Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Im Gespräch mit Dr.-Ing. Mathias Kammüller

"Prozesse müssen schneller und durchgängiger werden"

Am Weltmarkt spielt der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ganz vorne mit. Dr.-Ing. Mathias Kammüller ist Geschäftsführer beim Maschinenbauer Trumpf und verantwortet dort unter anderem Produktion, Qualitäts- und Prozessmanagement. Er erläutert im Gespräch mit der IT&Production, welche Veränderungen auf Anbieter und Anwender von Maschinen zukommen. Und worauf es auf dem Weg zur Industrie 4.0 ankommt.

Bild: Trumpf GmbH + Co. KG

IT&Production: Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des VDMA Hartmut Rauen hat kürzlich in dieser Zeitschrift gesagt, der deutsche Maschinenbau stehe international ‚top‘ da. Stimmen Sie zu?

Dr. Mathias Kammüller: Der deutsche Maschinenbau steht tatsächlich nach wie vor international ‚top‘ da. Wesentlicher Erfolgsfaktor ist seine hohe Innovationskraft. Die Innovationen müssen allerdings die Anforderungen der unterschiedlichen und insbesondere der wachsenden Märkte treffen, damit der deutsche Maschinenbau seine Spitzenposition behaupten kann.

Sonst droht er Wettbewerbsvorteile gegenüber ostasiatischen Anbietern zu verlieren. Zudem spüren wir derzeit, dass die wirtschaftliche Situation weltweit angespannter wird. Dem müssen wir Maschinenbauer mit effizienten Produkten und Prozessen begegnen. Das gilt übrigens auch für unsere Kunden.

IT&Production: Für Ihre Branche ist Asien extrem wichtig. Was verlangt der chinesische Markt von deutschen Maschinenbauern?

Dr. Kammüller: Neben den High-End Maschinen, die unsere chinesische Trumpf-Tochter herstellt, verlangt der Markt vor allem nach kostengünstigen Maschinen im mittleren Marktpreissegment. Diese bieten wir über unsere Tochtergesellschaft JFY an, die als eigene Marke innerhalb der Trumpf Gruppe gezielt das mittlere Segment bedient. Die verbreiteten Erwartungen im chinesischen Markt lassen sich gut anhand unserer Lasermaschinen verdeutlichen: Verhältnismäßig geringeren Anforderungen an die Schneidqualität stehen hohe Anforderungen an die Prozesssicherheit gegenüber. Was wir hier bieten müssen, kann man unter dem Stichwort ‚Frugal Innovation‘ subsummieren: Innovation für jeden Geldbeutel, mit möglichst geringen Budgets und schlanken Produktionsprozessen.



Bild: Trumpf GmbH + Co. KG

IT&Production: Wie kann die ‚Smart Factory‘ helfen, Ziele wie Effizienz und Flexibilität zu erreichen?

Dr. Kammüller: Um die Produktion noch effizienter und flexibler zu gestalten, sind ein durchgängiger Datenfluss und die Unterstützung durch intelligente Softwaretools unabdingbar – und das nicht nur innerhalb einer Fertigung, sondern über Unternehmensgrenzen hinweg auch zu Zulieferern und Kunden. Die individuellen ‚Smart Factories‘, die unsere Kunden Schritt für Schritt aus ihren Betrieben machen können, sind die Antwort auf die großen produktionstechnischen Herausforderungen unserer Zeit.

Das sind zum Beispiel geringer werdende Stückzahlen pro Bestellung, kurze Reaktionszeiten und eine internationale Wettbewerbsverschärfung. Die direkte Verbindung von Maschinen, Material und Mitarbeitern mit dem Internet führt zu enormem Optimierungspotenzial für Fertigungsbetriebe jeder Größe. Denn auf diese Weise werden alle Prozesse intelligent miteinander verknüpft, Produktionsmittel überwacht und auf dem neuesten Stand gehalten, Schwachstellen rechtzeitig aufgedeckt und neue Geschäftsmodelle erschlossen.

IT&Production: Die Intelligenz in Maschinen und Anlagen, wie sieht die aus?

Dr. Kammüller: Die Intelligenz steckt in einer Vielzahl von Sensoren, Aktoren und anderen Datenlieferanten und der sinnvollen softwarebasierten Auswertung der so entstehenden Datenmengen. Darauf aufbauend lassen sich Assistenzsysteme entwickeln, die Informationen sammeln, aufbereiten und für den richtigen Empfänger an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit bereitstellen. Maschinen können zukünftig nicht nur in Echtzeit über ihren Zustand Auskunft geben, sondern wissen auch sofort, welche eingehenden Aufträge perfekt zu ihrem Rüstzustand oder Material passen.

Sie sind untereinander und mit Zuliefer- und Kundensystemen intelligent vernetzt und können auf mögliche Abweichungen eigenständig und situationsabhängig sofort reagieren. Dabei bearbeiten sie smarte Produkte, die über Codes mit ihrem Umfeld kommunizieren und von Anfang an Status, Historie und Bestimmung kennen. Damit das alles funktioniert, ist eine Reduktion und Standardisierung der vielen Schnittstellen zwischen den beteiligten IT-Systemen und Maschinen ganz wichtig. So lässt sich im Endeffekt ein Gesamtoptimum an Produktivität erreichen.

IT&Production: KMU rufen beim Stichwort Industrie 4.0 nach dem konkreten betriebswirtschaftlichen Nutzen. Sie als Maschinenbauer sind zugleich Anwender und Anbieter neuer Technik. Welche handfeste Antwort geben Sie ihren Kunden, wenn Sie gefragt werden: Was bringt mir das?

