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Open Source-Systeme aus dem Baukasten

Individuelle Lösungen für Unternehmenssystem und Produktionsplanung

Open Source-Systeme aus dem Baukasten

Ein Baukasten-Ansatz bei der Implementierung von Unternehmenssoftware, zum Beispiel eines Enterprise-Resource-Planning-Systems, ermöglicht dem Anwender, Schritt für Schritt seine Prozesse abzubilden und so seine eigene Unternehmenssoftware zu erstellen. Dananch lässt sich die Software parallel zum Betrieb an die Anforderungen des Unternehmens anpassen. Dabei wird der herkömmliche Ansatz, eine Standardsoftware 'top down' an die Anforderungen des Unternehmens anzupassen, einfach umgekehrt.

Bild: Novabit

Als Grundlage für eine zügige und modulare Systemeinführung – beispielsweise von Software für Enterprise Resource Planning (ERP) oder Produktionsplanung (PPS) – kann ein so genannter ERP-Baukasten dienen. Dieser Systemansatz bietet dem Anwender eine unbelastete Plattform, auf der er Schritt für Schritt seine Geschäftsprozesse abbilden und so eine individuelle Unternehmenssoftware erstellen kann – im besten Fall ohne externen Dienstleister durch den Fachanwender selbst. Es genügt, wenn der Anwender seine Geschäftslogik kennt.

Die Architektur des Baukasten-Systems unterscheidet sich dabei grundlegend von der zahlreicher proprietärer Systeme: Die Software-Komponenten sind von vornherein so ausgelegt, dass die technische Basis strikt von der individuellen fachlichen Ausprägung getrennt ist. Die Plattform stellt generische Mechanismen zur Abbildung beliebiger Geschäftsprozesse bereit. Die konkreten Prozesse eines Unternehmens werden dann in der individuellen Anwendung abgebildet, die diese Mechanismen nutzt.

Als Ergebnis enthält die Software-Applikation dann die jeweilige fachliche Ausprägung. Dazu zählen Geschäftslogiken, Businessregeln, Workflows, Schnittstellen, Masken, Reports, Formulare sowie Rollen und Berechtigungen. So kann die IT-Lösung genau an die Anforderungen vor Ort angepasst werden, das Unternehmen muss sich also nicht an durch die Software vorgegebene Abläufe halten. Unnötige Module werden nicht installiert, da nur die Komponenten implementiert werden, welche die Anwender benötigen.

Installation mit geringem Aufwand

Einen solchen Baukasten hat Novabit mit dem Open Source ERP Nuclos vorgestellt. Die kostenlose Software verfügt über einen dialoggesteuerten Installer, der die Einrichtung ‚per Knopfdruck‘ innerhalb kurzer Zeit auf unterschiedlichen Systemlandschaften ermöglicht. Unternehmen steht dann ein voll einsatzfähiger ERP-Baukasten zur Verfügung, mit dem sie direkt starten und ihre individuelle Unternehmenssoftware, ein so genanntes Nuclet, konfigurieren können. Das System gibt dafür keinen festen, unveränderlichen Funktionsumfang vor, sondern bietet Mechanismen an, diesen selbst festzulegen. Der Anwender kann so beliebige Geschäftsprozesse auch ohne weitreichendes IT-Know-how abbilden und jederzeit an neue Anforderungen anpassen. Zahlreiche Datenbanken und Systeme lassen sich über Standardschnittstellen anbinden.

Praxiseinsatz in der Industrie

Einige Beispiele aus der Praxis zeigen, wie sich der Baukasten an Unternehmensanforderungen anpassen lässt, damit das System unterschiedliche Aufgaben übernehmen kann. Die Filtertechnik.Europe GmbH & Co. KG zählt zu den führenden Herstellern von Filterelementen und Filtrations-Drahtgeweben für die Industrie. Die Implementierung eines kostengünstigen und individuellen PPS zur Produktionssteuerung mit Anbindung der internationalen Produktionsstandorte realisierte das Unternehmen mit dem Open Source ERP-Baukasten. Die Software löst ein Standardsystem, bestehend aus Unternehmenssoftware mit integriertem PPS ab, und bildet den gesamten Prozess vom Auftrag über die Stückliste, Arbeitsplanung und Zeiterfassung bis hin zur Warenbuchung, Betriebsdatenerfassung (BDE), Produktion und Statusüberwachung ab.

Die Lösung dient so als zentrales Kollaborationswerkzeug, in dem beispielsweise Projektdokumentationen abteilungsübergreifend zusammenlaufen, und unterstützt so die Prozessteuerung, Prozessüberwachung und das Qualitätsmanagement. Auch die Einbindung eines Produktionsstandortes in China war durch die Mehrsprachigkeit des Systems möglich. Bei Änderungen in den Produktionsabläufen kann die Lösung jederzeit und auch während des laufenden Betriebs vom Unternehmen angepasst werden. Eine Unterstützung durch Berater oder Integratoren ist dabei nicht nötig.

Ein ERP-Baukasten auf Open Source-Basis bietet dem Anwender eine offene Plattform, auf der er Schritt für Schritt seine Geschäftsprozesse abbilden und so eine individuelle Unternehmenssoftware erstellen kann. Bild: Novabit

Steuerungswerkzeug für die Lieferkette

Die BOS GmbH, ein weltweit tätiger Hersteller von Systemen für den Fahrzeuginnenraum, organisiert mit der Open Source-Lösung ihre Supply Chain. Als Automobilzulieferer unterliegt das Unternehmen hohen Anforderungen hinsichtlich Compliance und Dokumentation bei der Bemusterung von Fahrzeugteilen nach VDA und Production Part Approval Process (PPAP). Die Applikation automatisiert die Bemusterung und Dokumentation sowie die Qualitätssicherung von Ausgangsteilen für die Produktion, führt diese Prozesse und das Projektmanagement auf einer einheitlichen Plattform zusammen, integriert externe Lieferanten über ein Portal und sorgt so für kürzere Durchlaufzeiten und einen besseren Überblick im Bemusterungsprozess.

Entwicklungs- und Betriebskosten im Griff

Für Unternehmen können sich durch den Einsatz des ERP-Baukastens wesentliche Vorteile ergeben, die dem Betrieb Zeit und Kosten sparen. Der Baukasten steht dem Anwender kostenlos zur Verfügung; es fallen keine Lizenz- oder Wartungsgebühren an. Die Bindung an einen Hersteller oder Integrator wie bei proprietärer Software gibt es nicht. Darüber hinaus können die schnelle Implementierung und die Möglichkeiten zur iterativen Anwendungsentwicklung für kurze Projektlaufzeiten und damit niedrige Entwicklungskosten im Projektverlauf sorgen.

Das System ist javabasiert, auf zahlreichen Systemumgebungen lauffähig und skalierbar. Mehrsprachigkeit, Multimandanten- und Cloudfähigkeit sowie standardisierte Schnittstellen kommen insbesondere Unternehmen entgegen, die den Baukasten in einer komplexeren Systemlandschaft oder einem externen Rechenzentrum betreiben sowie verteilte Standorte und externe Mitarbeiter einbinden wollen. Außerdem unterstützen generische Importfunktionen den Anwender bei der Datenmigration aus Alt-Systemen, zum Beispiel Enterprise Resource Planning-Systemen oder MS Excel-Tabellen. Auch für Datentransfers wie den Import von Daten aus Customer Relationship Management-Systemen (CRM) oder Webshops bietet das System vorgefertigete Datenbrücken an.

Jede Systemintegration sollte mit der Frage beginnen, wie die Prozesse im Unternehmen aussehen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Aufwand für die spätere Anpassung standardisierter Software-Funktionen an spezifische Vor-Ort-Prozesse sehr aufwändig ausfällt. Bild: Novabit

Das System wächst mit den Anforderungen

Im Gegensatz zu beispielsweise vorkonfigurierten Branchensystemen bringt das Baukastensystem keine von Haus aus vorgefertigte, fachspezifische Funktionen mit, die fest in die Lösungen hinein implementiert wurden. Auch bei weitreichenden Änderungen in den durch das System unterstützen Abläufen lassen sich durch den Baukasten-Ansatz somit auch mögliche Folgen für Softwarepflege und Gewährleistung vermeiden, da keine grundlegenden Programmbestandteile des Enterprise Resource Planning-Systems verändert werden.Eine Anpassung der Lösung durch den Anwender ist ausdrücklich gewünscht. Das System kann auf diese Weise mit den Anforderungen vor Ort ‚mitwachsen‘.