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Industrie 4.0

"Das Versprechen von smarten Fabriken"

Den Maschinen- und Anlagenbau betrifft der Industrie-4.0-Trend zweifach: Die Erzeugnisse der Branche machen smarte Fabriken erst möglich. Gleichzeitig müssen die Hersteller selbst nach modernsten Maßstäben produzieren, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, hat der IT&Production berichtet, warum der Verband sich von Beginn an beim Thema Industrie 4.0 einbringt und wo man heute steht.



Bild: VDMA e.V.

Starker Wettbewerb nicht nur aus Fernost, der Ukraine/Russland-Konflikt und die Nachbeben der Wirtschaftskrise – warum sollte sich der deutsche Maschinen- und Anlagenbau zusätzlich mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen?

Hartmut Rauen: Das Thema Industrie 4.0 wird den Machinenbau langfristig begleiten, es zählt heute zu den wesentlichen Herausforderungen der Branche. Wir wollen energieeffizienter werden, ressourceneffizienter produzieren und die Fertigung flexibilisieren. Die Ziele sind, individuelle Kundenwünsche zu geringen Kosten, in hoher Qualität und auch schnell liefern zu können. Industrie 4.0 ist das Versprechen, dass man diese Ziele durch intelligente Vernetzung in smarten Fabriken erreichen kann. So gesehen ist diese Idee vielleicht ein Jahrhundertthema, wie damals, als Dampfmaschinen von Elektrotechnik und elektrischen Antrieben abgelöst wurden. Wir könnten in den nächsten Jahrzehnten zu einer ganz anderen Art und Weise des Produzierens gelangen. Wir sind allerdings noch weit davon entfernt, nicht nur eine kleine Fertigungszelle intelligent zu gestalten und mit ihrem Umfeld zu vernetzen, sondern Produktionsstraßen, eigene Werke und die Fabriken der Zulieferer umfassend einzubeziehen. Dennoch muss dieser lange Weg angesichts der gesteckten Ziele auch gegangen werden. Das Thema Industrie 4.0 wird uns in den nächsten Jahren massiv bewegen. Das ist keine Eintagsfliege.

Anbieter oder Anwender – wer treibt die Vision Industrie 4.0?

Rauen: 4.0 ist sehr technologiegetrieben. Das betrifft den Trend zur immer besseren, intelligenteren und gleichzeitig billigeren Sensorik. Auch in der IT gibt es massive Technologietrends, die der Entwicklung insgesamt zu solcher Dynamik verhelfen. Aber auch die Verbände haben das Thema stark im Markt platziert. Das geht soweit, dass Ihnen heute in China die Frage gestellt wird, wo eine Industrie 4.0 denn nun zu kaufen sei. Die Erwartungshaltung am Markt ist also schon da. An dem Stand unserer Lieferfähigkeit zeigt sich aber, dass in Punkto Technologie noch einiges zu tun ist – es ist eben ein langfristiges Thema. Man muss an dieser Stelle auch einmal dem Bundesministerium für Bildung und Foschung (BMBF) Dank aussprechen. Dort wurde schon früh erkannt, dass Cyber-physical Systems eine große Chance für unsere Volkswirtschaft darstellen, weil wir eine herausragende Position im weltweiten Wettbewerb einnehmen und mit dem CPS-Ansatz noch mal eine Schippe drauflegen können.

Auf welchem Stand sind die Werke der Maschinen- und Anlagenhersteller heute?

Rauen: Wenn es um innovative Technologien geht, ist der Maschinenbau in vielen Fällen ganz vorne dabei. Dazu zählt beispielsweise die IT- und Software-Kompetenz der Automatisierungstechnik. Von der Anwendung steht die Automobil-Industrie aufgrund der Großserienproduktion und dem hohen Invest-Kapital sicher vorne. Aber innoviert wird die Technologie im Wesentlichen durch diejenigen, die die Automatisierungstechnologien in der Produktion anbieten, also die Maschinenbauer. Es gibt auch andere Beispiele aus der IT wie Condition Monitoring oder Simulationsprogramme zur Auslegung von Produkten. Im Branchenvergleich steht der Maschinenbau also gut da – und international gesehen sind wir top. Aber wir werden noch zulegen müssen, gerade was die IT-Durchdringung im Maschinenbau betrifft. Für die Unternehmen geht es darum, die unterschiedlichen Charakteristika von Innovationsprozessen im Bereich IT und im Maschinenbau zu verstehen und zu akzeptieren.

Wie unterstützt der VDMA seine Mitglieder bei ihren Technologie-Initiativen?

Rauen: Wir versuchen möglichst schnell auf interessante Entwicklungen hinzuweisen, Transparenz darüber zu schaffen. Zum Thema Industrie 4.0 veranstalten wir beispielsweise sogenannte ‚Lab-Tours‘. Wir organisieren den Dialog mit der Wissenschaft, bringen uns in die Arbeiten der Ministerien und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften ein. Wir definieren Forschungsprogramme mit, um die richtigen Themen angehen zu können. Was diesen Austausch betrifft, sind wir sehr aktiv. Wir versuchen aber auch, in die Zukunft vorzudenken. Aktuell zum Beispiel mit einer Studie zu den neuen Berufsbildern, die auf dem Weg zur Industrie 4.0 gebraucht werden. Im Übrigen haben wir mit dem Produktionstechnologen schon vor ein paar Jahren ein hervorragendes Berufsbild für die Herausforderung Industrie 4.0 geschaffen. Da wussten wir nur noch nicht, dass diese Herausforderung Industrie 4.0 heißt. In der Ausbildung zum Produktionstechnologen wird sehr stark auf die IT-gestützten Organisations- und Steuerungsaufgaben einer intelligenten Produktion eingegangen. Das Berufsbild setzt oberhalb eines Mechatronikeres oder Anlagenelektronikers an und ist für die Anbindung der verschiedenen Produktionssysteme verantwortlich. Interesse an der Ausbildung zeigen gerade jene Firmen, die im Bereich Industrie 4.0 besonders aktiv sind. Wir werden uns in den nächsten Monaten noch intensiver mit der Frage befassen, welche Herausforderungen der steigende Bedarf an IT-Kompetenz für den typischen mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau stellt.


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