Dr. Kammüller: Die Anforderungen an Fertigungsbetriebe wandeln sich derzeit grundlegend – vor allem werden die Stückzahlen immer geringer, die Variabilität der Aufträge steigt. Um viele kleine statt wenige große Aufträge wirtschaftlich managen zu können, müssen die Prozesse schneller und durchgängiger werden. Trumpf Maschinen sind heute so schnell, dass es bei der Teile-Bearbeitungszeit nur noch wenig Optimierungspotenzial gibt. Entscheidend für die Gesamtproduktivität sind die vor- und nachgelagerten Prozesse vom Bestellvorgang über die Materialbeschaffung bis zur Rechnungsstellung und Auslieferung. Genau hier liegt die Chance vernetzter Produktion. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch die indirekten Prozesse synchronisieren und vereinfachen.

Zudem schafft die Vernetzung große Servicevorteile: Wenn der Trumpf Service über Datenlieferungen den genauen Zustand einer Maschine kennt, kann er proaktiv agieren, wenn eine Wartung notwendig wird oder ein Maschinenausfall droht. Das kann dem Kunden viel Geld, Zeit und Ärger ersparen.

IT&Production: Sie haben mit der Axoom-Ausgründung eine Plattform ins Leben gerufen, die das Projekt Industrie 4.0 vorantreiben soll. Welche Möglichkeiten bieten Sie damit den Anwendern?

Dr. Kammüller: Axoom ist eine digitale Geschäftsprozessplattform mit vorinstallierten Apps für die Fertigungswelt. Sie stellt Infrastruktur bereit wie Rechenleistung, sicheren Datentransport, Speicherung und Analyse von Daten oder Abrechnungssysteme. Gleichzeitig bietet sie Lösungsmodule für die durchgängige Auftragsbearbeitung in einem Produktionsbetrieb – inklusive Produktionsplanung und Fertigungssteuerung sowie Kennzahlencockpits für maximale Transparenz. Das sind also Apps für unsere Kunden, die individuell kombiniert werden können. Durch den modularen Aufbau ermöglicht Axoom einen einfachen Einstieg und eine schrittweise Erweiterung der Plattformnutzung.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Plattform Industrie 4.0 und das US-amerikanische CESMII - The Smart Manufacturing Institute arbeiten zusammen und wollen gemeinsam die digitale Transformation der Fertigung vorantreiben. Hauptziele sollen die Förderung von Interoperabilität und gemeinsamen Fähigkeiten und Kompetenzen sein.‣ weiterlesen

Knapp die Hälfte der im Rahmen einer von Hewlett Packard Enterprise in Auftrag gegebenen Studie befragten Firmen in Deutschland hat die eigene Cloud-Nutzung seit Beginn der Corona-Krise ausgebaut.‣ weiterlesen

Ohne Digitalisierung und Automation kann kein Fertigungsunternehmen langfristig bestehen, ist Marco Bauer, Geschäftsführer der BAM GmbH, überzeugt. Er setzt daher auf eine digitale automatisierte Prozesskette von Onlineshop bis zu den Fertigungszellen. Zentrales Element ist die automatisierte CAM-Programmierung mit Hypermill.‣ weiterlesen

Google Cloud und Siemens wollen im Rahmen einer Partnerschaft und unter Einsatz von KI-Technologien Fertigungsprozesse verbessern.‣ weiterlesen

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken in der aktuellen Umfrage vom April 2021 um 5,9 Punkte und liegen damit bei 70,7 Punkten. Dies ist der erste Rückgang seit November 2020. Laut ZEW liegen die Erwartungen nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau.‣ weiterlesen

Drei Viertel der Entscheider in deutschen Industrieunternehmen sehen ihren Markt im Prozess der digitalen Transformation. Die Hälfte der Unternehmen setzt dabei bereits auf den Einsatz von Industrial IoT-Technologien. Zu diesen Ergebnissen kommt eines Studie des IIoT-Spezialisten Relayr, die unter 200 Entscheidern aus der Fertigungsindustrie in Deutschland im Sommer 2020 vom Marktforschungsunternehmen Forsa durchgeführt wurde.‣ weiterlesen

Damit die anspruchsvollen Maschinen von Heidelberger Druckmaschinen nicht ungeplant ausfallen, bietet das Unternehmen die Software Maintenance Manager zur vorausschauenden Wartung an. Jetzt hat Tochterunternehmen Docufy das Tool hinter der Lösung als White-Label-Angebot auf den Markt gebracht.‣ weiterlesen

Im Rahmen einer Partnerschaft wollen T-Systems und GFT gemeinsame Lösungen für die Fertigungsindustrie anbieten, mit denen Fehler in der Produktion schneller erkannt werden können.‣ weiterlesen

John Abel wechselt von Veritas zu Extreme Networks, wo er künftig die Position des CIOs wahrnehmen wird.‣ weiterlesen

Nach fünf Messetagen ging am Freitag die Hannover Messe zu Ende. Insgesamt 90.000 Teilnehmer haben sich für die digitale Edition der Industrieschau registriert. Auch ohne Präsenzveranstaltung zog die Deutsche Messe ein positives Fazit. Ein Ersatz sei die digitale Messe jedoch nicht, so Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe. Die nächste Messe soll als Hybridveranstaltung teilnehmen.‣ weiterlesen

Produzierende Unternehmen brauchen Transparenz über Zusammenhänge, über Kosten und Erträge und die Prozessqualität. Business Intelligence ist die Antwort der Softwareanbieter für dieses Problem. Für SAP S/4Hana-Anwender könnte dafür insbesondere die SAP Analytics Cloud interessant sein.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige