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Unternehmenslösung für den global agierenden Mittelstand

IT-Unterstützung in der Hightech-Fertigung

Unternehmenslösung für den global agierenden Mittelstand

International agierende Hightech-Unternehmen benötigen Informationstechnologie, die länderübergreifende Prozesse und komplexe Fertigungsabläufe abbilden kann. Es war Zeit für einen Systemwechsel bei der DAS Environmental Expert, Technologie-Anbieter rund um Prozessabgasentsorgung, als wichtige IT-Werkzeuge nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren. Das daraufhin integrierte Enterprise Resource Planning-System unterstützt den internationalen Marktauftritt des mittelständischen Fertigungsbetriebs und schafft den Spagat zwischen hoher Funktionalität bei geringfügigen Systemanpassungen.

Bild: DAS Environmental Expert

Die 1991 gegründete DAS Environmental Expert GmbH aus Dresden ist ein weltweit tätiger Anbieter für Technologie und Equipment zur Prozessabgas-entsorgung. Diese Technologie wird schwerpunktmäßig bei internationalen Unternehmen der Halbleiter-, TFT-, LED- und Elektronikindustrie sowie in der Solarindustrie eingesetzt. In einem zweiten Geschäftsbereich entwickelt das Unternehmen seit 2006 biologische Verfahrens- und Anlagenlösungen zur Behandlung und Aufbereitung von industriellen und kommunalen Abwässern. Diese Lösungen kommen vor allem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, der Chemie- und Pharmaindustrie sowie in der Landwirtschaft und der Tourismusbranche – etwa in Hotelanlagen – zum Einsatz. Zum Angebot zählt weiterhin ein weltweit agierendes Serviceteam, das je nach Bedarf eingesetzt wird. Dabei ist innerhalb der gesamten Gewährleistungszeit der Service inbegriffen. Bei größeren Installationen unterhält das Unternehmen stationäre Teams wie etwa bei der Firma Bosch in Reutlingen.

Abgasreinigung und Abwasserbehandlung aus einer Hand

Überwiegenden Anteil am Geschäft des Unternehmens hat mit fast 90 Prozent noch die Abgasreinigung. Tobias Baetke, Prokurist und Leiter Geschäftsbereich Corporate, schildert: „Auch mit zehn Jahren Erfahrung in der Wasserbehandlung ist jedes Projekt in diesem Bereich eine neue Herausforderung. Nach meiner Kenntnis ist es ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir neben der Abgasreinigung auch Lösungen für die Abwasserbehandlung aus einer Hand anbieten. Diese Spezialisierung wird uns international weiter voranbringen.“ Zu seinen Kunden zählt das Fertigungsunternehmen über 150 Firmen und Forschungseinrichtungen der Halbleiter- und Elektronikbranche, der Solarzellenfertigung und anderer Branchen in Europa, Asien, den USA und Südamerika. Der einzige Konstruktions- und Produktionsstandort ist Dresden. Dependancen und Partner gibt es in Taiwan, China, Korea, Malaysia, Vietnam, Singapur, USA, Argentinien und Russland. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 250 Mitarbeiter, davon 135 am Firmensitz in Dresden. Im Jahr 2013 erwirtschaftete das Unternehmen über 30 Millionen Euro Umsatz.

Kein effizientes Controlling mehr möglich

Bis 2005 arbeiteten die Mitarbeiter des Betriebs mit einer Unternehmenslösung sowie einem IT-System für Produktionsplanung (PPS) von zwei verschiedenen Herstellern. Im Laufe der Zeit wurde insbesondere das PPS-System allerdings immer wieder an neue Anforderungen der Anwender angepasst. „Dadurch wurde die Software, die ursprünglich im gewissen Rahmen gut funktionierte, sogar entgegen kaufmännischen Gesetzmäßigkeiten modifiziert. Zumindest vom Controlling her gab es darum kein Vertrauen mehr in die Software“, sagt Baetke. Für Kostenkalkulationen musste zum Beispiel stets die komplette Stückliste abgerufen und in Excel exportiert werden. Auf dieser Basis musste dann in mühevoller Kleinarbeit über die Berechnung der verschiedenen Ebenen der Materialeinzelkosten der Gesamtpreis ermittelt werden. Da die Geschäftsleitung inzwischen auch die internationalen Geschäftsaktivitäten durch das Altsystem nicht mehr ausreichend unterstützt sah, war klar, dass eine neue, moderne Software eingeführt werden musste, die dem Unternehmen neben Investitionssicherheit vor allem auch Zukunftssicherheit versprach. So startete der Fertigungsbetrieb zusammen mit einem Leipziger IT-Dienstleister zum 1. Januar 2006 zunächst die Einführung der Finanzbuchhaltung von Microsoft Dynamics NAV. Für den weiteren Auswahlprozess nutzte man unter anderem den 200 Punkte umfassenden Fragenkatalog eines benachbarten Unternehmens, den dieses speziell für Enterprise Resource Planning-Systemanbieter (ERP) entwickelt hatte. Zusammen mit weiteren Empfehlungen und Erfahrungen anderer Firmen war sich die Geschäftsleitung schließlich sicher, mit einer Microsoft-Lösung die richtige Software für ein mittelständisches Unternehmen gefunden zu haben. „Dabei ist die Internationalität dieser ERP-Unterstützung definitiv ein Auswahlkriterium gewesen“, erläutert Baetke.

Firmenspezifisches Customizing oder Standardprozesse

Leider war der Microsoft-Partner, der die Finanzbuchhaltung implementiert hatte, auf Handelsunternehmen und nicht auf den Maschinen- und Anlagenbau spezialisiert. So kam man schließlich zur Cosmo Consult-Gruppe, einem Microsoft-Partner, der sich auf die Implementierung und das Systemmanagement von Branchen- und Sonder-Lösungen auf Basis von Dynamics spezialisiert hat. Baetke zeigt sich besonders beeindruckt von der Beratung in der Dresdner Niederlassung. Während andere Anbieter ein umfassendes und firmengerechtes Customizing anpriesen, rieten die Berater aus Dresden eher zu einer Lösung dicht am Standard und zur eventuellen Anpassung kleinerer interner Prozesse. „Und wenn Tausende Unternehmen nach diesen Prozessen arbeiten, sollten wir es doch auch schaffen, uns am Standard zu orientieren“, sagt Baetke. Zudem erklärte sich der Anbieter bereit, die Analysephase vom Gesamtangebot zu trennen, sodass sich die Gesamtkosten der Einführung nach Analyse und Diagnose auf einer realistischen Basis darstellen ließen. Dazu nahm man sich zwei Monate Zeit, in denen ein Lastenheft erstellt wurde, das sogar die neuen, noch geplanten Prozesse enthielt. So zeigten die Projektverantwortlichen den Key-Usern in Workshops, welche Prozesse die Software unterstützte und ließ sie dann entscheiden, ob sich die internen Abläufe entsprechend anpassen ließen. Die neuen Prozesse wurden dann ins Lastenheft übernommen, obwohl in der Praxis noch die alten vorherrschten. Die Beauftragung erfolgte im September 2012, der schlossen sich nochmals eine Reihe von Workshops an, bis Anfang 2013 die Implementierung und die Schulungen begannen. Der für April gleichen Jahres geplante Echtstart verschob sich wegen des damaligen Auftragshochs und erfolgte aber doch kurzfristig im Juni 2013. Eine Pilot- oder Testphase gab es nicht, das Altsystem wurde zuvor komplett abgeschaltet.

Viele Hersteller der Halbleiter-, TFT-, LED- und Elektronikindustrie sowie der Solarindustrie benötigen Systeme zur Prozessabgasentsorgung für ihre Fertigungsstätten. Entwickelt und konstruiert werden diese Technologien etwa bei der DAS Environmental Expert GmbH aus Dresden. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte und Dienstleistungen auf den weltweiten Märkten und wird dabei von einer umfassenden Unternehmenslösung unterstützt. Bild: DAS Environmental Expert

Relativ ’schmerzloser‘ Projektverlauf

Zahlreiche neue Funktionalitäten, welche die Anwender zuvor in den Schulungen kennengelernt hatten, kamen nun direkt zum Einsatz. „So eine Systemeinführung ist immer schwierig und gehört für mich zu den komplexesten unternehmerischen Herausforderungen. Da gibt es stets auch individuelle Probleme, die aber nichts mit der Software zu tun haben müssen. Gemessen am Ausmaß der Veränderung und am Risikopotenzial würde ich den Verlauf als relativ schmerzlos bezeichnen“, erinnert sich Baetke. Nach der Einführung arbeiten die Mitarbeiter zudem mit einem Vertriebswerkzeug, das bereits 90 Prozent der Anforderungen an IT-gestütztes Kundenbeziehungsmanagement (CRM) erfüllt und damit zunächst die Integration eines eigenständigen CRM-Moduls erspart. Beispielsweise lassen sich in der Software Referenzanlagen hinterlegen, sodass sich etwa der technische Vertrieb vor einer Angebotsabgabe über vergleichbare Anlagen informieren kann. Ebenso lassen sich diese Referenzanlagen gut für die Kalkulation nutzen. Nach der Beauftragung kommt die Konstruktion zum Zug, aus deren Zeichnung eine Stückliste entsteht, die in das ERP-System importiert wird. In der Materialwirtschaft ermittelt ein Einkaufstool den Bedarf und generiert automatisch Bestellvorschläge. In der ‚Auftragsfertigung‘, einer Spezialanwendung des Systemintegrators, sind dann die einzelnen Produktionsschritte festgelegt. Auf diese Weise kann auch der Vertriebler jederzeit anhand der Auftrags- oder Artikelnummern feststellen, in welchem Fertigungsschritt sich die Anlage gerade befindet: in der Montage, der Endfertigung oder bereits in der Inbetriebnahme. Danach geht es in die Verpackung und die Logistik. Nach der Auslieferung wird die Anlage archiviert und kommt ins Servicetool.



