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Konfigurationsmanagement

Die Weichen auf Zusammenarbeit gestellt

Eine Komponente besteht mitunter aus hunderten oder gar tausenden von mechanischen und elektronischen Unterkomponenten sowie Softwarecode-Zeilen. Mit komplexen Strukturen steigt das Risiko von Fehlern entlang des Entwicklungs- und Herstellungsprozesses. Eine Methode, um diese Fehler zu verhindern und eine geordnete Struktur zu schaffen, ist das Konfigurationsmanagement.

Bild: usb GmbH

Bild: usb GmbH

Über Konfigurationsmanagement lassen sich Eigenschaften und Zusammensetzung von Produkten über den gesamten Produktlebenszyklus steuern und dokumentieren – von der Entwicklung über die Herstellung, den Betrieb, die Wartung bis hin zur Entsorgung. Konfigurationsmanagement ermöglicht die Nachverfolgbarkeit des Bauzustandes und die Identifizierung eines Produkts. Ein Produkt kann dabei auch eine Dienstleistung, Software oder Hardware sein.

Konfigurationen werden komplexer

Die Managementdisziplin Konfigurationsmanagement nimmt etwa bei Fahrzeugherstellern eine immer wichtigere Rolle ein. Viele Automobilbauer haben die Verantwortung für die Entwicklung und Produktion ihrer Fahrzeuge an Zulieferfirmen übertragen. Ein Beispiel ist der von einem deutschen und einem japanischen Automobilhersteller gemeinsam entwickelte und kürzlich vorgestellte Sportwagen, den ab 2018 ein österreichischer Auftragsfertiger in Graz produzieren soll. Der Hersteller und die Zulieferer müssen also die auftretenden Änderungen während der Entwicklungs- und Herstellungsphase exakt abstimmen und koordinieren können. Mit Konfigurationsmanagement koordinieren die Firmen diese Änderungen, um Kosten zu senken, Produkte zu verbessern und gleichzeitig schnell am Markt zu sein.

Individualisieren ist gefordert

Knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes vieler Unternehmen wird durch den Vertrieb neuer Produkte generiert. Eine wesentliche Herausforderung ist dabei, Produkte schnell auf den Markt zu bringen. Damit geht die Verkürzung von Innovationszyklen einher. Anderseits wollen Unternehmen mit ihren Innovationen die ersten auf dem Markt sein, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Gleichzeitig wird die Stimme des Endverbrauchers lauter, der ein Produkt nach seinen individuellen Bedürfnissen verlangt. Viele Produzenten antworten darauf mit Produktindividualisierung statt Produktstandardisierung. Im Automobilbau ist dies besonders deutlich zu bemerken. Große und kleine OEM versuchen über ihre Modellvielfalt den Geschmack der Käufer zu treffen. Dieser Trend zur Diversifikation setzt die Hersteller unter Druck, denn diese Vielfalt kann schnell zu Unübersichtlichkeit und Problemen in der Produktion führen. Auch hier kann Konfigurationsmanagement weiterhelfen.

Änderung effizient verwaltet

Das Änderungswesen ist ein Teil des Konfigurationsmanagements und wird ebenfalls immer wichtiger. Änderungen kommen aus verschiedenen Gründen zustande: Vertrags- und Designänderungen, Einbau neuer Technologien, Erweiterung der Sicherheitsfunktionalitäten, Prozessverbesserungen und vieles mehr. Diese Änderungen sind nicht nur relevant für Mitarbeiter aus der Entwicklung und der Konstruktion, sondern auch der Produktion, dem Vertrieb, der Wartung und der Ersatzteilabteilung. Jede Änderung muss dokumentiert und verwaltet werden. Von zentraler Bedeutung ist hier die Stückliste oder Bill of Material, kurz BOM. Sie definiert das Produkt und die Beziehungen der Bauteile. Fehlerhafte und unvollständige BOMs können schnell Probleme verursachen, die sich jedoch auch wieder beseitigen lassen. Kompliziert wird es, wenn Varianten und individuelle Konfigurationen in der BOM abgebildet werden müssen. Konfigurationsmanagement hilft dabei, Teilevielfalt und Produktvarianten zu bewältigen.

Software hilft bei PLM-Prozessen

Die Prozesse des Konfigurations- und Änderungsmanagements lassen sich mit PLM-Anwendungen automatisieren. Die folgenden Tipps helfen dabei:

  • Durch Systematisieren und Standardisieren von Prozessen lassen sich Änderungen rechtzeitig analysieren und diese an alle betroffenen Fachbereiche kommunizieren.
  • Solide Änderungsmanagementprozesse über die gesamte Lieferkette hinweg, helfen auf dem Weg zu vollständigen und fehlerfreien BOMs.
  • Über zentrales Product Lifecycle Management stellen Unternehmen sicher, dass ihr Konfigurationsmanagement-Prozess durch eine zentrale, sichere und stets zugängliche Plattform für die Verwaltung der Produktdaten unterstützt wird.
  • Für effizientes Konfigurationsmanagement gilt es, die standortbedingten kulturellen und organisationalen Hintergründe zu betrachten. Oft ist es von Vorteil, das Konfigurationsmanagement in die Unternehmensphilosophie zu integrieren.

Die wachsende Produktkomplexität, die Nachfrage nach individualisierten Produkten und kürzere Entwicklungszyklen erzeugen ein Umfeld, das Erfolg und Innovation erschwert. Mit konsequentem Konfigurationsmanagement verbessern Unternehmen ihre Chance, den Sprung ins Zeitalter von Industrie 4.0 zu schaffen.


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