Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Datenerfassung in der Fleischverarbeitung

Herausfordernde Umgebung für Industrie-PC

Die Bell AG muss bei der Herstellung von Fleisch-, Geflügel- und Charcuterie-Waren hohen hygienischenen Anforderungen genügen. Der Einsatz von Industrie-PC für die Erfassung von Produktions-, Qualitäts- und Versandprozessen unterstützt das fleischverarbeitende Großunternehmen beim Erschließen von Produktivitätsreserven.

Bild: Noax Technologies AG

Die Bell AG mit Hauptsitz in Basel ist seit ihrer Gründung 1869 stetig gewachsen und gehört als eines der wichtigsten fleischverarbeitenden Unternehmen der Schweiz zu den Großen im Food-Sektor. Über seine führende Position in der Schweiz hinaus sichtet der Produzent verstärkt Wachstumschancen im europäischen Ausland. So übernahm die Aktiengesellschaft die Polette-Gruppe in Frankreich sowie Zimbo und Abraham in Deutschland. Um mit dem steten Wachstum agil mitzuhalten, hat Bell jüngst damit begonnen, ihre heterogene IT-Landschaft durch die SAP Business All-in-One-Lösung Sopro/MeatÜline zu ersetzen. Entwickelt wurde die branchenspezifische Software von der Softproviding AG, einem international tätigen Software- und IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Basel. Ziel war ein durchgängiges Enterprise Resource Planning System (ERP), das alle für Fleischverarbeiter relevanten Geschäftsprozesse einbindet. Gemäß dem Grundsatz ‚from farm to fork‘ unterstützt die Software sämtliche Prozessstufen. Die branchenspezifischen Erweiterungen umfassen auch eine Komplettlösung für die Integration der Betriebsdatenerfassung (BDE) sowie die Prozessdatenerfassung. Darüber hinaus betreut der IT-Dienstleister seine Kunden mit Schulungen sowie einem vorbildlichen Afters-Sales-Service. Mit der Wahl einer homogenen Softwarelösung ging auch die Entscheidung einher, die Hardware auszutauschen. Nach eingehender Evaluation entschied sich Bell für einen Industrie-PC von Noax, den das Softwarehaus im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Hardware-Anbieter zur Verfügung stellt. „Unsere Bedürfnisse werden von Noax vollumfänglich wahrgenommen und nicht nur mit der Hardware selbst erfüllt, etwa durch Konstruktion und Oberflächengestaltung. Auch Betrieb, Wartung und Support entsprechen ganz unseren Anforderungen“, erläutert der IT-Leiter der Bell AG die Entscheidung für den Systemanbieter.

Hygiene hat Priorität

Der Fertigungsbetrieb setzt alles daran, durchgehend höchste Ansprüche an die Güte seiner Produkte zu erfüllen. ‚Qualität kann man nicht kontrollieren, man muss sie produzieren, um Genuss auf den Teller zu bringen‘, lautet ein Leitsatz des Unternehmens. Die Frage nach der Qualität steht bereits früh im Raum: Um etwa das Label ‚Suisse Garantie‘ zu erhalten, muss der gesamte Produktionsprozess in der Schweiz stattfinden. Daneben sind persönliche Hygiene und hygienische Arbeitsbedingungen oberstes Gebot. „Hygiene, Stabilität, Qualität und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Anbieter sind für uns die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Hardware“, betont der IT-Leiter. Seit 2005 setzt Bell IPC des Ebersberger Anbieters für die Verarbeitung und den Versand in den Bereichen Geflügel und Spezialfleisch im Werk Zell im Kanton Luzern sowie bei der Verarbeitung von Schweinefleisch im Hauptwerk Basel ein. In Zell werden täglich 70.000 bis 80.000 Hühnchen geschlachtet, zerlegt und verpackt. Der Betrieb kann solche Mengen nur mithilfe modernster Lebensmittel- und Informationstechnik bewältigen – gerade weil die Anforderungen an Hygiene und Rückverfolgbarkeit, aber auch der Preisdruck auf dem Markt immer größer werden. Seit dem Start des ERP-Projekts im Jahr 2007 werden in allen Produktionsprozessen ausschließlich IPC aus Deutschland eingesetzt.

