Industrie- und Embedded-PC ist die Drehscheibe.‣ weiterlesen

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS entwickelt zusammen mit europäischen Partnern im Projekt QLSI eine skalierbare Technologie für Silizium-Qubits für Quantencomputer.‣ weiterlesen

Mit dem Strategiepapier ‘Cyber Security Design Principles‘ will die Open Industry 4.0 Alliance darüber informieren, wie Unternehmen das Thema Sicherheit von der Werkshalle bis zur Cloud umsetzen können.‣ weiterlesen

Mit ihren Systemen rund um Dämpfe, Gase und Ventile spielt die GEMÜ Gruppe weltweit in der ersten Reihe. Als digitaler Knotenpunkt dient das ERP-System PSIpenta. Dessen Module zur adaptiven Produktionsplanung- und Steuerung verhelfen dem Familienunternehmen über Werks- und Landesgrenzen hinweg zu fast hundertprozentiger Liefertermintreue.‣ weiterlesen

Es gibt keinen Textauszug, da dies ein geschützter Beitrag ist.‣ weiterlesen

Aus dem Industrie-4.0-Barometer der Management- und IT-Beratung MHP geht hervor, dass sich die Position eines CIO in der Geschäftsführung positiv auf Umsetzung von Industrie-4.0-Ansätzen auswirkt.‣ weiterlesen

Durch die Pandemie und durch die Digitalisierung steigt der Innovationsdruck auf die deutsche Industrie. Wie die aktuelle CGI-Studie zeigt, können agile Unternehmen besser mit den damit verbundenen Herausforderungen umgehen.‣ weiterlesen

Das Internet der Dinge bringt physische und digitale Welten zunehmend zusammen. Schon längst geht es nicht mehr nur um die pure Vernetzung von Geräten, sondern um Systeme, die Menschen, digitale Lösungen und Objekte aus der realen Welt verknüpfen.‣ weiterlesen

Kooperationen mit Technologie-Startups bieten für etablierte Unternehmen Chancen, um die digitale Transformation zu bewältigen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch selbst wenn große Organisationen schon mit jungen Firmen kooperieren, nutzen sie das Potenzial dieser Zusammenarbeit oft kaum aus.‣ weiterlesen

231.000 offene Stellen weniger als im vierten Quartal 2019 verzeichnet das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in der aktuellen Stellenerhebung. Demnach ist die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem dritten Quartal 2020 jedoch gestiegen.‣ weiterlesen

Die vermehrte Arbeit im Homeoffice reduziert die CO2-Emissionen, die beispielsweise durch Pendeln entstehen. Auf der anderen Seite steigt der Stromverbrauch zuhause. Wie dieser reduziert werden kann, zeigen Tipps der Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige