Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Fachkräftemangel in der Industrie

Auf ältere Ingenieure und Techniker setzen

Der deutschen Wirtschaft fehlen bereits jetzt 40.000 Ingenieure, in den nächsten 20 Jahren sogar eine halbe Million, wie der VDI in einer aktuellen Schätzung zu bedenken gibt. Der Fachkräftemangel wird immer mehr zu einer ernsten Herausforderung, die insbesondere den Mittelstand und Familienunternehmen betrifft.

Bild: Fotolia – Gina Sanders

Deshalb werden im Personalmarketing alle Register gezogen, um geeignete Kandidaten anzuwerben: Hochschulkooperationen und Diplomarbeiten angeboten, Recruitingmessen besucht, Studentenjobs vergeben und weltweit nach Ingenieuren gesucht. Der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte wird somit härter. Gleichzeitig werden ältere Arbeitnehmer früher in Ruhestand oder Altersteilzeit geschickt. Denn die ‚Alten‘ gelten als teuer und stehen im Ruf, weniger zu leisten als jüngere Kollegen. Doch gerade diese Defizithypothese ist widerlegt. So wies zum Beispiel Dr. Tanja Rabl von der Universität Bayreuth Ende 2010 nach, dass Lebensalter und Leistungsbereitschaft in keinem bedeutsamen Zusammenhang stehen. Je mehr ältere Arbeitnehmer erleben, dass ihnen aufgrund des Alters weniger zugetraut wird und je weniger anspruchsvolle Aufgaben ihnen übertragen werden, desto mehr verlieren sie die Motivation und arbeiten tatsächlich schlechter. Ein Fehler – denn sie können eine Menge leisten.

Führung attraktiv machen

Ingenieure und Techniker finden Führungsaufgaben oft weniger anziehend als fachliche Projekte, Führungsthemen gelten als Zeitverschwendung, die von der eigentlichen Arbeit abhält. Dabei haben gerade die Älteren Erfahrung und unternehmensspezifisches Wissen, sie können jüngere Kollegen also gut führen und komplexe Projekte leiten. In der Regel sind ältere Mitarbeiter auch weniger anfällig für Stress. Es gilt also, Führungsaufgaben für erfahrene Fachkräfte attraktiv zu gestalten; zum Beispiel, indem Führungsthemen und der Leitung von Projekten ein hoher Stellenwert im Unternehmen eingeräumt wird. Wichtig ist auch, sie gut auf Führungsaufgaben vorzubereiten – etwa in Trainings zu Konfliktmanagement, Mitarbeitermotivation oder Teamentwicklung. Gerade wer aus dem technischen Bereich in eine Führungsposition kommt, wird plötzlich viel mehr mit zwischenmenschlichen Themen konfrontiert, die sich nicht allein auf der Sachebene lösen lassen.

Führungsaufgaben mit fachlichen Aufgaben zu verbinden macht die Position reizvoller, zudem kann Führungsverantwortung auch bedeuten, mehr Selbstbestimmung zu haben. Ältere Ingenieure, die Freude daran entwickeln, Qualifizierung und Kompetenzaufbau bei Jüngeren zu unterstützen, finden in der Regel schnell Akzeptanz als Führungskraft. So hat ein Ingenieur bei einem größeren Mittelständler zehn Jahre vor dem Ruhestand noch eine Abteilung übernommen. Er entwickelte großen Ehrgeiz, seinen Mitarbeitern Chancen zu bieten und ihnen bei schwierigen Fragestellungen zur Seite zu stehen. Es war ihm nicht mehr wichtig, in Konkurrenz mit den Kollegen zu brillieren. Noch Jahre nach seiner Pensionierung wurde voller Hochachtung von ihm und seiner Leistung für die Entwicklung seiner Mitarbeiter gesprochen. Besonders jüngere Kollegen schätzten seine Hilfestellungen.

Ältere Fachkräfte führen

Gleichzeitig gilt es aber auch, ältere Arbeitnehmer gut zu führen. In der Praxis wird es immer vorkommen, dass jüngere Leistungsträger älteren Fachkräften vorgesetzt sind. Wichtig ist es dann, die älteren Fachkräfte sehr selbstständig arbeiten zu lassen und beispielsweise keine Lösungswege vorzugeben, die sie selbst finden können. Wertschätzung der Erfahrung des älteren Mitarbeiters sowie die Anerkennung seiner Qualifikation schaffen ein respektvolles Klima, das Leistung fördert. Sonst kann es auch schief gehen: Ein 37-Jähriger hat eine altersgemischte Abteilung übernommen.

Viele Mitarbeiter kannte er bereits, mit einigen Gleichaltrigen hatte er guten informellen Kontakt. Diesen Umgang setzte er auch als Führungskraft fort, bei wichtigen Fragen bezog er bevorzugt vertraute Mitarbeiter ein. Es war nur natürlich, dass die Älteren im Team empört reagierten. Sie fühlten sich abgewertet und begannen, Widerstand zu leisten – hielten Know-how zurück und hinterfragten misstrauisch alles, was vom Vorgesetzten kam. So bildeten sich schnell Untergruppen, und gerade die Erfahrenen verloren die Motivation.