ANZEIGE

Edelstahl ist Trumpf

Die Kombination aus Branchenlösung und IPC unterstützt die Bell-Mitarbeiter bei Verpackung, Etikettierung und Versand sowie der Dokumentation der Verarbeitungsschritte für die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Wertschöpfungskette. Alle Systemfunktionen sind am Arbeitsplatz verfügbar und zwar unter absolut hygienischen Bedingungen. Die Rechner haben ein geschliffenes Gehäuse aus V2A-Edelstahl ohne Rillen und Ritzen, in denen sich Keime sammeln könnten. Das macht die IPC der Steel-Serie besonders für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie geeignet. Durch die direkte Datenerfassung in der Produktion gewinnt Bell mehr Überblick und erschließt Produktivitätsreserven. Ein Beispiel ist die Verpackung: Hier wird das frische Fleisch in Kunststoffschalen gelegt, gewogen und verschweißt. Elektronische Waagen sind über eine serielle Schnittstelle nach dem Standard RS 232 an den IPC angeschlossen. Er verarbeitet die Daten, leitet sie an den Etikettendrucker weiter und stößt den Druck der Labels an. In der Kommissionierung zeigen die Terminals an, ob die kommissionierte Ware mit der Bestellung übereinstimmt. Da der Computer neben dem Warenaufzug steht, müssen die robusten Geräte auch den starken Erschütterungen standhalten, die vom Aufzug und dem Transport der Kisten ausgehen.

Neue Rechner in altem Rack

Da die Racks der alten Lösung noch einsatzfähig waren, bestand eine Herausforderung des Projekts darin, die neuen IPC darin einzubauen. Dafür eignet sich die Panel-Serie des Hardware-Anbieters am besten. Allerdings sollte der Neueinbau mit zehn frei konfigurierbaren Bedientasten realisiert werden. Diese Sonderentwicklung für den Schweizer Fleischverarbeiter setzten die Ingenieure in Ebersberg ebenfalls um. Auch die Panel-Serie ist für den Einsatz unter strengsten Hygieneanforderungen konzipiert: Die Front der Panel-PC besteht aus V2A-Edelstahl. Gummidichtungen zwischen Frontplatte und TFT-Display sorgen dafür, dass die Geräte leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind: Nach jeder Schicht werden die IPC mit einem Desinfektionsmittel eingeschäumt und danach mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt. Aufgrund ihrer komplett geschlossenen Bauweise gemäß Schutznorm IP65 kommen die Terminals mit der täglichen Reinigung problemlos zurecht. ‚Komplett geschlossen‘ bedeutet, dass das Innere des Rechners vollkommen von äußeren Einflüssen abgeschirmt ist. Weder Wasser noch andere Flüssigkeiten können in den Computer eindringen. Dadurch wird nicht nur die ständige Systemverfügbarkeit gesichert: Genauso wenig können Keime in das Gehäuse gelangen. Ein weiteres Plus der komplett geschlossenen Bauweise: Da kein Luftaustausch stattfindet, bildet sich kein Kondenswasser innerhalb des Gehäuses. Dies könnte zu Kurzschlüssen und anderen Problemen führen. Ein Punkt, der bei der Wurstproduktion besonders zählt, weil hier eine Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent herrscht.

Eisige Temperaturen

Die Entwickler haben die Industrie-PC ohne Lüftungsschlitze oder empfindliche Außenlüfter konzipiert. Sie verfügen ausschließlich über einen innen liegenden Lüfter, der die Abwärme vom Prozessor über das Gehäuse nach außen leitet. Das Klimamanagement übernimmt ein Micro-Controller. Er sorgt dafür, dass sich die optionale Heizung ein- und vor allem auch wieder ausschaltet, sobald die entsprechenden Werte erreicht sind. Bei Bell werden die Geräte in Temperaturbereichen zwischen minus 20 Grad und plus 40 Grad eingesetzt. Darum war es besonders wichtig, dass der Rechner gerade bei strengen Minusgraden klaglos seinen Dienst leistet. Für den Einsatz unter diesen Bedingungen ist in den Rechnern ein elektronisch geregeltes Heizungssystem eingebaut. Dadurch lassen sie sich innerhalb von fünf Minuten auf Betriebstemperatur bringen. Der analog resistive Touchscreen reagiert genau auf Berührungen und lässt sich auch mit Schutzhandschuhen bedienen. Auf Anwenderwunsch stattet der Anbieter die Industrie-PC zudem mit einer speziellen Schutzfolie aus, die das Touchpanel gegen Laugen oder Säuren abschirmt.

Arbeiten ohne Ausfälle

Bis Mitte des Jahres hat Bell einen Bestand von über 400 Geräten der beiden IPC-Serien erreicht. Zum Einsatz kommen ausschließlich Modelle der Panel- und der Steel-Reihe mit 15-Zoll-Monitoren. Diese Geräte steuern eine Vielzahl von unterschiedlichen Prozessen: die Kommissionierung, die Abfertigung der LKWs, die Dokumentation der Warenflüsse für die Rückverfolgbarkeit der Produkte oder den Druck der Verpackungsetiketten. Seit der Anschaffung der ersten Industrie-PC aus Ebersberg gab es keine nennenswerten Ausfälle oder Störungen – ein großes Plus für ein Unternehmen wie Bell, für das Ausfallsicherheit von essenzieller Bedeutung ist.


Das könnte Sie auch interessieren:

Brauchen Firmen noch ein Manufacturing Execution System, wenn sie ihre Maschinen und Anlagen im Sinne eines Industrial Internet of Things vernetzt haben? Auf den zweiten Blick wird klar: Ja, denn um aus Daten Information zu machen, braucht es Spezial-Software. Veteranen könnte dieser Diskurs an die 90er Jahre erinnern, als Business Intelligence-Systeme ihren Siegeszug feierten.‣ weiterlesen

Beim Mittelstand-Digital Zentrum Klima.Neutral.Digital sollen Unternehmen Hilfestellung auf dem Weg zur Klimaneutralität erhalten. Unternehmen erhalten dort neben Informationen auch Unterstützung bei konkreten Projekten.‣ weiterlesen

Trotz der aktuellen Krisen rechnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in seiner Prognose nicht mit einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Für die Industrie prognostizieren die Forscher jedoch stagnierende Zahlen.‣ weiterlesen

Eine gemeinsame Lösung für sicherheitsorientierte Unternehmen und Behörden ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Mendix und Stackit. Mendix Low-Code-Anwendungen können so auf der souveränen Stackit-Cloud betrieben werden.‣ weiterlesen

Effizienz und Cybersicherheit sind zwei wichtige Aspekte in der Softwareentwicklung. GitOps ist ein Ansatz, um beides zu verbessern. Zugleich wird die Handlungsfähigkeit von Entwicklungsteams gesteigert.‣ weiterlesen

Mit 84,3 Punkten ist der Ifo-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit Mai 2020 gefallen. Dabei betraf der Rückgang alle Wirtschaftsbereiche.‣ weiterlesen

Vom 18. bis zum 19 Oktober findet die In.Stand in Stuttgart statt. Fokusthemen der Fachmesse für Instandhaltung und Services sind in diesem Jahr Nachhaltigkeit und Sicherheit.‣ weiterlesen

Das DFKI und das Fraunhofer IML untersuchen in einem Forschungsprojekt, wie künstliche Intelligenz bei der Vergabe von Lehrstühlen und Institutsleitungen unterstützen kann. In der Folge soll ein Portal für Bewerber-Profile entstehen.‣ weiterlesen

Nachhaltigkeit wird oft von den Beteiligten eines Wertschöpfungsnetzwerkes erwartet - und sie kann sich als gewinn- und kostenrelevant darstellen. Um jene Unternehmen zu diesem Wandel zu befähigen, die über begrenzte Ressourcen verfügen, können diese Firmen Ökosysteme etwa mit Zulieferern, Vertragspartnern und Technik-Dienstleistern aufbauen, um kreative Lösungen zu erarbeiten.‣ weiterlesen

Motiviert von der Aussicht auf Effizienz im Produktionsprozess und damit verbundenen Kosten- sowie Wettbewerbsvorteilen, setzen immer mehr Unternehmen auf Technologien wie etwa Sensorik oder künstliche Intelligenz. Und oft fällt das Schlagwort ’Green Manufacturing’. Dabei schauen viele nur auf den unmittelbaren ökologischen und ökonomischen Nutzen. Was oft fehlt, ist die Berechnung der Gesamtbilanz dieser Digitalisierungsmaßnahmen und der Weitblick in Sachen Nachhaltigkeit.‣ weiterlesen

Auf dem Anwenderforum ’Einsatz mobiler Lösungen’ können sich Interessierte vom 8. bis zum 9. November über den Einsatz Technologien wie etwa KI und Augmented Reality in der Instandhaltung austauschen.‣ weiterlesen