- IT&Production - https://www.it-production.com -

Ökologisches Engagement messbar machen

Green Controlling

Ökologisches Engagement messbar machen

Auch für kleine und mittelgroße Unternehmen wird eine umweltgerechte Ausrichtung von Geschäftsaktivitäten zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Immer mehr Konsumenten entscheiden nach grünen Aspekten. Das so genannte 'Greening' reicht von Produkten mit 'grünem' Anspruch über die umweltgerechte Organisation von Beschaffungs- und Logistikprozessen bis hin zu ökologisch ausgerichteten Geschäftsmodellen.

Bild: Fotolia / monsterdruck/Beboy

Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) registriert eine stark wachsende Nachfrage im Green Controlling. Ökologische Faktoren gewinnen an Bedeutung und werden in zunehmendem Maße in das klassische Controlling integriert. Das Management braucht aussagekräftige Zahlen, um umweltgerechte Strategien auch unter dem Fokus der Wirtschaftlichkeit zu planen, steuern und kontrollieren. In diesem Zusammenhang gilt es zu klären, ob Green Controlling eine Modeerscheinung oder dauerhaft ein wichtiges Management-Thema ist.

Die Einhaltung von ökologischen Grundsätzen bildet in den meisten Unternehmen einen großen Kostenfaktor. Durch die Implementierung eines Green Controllings lassen sich die ökologischen Kosten systematisch reduzieren. So lassen sich Wettbewerbsvorteile sicherstellen, Wachstum erzielen und Gewinne fördern. Ein Green Controlling kann Antworten auf viele drängende Fragen geben: Welche Faktoren tragen zu einem grünen Markenimage bei? Welche Kriterien sind maßgeblich für einen umweltorientierten Unternehmenserfolg? Was ist die richtige Balance zwischen ökonomischen und ökologischen Aspekten? Wie messe ich ‚Green Performance‘?

Die Herausforderung

Bisher wurde Umweltschutz häufig als reiner Kostenpunkt und nicht als Wertschöpfungsfaktor angesehen. Die Energiepreise sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Laut Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sind allein die gewerblichen Strompreise in den letzten fünf Jahren um rund 30 Prozent angewachsen, Tendenz weiter steigend. Schon allein aus Kostendruck besteht ein wachsender Handlungsbedarf. Eine konsequente ökologische Orientierung bietet die Chance, gegenüber Kunden, Partnern und Mitarbeitern gleichermaßen zu punkten. Grün sein kann sich unter dem Strich rechnen.

Von Vorteil ist eine enge Kommunikation zwischen den Mitarbeitern des Umweltmanagements, den Abteilungsleitern und der Geschäftsführung. Hierbei sind Controller auch als Moderator und Motivator gefragt. Green Controlling eröffnet Unternehmen ganz neue Möglichkeiten. Unternehmen können anhand von Kennzahlen überwachen, ob ökologische Ziele erreicht werden. Oder sie können eine ökologische Ausrichtung mit Umweltaudits oder Ökobilanzen nachweisen und sicherstellen. Die Mess- und Bewertungsgrößen sind dazu jeweils firmenindividuell festzulegen.

Faktoren im Blick

Ein grünes Markenimage hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Ein Kriterium ist die Transparenz gegenüber Kunden und Anteilseignern beziehungsweise Aktionären. Es ist darzulegen, wie bei der Produktion von Gütern oder der Erbringung von Dienstleistungen der Umweltschutz berücksichtigt wird. Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen, wirken sich positiv auf ein grünes Image aus. Zu diesem Zweck sind Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln und zukunftsorientiert auszurichten. Die komplette Wertschöpfungskette vom Zulieferer oder Anbaugebiet über die Produktion bis zum Endverbraucher ist transparent darzustellen. Je nach Unternehmen sind unterschiedliche Bereiche betroffen.

Gerade in Entwicklung, Produktion, Marketing aber auch Healthcare, Facility- oder Fuhrpark-Management bieten sich attraktive Potenziale. Ausgangspunkt für umweltgerechte Maßnahmen ist eine konkret definierte Zielsetzung. Ein Ziel von Unternehmen kann etwa die Reduzierung der CO2-Ausstöße im Fuhrpark oder in der Produktion sein. Andere Ziele können einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, den Bezug von Produkten aus zertifizierten Anbauplantagen oder den verringerten Einsatz von Gefahrstoffen oder wertvollen Ressourcen umfassen.

