Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Instandhaltung beim Prozessfertiger

Über Unternehmensgrenzen hinweg Daten austauschen

In der Industrie bedeuten Produktionsausfälle einen gefährlichen Zeit- und Geldverlust. Um Verschleiß und Fehler voraussagen und verhindern zu können, muss der Anlagenzustand daher regelmäßig kontrolliert werden. Diese Vorsorge kann durch die Auswertung der Maschinendaten in Echtzeit noch effizienter werden. Vergleicht man darüber hinaus diese Daten mit denen aller Anlagen des gleichen Typs in weiteren Unternehmen, entsteht ein umfassendes Bild über Fehlerursachen und ihre möglichen Lösungen. Der Schlüssel liegt im Austausch und in der Auswertung von Produktionsdaten zwischen den Unternehmen.



Bild: © Sergey Nivens/Fotolia.com

Die Prozessindustrie spielt am Industrie- und Technologiestandort Deutschland eine wichtige Rolle: Hier werden für die Produktion verschiedenster Güter und Produkte hochautomatisierte Anlagen entwickelt und betrieben. Diese Maschinen, die die Produktionsprozesse eines Unternehmens teilweise gemeinsam, teilweise unabhängig voneinander steuern, bestehen oftmals aus Geräten von einer ganzen Reihe von Anbietern. Dabei fällt eine immense Flut von heterogenen Daten an. Bisher werden diese Daten in getrennten IT-Systemen verarbeitet und gespeichert. Eine anlagenübergreifende Auswertung der Daten findet oft nicht statt, sondern beschränkt sich überwiegend auf einzelne Teilanlagen oder auf Teilprozesse. Unabhängig von den Betreibern sammeln auch die Gerätehersteller Daten zum Betrieb und zum Zustand ihrer Maschinen. Trotz der vielen gespeicherten Informationen wird das Potenzial einer gemeinsamen Analyse aller Daten nur selten oder gar nicht genutzt.

Rohdaten bergen Potenzial

Die Gesamtheit der gespeicherten Informationen birgt jedoch ein enormes Potenzial. Eine übergreifende Analyse der an unterschiedlichen Orten existierenden, rohen Maschinendaten in Echtzeit kann bessere und verlässlichere Aussagen über Fehlerquellen und Optimierungsmöglichkeiten der Produktionsanlage liefern. Diese Daten können dann genutzt werden, um die Prozesse zu optimieren und auch um die Geräte selbst zu verbessern. Damit profitieren sowohl die Anwender als auch die Hersteller der Anlagen. Mit der übergreifenden Datenauswertung beschäftigt sich das Projekt ‘SIDAP – Skalierbares Integrationskonzept zur Datenaggregation, -analyse, -aufbereitung von großen Datenmengen in der Prozessindustrie’, das im Rahmen des Technologieprogramms ‘Smart Data – Innovationen aus Daten’ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Führende Akteure der Prozessindustrie und der IT sowie Forscher aus Wirtschaft und Wissenschaft entwickeln derzeit eine datengetriebene und serviceorientierte Softwarelösung. Diese Software soll Informationen und Datenströme aus Engineering- und Prozessleitsystemen für Unternehmen leichter zugänglich machen. Als Grundlage dient eine Smart-Data-Lösung, in der die großen Datenmengen aus allen IT-Systemen der beteiligten Fertigungsstandorte gesammelt, miteinander in Bezug gesetzt und aufbereitet werden. So entstehen aus den getrennt gespeicherten Maschineninformationen der Unternehmen verwertbare und interpretierbare Daten – Smart Data.

Vorhersagen über Verschleiß

Mithilfe verschiedener Modelle und Methoden zur individuellen Analyse der verfügbaren Daten können beispielsweise Vorhersagen über den Verschleiß einzelner Bauteile oder das Auftreten von Produktionsfehlern gemacht werden. Ein konkretes Beispiel sind Ventile, die in vielen Anlagen der chemischen Industrie Verwendung finden. Anhand der unterschiedlichen Nutzungsdaten für diese Ventile soll ein Gerüst für ihre Nutzungsoptimierung geschaffen werden. Indem beispielsweise die Taktung der Prozessanlagen entsprechend der Analyseergebnisse beeinflusst wird, lassen sich die Maschinenlaufzeiten optimieren sowie Wartungsstillstände besser planen und nutzen. Ziele sind außerdem eine bessere Produktqualität, geringere Geräteausfälle sowie eine höhere Anlagenleistung und bessere Anlagenverfügbarkeit. Diese höhere Verfügbarkeit der Anlagen bildet die Basis für den Remote-Betrieb – sprich die Fernüberwachung von Anlagen – und führt damit insgesamt zu einer weitergehenden Automatisierung. Das Gerüst für die Nutzungsoptimierung von Ventilen kann bei Erfolg auf weitere Anlagenbauteile, wie zum Beispiel Pumpen, übertragen werden. SIDAP versucht, konkrete Lösungen an spezifischen Beispielen zu erarbeiten und ausgiebig zu testen, um sie anschließend auf andere ähnliche Prozesse anwenden zu können.

Neue Geschäftsmodelle

Doch nicht nur große Unternehmen sollen von den Entwicklungen profitieren. Das Team von SIDAP bezieht auch Probleme und Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland in seine Forschungen ein. Diese Unternehmen können später eine ähnliche Analysesoftware für Ihre Produktionsanlagen nutzen. Außerdem werden neue Geschäftsideen entstehen. KMU können dann Dienste zur Bereitstellung von Daten und zur Entwicklung von Infrastrukturen zum Sammeln der Daten anbieten. Zudem werden Angebote von Smart-Data-Services, wie beispielsweise spezielle Vorhersagealgorithmen, zukünftig stärker nachgefragt. Mit der Entwicklung einer Datenanalyse-Software, die mehrere Unternehmen miteinander verbindet, kann also nicht nur die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der deutschen Prozessindustrie erhöht werden, sondern es entstehen gleichzeitig neue Geschäftsmodelle für Dienstleistungen, die auf Smart-Data-Lösungen beruhen.



Eine übergreifende Analyse der an unterschiedlichen Orten existierenden, rohen Maschinendaten in Echtzeit kann bessere und verlässlichere Aussagen über Fehlerquellen und Optimierungsmöglichkeiten der Produktionsanlage liefern. Bild: © WavebreakMediaMicro/Fotolia.com


Das könnte Sie auch interessieren:

Recalo aus Laatzen ist auf Dienstleistungen im Bereich Asset- und Ladungsträger-Management spezialisiert. Vor allem beim Pooling von Mehrwegladungsträgern richtet sich der Anbieter mit einem sehr individualisierbaren Angebot an Fertigungsunternehmen.‣ weiterlesen

Lieferkettenschwierigkeiten verursachen rund 20 Prozent der Kosten von Fertigungsunternehmen, errechnen Fachleute. Robotergestützte Prozessautomatisierung kann viele der Stolpersteine aus dem Weg räumen, die zu diesen Ausgaben führen. Denn sie machen keine Fehler, halten sich an Regeln und arbeiten pausenlos - im Büro, Lieferantenmanagement und bei der Prozessoptimierung.‣ weiterlesen

Stimmen die Artikeldaten? Sind die Stammdaten genau und rechtskonform? Diese Fragen entscheiden über die Qualität fundamentaler Datenquellen. Wenn sich Fehler in die Stammdaten eingeschlichen haben, wirken sie womöglich quer durch alle Datenbanken und Prozesse hindurch. Diese und weitere Stolpersteine fasst folgende Checkliste zusammen.‣ weiterlesen

Viele neue Produkte und Geschäftsmodelle erfahren heutzutage Geburtshilfe durch Simulation. Mit digitalen Zwillingen verschmelzen Grenzen zwischen simulierten und realen Produktwelten. Entwicklung und Fertigung lassen sich so deutlich effizienter organisieren.‣ weiterlesen

Nach ersten Schätzungen geht das Ifo-Institut von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal aus. Erst im zweiten Quartal gehen die Experten wieder von einem Zuwachs aus.‣ weiterlesen

Die Forschungspartner Technische Hochschule Deggendorf und die Technische Universität München sowie den beiden Unternehmen Schindler & Schill (EasyLogix) und Systema haben das BMWi-ZIM-Projekt MobiCM erfolgreich abgeschlossen. Ziel war die Entwicklung eines Systems zur Zustandsüberwachung von Produktionsmaschinen.‣ weiterlesen

Die Engineering-Plattform DesignSpark von RS Components hat die Marke von einer Million Mitglieder geknackt. Seit seiner Einführung 2010 unterstützt die Plattform Ingenieure, Techniker und Studierende mit einer Vielzahl an technischen Tools und Ressourcen.‣ weiterlesen

Die Normungsorganisationen DIN und VDE DKE haben eine Kooperationsvereinbarung mit 'Enterprise Singapore' getroffen. Die Zusammenarbeit soll unter anderem die Bereiche Industrie 4.0 sowie künstliche Intelligenz umfassen.‣ weiterlesen

Als globale Krise ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung für die Automobilindustrie. Der Absatz neuer PKW ging weltweit um 23 Prozent, in Europa sogar um 27 Prozent zurück. VDA-Geschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel erläutert, wie sich die Branche gegen die Krise stemmt und dabei ihre Flexibilität unter Beweis stellt.‣ weiterlesen

Pandemien gehören im aktuellen Allianz-Risiko-Barometer zu den größten Bedrohungen für Unternehmen. Die damit einhergehenden Sorgen haben sogar den Klimawandel verdrängt, der in der aktuellen Erhebung den 9. Platz belegt.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige