Anzeige
Anzeige

Lebenszyklusmanagement für die Instandhaltung

Beitrag drucken


Bild 3: Autor: Dr. Patrick Müller, Produktmanager PLM, Contact Software

Komplexe Anforderungen in Re-Engineering-Prozessen

Im Rahmen von Überholungs- oder Modernisierungsprojekten werden häufig umfassende konstruktive Änderungen vorgenommen. So lassen sich beispielsweise Schaufeln von Dampfturbinen nachträglich an neue Technologien und Design-Prinzipien anpassen, um höhere Leistungsgrade zu erzielen. Oft wird dabei das Design eines Schaufelfußes beibehalten, um nicht die kostenintensive Welle einer Turbine – also die Schnittstelle zur Schaufel – ändern zu müssen, während das Schaufelblatt neu konstruiert wird. Dieses Vorgehen wird üblicherweise als Re-Engineering bezeichnet. Dabei werden Prozesse, Methoden und Werkzeuge aus der Neuentwicklung eingesetzt. Das betrifft auch die Erzeugung der neuen Produktdaten wie CAD-Modelle, Zeichnungen oder Stücklisten, um modernisierte Ersatzteile für die Instandhaltung herstellen zu können. In der Luftfahrt werden zum Beispiel Flugzeugkabinen häufig gemäß spezieller Kundenanforderungen umgebaut, wenn das Flugzeug an einen neuen Betreiber übergeben wird. Dies können einzigartige Kabinenkonfigurationen sein, wobei neue Zulassungen und Instandhaltungspläne erforderlich werden. Entsprechend wird eine große Informationsdichte aus unterschiedlichen Quellen benötigt, um die anliegenden Prozesse zielgerichtet zu gestalten.

Informationsmanagement als zeitkritischer Faktor

Neben Produktion und Entwicklung kann damit auch die Instandhaltung vom Einsatz geeigneter Informationstechnik profitieren. Systeme für das Produktlebenszyklus- und Produktdatenmanagement (PLM/PDM) liefern Anwendungsfunktionen, die auch in der Instandhaltung Unterstützung beim Erstellen von Beschreibungen, Handbüchern, Ersatzteillisten und Dokumentationen leisten können. Der Untersuchung ‚Markt und Trendstudie 2011: Maintenance, Repair and Overhaul‘ des Fraunhofer Institut für Prooduktionsanlagen und Produktionstechnik (IPK) zufolge schätzen viele Instandhalter den Softwareeinsatz vor allem aufgrund der eingesparten Zeit, einer verbesserten Übersichtlichkeit auf die betroffenen Prozesse sowie der realisierten Kostenreduktion.

Viele Systeme weisen in der Praxis jedoch Schwachstellen auf, die sich in Überschneidungen der eingesetzten Softwarelösungen zeigen, in redundanter Datenhaltung, mangelnder Vernetzung und veralteten Datenbeständen. Die Herausforderung besteht darin, durch ein integriertes Informations- und Konfigurationsmanagement die ‚As-Built‘-Bauzustände für die Planung der Instandhaltungsmaßnahmen, Teamzuweisung, Maschinenbelegung und Dokumentenbereitstellung vorzuhalten. Die Verfügbarkeit von geometrischen Modellen, Zeichnungen und Stücklisten stellt zudem eine wichtige Basis für Re-Engineering-Projekte sowie die Reduktion von Such- und Inspektionsaufwänden dar.

Lebenslange Unterstützung für Produkte

Ein Teil der Bauzustandsverwaltung ist das revisionssichere Verwahren von Engineering-Daten und Dokumenten. Um den langfristigen Betrieb aufrechtzuerhalten, gilt es zudem Änderungs- und Freigabeprozesse sowie das Projektmanagement sinnvoll in die IT-Systeme zu integrieren. Dieser Ansatz wird im Rahmen von PLM-Konzepten verfolgt, welche technisch in der Regel durch ein IT-basiertes Produktdatenmanagement unterstützt werden. PDM-Systeme unterstützen als Enterprise-Anwendungen für Daten- und Prozessmanagement in der Produktentwicklung auch die Verwaltung von CAD-Modellen, Zeichnungen und Stücklisten sowie Funktionen für Workflow- und Projektmanagement. Auf diese Weise kann die Software als Informations-Backbone für übergeordnete PLM-Prozesse dienen. Mit dem Ziel, nach Möglichkeit alle relevanten Daten aus dem Produktlebenszyklus zusammenzuführen, besteht PLM als integrierter Management-Ansatz aus konsistenten Prozessen, Methoden, Modellen und IT-Werkzeugen zur Verwaltung von Produktinformationen, Prozessen und Applikationen im gesamten Produktlebenszyklus.