Messbare Ziele

Für die Zielerreichung hat sich das Fünf-Stufen-Modell von Wirtschaftsberater Ram Nidumolu und seinen Kollegen bewährt . Das Modell bietet eine gute Orientierungshilfe, sollte aber je nach Unternehmensspezifikation angepasst werden. Wichtig: Nicht jede Stufe wird nach der anderen bewältigt. Die Entwicklungen laufen vielmehr parallel ab, um die Ziele gemeinsam zu erreichen. Die gesteckten Ziele sind durch geeignete Maßnahmen zu realisieren. Dies können etwa der Einsatz moderner Heiz-, Klima- oder Lüftungsanlagen oder intelligente Beleuchtungstechniken sein. Neue Anlagen und Gerätschaften senken die Wartungskosten und können die Produktivität steigern. Wichtig ist eine weitsichtige Finanzplanung. Der Austausch von Maschinen und der Einsatz von neuen Technologien ist für viele Unternehmen eine große finanzielle Belastung. Unternehmen sollten frühzeitig alternative Finanzierungen wie das Energiespar-Contracting oder Finanzprogramme der KfW Förderbanken prüfen.

Kennzahlen nutzen

Das Controlling im Unternehmen unterstützt das Management dabei, die Vorgaben anhand von Abweichungsanalysen und Darstellung der Entwicklungsstufen einzuhalten und Maßnahmen im Entwicklungsprozess zu treffen. Die Aufgaben des Controllings liegen in der Darstellung von Kennzahlen aus der Beziehung von Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Diese können zum Beispiel Krankenstand oder Innovationskraft der Mitarbeiter durch betriebliches Vorschlagswesen, aber auch Senkung von CO2-Ausstößen, Einsparung von Energiekosten oder Steigerung der Produktivität sein. Ebenso können die Gesamtkosten der Nutzungszeit pro Gerät, also die ‚Total Cost of Ownership‘ (TCO) als Vergleichszahlen dienen. Die Anforderungen an das Controlling steigen. Es gilt, zukünftige Faktoren für ein grünes Markenimage zu erkennen und daraus Wettbewerbsvorteile für das Unternehmen generieren. Die Einsparung von Energiekosten gilt als größter Potenzialträger und kann die Wettbewerbsfähigkeit langfristig steigern.

 

Ökologisches Engagement stufenweise steigern

Das Fünf-Stufen-Modell des Wirtschaftsberaters Ram Nidumolu zeigt einen systematischen Weg zur Nachhaltigkeit auf. Folgende Beispiele zeigen, in welchen Bereichen die Stufen zur Anwendung kommen können:

1. Ökostandards übertreffen

Ausrichtung über den gesetzlichen Normen, um Innovationen zu fördern: Dazu gehören etwa Work-Life-Balance, Belastung an den Arbeitsplätzen im Produktionsunternehmen, Gesundheitsprävention, Ergonomie am Arbeitsplatz.

2. Wertschöpfungsketten nachhaltig gestalten

Darstellung einer transparenten Wertschöpfungskette: Der Ansatz kann beispielsweise in der Lebensmittlbranche vom Anbaugebiet über die Verarbeitung der Produkte und die Verpackung bis zum Endverbraucher reichen.

3. Umweltfreundliche Produkte entwickeln

Neue umweltverträgliche Angebote entwickeln oder bestehende anpassen: Ein Beispiel wäre die Unterstützung von Plantagenbauern beim Kakaoanbau, um Gefahrstoffe bei der Schädlingsbekämpfung zu reduzieren.

4. Neue Geschäftsmodelle einführen

Nachhaltige Kundenwünsche im Geschäftsbetrieb integrieren: Das kann unter anderem die Umstellung auf umweltfreundliche Verpackungen und Transportlösungen bedeuten.

5. Neue Märkte schaffen

Zudem gilt es, bestehende Geschäftsmodelle und Technologien im Hinblick auf Nachhaltigkeit auf den Prüfstand stellen. Dazu kann eine zukunftsweisende Ausrichtung in erneuerbare Energien zählen.