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Kapazitäten in der Produktion

Flexibel den Personaleinsatz planen

In der Industrie 4.0 sind alle Maschinen miteinander vernetzt. Jede Störung wird transparent und führt dazu, dass automatisch die notwendigen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Was aber passiert, wenn ein Maschinenbediener erkrankt? Wo steht zeitnah ein Ersatz zur Verfügung? Hier wird oft bestenfalls auf eine Excel-Tabelle zurückgegriffen, in dem die Teamleiter die Mitarbeiter schichtbezogen auf Arbeitsplätze einplanen. Die vorhandenen Qualifikationen existieren dabei nur im Kopf des Planers. Ist das auch Industrie 4.0? Oder ist die Produktion auf einem Auge blind?



Anzeige Personaleinsatzplan in der Fertigung. Bild: Freudenberg IT

Moderne Ansätze sehen in der Personaleinsatzplanung ein strategisches Instrument, welches vertikal und horizontal in die Prozesse eines Unternehmens integriert ist. Der Personalbedarf – beziehungsweise der Qualifikationsbedarf – resultiert direkt aus den Aufträgen, die in einem Feinplanungsinstrument zeitlich auf Maschinen eingelastet und somit von einem ERP-System bereitgestellt werden. Demgegenüber wird das zur Verfügung stehende Personal mit den vorhandenen Qualifikationen benötigt. In der Personalzeitwirtschaft sind Schichtmodelle hinterlegt und Abwesenheiten erfasst. Dieses Personal wird mit Qualifikationen verknüpft und als Qualifikationsangebot übergeben. Nun kommt die Personaleinsatzplanung ins Spiel und erstellt automatisch unter Berücksichtigung von Regeln und Restriktionen einen bestmöglichen Vorschlag zum Personaleinsatz, deckt Engpässe auf und visualisiert verfügbares Personal. Die letzte Feinjustierung ist dem Schichtplaner vorbehalten. Änderungen im Bedarf oder im Angebot (ein Mitarbeiter ist ausgefallen) wird direkt aus den übergeordneten Systemen übermittelt und die Personaleinsatzplanung passt daraufhin ihre Planung an. Die Mitarbeiter können sich an einem Infoboard direkt in der Produktion über den aktuellen Einsatzplan informieren. Aber ist das schon Industrie 4.0?

‚Selbststeuerndes Personal‘

Ein übergeordnetes Ziel von Industrie 4.0 sind selbststeuernde Maschinen beziehungsweise – weiter gefasst – selbststeuernde Ressourcen. Das soll auch für die Ressource Personal gelten. Aber wie kann sich das Personal selbst steuern? Immer neue Schichtmodelle fordern eine hohe Flexibilität der Mitarbeiter. Aus einem Drei-Schicht-Betrieb mit wöchentlichem Wechsel wurden Kontischichten, in denen sich vier oder fünf Teams die Schichten auch am Wochenende aufteilen. Heute sind Modelle verbreitet, bei denen im Schichtmodell nicht die erforderliche Sollzeit abgedeckt ist. Dies bedeutet, dass der Mitarbeiter flexibel über das Jahr verteilt noch zusätzliche Schichten erbringt, um Engpässe in anderen Teams oder Bereichen zu vermeiden. Das System ermöglicht kurzfristige Flexibilität und fördert bereichsübergreifenden Austausch von Arbeitskräften. Es schafft Transparenz und kann helfen den Einsatz von Leiharbeitnehmern zu optimieren. Da ergibt es Sinn, dass das Unternehmen dem Schichtplaner oder Teamführer und seinen Mitarbeitern das Vertrauen sich selbst zu organisieren entgegenbringt.

Ein Beispiel: Ein Chefauftrag erfordert zusätzliches Personal in den nächsten Tagen. Der Schichtplaner erkennt den Bedarf in der Personaleinsatzplanung und stellt eine Anfrage zur Übernahme der Bringschicht an alle oder ausgewählte Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation. Die Mitarbeiter lehnen ab oder bewerben sich auf diese Anfrage und der Schichtplaner wiederum wählt letztendlich einen oder mehrere Mitarbeiter aus. In diesem Workflow ist der Mitarbeiter umfassend eingebunden. Durch das Bewerben für eine Zusatzschicht oder die Zusage für eine Schulungsmaßnahme kann das Team den Personaleinsatz interaktiv mitgestalten. ‚Employee Self Service‘ ist hier das gängige Schlagwort. Das beginnt bei der Erfassung der eigenen Urlaubsanträge, ist aber heute viel mehr. Der Mitarbeiter ist Teil des Workflows mit vertikaler Integration zur Zeitwirtschaft, aber auch ins ERP-System.



Manfred Silbermann ist Projekmanager bei der Freudenberg IT. Bild: Freudenberg IT

Effizienzbringer Mobile Devices

Um ‚Employee Self Services‘ effizient zu verwenden, sind moderne Kommunikationsmedien gefragt. Sowohl Planer als auch Mitarbeiter möchten Tablet oder Smartphone nutzen. Mobile Arbeitsprozesse sind in vielen Unternehmen schon Alltag geworden. Mobile Abläufe in der Produktionssteuerung und Personalplanung stecken jedoch noch weitgehend in den Kinderschuhen. Potenziale zur Effizienzsteigerung sind unübersehbar: Mit mobilen Lösungen erhalten Mitarbeiter in der Produktion kontinuierlich und ortsunabhängig Informationen auf Smartphones oder Tablets. Das erspart Mitarbeitern in der Fertigung den Weg zu einem stationären Terminal und beschleunigt dadurch die Produktionsdurchläufe. Konkret erhält jeder Mitarbeiter auf seinem Mobilgerät einen maßgeschneiderten, personalisierten Informationsfluss. Dieser zeigt die künftig geplanten Schichten und Abwesenheitsplanungen sowie den Werkskalender. Der Mitarbeiter erhält Details zum geplanten Einsatzort je Schicht, eingesetzter Qualifikation, Einsatz-Dauer sowie spezielle Anweisungen oder Kommentare.



Daniel Kraus ist Projekmanager bei der Freudenberg IT. Bild: Freudenberg IT

Transparent und flexibel

Die Anzeige des Schichtführers inklusive Telefonnummer hilft im kurzfristigen Krankheitsfall den richtigen Ansprechpartner schnell und zeitnah direkt aus der mobilen Lösung heraus zu informieren. Der Mitarbeiter ist somit ganz konkret und individuell auf kommende Einsätze vorbereitet. Als weiterer Bestandteil der mobilen Lösung können personenbezogene Zusatzinformation visualisiert werden. Dazu gehören insbesondere das aktuelle Qualifikationsprofil, sowie der künftige Schulungsbedarf. Der Mitarbeiter kann so gegenüber dem Planer anzeigen, dass bestimmte Qualifikationen zeitnah ablaufen und der Bedarf einer Nachschulung oder Auffrischung besteht. Dann bewirbt sich der Mitarbeiter um die passende Schulungsmaßnahme. Anreize zum bereichsübergreifenden Einsatz tragen zur Erweiterung des persönlichen Qualifikationsprofils bei. Die Vorteile und der Nutzen einer in die unternehmensweiten Abläufe integrierten Personaleinsatzplanung liegen auf der Hand.


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