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Industrial Management

Im Wettrennen um Geschäftsmodelle?

Sind deutsche Maschinen- und Anlagenbauer auf die Chancen und Risiken eingestellt, die sich durch die vierte industrielle Revolution ergeben? Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat gemeinsam mit der Beratung Dr. Wieselhuber und Partner Experten aus Maschinenbau und IT interviewt. Die Ergebnisse der Studie spiegeln Potenziale durch Industrie 4.0 und mögliche Geschäftsmodelle wider.

Bild: Fraunhofer IPA

Industrie 4.0 ist einer der stärksten Trends im Maschinen- und Anlagenbau. Die Bundesregierung etwa unterstützt Projekte wie das ‚Zukunftsprojekt Industrie 4.0‘ mit finanziellen Mitteln bis zu 200 Millionen Euro und auch Kunden fordern intelligente und individualisierte Produkte. Eine stärkere softwaretechnische Vernetzung von Produkten, Produktionsmitteln und dem Auftragsmanagement kann neue Nutzenfelder für den Kunden erschließen. Gleichzeitig nimmt der Bedarf an IT-Kompetenz im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus zu.

Neue Gestaltungsfelder

Viele Unternehmen müssen überdenken, ob die bestehenden Geschäftsmodelle geeignet sind, um die zukünftigen Kundenbedürfnisse befriedigen zu können und welche neuen Formen der Leistungserbringung durch Industrie 4.0 entstehen werden. Nach Aussagen der befragten Teilnehmer einer Studie des Fraunhofer Institutes für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner stellt die technologische Exzellenz der Produkte für die meisten Anbieter des Maschinen- und Anlagenbaus das wertvollste Differenzierungsmerkmal dar. Maschinennahe Softwaresysteme, die zum Beispiel zur Optimierung der Maschinensteuerung beitragen, sind dem gegenüber oftmals lokal installiert und werden vom Kunden als Bestandteil der angebotenen Lösung vorausgesetzt.

Potential zu erwarten

Da in Zukunft jedoch aus der Vernetzung vielfältiger Produktionsmittel Nutzenpotenziale für Anlagenbetreiber zu erwarten sind, können ganzheitliche maschinenintegrierte Softwareprodukte an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig werden sich für den IT-Sektor durch die Verschiebung der Wertigkeiten von Hard- und Software neue Möglichkeiten ergeben, sich in klassischen Marktsegmenten des Maschinenbaus zu positionieren. Viele IT-Unternehmen haben die Möglichkeiten früh erkannt, welche aus der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung entstehen. Traditionell liegen die Kernkompetenzen der Softwarehäuser darin, Informationen bereitzustellen und Wissen zu verarbeiten. Viele der in der Studie befragten Softwareanbieter gaben an, ihre Lösungen bereits heute flexibel einer breiten Anwendergruppe bereitstellen zu können. Vor allem Plattformbetreiber können oftmals branchenunabhängige Lösungen in Form von Standardprodukten anbieten, auf deren Grundlage der Anwender individuelle Lösungen bedarfsgerecht gestalten kann.

Für die Softwareanbieter spielt es dabei teilweise keine Rolle, woher die generierten Daten stammen. Kommunikationsstandards helfen dabei, Daten aus verschiedenen Quellen zu integrieren und für Analysen und Optimierungsprojekte nutzbar zu machen. Die befragten Experten aus der IT-Branche sahen ihre Stärken vor allem in der hohen Serviceorientierung für den Kunden sowie dem hohen Grad an horizontaler und vertikaler Integration ihrer Lösungen in die Unternehmensprozesse. Die heutigen Lösungsangebote überschreiten dabei die Grenzen starrer Softwaresysteme bei weitem. Immer stärker werden dem Kunden ganzheitliche Problemlösungen anstelle reiner Softwaresysteme angeboten. Ähnlich wie auch im Bereich des Maschinenbaus, gewinnen dabei Dienstleistungsangebote an Bedeutung. Das spiegelt sich in der Personalstruktur der Softwarehäuser wieder: Neben Programmierern werden vermehrt neue Abteilungen aufgebaut, die sich mit der Prozessoptimierung, dem Projektmanagement oder der Etablierung von Industrie 4.0-Lösungen beim Kunden befassen.

Neue Konzepte der Nutzung

Verkauft wird dabei nicht mehr nur die Verarbeitung von Daten. Stattdessen werden beispielsweise funktionierende Produktionsplanungen, kurze Durchlaufzeiten und geringer Ausschuss oder reduzierte Ausfallzeiten von Maschinen häufig in Verbindung mit neuen Nutzungskonzepten angeboten. ‚Pay-per-use‘-Konzepte und dezentral bereitgestellte Cloud-Anwendungen sind mittlerweile der Regelfall. Verglichen mit der Branche des Maschinenbaus lässt sich eine stärkere Geschäftsmodell-Orientierung bei der IT-Branche beobachten. Während der Maschinenbau stark auf die technologische Verbesserung seiner Produkte fokussiert ist, entstehen bei den IT-Anbietern neuartige Geschäftsmodelle in Verbindung mit den neuen Nutzenpotenzialen. Dabei wird die heutige Form der Leistungserbringung womöglich komplett Infrage gestellt und der Weg für Veränderungen geebnet. Hierbei könnten die Softwareanbieter stärker als bisher in den Markt des Maschinenbaus vordringen und als Regelbrecher traditionelle Segmente des Maschinenbaus neu definieren.


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