Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Explosivstoffe kennzeichnen

Von der Herstellung bis zur Sprengung verfolgen

Als Reaktion auf Terroranschläge unter Verwendung ziviler Sprengstoffe hat die Europäische Kommission ein Aktionspaket mit konkreten Einzelmaßnahmen zur Terrorabwehr beschlossen. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist die Richtlinie 2008/43/EG und deren Ergänzung 2012/4/EU, welche die Kennzeichnung und Rückverfolgung von Explosivstoffen für zivile Zwecke vorsieht. Hierfür entwickelte die Firma Dresden Informatik GmbH in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprengverband und verschiedenen Unternehmen der Branche ein System zum Tracking & Tracing von Sprengstoffen vom Hersteller bis zum Verwender.



Bild: Dresden Informatik GmbH

Ziel der seit 2015 eingeführten EU-Richtlinien ist die Schaffung eines europaweit einheitlichen Systems zur Kennzeichnung und Rückverfolgung aller zivil genutzten Sprengstoffe vom Zeitpunkt der Herstellung beziehungsweise des Imports in die Europäische Union bis zu ihrem Verbrauch. Im Fall des Auffindens von Explosivstoffen – zum Beispiel bei Ermittlungen im Umfeld des Terrorismus – soll den ermittelnden Behörden schnell Auskunft über den letzten Besitzer gegeben werden können.

Forderungen an betroffene Unternehmen

Vereinfacht ausgedrückt verlangt die Kennzeichnungsrichtlinie, dass jedes einzelne Sprengmittel, das auf dem Gebiet der Europäischen Union in Verkehr gebracht wird, mit einer dauerhaft eindeutigen Kennzeichnung zu versehen ist. Die eindeutige, individuelle Nummer wird auf jedem einzelnen Sprengmittel im Klartext und als Data-Matrixcode in Form von Etiketten oder durch Direkt-Druck aufgebracht. Jedes Unternehmen, das Sprengstoffe vertreibt, verbringt oder verwendet, muss ein System zur lückenlosen Nachweisführung betreiben. Zur Auskunftserteilung müssen die Unternehmen ihrer Aufsichtsbehörde Namen und Kontaktdaten einer Person nennen, die rund um die Uhr erreichbar ist und die geforderten Informationen zeitnah liefern kann. Die zur Nachweisführung notwendigen Daten müssen von den Unternehmen erfasst und für mindestens zehn Jahre nach Verwendung der Explosivstoffe aufbewahrt sowie vor zufälliger oder mutwilliger Zerstörung oder Veränderung geschützt werden.

Wie sind diese Anforderungen jedoch in der Praxis umzusetzen? Berücksichtigt man, dass die eindeutige Kennzeichnung oft aus bis zu 30-stelligen Zeichenfolgen besteht und, dass nicht wie bisher fortlaufende Nummern verwendet werden, wird schnell klar, dass nur für wenige, sehr kleine Unternehmen eine manuelle Erfassung der Daten in Frage kommt. Obwohl die Kennzeichnungsrichtlinie es nicht ausdrücklich verlangt, ist es für die meisten Unternehmen unabdingbar, ein computergestütztes System zur Rückverfolgung zu nutzen. Bei allen Betroffenen müssen Prozesse wie Produktion, Warenempfang, Verpackung der Ware und deren Kennzeichnung sowie Warenbewegungen aus dem Unternehmen abgebildet werden.

Umsetzung für Sprengstoffhersteller

Durch die von der EU verlangte, eindeutige Kennzeichnung standen speziell Hersteller und Importeure vor besonderen Herausforderungen. Diesen Anforderungen hat sich die Firma Dresden Informatik GmbH angenommen, die bereits im Vorfeld zahlreiche Erfahrungen mit Rückverfolgung von Waren in der Tabak-, Automobil- und Lebensmittelindustrie hatte. Gemeinsam mit dem Deutschen Sprengverband und durch intensiven Erfahrungsaustausch mit verschiedenen Sprengstoffherstellern entwickelte das Unternehmen die Software Track & Trace of Explosives (TTE). Die Lösung ist sowohl online als auch lokal erhältlich und bereits bei über 500 Kunden in Europa und den USA im Einsatz.

Zur europaweiten Vermarktung, zum Betrieb der Online-Lösung und der Betreuung der wachsenden Kundenzahl wurde im Jahr 2013 die Firma TTE-Europe GmbH gegründet. Neben dem Tracking & Tracing von Explosivstoffen über die gesamte Lieferkette vom Hersteller bis zum Endkunden spielte bei der Entwicklung auch die interne Rückverfolgung und Prozessoptimierung eine wichtige Rolle. Verschiedene Produktions- und Logistikprozesse mussten analysiert und an die neuen Umstände angepasst werden. Hersteller müssen zum Beispiel im Produktionsprozess neben den einzelnen Sprengmitteln auch jede einzelne Verpackungsebene kennzeichnen und den Bezug zu ihrem Inhalt speichern, also Einzelstück, Verpackung, Palette et cetera. So unterschiedlich wie die Produkte und Kundengruppen der verschiedenen Sprengstoffhersteller waren auch die Anforderungen an das neu einzuführende Tracking &Tracing System und die Motivation für den Einsatz von TTE. Schon frühzeitig entschied sich die Eurodyn Sprengmittel GmbH für das System, das in enger Zusammenarbeit mit dem Lieferanten für Druck- und Etikettiertechnik Dynamic Systems eingeführt wurde. Bereits Anfang 2012 waren alle Produktionslinien auf die neue Technik umgestellt und alle Produkte konnten den neuen Anforderungen entsprechend gekennzeichnet werden.

Eine wesentliche Forderung an das Etikettiersystem war es, die Auszeichnung der Produkte ohne Beeinträchtigung der Produktionsleistung durchzuführen. Die weltweit eindeutige Seriennummer jeder einzelnen Patrone muss im Prozess geprüft werden. Unlesbare oder fehlerhafte Patronen sind automatisch auszuschleusen. Die Daten der einzelnen Sprengmittel und der komplexen Verpackungshierarchien werden in der TTE-Software aufbereitet und an das übergeordnete ERP-System übergeben. Auch die spanische Firma Maxam begann frühzeitig, ihre europäischen Produktionsstandorte mit neuer Druck- und Appliziertechnik auszurüsten. Hauptmotivation der Maxam war der Anspruch, all ihren europäischen Kunden ein einheitliches und komfortables Trackingsystem für ihre Produkte anbieten zu können. Besonders wichtig war dabei, die nötigen Daten für die Rückverfolgbarkeit der Produkte vollautomatisch und ohne manuelle Zwischenschritte über die gesamte Lieferkette bis hin zum Endverbraucher zu übertragen. Diese Forderung wird durch das cloudbasierte TTE-Trustcenter optimal erfüllt. Der manuelle Aufwand bei der Datenübertragung, der zum Beispiel bei der Versendung per E-Mail entsteht, entfällt somit für Kunden des spanischen Unternehmens vollständig.

Um langfristig allen europäischen Kunden die Verfügbarkeit einer komfortablen cloudbasierten Rückverfolgungslösung inklusive der automatischen Datenübermittlung sicherzustellen, haben die TTE-Europe und die Maxam eine strategische Partnerschaft beschlossen. Ähnlich wie Maxam ist auch die Schweizer Firma Société Suisse des Explosifs SA (SSE) strategischer TTE-Partner. Die über ganz Europa verteilten Produktions- und Distributionsstandorte der SSE betreiben lokale Installationen der Software, welche jedoch wiederum online über das TTE-Trustcenter miteinander verbunden werden. Somit kann die Datenübertragung zu den Kunden und zwischen den eigenen Standorten über dieselbe Schnittstelle erfolgen. Das minimiert den Aufwand für die Installation und den laufenden Betrieb der konzernweit eingesetzten Lösung.

Die genannten Beispiele zeigen, wie durch die Einführung der Lösung die Umsetzung der EU-Kennzeichnungsrichtlinie in die Produktionsprozesse der verschiedensten Sprengstoffhersteller integriert werden konnte. Unternehmensspezifische Anforderungen an Drucklösungen, den Einsatz von Erfassungsgeräten und die Datenüberlieferung erforderten jeweils individuelle Anpassungen und Dienstleistungen. Der Datenaustausch über die Online-Plattform ermöglicht es, Unternehmen intern oder über die gesamte Lieferkette zu verbinden und über sichere Vernetzungen einen einfachen Austausch von Lieferdaten zu gewährleisten. Dabei können auch Daten aus anderen Systemen über das Trustcenter versendet werden. Entsprechen die Daten nicht dem von der Vereinigung europäischer Sprengstoffhersteller vorgegebenen XML-Format, werden diese durch das Trustcenter automatisch in das korrekte Format übersetzt.

Verschiedene Systeme

Kunden, die Sprengmittel verschiedener Hersteller verwenden, profitieren zusätzlich weil das TTE-Trustcenter von allen wichtigen europäischen Sprengstoffherstellern unterstützt wird und somit individuelle Schnittstellenanpassungen entfallen. Die Software, ob lokal oder online betrieben, ermöglicht auch die zehnjährige Datenspeicherung. Die Online-Variante hat den Vorteil, dass sich die Daten in einem europäischen IBM-Rechenzentrum befinden. Mit den Zugangsdaten kann man von jedem internetfähigen Rechner aus auf die Software zugreifen. Fällt ein Computer einmal aus, ist deshalb weder der Zugang zur Software noch die Sicherheit der Daten gefährdet. Wird eine lokale Lösung bevorzugt, kann sie alternativ auch auf einem Server im Firmennetz installiert werden. Diese Variante verlangt jedoch von ihren Anwendern eine regelmäßige Datensicherung und Archivierung in eigener Verantwortung.

Durch die durchgeführten Projekte zu Tracking & Tracing sowie die gesammelten Erfahrungen mit Nutzern konnte die Dresden Informatik GmbH eine Lösung zur Umsetzung der EU-Kennzeichnungsrichtlinie für Hersteller und Verwender von Sprengstoffen entwickeln. Die erfolgreiche Einführung und Nutzung als Cloud-Lösung hat dazu geführt, dass die Software in weiteren Branchen anwendbar wird. Die individuelle Anpassbarkeit und mögliche Schnittstellen, beispielsweise zu ERP-Systemen wie SAP, macht die Online-Lösung für ganz unterschiedliche und neue Tracking & Tracing Anwendungen möglich.

google plus


Das könnte Sie auch interessieren:

Dieser Beitrag zeigt, wie sich mit einer HMI- und Scada-Lösung eine norwegische Fischzucht auf eine neue Rentabilitätsstufe heben ließ - und worauf bei der Wahl entsprechender Systeme zu achten ist.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige