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Digitale Transformation

Wie verändert Industrie 4.0 die ERP-Lösungen?

In der aktuellen Diskussion um Industrie 4.0 wurde relativ früh eine Revolution ausgerufen und es werden auch derzeit noch umwälzende Veränderungen vorhergesagt. Für Anbieter und Anwender von Enterprise Resource Planning-Lösungen stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie sich diese Revolution auf die Entwicklung der ERP-Lösungen auswirken wird.



Bild: © mindscanner/Fotolia.com

Wie schon bei der ersten Industriellen Revolution – der Erfindung der Dampfmaschine und damit die ortsungebundene Verfügbarkeit technisch nutzbarer Energie als neues Potential – erscheint die Entwicklung zur Industrie 4.0 manchen Zeitgenossen als evolutionärer Prozess, der sich über Jahre oder Jahrzehnte erstreckt. In der historischen Betrachtung wird sie aber irgendwann doch als Revolution beurteilt werden müssen. Das neue Potential der Industrie 4.0, die ortsungebundene Information in Echtzeit, ergibt neue Möglichkeiten hinsichtlich Transparenz und Geschwindigkeit von produktiven, logistischen und kaufmännischen Geschäftsprozessen. Daraus ergeben sich die Bedeutung und Chancen für mittelständische Industrieunternehmen.

In welche Richtung geht es?

ERP und angebundene Lösungen wie Advanced Plannung and Scheduling (APS) und MES bilden seit vielen Jahren die administrativen und wertschöpfenden Prozesse in Unternehmen immer besser ab. Mit der vollständigen Digitalisierung der Prozesse von der Planung- bis zur Maschinen- und Montageebene werden höchste Anforderungen an die Datenqualität gestellt, denn Datenfehler führen unmittelbar zu Fehlern in den Prozessen. Vor diesem Hintergrund muss Software hinsichtlich Datenpflege und -bewirtschaftung durch Plausibilisierung und erhöhte Datendurchlässigkeit zu verbundenen Systemen auf hohem Niveau gehalten werden.

Darüber hinaus spielen Themen wie Mobility, Usability, Connectivity, Collaboration oder Agility eine große Rolle. Stellt sich die Frage, welche Auswirkung die geforderte Dezentralität auf aktuelle ERP-Systeme hat: Es sind keine fundamentalen Veränderungen zu erwarten. Das Einzelteil wird nicht gesamte Fertigungsnetzwerke umsteuern, sondern sich innerhalb vorgegebener Korridore feinjustieren. Optimierte Gesamtproduktionsorganisation im Sinne von APS wird im Regelfall zu den besten Auslastungsszenarien führen und lediglich durch die Rückmeldung von ‚Smart Objects‘ veredelt. Dafür kann die Erfahrung aus vorangegangenen Produktionsläufen für Prognosen genutzt werden. Natürlich wird es dem Prozess helfen, dass sich das ‚Smart Object‘ eindeutig bei der Fertigungsstelle identifizieren kann. Das Wissen um die Fertigungsabläufe wird aber bei den zentralen, führenden Systemen bleiben.

Auch die Vorstellung, dass das ‚Smart Object‘ selbstständig kaufmännische Entscheidungen trifft, wird sich in dieser reinen Form kaum finden. Solche Prozesse sind nur im Rahmen von kaufmännischen und organisatorischen Vereinbarungen zwischen Unternehmen denkbar, die dann wieder im ERP-System abgebildet sind. Nur so sind Skalierungseffekte in der Beschaffung zu erzielen, auf die kein Industrieunternehmen verzichten kann. Im Rahmen der Digitalisierung müssen Datenstandards definiert werden, die eine Kommunikation auf der Grundlage einheitlicher Datenformate sowie einer gemeinsamen Syntax und Ontologie erlauben. Insofern sind bei den ERP-Lösungen gerade bei zu Grunde liegenden Datenbanken Veränderungen zu erwarten. Beim Thema IT-Security ist der Stand der Diskussion so, dass sich ERP-Lösungen in sich gegen Angriffe von außen ‚härten‘ müssen, indem für sie eigene Schutzmechanismen entwickelt werden.

Flexibilität und Schnelligkeit

Folgt man der aktuellen Diskussion, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Produktion jederzeit schnell auf individuelle Kundenwünsche anzupassen. Flexibilität und Schnelligkeit sind zwei Schlagwörter, an denen sich die Produktion der Zukunft ausrichten durfte. ERP-Systeme können diese Flexibilität mit einer umfassenden Variantenkonfiguration unterstützen. Das heißt, dass alle möglichen Ausprägungen kaufmännisch und technisch ausreichend definiert sein müssen. Fertigungsunternehmen müssen bezüglich der Produkthaftung für die Sicherheit und Gebrauchsfähigkeit ihrer Produkte gerade stehen.

Die Schnelligkeit, also die Fähigkeit eines Unternehmens, ein Produkt sofort oder in kürzester Zeit herzustellen und zu liefern, erfordert die Verfügbarkeit der benötigten Materialien, der Fertigungskapazitäten und der logistischen Ressourcen. Da sich diese betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch in einer Industrie 4.0 nicht ändern, wird es immer eine kaufmännische Entscheidung bleiben, wie schnell geliefert werden kann. Aber wenn der Preis stimmt, ist vieles technisch möglich. Für ERP-Anwendungen heißt dies, unterschiedliche Geschäftsmodelle agil, am besten im Standard, abbilden zu können und Möglichkeiten zu bieten, Entscheider bei der Ausprägung des Geschäftsmodells betriebswirtschaftlich fundiert zu unterstützen. Aktuell zeichnet sich ein Trend zu hybriden Systemen ab, welche die Formen der Bereitstellung ‚on premise‘, ‚private cloud‘ und ‚public cloud‘ bedienen.

Dies hat den Vorteil, dass die Nutzer ihr Vorgehen individuell an ihre Geschäftsmodelle und bezogen auf unterschiedliche Gefährdungspotentiale ausprägen können. Man kann davon ausgehen, dass man sich statt auf ‚big data‘ auf ‚right data‘ besinnen wird. Dabei geht es um eine Vorqualifizierung der gesammelten Daten aus Automatisierungs- und Regeltechnik. Es geht jedoch auch darum, nur Daten zu sammeln, die gewünschte Korridore über- oder unterschreiten. Schließlich wird auch in der Zukunft nicht so gut wie möglich, sondern nur so gut wie nötig produziert. Die Grundlagen der Betriebswirtschaft und das ökonomische Prinzip ändern sich auch in der Industrie 4.0 nicht.


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