Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Interaktive Planung von Generalreparaturen

Für die Abwicklung komplexer Instandhaltungsabläufe benötigen Produktionsunternehmen effiziente Planungswerkzeuge. Die Zellstoff Stendal GmbH setzt dazu ein Instandhaltungssystem auf Basis von Standardsoftware ein, das um eine interaktive Gantt-Chart-Lösung erweitert wurde.

Bild: Zellstoff Stendal GmbH

Mit einem Volumen von rund einer Milliarde Euro zählte das Zellstoffwerk bei Stendal zu den größten Investitionsprojekten in den neuen Bundesländern: In nur zwei Jahren entstand die neue Fabrik auf dem Gelände eines Atomkraftwerks, das nach der Wiedervereinigung nicht fertig gestellt worden war. Heute ist die Zellstoff Stendal GmbH Zentraleuropas modernster und größter Hersteller von Zellstoff der Marke Northern Bleached Softwood Kraft (NBSK), und erzeugt mit gut 600 Mitarbeitern rund 600.000 Tonnen Zellstoff pro Jahr. Dies entspricht etwa 13 Prozent der Gesamtmenge des jährlich in Deutschland zu Papier oder Hygienetüchern verarbeiteten Zellstoffs. Darüber hinaus ist Stendal gleichzeitig Betreiber von Deutschlands größtem Biomassekraftwerk mit einer Leistung von 100 Megawatt. Das Werk erzeugt seinen gesamten Eigenbedarf an Strom selbst, und speist darüber hinaus einen großen Teil der auf Basis erneuerbarer Rohstoffe erzeugten Energie in das öffentliche Stromnetz ein. Der qualitativ hochwertige Zellstoff wird vor allem bei der Herstellung von Druck- und Hygienepapieren sowie als Verstärkungsfaser bei der Verarbeitung von Altpapier eingesetzt.

Systemeinführung im Greenfield-Projekt

Zeitgleich mit dem Bau der neuen Produktionsanlagen fiel der Startschuss für die Suche nach einer ERP-Software zur Steuerung aller Unternehmensbereiche. Entscheidende Kriterien dabei waren die Anpassungsfähigkeit der Software und das Branchenwissen des Lösungspartners. Die Wahl fiel auf die betriebswirtschaftliche Software Microsoft Dynamics NAV, die von der Lebit Software GmbH implementiert wurde. Das Unternehmen hat als Microsoft-Partner auf Basis der Standardsoftware Branchenlösungen auch für die Papier- und Zellstoffherstellung entwickelt. In Stendal kommen mit Lebi-Mill und Lebi-Inst Branchenlösungen für Prozessfertigung und Instandhaltung zum Einsatz. Das Prozessmodul ist auf die Anforderungen der Papier- und Zellstoffindustrie zugeschnitten und unterstützt neben der Verwaltung mehrerer Mengeneinheiten auch Einkaufs-, Versand- und Materialflussanforderungen von Holz bis Chemie. Die Istandhaltungslösung visualisiert komplexe Anlagen in übersichtlichen Strukturen und stellt über ein integriertes Dokumentenmanagement den Zugriff auf die technische Dokumentation der Anlage sicher. Zudem lassen sich auf Basis betrieblicher Kennzahlen Wartungsaufträge automatisch ausgelösen und überwachen.

Hohe Verfügbarkeit steht im Vordergrund

Eine gut geplante Instandhaltung ist für das Zellstoffwerk ein wichtiger Erfolgsfaktor: Die Wartungsarbeiten unterstützen nicht nur die Erhaltung wertvoller Investitionen, sie müssen auch so geplant werden, dass die Beeinträchtigungen für den Produktionsbetrieb minimal ausfallen. „Von allen Instandhaltungsaufgaben sind die Generalreparaturen am anspruchsvollsten. Denn sie sichern die jederzeitige Verfügbarkeit der benötigten Produktionskapazitäten und sind damit ein wesentlicher Faktor bei der Erreichung der ambitionierten Produktions- und Ausbringungsziele. Gleichzeitig gilt es hier in besonderem Maße der Spagat zwischen ‚Gründlichkeit der Generalreparatur und Minimierung der Stillstandzeit‘ zu überwinden. Daher haben wir an die Planung der Generalreparaturen besondere Ansprüche“, erläuterte Gerhard Wulf, Leiter Instandhaltung bei der Zellstoff Stendal.

Neunmonatige Planungsphase für die Instandhaltung

Denn zum einen erzwingt eine Generalreparatur immer das kontrollierte Herunterfahren des kompletten Werkes. In einer minutiösen Herangehensweise wird daher jeder einzelne Prozessschritt geplant und zum Teil auch simuliert. Dieser Planungsvorgang wird gemeinsam von Mitarbeitern aus Produktion und Instandhaltung durchgeführt, um den Abfahrprozess bestmöglich zu bestreiten. Zudem kommen neben den 90 internen Instandhaltern zahlreiche Dienstleister zum Einsatz, mit teilweise sehr unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkten. Im Vorfeld der zehn Tage dauernde Generalreparatur müssen deren spezifische Aufgaben und die Reihenfolge der Ausführung daher präzise abgestimmt werden. Aufgrund der komplexen Abläufe beim Herunterfahren und in der Einsatzplanung erfolgt die Planung mit einer Vorlaufzeit von bis zu neuen Monaten. Das bringt auch besondere Anforderungen an die Instandhaltungssoftware mit sich. „Für unseren Anwendungszweck war es nicht ausreichend, Planungsdaten passiv in Tabellen oder Abbildungen zu betrachten. Wir haben innerhalb unserer Standard-Instandhaltungslösung eine Möglichkeit gesucht, alle Planungsdaten und -variablen grafisch übersichtlich darzustellen und sie dabei gleichzeitig durch grafische Interaktionen einfach verändern zu können. Hierzu haben wir ein in unsere Instandhaltungssoftware integriertes, interaktives Gantt Diagramm benötigt“, sagt Wulf.