Darin fließen sowohl Informationen aus dem Anwenderunternehmen als auch Daten aus Kooperationen zwischen OEM, Zulieferern, Kunden und Partnern zusammen. Der PLM-Prozess integriert dabei Produktlebensphasen von der Marktanalyse über die Produktentstehung bis zu Betrieb, Service und der Ablösung des Produkts. Während der Fokus bislang auf der Produktentstehung lag, decken aktuelle Systeme den Produktlebenszyklus immer gleichmäßiger ab. Angesichts ausgeprägterer Produktindividualisierung und der Ausweitung des Instandhaltungsgeschäfts im Bereich Modernisierung und Re-Engineering gewinnen PLM-Systeme auf dem Feld Instandhaltung zunmehmend an Bedeutung.

Mehrwert in den Produktdaten steigern

Instandhaltungsdienstleistungen nehmen heute bei vielen Unternehmen einen wesentlichen Platz im Service-Geschäft ein, zumal die Margen vergleichsweise hoch sind. Einige Produkte werden im Neugeschäft nahezu ohne Gewinne abgegeben, aber als Zugang zum lukrativen Service-Markt genutzt. Hier sind Geschäftsmodelle gefordert, bei denen nicht ein Produkt, sondern eine Funktion, Verfügbarkeit, ein definiertes Produktionsergebnis oder gegebenenfalls eine Fähigkeit verkauft wird. Tritt ein Unternehmen als Systemanbieter auf, so ist es zwingend auf effiziente Engineering-Dienstleistungen und IT-Support angewiesen. Der IT-gestützte PDM/PLM-Ansatz ist – in Verbindung mit Konfigurations- und Projektmanagement – ein vielversprechender Baustein, um Instandhaltung als Geschäftsfeld erschließen zu können.


Das könnte Sie auch interessieren:

Zerspaner müssen sich intensiv mit hoher Variantenvielfalt, kleinen Losgrößen und langen Rüstzeiten befassen, um wettbewerbsfähig zu fertigen. MES-Software mit Advanced Planning and Scheduling-Funktionalität hilft, die Herausforderungen der Branche anzugehen.‣ weiterlesen

Weltweit steckt der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) noch in den Kinderschuhen. Die Mehrheit der Unternehmen, die KI einsetzen, experimentieren laut einer Accenture-Untersuchung in diesem Bereich noch. 12 Prozent nutzen die Technologie mit einem KI-Reifegrad, der einen starken Wettbewerbsvorteil bringt, so das Ergebnis der Studie.‣ weiterlesen

Thomas Herrguth verantwortet seit 1. Juli das Deutschlandgeschäft bei VMware. Sein Vorgänger Armin Müller konzentriert sich nun auf seine Rolle als Vice President CEMEA bei VMware.‣ weiterlesen

Bei Predictive-Quality-Anwendungen kann es sich auszahlen, nicht auf die Cloud, sondern auf Edge Computing zu setzen – vor allem dann, wenn es schnell gehen muss, erläutert Data-Science-Spezialist LeanBI.‣ weiterlesen

Der ERP-Auswahlberater Trovarit begleitete Buhmann Systeme bei seiner Software-Neuausrichtung von der Prozessanalyse bis zur Systemauswahl. Ein zentrales Element war der Anforderungskatalog mit 850 Punkten. Im Marktvergleich bot die Software AMS.ERP die höchste Abdeckung - und ihr Hersteller erhielt den Zuschlag.‣ weiterlesen

Gemeinsam wollen Siemens und Nvidia das industrielle Metaverse erschließen. Die Unternehmen wollen dafür ihre Partnerschaft ausbauen und durch die Verknüpfung von Nvidia Omniverse und Siemens Xcelerator realitätsgetreue digitale Zwillinge ermöglichen.‣ weiterlesen

Amazon Web Services hat auf dem AWS Summit in San Francisco drei Services angekündigt, die sich vor allem an produzierende Betriebe richten. Mit AWS IoT TwinMaker können Entwickler digitale Zwillinge etwa von Gebäuden, Fabriken, Industrieanlagen und Produktionslinien erstellen.‣ weiterlesen

Wachstum hatte die Personalarbeit bei Schuler Präzisionstechnik vor Herausforderungen gestellt. Die manuelle Bearbeitung von Vorgängen kostete Zeit und war umständlich. Daher wurde ein digitales Personalmanagement-System auf Basis einer Software für Enterprise Content Management (ECM) aus der Taufe gehoben.‣ weiterlesen

Die Berliner Fraunhofer Institute haben im Auftrag von German Edge Cloud und dem Innovationscluster 5G Berlin eine 5G-Infrastruktur in Betrieb genommen. Diese steht Kunden und Partnern aus Industrie und Forschung für Projekte zur Verfügung.‣ weiterlesen

PTC hat das neunte Major Release der CAD-Software Creo vorgestellt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Boston hat in die Weiterentwicklung der Modellierungsumgebung investiert, um die Benutzerfreundlichkeit und Produktivität zu erhöhen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige