- IT&Production - https://www.it-production.com -

Entwicklungsdaten absichern

Globale Engineering-Netzwerke

Entwicklungsdaten absichern

In einer immer globaler ausgerichteten Wirtschaft müssen sich erfolgsorientierte Unternehmen großen Herausforderungen stellen. Neben kulturellen und rechtlichen Barrieren beschäftigt Betriebe auch die zunehmende Wirtschaftskriminalität. Dabei sehen sich Unternehmen mit verteilten Standorten oder Zulieferbetrieben in anderen Ländern der Gefahr durch den Verlust des eigenen Know-hows ausgesetzt. Sicherheitsfunktionen im Kollaborationssystem kommt daher eine zentrale Rolle zu.

Mit intelligenten CAD-Modulen lassen sich detailgenaue, jedoch nicht zu detaillierte Konstruktionen an Partnerunternehmen schicken und damit das geistige Eigentum des Betriebs schützen. Bild: DS SolidWorks

Als Antwort auf die immer häufiger gestellten Fragen nach Datensicherheit im Engineering-Prozess bietet sich der Einsatz intelligenter Datensysteme an, die allen Prozessbeteiligten die erforderlichen und korrekten Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Dies schließt neben einer sicheren Speicherung und effizienten Verwaltung auch einen geregelten Zugriff ein. Denn auch die Systeme werden nach wie von Menschen bedient, was zu Fehlern wie gelöschten Dateien oder der versehentlichen Weitergabe noch nicht freigegebener oder gar geheimer Informationen führen kann. Solche Fehler kosten Unternehmen mehr Geld, als das Aufsetzen einer organisierten IT-Struktur.

PDM als erfolgskritische Komponente

CAD-Daten sind der Motor der Entwicklung und damit eine zentrale Ressource für Geschäftsprozesse in Fertigungsbetrieben. Als Datendrehscheibe dienen so genannte Produktdaten-Management-Systeme (PDM). Die IT-Lösungen verwalten Produktdaten aus verschiedenen Unternehmensbereichen und stellen diese bei Bedarf autorisierten Personen etwa in der Arbeitsvorbereitung oder Fertigung zur Verfügung. Wie in einem Tresor werden dabei auch die CAD-Daten sicher an einem zentralen Ort gespeichert. Die mit dem Produkt in Zusammenhang stehenden Informationen zieht die PDM-Lösung aus verschiedenen Quellen heran.

Neben der CAD-Anwendung zählen dazu etwa das Enterprise Resource Planning-System (ERP), aber auch fertigungsnahe Lösungen wie Produktionsplanungs- oder Manufacturing Resource Planning-Systeme (PPS/MRP). Wie im Falle der Software Solidworks Enterprise PDM lassen sich durch die Nutzung des neutralen Datenformats XML sowie artikelbezogener Systemfunktionen die unterschiedlichsten CAD-Formate, Microsoft Office-Dateien und viele andere Standardformate integrieren. Zudem erkennt die Lösung die Beziehung zwischen Zeichnungen, Teilen und Baugruppen – und vereinfacht so das Abrufen von Informationen oder die Suche nach Teilen. Das funktioniert selbst dann, wenn diese umbenannt oder verschoben wurden.

Entwicklungsverlauf protokollieren

Über den Datentresor eines PDM-Systems wird auch das kontrollierte ‚Auschecken‘ von Dateien ermöglicht. Ist eine Datei ausgecheckt, können andere Prozessbeteiligte in diesem Zeitraum diese Datei zwar einsehen und sich über deren Status informieren, aber nichts daran ändern. Zusätzlich zu diesem Überschreibschutz lässt sich auch ein protokollierter Versionsverlauf erstellen. Dabei wird automatisch jede Version einschließlich aller dazugehörigen Informationen und Daten gespeichert. Ist die Bearbeitung einer Datei beendet, checkt sie der Benutzer wieder ein und gibt so den Zugriff für andere Nutzer frei. Wurden zwischen dem Aus- und Einchecken Änderungen an der Datei vorgenommen, werden diese Revisionen gespeichert und automatisch alle mit der Konstruktion in Verbindung stehenden Stücklisten aktualisiert.

Zugriffsberechtigte Mitarbeiter aus Einkauf oder Vertrieb können auf diese Weise ihre Unterlagen für Zukaufteile oder Kostenvoranschläge auf den neusten Stand bringen. Die strengen Revisionskontrollen eines PDM-Systems helfen zudem sicherzustellen, dass Nutzer ausschließlich mit der aktuellen Konstruktionsversion arbeiten. Das reduziert Ausschuss sowie den Aufwand für die Nachbearbeitung falsch gefertigter Produkte.

Dank automatisierter Workflows straffen und sichern PDM-Systeme die Durchlaufprozesse über die Unternehmensgrenzen hinaus.

Strukturierte Workflows

Viele PDM-Systeme bieten zudem die Möglichkeit, automatisierte Workflows zu erstellen. Jeder Schritt im Entwicklungsprozess, von der Konstruktion über die Revision bis hin zur Freigabe, lässt sich auf diese Weise besser steuern. Automatisierte E-Mail-Nachrichten helfen zum Beispiel dabei, Prozesse anzustoßen und gleichzeitig sicherzustellen, dass über das PDM-System alle Prozessschritte eingehalten und abgearbeitet werden. Auch Standardisierungen oder ISO-Zertifizierungen sind mittels dieser organisierten Workflows deutlich einfacher und sicherer durchzuführen. Auch der Datenschutz wird unterstützt: Viele PDM-Systeme erfordern einen Login, mit dem entsprechende Benutzerrechte vergeben werden. Dieser autorisierte Zugriff mit Lese- und/oder Schreib-Option sichert das geistige Eigentum und hilft, Datenschutzrichtlinien standortübergreifend einzuhalten.

PDM-Systeme sorgen so für eine sichere Nutzung, Verwaltung und Wiederverwendung von Produktdaten, unabhängig davon, von wo aus der Benutzer zugreift und wo die Daten liegen. Sie eignen sich für Unternehmen jeder Größe, vom Einmannbetrieb bis zum Konzern, der Produktdaten sicher über verschiedene Standorte hinweg verwalten muss. Neben seinem Angebot an PDM-Lösungen, die in die bestehende IT-Landschaft integriert werden, entwickelt das Softwarehaus derzeit eine Online-Kollaborationsplattform. Die webbasierte Lösung soll Anwendern in Zukunft gestatten, ihre Modelle auch online einzuchecken und sie so Kollegen, Partnern, Kunden oder Zulieferern zur Verfügung zu stellen. Die Online-PDM-Lösung richtet sich etwa an Unternehmen, die keine zusätzliche Hard- oder Software erwerben und ohne Migrationshürden auf bestehende CAD-Installationen aufsetzen wollen.

Intelligente CAD-Funktionen

Zusätzliche Funktionen zum Schutz des geistigen Eigentums eines Unternehmens bieten intelligente 3D-CAD-Funktionen. In der CAD-Software von Solidworks gestattet das ab Version 2011 verfügbare Werkzeug ‚Defeature‘ zum Beispiel das Entfernen unnötiger Details oder sensibler Daten vor dem Austausch von Dokumenten. Dadurch kann noch enger mit Partnern, Kunden oder Zulieferern weltweit zusammengearbeitet werden.

Die Beispiele zeigen, dass sich Daten bereits heute effizient und sicher verwalten und bereitstellen lassen. Die Gefahr, vertrauliche Entwicklungsdaten etwa bei der Zusammenarbeit mit Zulieferern ungewollt zugänglich zu machen, kann je nach PDM- oder CAD-Lösung minimiert oder sogar ausgeschlossen werden. Als ersten Schritt sollten Unternehmen dazu eine stabile Infrastruktur aufbauen, die auf die globale Zusammenarbeit mit Kollegen, Partnern und Kunden ausgelegt ist – und klare Benutzerrechte und Workflows bietet. Damit lassen sich die Sicherheit im Kollaborationssystem und gleichzeitig die Produktivität im Unternehmen erhöhen. Wie hingegen autorisierte Personen mit anvertrauten Informationen umgehen, steht dann auf einem anderen Blatt.