ANZEIGE

Schneller Einsatz durch Standardschnittstellen

Daher entschied sich der Software-Integrator für den Einsatz der Lösung Varchart Xgantt der Aachener Netronic Software GmbH, die neben hohem Funktionsumfang auch flexible Visualisierungen bietet. Die Integration der Gantt-Komponente in die Branchenlösung wurde dadurch erleichtert, dass die Software bereits mit reduziertem Funktionsumfang in das Dynamics-System integriert ist. Daher bringt die Lösung die passenden Schnittstellen für das auf Microsoft-Technologie basierende Instandhaltungssystem mit. Heute kann die Planung der Generalreparaturen bei Stendal über eine grafische Plantafel erfolgen, die ihre Daten aus dem Instandhaltungssystem bezieht. Diese Daten – beispielsweise Kalenderinformationen oder Dauer der Wartungstätigkeiten – werden den Instandhaltern in einem Gantt-Diagramm angezeigt und können über einfache Mausaktionen am Bildschirm dynamisch verändert werden. So können Termine neu eingeplant, die Reihenfolge von Tätigkeiten verändert und Engpässe auf einen Blick deutlich gemacht werden. Wulf bewertet das integrierte System wie folgt: „Die Branchenlösung von Lebit mit dem integrierten Gantt-Diagramm von Netronic sind ein starkes Paar und eröffnen neue Möglichkeiten für die Planung von Instandhaltungsaufgaben.“


Das könnte Sie auch interessieren:

Mit Dimitrios Koutrouvis hat Lütze Transportation ab Oktober einen neuen Geschäftsführer. Er tritt die Nachfolge von André Kengerter an.‣ weiterlesen

Der Bitkom schätzt die Schäden durch Cyberangriffe auf jährlich 220Mrd.€. Unternehmen sind also gefragt, sich bestmöglich gegen solche Vorfälle zu schützen. Wie? Darüber können sich Interessierte vom 25. bis zum 27. Oktober auf der Security-Messe It-sa informieren.‣ weiterlesen

Low Code-Entwicklungsplattformen helfen Unternehmen, ihre IT an stetig wechselnde Strukturen und Prozesse anzupassen. Es gilt: Wo programmiert wird, kann meist Low Code-Technologie eingesetzt werden – erst recht im IIoT-Projekt.‣ weiterlesen

Planung und Überwachung sind entscheidende Faktoren für die Effzienz einer Produktion. Die Basis dafür bilden Daten. Daher setzt die Firma GGK in ihrer Fertigung auf die IIoT-Plattform Toii. Mit ihr erfasst der Hersteller von Kabelmanagement-Systemen alle relevanten Daten, um die Transparenz zu verbessern und etwa Störungen schneller zu beseitigen.‣ weiterlesen

Korrekte Stammdaten sind beim Wechsel auf SAP S/4Hana enorm wichtig. Drei Tools für das Product Structure Management helfen, die Engineering-Stückliste mit der Manufacturing-Stückliste automatisiert abzugleichen.‣ weiterlesen

Eine industrielle IoT-Plattform unterstützt dabei, auf digitaler Basis Transparenz zu erzielen, Prozesse zu optimieren und Fehler zu vermeiden. Dafür werden Menschen, Produktions-IT-Systeme und Maschinen miteinander verknüpft. Doch wie funktioniert das?‣ weiterlesen

Mit einem Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Juni liegt der Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe im Juli auf einem neuen Höchstwert. Die Reichweite der Aufträge bleibt unverändert bei 8 Monaten.‣ weiterlesen

Digitalisierung und Klimaschutz lassen den Bedarf an Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikerberufen steigen. Der neue VDI-/IW-Ingenieurmonitor zeigt weiter eine angespannte Lage – doch es gibt auch positive Trends.‣ weiterlesen

Die Pandemie hat dazu geführt, dass mehr Menschen von zu Hause aus gearbeitet haben. Und viele der Beschäftigten wollen diese Möglichkeit auch weiterhin nutzen, wie eine Ifo-Studie zeigt.‣ weiterlesen

Unternehmen wollen und müssen etwas zum Klimaschutz beitragen, im eigenen Unternehmen oder mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen. Beides kann erhebliche Investitionen erfordern - die sich durch zahlreiche Förderprogramme abfedern lassen. Energieberater Jörg Lieske vom BFE Institut für Energie und Umwelt hat sich auf diese Fördermittel spezialisiert und nennt die wichtigsten.‣ weiterlesen