Im Zusammenspiel mit der Cosmo Consult-Niederlassung in Dresden hat die DAS eine Unternehmenslösung auf Basis von Microsoft Dynamics NAV installiert. Das Einführungsprojekt war herausfordernd, hat sich jedoch gelohnt: Prozesse von Einkauf über das Projektmanagement bis hin zum Kundenbeziehungsmanagement lassen sich nun schneller abwickeln als zuvor. Bild: DAS Environmental Expert.

Nutzenpotenziale durch beschleunigte Abläufe

Ein weiteres Modul des IT-Dienstleisters, das ‚Projektmanagement‘, nutzt DAS für seine Wasserprojekte. Bei dem Modul CC|Workflow geht es vor allem um Prozesseinhaltung und Feldsicherheit. Bestimmte Schritte lassen sich nicht abschließen, wenn nicht auch alle erforderlichen, von dem Fertigungsunternehmen definierten Felder ausgefüllt sind. Zudem ist ein Ablauf festgelegt, dass etwa nach einem ersten Bearbeiter automatisch ein weiterer einen Vorgang abschließen muss, bevor sich der Prozess fertigstellen lässt. Die Implementierung dieses Moduls in der zweiten Jahreshälfte 2014 bedeutet den nächsten Schritt in Richtung Stammdatensicherung. Orderten die Mitarbeiter mit dem Altsystem noch über 3.000 Bestellungen für ständig wiederkehrende Teile mit einem sehr niedrigen Preis, kann man das heute aufgrund der automatischen Bestellvorschläge der ERP-Lösung deutlich effizienter behandeln.

„Jede Bestellung braucht bis zur Buchung etwa 18 Minuten. Da ist es eine simple Rechenaufgabe, was uns die schrittweise Nutzung von Dynamics NAV an Einsparpotenzialen bringen wird“, erläutert Baetke. Darüber hinaus bietet die integrierte Unternehmenslösung eine ganze Reihe neuer Werkzeuge und Funktionalitäten, die zur Optimierung der Prozesse in der Wertschöpfungskette beitragen und durch neue Analysemöglichkeiten die Mitarbeiter bei ihren Entscheidungen unterstützen. Zudem betont Baetke die internationale Verbreitung von Microsoft Dynamics NAV und die Erfahrung des Anbieters: „Wir sehen uns als typischen Mittelständler, aber auch als Global Player. Für Cosmo Consult haben wir uns deshalb entschieden, weil die Gruppe reichlich Erfahrungen mit Kunden hat, die im Ausland – etwa China – produzieren und arbeiten.“ Die gute Zusammenarbeit mit dem IT-Partner will das Fertigungsunternehmen daher auch weiterhin fortsetzen, zunächst bei der Auftragsverfolgung und dem Qualitätsmanagement.

 

Cosmo Consult erwirbt die Tectura AG

Im Zuge ihrer internationalen Wachstumsstrategie im Bereich Microsoft Dynamics übernimmt die Cosmo Consult AG alle Aktien der Tectura AG in Deutschland, Frankreich und der Schweiz sowie der Tectura AB in Schweden und damit das gesamte operative Europageschäft des Software-Anbieters und IT-Dienstleisters. Gleichzeitig erfolgt die Übernahme der Tectura Licensing GmbH in der Schweiz, die sämtliche Produkt- und Eigentumsrechte an den von Tectura entwickelten und weltweit eingesetzten Branchen- und Speziallösungen besitzt. Dadurch entsteht der größte Microsoft Dynamics ERP-Partner in Deutschland und einer der bedeutenden Partner weltweit. Mit über 450 Mitarbeitern an 20 Standorten in Europa, davon neun in Deutschland, soll vor allem das internationale ERP- und Business Intelligence-Geschäft (BI) weiter ausgebaut werden. Beide Unternehmen legten ihren Branchenschwerpunkt bislang auf die Fertigungsindustrie, projektorientierte Dienstleister sowie Unternehmen im Bereich E-Commerce. Diese Fokussierung soll künftig unter einer Marke weiter verfolgt und ausgebaut werden. Mit der Übernahme steigt die Zahl der Kundeninstallationen auf mehr als 1.200. Uwe Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Cosmo Consult AG, begründet die strategische Entscheidung: „Als vereintes Unternehmen bieten wir unseren Kunden ein deutlich größeres Lösungsportfolio und eine starke Marktpräsenz in Europa. So können wir unsere Kunden zukünftig noch besser bei der Umsetzung ihrer nationalen und internationalen ERP- und BI-Strategien unterstützen.“