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Leitmesse 'Digital Factory'

Die Fabrik geht online

Industrie 4.0 ist Reizwort für die einen und Vision für die anderen. Wo steht die Industrie 2016? Was lässt sich als innovativ und auf der Vision basierend ausmachen? Messen sind immer ein Gradmesser dafür, wie sich Trends in marktgängigen Produkten manifestieren. 2016 ist die 'Digital Factory' größer denn je: Neben den etablierten Anbietern von Industriesoftware gibt es Aussteller, die hier bisher nicht zu finden waren. Und mit dem Partnerland USA kommt zu Industrie 4.0 das Industrial Internet hinzu. Fünf Jahre nach dem Start der Initiative ist klar, dass die vierte industrielle Revolution in vollem Gang ist.



SAP Service: Der Service wird zum wichtigen Player in der Industrie. Bild: SAP Deutschland SE & Co. KG

Die Digital Factory als internationale Leitmesse für Integrierte Prozesse und IT-Lösungen gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Die Digitalisierung der Prozesse in der Industrie blickt bereits auf eine rund vierzigjährige Geschichte zurück – von Produktionsplanung und -steuerung über 2D-CAD als Zeichenbrettersatz bis zu ersten Ansätzen für modellbasierte Systementwicklung. Die Digitalisierung selbst ist also auch für die Industrie nichts Neues. Neu ist, dass sie das Internet für sich und für ihre Produkte und Prozesse entdeckt und auf diese Weise selbst zum neuen Player im Internet wird. Das Internet der Dinge, lange Jahre beschworen, ohne wesentlich mehr Dinge als mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets zu erfassen, bekommt ein noch ungewohntes Gesicht: die Produktionsanlage, der Roboter, aber auch Konsumgüter oder Weiße Ware werden als mögliche Plattformen für Apps und Anwendungen identifiziert.

Industrielle Daten

Damit rücken industrielle Daten, wie Betriebsdaten von Haushaltsgeräten und Werkzeugmaschinen, Umgebungsdaten, die von Geräten gemessen werden, Ort und Zeit, die zum Einsatzstatus eines Produktes gehören, mehr in den Fokus. Diese Daten wertschöpfend einzusetzen, stellt die Industrie vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen und Perspektiven. Möglicherweise verlangt das genau die industrielle Expertise, die die Unternehmen der alten Ökonomie mitbringen. Auch wenn sich die Debatte um Industrie 4.0 meist fast ausschließlich um die intelligente Produktion dreht, die Umwälzung geht deutlich mehr in die Breite und auch in die Tiefe. Es sind die Produkte, die Dinge, die bisherigen Endergebnisse der Wertschöpfungskette, die nun zum Träger neuer Dienstleistungsangebote werden. Weil Maschinen und Anlagen selbst intelligente Produkte sein können, lassen sie sich auch für intelligente Innovationen in der Fertigung nutzen. Vieles in der Industrie wird sich grundlegend ändern.

Service wird zentrales Element

Der Servicebereich, der bisher meist erst in Aktion trat, wenn ein Gerät nicht mehr funktionierte, wird zum zentralen Element, das im Hintergrund über das Internet wirkt und schon an der Maschine ist, bevor sie ausgeschaltet werden muss. Der Service wird zu dem wichtigsten Ratgeber der Ingenieure, denn er weiß, was an der Entwicklung eines Geräts optimiert werden kann. Das ist die Änderung der Prozesse. Hier müssen IT-Lösungen, wie sie in den Schwerpunkten der Digital Factory zu finden sind, zusammenwachsen: Produkt-Lebenszyklus-Management (PLM) mit Manufacturing Execution Systems (MES) und Enterprise Ressource Planning (ERP). Mit den herkömmlichen IT-Insellandschaften ist die neue Stufe der Digitalisierung nicht zu schaffen. Auch die Industrieprodukte selbst ändern sich grundlegend mit der wachsenden Intelligenz der Dinge. So ersetzen in manchen Unternehmen bereits selbstfahrende Regale, die bei Bedarf an die Maschine kommen und abliefern, was benötigt wird, die Regale im Lager, aus dem sich die Mitarbeiter etwas holen müssen. So wie ein Fahrzeug, das fahrerlos zum Nutzer kommt und ihn abholt, andere Dienste erlaubt als ein Fahrzeug, das in der Garage steht. In der Fabrik erlauben die neuen Produkte eine neue Art von Intralogistik. Es sind solche Anwendungen und Dienstleistungen, die der Industrie die größten Chancen bieten, sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet in ihren Kernbereichen zu behaupten und durchzusetzen. Dienstleistungen, für die sich die Industrie neue Geschäftsmodelle schaffen muss.

Neue Zusammenarbeit

Wobei es zu einer neuen Zusammenarbeit zwischen der alten und der neuen Wirtschaft, zwischen den bisherigen Hardwareherstellern und den Internetgrößen kommt. Auch das, diese neuen Partnerschaften, die digitalen Eco-Systeme, spiegelt sich dieses Jahr in der Digital Factory auf der Hannover Messe. Die Schwerpunkte PLM und CAX mit Anbietern wie Autodesk, Aucotec, Dassault Systèmes, Eplan und Siemens PLM bilden den Kern der Ausdehnung der Digital Factory in die Halle 6. Auch das CAE-Forum ist 2016 in Halle 6 zu finden, ebenso wie zwei Gemeinschaftsstände US-amerikanischer Aussteller. In Halle 7 ist Partnerland USA mit einem US-Pavillon vertreten, aber auch insgesamt belegen die US-Aussteller nach den deutschen Ausstellern die größte Fläche in der Digital Factory. Ebenfalls vertreten ist die EU mit einem Gemeinschaftsstand, der für 17 Mitaussteller Platz bietet. Neben Microsoft, wieder mit einem großen Partnerstand vor Ort, sind unter anderem auch AT&T und IBM angemeldet. Auch die Unternehmensberatung Accenture ist erneut deutlich sichtbar, ebenso wie Infosys.

Im Übrigen sind weiterhin die führenden Anbieter von ERP und MES wie PSI, Forcam, MPDV und SAP die Schwerpunkte in Halle 7. Auch die Gemeinschaftsstände des VDMA sowie des Bitkoms finden sich in Halle 7. Wohin die Reise geht, das zeigen die Aussteller immer häufiger mit Beispielen, die sie mit ihren Kunden vorführen. So wird Dassault Systèmes in diesem Jahr mit dem Landmaschinenhersteller Claas demonstrieren, wie Digitalisierung auch die Feldarbeit autonom und smart macht. Und bei Microsoft stehen nicht Windows und die eigenen Softwaresysteme im Vordergrund, sondern Anwendungen, die Partner für ihre Kunden im Internet der Dinge realisieren. Der Kunde spielt in der Zukunft die Hauptrolle. Das schlägt sich nun auch in der Messe nieder. Im Forum Industrie 4.0, das wie in den vergangenen Jahren in der Halle 8 ausgerichtet wird, ist in diesem Jahr auch das Industrial Internet Thema.

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Die Fabrik geht online
SAP Service: Der Service wird zum wichtigen Player in der Industrie. Bild: SAP Deutschland SE & Co. KG



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