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Geschäftssysteme für den Mittelstand

Die große Marktbereinigung steht noch aus

Seit langem erwarten Experten eine Konsolidierung des Marktes für Enterprise Resource Planning-Systeme. Doch Betriebe stehen immer noch vor einem breiten Angebot an Lösungen, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Branchensysteme und -erweiterungen. Die Anbieter setzen neben integrierten Funktionen etwa für Business Intelligence zunehmend auf mobile Anwendungen und Cloud-Dienste.

Bild: Fotolia – N Media

Enterprise-Resource-Planning-Lösungen (ERP) sind aus dem Geschäftsalltag nicht mehr wegzudenken. Nur die wenigsten Unternehmen verzichten auf IT-Unterstützung zur Abwicklung von Warenwirtschaft, Finanzen oder Aufträgen. Doch obwohl sich der ERP-Markt gerade im Segment des fertigenden Mittelstands vom Wachstums- zum Verdrängungsmarkt entwickelt, ist die seit Jahren von vielen Experten prognostizierte Konsolidierung des Marktes bis heute ausgeblieben.

Umfangreicher Markt mit zahlreichen Anbietern

Aktuelle Schätzungen der ERP-Anbieterzahlen schwanken von 600 bis zu mehr als 1.000 Unternehmen. Neben den bekannten Großkonzernen der Branche wie SAP, Oracle und Microsoft und ihren Partnern finden sich darunter auch viele mittelständische Anbieter und kleinere Branchenspezialisten. „Die Anfänge einer Herstellerkonsolidierung lassen sich zwar erkennen“, erklärt Dr. Karsten Sontow, Vorstand des auf die Auswahl von Geschäftslösungen spezialisierten Beraters Trovarit AG. „Ein aktuelles Beispiel ist die Übernahme des unter anderem auf Fertigungsindustrie und Handel ausgerichteten Softwarehauses Lawson durch den amerikanischen ERP-Konzern Infor Ende April. Doch die seit langem prognostizierte, umfassende Marktbereinigung unter den Anbietern lässt weiter auf sich warten.“

Weiterhin gute Chancen für Branchenspezialisten

„Lange Zeit wurde erwartet, dass sich die großen ERP-Anbieter auf dem Markt durchsetzen und die meisten kleineren Anbieter nur noch als Partner einiger weniger Konzerne agieren. Inzwischen zeigt sich aber, dass es immer noch eine sehr große Anzahl von Anbietern gibt, gerade Branchenspezialisten machen immer noch gute Geschäfte“, sagt auch Frank Niemann, Director Software beim Marktforscher Pierre Audoin Consultants (PAC). Hinzu kommt, dass Übernahmen nicht unbedingt dazu führen, dass Weiterentwicklung und Vertrieb der aufgekauften Software eingestellt werden. Die großen Softwarekonzerne treiben ihre Partnermodelle vehement voran und erzielen damit auch erste Erfolge.

Häufig bringen die Vertriebspartner dabei ihr Branchen-Know-how ein und entwickeln eigene Erweiterungen. „Ein typisches Beispiel für diese Entwicklung stellt der Automotive-Branchenspezialist Ordat dar, der neben der eigenen Lösung inzwischen auch als Microsoft-Partner ein Branchentemplate auf der Basis von Microsoft Dynamics AX anbietet“, erläutert Sontow. So ist eine ganze Reihe branchenspezifischer Lösungen entstanden, die auf den großen Hersteller-Plattformen aufsetzen, aber dennoch als Systeme mit spezifischen Zielgruppen das Marktangebot vergrößern. Generell schätzt Sontow, dass die Zahl der auf dem Markt erhältlichen Lösungen konstant bleibt oder sogar eine Ausweitung des Angebots zu verzeichnen ist.

Mittelstand rückt stärker in den Fokus

Gleichzeitig rücken der Mittelstand und damit auch viele Fertigungsbetriebe stärker in den Fokus der Anbieter. „Auch die ursprünglich auf Konzerne konzentrierten Softwareanbieter haben den Mittelstand als relevanten Markt erkannt“, erläutert Sontow. Gerade mit durch Vertriebspartner vorkonfigurierten Branchenpaketen oder schlanken Mietlösungen komme etwa SAP im Mittelstand gut voran. Die Vorteile solcher Angebote bestätigt auch PAC-Marktforscher Niemann: „Der Einsatz etwa von vorkonfigurierten Komponenten kann die Einführung eines ERP-Systems für spezielle Einsatzzwecke wesentlich vereinfachen.“ Der Walldorfer Anbieter SAP sei aber noch weit davon entfernt, in allen Segmenten eine beherrschende Marktposition aufzubauen. „Bei Unternehmen bis 250 Mitarbeiter haben die zumeist kleineren Anbieter von schlanken und/oder spezialisierten Lösungen weiterhin eine gute Position, da tun sich die Konzern-Spezialisten noch verhältnismäßig schwer“, erklärt Sontow. Dennoch beginne die klassische Grenze zwischen Mittelstandsspezialisten und Konzernanbietern zunehmend zu verwischen.


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