Gezielte Weiterbildung

Insbesondere im technischen Bereich ist es entscheidend, Fachwissen immer wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, denn die technische Entwicklung wird immer schneller, die Haltbarkeit von Wissen sinkt. Unternehmen, die hier in fachliche Weiterbildungen ivestieren, unterstützen Leistungsfähigkeit sowie Motivation und schaffen sich so einen guten Ruf als Arbeitgeber. Häufig ist erfahrenen Ingenieuren aber nicht bewusst, wie wertvoll ihre eigenen Erfahrungen sind. Sie benötigen Selbstbewusstsein über ihre Kompetenz und Unterstützung bei Führungsthemen. Deshalb zählen neben fachlicher Weiterbildung auch ‚weiche Themen‘ wie Führung, Kommunikation und Konfliktmanagement. Erfahrungsgemäß sind neben der Förderung von Zuversicht und Selbstvertrauen insbesondere folgende Inhalte dabei sinnvoll:

  • Mitarbeiter unterstützen und qualifizieren, zum Beispiel Fragen stellen statt Anordnungen geben.
  • Delegation und Motivation: Die Versuchung, es einfach selbst zu machen, ist für viele groß.
  • Rollenwahrnehmung: Was ist meine Aufgabe, was wird von mir erwartet?

Gewinn für das Unternehmen

Ältere Fachkräfte sind allein durch Erfahrung und unternehmensspezifisches Wissen hochqualifiziert und meist weniger anfällig, sich zu überfordern. Wer in ihre Entwicklung und Weiterbildung investiert, bindet sie ans Unternehmen und wappnet sich für die Fachkräfteknappheit. Hinzu kommt, dass Ingenieure oft in Fachkreisen vernetzt sind, der Ruf des Arbeitgebers spricht sich so herum und erleichtert das Anwerben neuer Fachkräfte. Zudem kostet die Rekrutierung einer Führungskraft nach einer Schätzung von Professor Joachim Paul im ‚Focus‘ in der Regel etwa 200 000 Euro. Es lohnt sich, diese Kosten im Kopf zu haben, bevor einem erfahrenen Arbeitnehmer der Vorruhestand nahegelegt wird.


Das könnte Sie auch interessieren:

Jan C. Wendenburg übernimmt die Leitung von IoT Inspector der Analyse-Plattform für Sicherheit im Internet der Dinge (IoT). Er kommt von Cergate zum IoT-Spezialisten.‣ weiterlesen

Das DFKI erweitert seinen Standort in Bremen. Die zusätzlichen Räumlichkeiten für die Forschungsbereiche Robotics Innovation Center und Cyber-Physical Systems sollen Ende 2021 fertiggestellt sein.‣ weiterlesen

Die Branchenverbände IBU, IMU, DSV und VDFI sehen in einem gemeinsam veröffentlichten Brandbrief den „Standort Deutschland gefährdet“. Die Lieferkette der Automobilindustrie stehe vor dem Kollaps, heißt es darin.‣ weiterlesen

Im Forschungsprojekt ’GeMeKI’ entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktiontsechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit elf Partnern drei KI-gestützte Assistenzsysteme für das Fügen, Trennen und Umformen, die komplexes menschliches Expertenwissen in ihre laufende Verbesserung einbeziehen. Neue Regelkreise sollen wechselseitiges Lernen zwischen Mensch und Maschine ermöglichen, sodass sich Qualität und Effizienz von Produktionsprozessen deutlich verbessern können.‣ weiterlesen

Mit einem Rückgang um 4,2 Punkte verzeichnet die ZEW-Konjunkturumfrage im Oktober den fünften Rückgang in Folge. Erstmals seit Februar verschlechtert sich auch die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage.‣ weiterlesen

Die Onoff AG eröffnet einen Standort in Erlangen und will damit zukünftig auch den Bereich digitales Engineering mit Echtzeitsimulation bedienen.‣ weiterlesen

Bei physischen Produkten sind Mängel in der Regel schnell festzustellen, oft reicht schon ein Blick. Anders sieht es bei KI-Systemen aus. Wie bei diesen Systemen ein Mangel aussehen kann und wie Unternehmen möglichen Mängeln vorbeugen können, berichtet Rechtsanwalt Kay Diedrich.‣ weiterlesen

Viele Unternehmen setzen auf offene IoT-Plattformen, um freie Bahn bei der Wahl der Cloudinfrastrukturen, der unterstützten Standards und Hardware zu haben. Doch ab wann eine IoT-Plattform als offen gelten kann, ist in keinem Standard geregelt.‣ weiterlesen

Im September ist die Richtlinie VDI-EE 4300 Blatt 14 'Messen von Innenraumluftverunreinigungen - Anforderungen an mobile Luftreiniger zur Reduktion der aerosolgebundenen Übertragung von Infektionskrankheiten' erschienen.‣ weiterlesen

Anfang des Jahres hat Bosch CyberCompare eine digitale Plattform gestartet, die Industrieunternehmen und IT-Security-Anbieter zusammenbringen soll. Schon mehr als 100 Anbieter lassen sich auf dem Portal vergleichen, in einem für Anwender kostenlosen Prozess.‣ weiterlesen

Die Allianz geht davon aus, dass sich Ransomware-Angriffe vermehrt gegen Lieferketten richten könnten. Der Versicherer sieht dabei hauptsächlich IT-Dienstleister im Visier von Hackern. Und auch die Höhe der Lösegeldforderungen steigt.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige