Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Industrie 4.0

Der integrierte Mensch

Im Zeitalter der Vision von einer vierten industriellen Revolution steht unter dem Stichwort 'Maschine-zu-Maschine-Kommunikation' die Optimierung der Produktionsabläufe auf Maschinenebene im Vordergrund. Stellt sich die Frage, welche Rolle der Mensch in diesem Szenario einnimmt.

Bild: Fotolia / Minerva Studio

Wie realistisch die Vision einer Fabrik ohne menschlichen Einfluss ist, zeigt die aktuelle Fraunhofer Studie ‚Produktionsarbeit der Zukunft‘ von Professor Dieter Späth. Demnach ist „für fast 97 Prozent [der Befragten] menschliche Arbeit zukünftig für die Produktion wichtig oder sogar sehr wichtig.“ Automatisierung habe gerade in der Flexibilität ihre Grenzen. Wenn vollautomatisch hochflexibler Output erzeugen werden soll, überschießt die Komplexität, so die Studie. Das bringe hohe Investments und begrenzte Verfügbarkeit mit sich. Der Autor prognostiziert: „Deshalb werden wir besser abgegrenzte, konsequent auf einen Themenbereich zugeschnittene Automatisierung mit flexibler Verknüpfung durch Menschen einsetzen“. Der Mensch wird demnach in Zukunft in das automatisierte System integriert. Er wird aber nicht als Handlanger des Systems eingesetzt, sondern seine Fertigkeiten werden genutzt. Hier ist die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation gefordert. Gerade bei Informations- und Kommunikationsprozessen gibt es enorme Optimierungspotenziale. Aber es reicht längst nicht aus, nur auf die Mensch-Maschine-Kommunikation zu setzen, die ja den Umgang des Menschen mit Computern in all seinen Aspekten betrifft.

Richtig unterweisen

Qualität und Arbeitssicherheit sind mit hohem Informations- und Dokumentationsaufwand verbunden. Das kann sich negativ auf die eigentliche Produktion auswirken. Oft werden Betriebsanweisungen, Sicherheitsrichtlinien, Einarbeitungspläne oder Auditergebnisse dezentral in Papierform oder Tabellenformaten abgelegt, was die Aktualität der Dokumente und den zeitnahen Datentransfer an Mitarbeiter gefährdet. Dazu kommt die Koordination von Maßnahmen aus dem Qualitätsmanagement und Audits. Gesundheitsuntersuchungen wollen koordiniert, Schichten geplant sein. Im Sinne einer nachhaltigen Qualitätssicherung empfiehlt sich zudem ein aktives Verbesserungsmanagement. Und die Nachweis- und Dokumentationspflicht gegenüber offiziellen Prüfinstanzen muss beachtet werden. Schließlich muss auch der aktuelle Wissensstand der Mitarbeiter ermittelt und vervollständigt werden.

Personal finden und binden

Um langfristig mit gutem Personal arbeiten zu können, bedarf es weiterer Anstrengungen. Es gilt eine zukunftsfähige Lösung zu finden, um Schlüsselqualifikationen nachhaltig zu entwickeln und Kompetenzen optimal einzusetzen. Talente aufzuspüren, gezielt einzuarbeiten und einzusetzen ist und bleibt eine Herausforderung. Dazu bedarf es leistungsstarker Funktionen, etwa eine Profil-Datenbank und einen Einarbeitungsplan für neue Mitarbeiter. Wichtig sind darüber hinaus sowohl strategische Funktionen als auch Instrumente zur sicheren Verwaltung aller Personaldaten. So kann mit intelligenter Software langfristig qualifiziertes Personal gesichert und einem Mangel an Fach- und Führungskräften vorgebeugt werden.

Auch das Thema Unterweisung neuer oder langjähriger Mitarbeiter kann heikel sein, denn den Behörden reicht die Information nicht, dass Mitarbeiter unterwiesen wurden. Vielmehr verlangen sie einen Nachweis darüber. Wieviel Zeit für solche Informationstätigkeiten in einem Betrieb aufgebracht wird, ist häufig unbekannt. Zu besagten Unterweisungen und ihrem Nachweis gesellen sich etwa die Dokumentation erbrachter Schritte zur Gefahrenprävention oder auch Prozessdokumentationen für Auditierungen. All diese Arbeiten sind zwar notwendig, fallen aber zu Lasten der Bruttoarbeitszeit.

Gestiegene Anforderungen

Im Bereich des Qualitätsmanagements sind die Anforderungen in den letzten Jahren enorm gewachsen. Qualität konstant zu halten, reicht längst nicht mehr aus, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Ganze Arbeitskonzepte beschäftigen sich daher mit einer Prozessgestaltung, die sich als kontinuierliches Kreislaufmodell versteht. Dabei steht immer der Mensch mit seiner Arbeitskraft im Mittelpunkt. Denn eine erfolgreiche Qualitätsoptimierung ist ohne das Know-how und die individuellen Fähigkeiten der Mitarbeiter nicht denkbar. Kleine Schritte, Teamarbeit und das Einbeziehen von Erfahrungen und Ideen aller Mitarbeiter sind die wichtigsten Voraussetzungen.

Das fordern auch Konzepte wie ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) oder ein ‚Plan-Do-Check-Act‘-Zyklus (PDCA). An dieser Stelle entstehen Informationen und Aufgaben, die nachhaltig verwaltet werden müssen. Eine digitale Steuerung kann helfen, Verbesserungsprozesse zu lenken und Verschwendungen zielgerichtet zu reduzieren. Alle Beteiligten arbeiten rollenbasiert auf einer zentralen Plattform zusammen. Eine Rechteverwaltung soll verhindern, dass Anwender von zu vielen Informationen überflutet werden; Nutzer sehen nur die für sie bestimmten Aufgaben und Dokumente.


Das könnte Sie auch interessieren:

Individuelle Kundenwünsche beeinflussen zunehmend die Produktion. Mit der Verbindung von Verkaufs- und Produktionskonfiguration lässt sich die Komplexität einer variantenreichen Fertigung in den Griff bekommen.‣ weiterlesen

52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben bezüglich der digitalen Transformation erhöhen. Dies hat der Business-Software-Anbieter IFS in einer Studie ermittelt für die weltweit mehr als 3.032 Führungskräfte befragt wurden.‣ weiterlesen

Die Bekuplast-Unternehmensgruppe produziert Mehrweg-Transportverpackungen aus Kunststoff. Seit 2019 dient ein Enterprise-Content-Management-System (ECM) von ELO als Grundlage, zentrale Geschäftsprozesse zu automatisieren und mit den IT-Systemen zu verzahnen.‣ weiterlesen

Bosch Rexroth gibt einige Veränderungen in der Geschäftsführung bekannt. Unter anderem tritt Filiz Albrecht die Nachfolge von Christoph Kübel an, der zum Jahresende in den Ruhestand geht.‣ weiterlesen

Der Solution Manager von SAP stand lange im Ruf, nicht das Organisationsgenie unter den Business-Anwendungen zu sein. Doch der Hersteller hat in Version 7.2 viel am Werkzeug verbessert. Der Produzent von Lebensmittelzutaten Döhler hat daher den SolMan von SAP mit dem BPM-Tool Aeneus verknüpft, um die Gestaltung von mehr als 2000 Geschäftsprozessen zentral und nachhaltig zu strukturieren.‣ weiterlesen

In einer weltweiten Studie haben TÜV Rheinland und das Marktforschungsinstitut Ponemon untersucht, wie es um die Cybersicherheit von Industrieanlagen bestellt ist. Demnach ist die Operational Technology besonders gefährdet.‣ weiterlesen

Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.‣ weiterlesen

Unternehmenswachstum sorgte bei der Penn GmbH für ein Umdenken in der Unternehmensstrategie. Mit der Implementierung eines Manufacturing Execution Systems wollte man etwa Excel-Listen in der Produktionsplanung ablösen. Mit der MES-Lösung von Proxia gelang es sogar, die Anlagenverfügbarkeit auf fast 100 Prozent zu steigern.‣ weiterlesen

Im vergangenen Jahr haben 76 Prozent der Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud in Anspruch genommen. Dies geht aus einer Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.‣ weiterlesen

Schneider Electric möchte seine gruppeninternen Kompetenzzentren für Schlüsseltechnologien stärken. Mit einem weiteren Ausbau des Standortes Marktheidenfeld wird dieser Weg nun fortgesetzt.‣ weiterlesen

Die überwiegende Zahl der Maschinenbauer ist zuversichtlich, mittelfristig auf das nominale Umsatzniveau von 2019 zurückzukehren. So lautet die Kernbotschaft der sechsten VDMA-Blitzumfrage zur Corona-Pandemie, an der 658 Unternehmen teilnahmen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige