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Akkurat planen – schnell reagieren

Lieferketten-Management in der chemischen Industrie

Akkurat planen – schnell reagieren

In Europa produzierende Chemie-Unternehmen stehen zunehmend unter internationalem Konkurrenzdruck, beispielsweise durch die Ethylen-Produktion in neuen Märkten. Um sich in diesem Umfeld zu behaupten, sind Flexibilität und Geschwindigkeit beim Agieren am Markt gefragt. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, spielt die Abstimmung von Demand-Management, Planung und Dispositionist eine Schlüsselrolle.



Bild: Steve Cole/Getty Images

Angesichts globalisierter Märkte entscheiden in der chemischen Industrie die Leistungsfähigkeit der Supply Chain und die zeitnahe Erfüllung der Kundennachfrage über die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen. Um angemessene Margen sicherzustellen und ihre eigenen Geschäftsziele erreichen zu können, müssen sie dabei zusätzlich das Problem steigender Rohstoff- und Materialkosten lösen. Ein gelungenes Supply Chain Management verlangt, dass alle Beteiligten unter strengen Bedingungen optimal zusammenarbeiten.

Fehlt es allerdings an strategischem Vorgehen und Koordination oder es werden die falschen Werkzeuge benutzt, dann schöpfen Unternehmen Effizienzpotenziale nicht aus. Gestiegene Kapazitäten im Raum Asien-Pazifik und im Nahen Osten führen dazu, dass der weltweite Marktanteil der europäischen Produzenten sinkt. Es wurde beispielsweise prognostiziert, dass die jährliche Zuwachsrate der Ethylen-Produktion durch die in den neuen Märkten im Bau befindliche Cracker-Kapazität weiter steigen wird.

Diese technisch fortschrittlichen Produktionsanlagen arbeiten mit deutlich niedrigeren Kosten als ihre älteren europäischen Pendants. Um in Exportmärkten konkurrenzfähig zu bleiben und den Import in den europäischen Markt zu minimieren, müssen in Europa produzierende Chemieunternehmen ihre Kosten weiter senken und ihre bestehenden Anlagen weiter optimieren.

Anforderungen und Portfolio-Umfang steigen

Und um die Kunden halten zu können, müssen die Versorgungswege ausgebaut und Liefermöglichkeiten über große Entfernungen angeboten werden, die mindestens so konkurrenzfähig sind wie die von lokalen Produzenten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kunden immer kürzere Lieferzeiten und schnellere Lieferungen in kürzeren Zeiträumen fordern. Die Hersteller müssen ein rasch wachsendes Produktportfolio bewältigen, haben aber gleichzeitig mit komplexen Fertigungsprozessen zu kämpfen, die eine straff gekoppelte Batch-Fertigung sowie komplizierte Misch- und Vermengungsoperationen umfassen. Hinzu kommen widersprüchliche Produktionsstrategien und der zunehmende Druck hinsichtlich einer Kostenreduzierung.

Demand Manager, Planer und Disponenten spielen bei der Vermarktung von Produkten eine entscheidende Rolle. Der Wettbewerb zwingt dazu, die Flexibilität des Unternehmens zu verbessern, den Ausstoß zu maximieren, die Auslieferung der Produkte zu beschleunigen und die Compliance-Anforderungen stringent zu erfüllen, während gleichzeitig ein hoher Kundenservice sicherzustellen ist. Die Integration von Informationen und Prozessen ist eines der größten Defizite beim Management und der Optimierung der Supply Chain. Dieser Mangel wird oft durch siloartige Organisationsstrukturen verstärkt.

Insgesamt lassen sich Demand-Management, Planung und Disposition als die wichtigsten Elemente eines integrierten Entscheidungsprozesses identifizieren. Demand-Management und Planung sind normalerweise Bestandteil des Sales & Operations Planning (S&OP). S&OP steht für einen monatlichen Zyklus, in welchem die Bedarfs- und Lieferpläne des Unternehmens abgestimmt und im Hinblick auf den Geschäftsplan optimiert werden. Sobald sich die Beteiligten geeinigt haben, wird ein ausführbarer Zeitplan für die Produktion erstellt. Mittels Planungswerkzeugen werden außerdem die Startbedingungen für den nächsten Planungsprozess abgeschätzt.

