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Durchgängige Prozesse einführen

Unternehmenssystem als Datendrehscheibe

Der Automotive-Zulieferbetrieb Willi Hahn setzt am Standort Sasbach auf flache Unternehmenshierarchie und hohe Mitarbeiterverantwortung. Unterstützung erhalten die Angestellten durch IT-Systeme, die passende Informationen bereitstellen und durchgängige Prozesse ermöglichen sollen. Als Unternehmenssystem kommt eine Branchenlösung zum Einsatz, die Liefer- und Produktionsprozesse detailliert abbildet.

Bild: Willi Hahn GmbH

Die Willi Hahn GmbH liefert Bauteile und -gruppen für die Automobil- und Zulieferindustrie. Die Produktpalette umfasst zum Beispiel Kaltfließpress-, Dreh- und Frästeile wie Schrauben, Muttern, Bolzen, Hülsen und kleinere Baugruppen. Zu den Abnehmern zählen hauptsächlich OEMs wie der Volkswagen-Konzern, Daimler, BMW und Opel, aber auch Tier1- und Tier2-Zulieferbetriebe der Branche. Das mittelständische Unternehmen mit insgesamt 180 Mitarbeitern in den Kundencentern Sasbach und Wuppertal setzt auf technologische Weiterentwicklungen, um sich am hart umkämpften Zuliefermarkt behaupten zu können. Das Entwicklungstempo muss dabei dabei stets mit den Kundenanforderungen schritthalten. Um mit der Unternehmensstruktur dieser Herausforderungen Rechnung zu tragen, führte Geschäftsführer Armin Klauß – auch im Nachklang der Automobilkrise im Jahr 2008 – flache Hierarchien, klar definierte Prozesse und fest umrissene Verantwortungsbereiche für die Mitarbeiter ein.

Um die neue Struktur in der Unternehmens-IT abzubilden, sollte im Jahr 2012 das Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) ausgetauscht werden. Nach einer Marktanalyse entschieden die Projektverantwortlichen die Einführung der Branchenlösung Computenz Automotive auf Basis von Microsoft Dynamics NAV. Begleitet wurde das Einführungsprojekt ebenfalls von dem Systemhaus Computenz. Der Anbieter unterhält ein eigenes Entwicklerteam, dass kontinuierlich weitere Branchenfunktionen in das ERP-System implementiert. „Man hat gespürt, dass Computenz Software im Sinne eines Best-of-Breed-Ansatzes innerhalb des Standards weiterentwickeln wird. Somit profitieren wir stets von kommenden Innovationen“, sagt Stefan Zimmer, der das Projekt als externer Berater unterstützte.

Unternehmenssystem als zentraler Datenspeicher

Für den Geschäftsführer des Zulieferbetriebs Klauß ist eine geeignete ERP-Lösung die Vor-aussetzung, um vorausschauend und erfolgreich zu arbeiten: „Nur mit den richtigen Kennzahlen lassen sich heute sachliche Entscheidungen ausreichend untermauern. Wenn Sie Mitarbeitern alle Informationen geben, die sie benötigen, um ihre Aufgaben zu bewältigen, übernehmen diese automatisch Verantwortung“, erläutert Klauß. Das ERP-System dient dabei als zentraler Informationsspeicher und wichtiger Kennzahlenlieferant. Für den geplanten Systemumbau war Berater Zimmer mitverantwortlich, der eine Untersuchung der Unternehmensprozesse und eingesetzten Software-Lösungen vornahm. Das Ziel war, die zerklüftete Softwarelandschaft weitgehend in ein Standardsystem zu überführen.

Die vor dem Systemwechsel eingesetzte Lösung war zudem nicht in der Lage, zentrale Prozesse wie Chargenverfolgung, Wareneingang und Warenausgang, Versandabwicklung, Konsignationslager- und Leergutverwaltung, Qualitätsstand-Management und Ereignissteuerung durchgängig abzubilden. In den Programmmodulen der neuen Lösung konnten diese Prozesse hingegen zufriedenstellend hinterlegt werden. Zudem ließen sich die im Unternehmen eingesetzten Systeme zur Maschinendatenerfassung vollständig in die ERP-Lösung einbinden. Die dort erfassten Informationen können nun in Echtzeit per Barcode und der in Navision eingebundenen Zähl-Waage mit dem gebuchten Arbeitsfortschritt abgeglichen werden. Anhand der Daten können Nachkalkulationen durchgeführt sowie Störfaktoren und deren Auswirkungen nach Identifizierung beseitigt werden.

Durchgängige Prozesse zu Abnehmern und Zulieferern

Für Lieferabrufe, Rechnungseingänge, Gutschriften und Lieferavise tauschen Geschäftspartner mit dem Fertigungsunternehmen Daten über ein Electronic Data Interchange-Modul (EDI) aus. Informationen wie Terminverschiebungen lassen sich so ‚auf Knopfdruck‘ an Lieferanten, Kunden oder Logistikdienstleister weiterleiten. „Wir wollen die Nähe zu unseren Kunden sowie Lieferanten und die dadurch möglichen kurzen Reaktionszeiten effektiv nutzen. Dieses Potenzial wird durch eine vollständige Integration unserer Geschäftspartner in die Automotive-EDI-Prozesse voll ausgeschöpft“, sagt Zimmer. Zudem ist das Unternehmenssystem vollständig in Microsoft Office integriert. Daher können Kennzahl-Auswertungen per SQL-Statements in der gewohnten Office-Umgebung angezeigt und an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.

Lagerbewegungen Barcode-gestützt buchen

Darüber hinaus bietet die Anwendung weitreichende Unterstützung bei Intralogistikprozessen: Mit Hilfe der Standard-Artikelverfolgung werden zum Beispiel Produktions-charge und Behälter abgebildet. Um außerdem die Buchung von Lagerbewegungen der produzierten Fertigteile in Echtzeit an das ERP-System zu übermitteln, setzt das Fertigungsunternehmen auf eine Barcode-Kennzeichnung. Gebucht werden ja nach Bedarf Behälter, Charge, Artikel oder Qualitätsstand. Aufgrund der neu gewonnenen Übersicht auf die Lagerbestände, können Werker nun auf einen Blick den Standort der Artikel und Behälter erkennen und vor der Einlagerung neuer Artikel einen geeigneten Lagerplatz bestimmen. Gleichzeitig sind durch die Aktualität des Datenbestandes aller Lagerbewegungen die Anforderungen an eine ‚permanente Inventur‘ erfüllt, zeitaufwändige Inventuranstrengungen entfallen in der Regel.

Effizienz und Profitabilität langfristig im Blick

Wenn Lager, Verwaltungs- und Fertigungsprozesse im Rahmen von ERP-Einführungen umgestaltet werden, gilt es, Mitarbeiter mitzunehmen, um Reibungsverluste zu minimieren. Daher stützte sich das Fertigungsunternehmen bei dem Einführungsprojekt auch auf die Ratschläge des Systemintegrators. So war zum Beispiel eine interne Key-User-Mannschaft im weiteren Projektverlauf dafür zuständig, das Vorhaben bei den Mitarbeitern des Unternehmens zu verankern und die Endanwender in der Nutzung zu schulen. „Wenn es mal hektisch wurde, haben die Computenz-Leute besonnen und professionell reagiert. Das hat uns in den heißen Projektphasen sehr geholfen“, schildert Zimmer. Auch mit zukünftigen IT-Projekten verfolgt das Fertigungsunternehmen die Strategie, effizienter und profitabler zu werden. Aktuell führt das Unternehmen zum Beispiel eine ergänzende grafische Leitstand-Unterstützung ein, anschließend plant der Automotive-Zulieferer, die ERP-Lösung um Funktionalitäten für ein Kundenbeziehungsmanagement für Vertrieb und Marketing, eine Schnittstelle zum Qualitätsmanagement und ein Dokumentenmanagementsystem zu erweitern.


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