Das Demand-Management setzt damit solide Planung und Koordination sowie hohe Flexibilität und genaues Timing voraus, um die einzelnen Abläufe der Lieferkette zu steuern und effektiv auszuführen. Es ermöglicht eine integrierte Betrachtung des Bedarfs über die gesamte Supply Chain hinweg. Dazu zählt ebenso eine Prognose, die die Gesamtnachfrage detailliert darstellt, wobei wichtige Abweichungen von der Vorhersage hervorgehoben werden. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten bei der Beschaffung vieler Rohstoffe erfolgt die Prognose am besten im Hinblick auf das fertige Produkt. Zu den Vorteilen eines integrierten Demand-Managements gehören normalerweise eine höhere Stabilität und eine bessere Genauigkeit der Vorhersagen.

Der Einsatz von Software für das Lieferkettenmanagement muss der internationalen Martkentwicklung genauso Rechnung tragen wie den Termin- und Materialanforderungen aus Fertigung und Beschaffung. Bild: Aspen Technology, Inc.

Langfristige Planung operationaler Effekte

Die Definition einer Strategie für die möglichst profitable Erfüllung der erwarteten Nachfrage stellt viele Unternehmen vor eine Herausforderung. Faktoren wie die Einführung neuer Produkte, saisonale Spitzen im Produktmix, Schließung von Fertigungswerken und Rohstoffverfügbarkeit müssen berücksichtigt werden, um größere Abweichungen zu vermeiden.

Die Investition in Softwarewerkzeuge kann merklich helfen, um die operationale Effizienz zu verbessern. Zum Beispiel konzentriert sich der Aspen Supply Chain Planner im S&OP-Prozess auf die unternehmensweite Beschaffungs- und Bestandsplanung – speziell um zu bestimmen, wo was produziert werden sollte. Dabei lässt sich die Produktion auf Fertigungswerke verteilen, um Transport- und Betriebskosten zu minimieren.

Durch die gleichzeitige Betrachtung von Beschaffung, Produktion, Bestand und Distribution ermöglicht die Software eine bereichsübergreifende Lösung, in der auch Kapazitäten und andere Faktoren berücksichtigt werden. Planer können so schnell verschiedene Alternativen untersuchen, um zeitnah und damit profitabler auf unerwartete Marktbedingungen zu reagieren.

Monitoring von Prozess- und Chargenläufen

Die Planungssoftware dient dazu, ausführbare Pläne für die Fertigung zu generieren, welche Materialverfügbarkeit, Anlagen- und Lagerkapazität, Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Fabrikkalender sowie weitere operative Aspekte berücksichtigen. Chemische Produktionsprozesse können als kontinuierlich, halbkontinuierlich oder Batch-Prozesse betrachtet werden.

Bei Batch-Prozessen wird normalerweise für jede Produktcharge ein Arbeitsauftrag generiert. Jedem Arbeitsauftrag wird eine Chargen- oder Batchnummer zugeordnet, die auch als Grundlage für die Produktionsüberwachung und die Kennzeichnung der Endprodukte dient. Anschließend müssen Reinigungsprozeduren durchlaufen werden, um eine Kontamination nachfolgender Chargen zu vermeiden. Die Sequenzierung ist auf Grund der Reinigungszeiten ein wichtiger Aspekt. Daher müssen gleiche Produktlose unbedingt aufeinander folgen. Natürlich muss diese Strategie auch im Hinblick auf den Lagerbestand abgestimmt werden.

Das Unternehmen auf Kurs halten

Das Supply Chain Management soll vor allem integrieren – mit einem Fokus auf der Verknüpfung wichtiger Geschäftsfunktionen und Prozesse zu einem in sich geschlossenen und leistungsfähigen Geschäftsmodell. Es steuert die Koordination des Logistikmanagements und der Fertigung unter Einbeziehung von Marketing, Vertrieb, Produktdesign, Finanzwesen und Informationstechnologie. Eine gute Zusammenarbeit ist die Voraussetzung für Erfolg.

Der Wettbewerb auf dem Markt ist nur ein Teil der Herausforderung. Die Implementierung integrierter, optimierter Pläne auf der Basis einer genauen Vorhersage gewährleistet eine hohe Flexibilität, so dass schnell auf Gelegenheit reagiert werden kann. Der Einsatz von Prozesssoftware erlaubt, profitabel auf unerwartete Marktanforderungen zu reagieren, Geschäftsziele zu erreichen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen.