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Das Risiko in der Supply Chain reduzieren

Cloud-basierte Plattformen

Das Risiko in der Supply Chain reduzieren

Die globalen Supply Chains mögen hinsichtlich Effizienz und Effektivität fein austarierte Gebilde sein. Vor Unwägbarkeiten sind sie jedoch keinesfalls sicher. Wachsende Komplexität erhöht die Risiken einer Störung. Mit der passenden Software lassen sich die Gefahren aber gut in den Griff bekommen.

Bild: GT Nexus Europe GmbH [1]

Bild: GT Nexus Europe GmbH

In den globalen Lieferketten großer Unternehmen können fast überall unvorhersehbare Ereignisse auftreten, sei es unternehmensintern, mit Partnern oder durch andere plötzlich auftretende externe Faktoren wie beispielsweise Naturereignisse. Dies ist mit einem ständigen Risiko verbunden. Eine Unterbrechung der Supply Chain hat für Unternehmen, aber auch für ganze Branchen meist dramatische Folgen. Zum Beispiel dauerte die Wiederherstellung der Supply Chain der Elektronikbranche nach dem Tsunami und Atomunfall in Japan mehr als sechs Monate. Dieses Risiko in der Supply Chain richtig zu managen kann überlebenswichtig sein. Neben den zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten ist aber auch die ständig wachsende Komplexität der Lieferketten für das erhöhte Risiko in globalen Supply Chains verantwortlich. Sie wird befeuert durch zwei globale Trends. Zum einen ist das Lean Manufacturing. Durch geringere Fertigungslohnkosten in bevorzugt südamerikanischen, asiatischen oder afrikanischen Ländern oder aber durch spezialisierte Auftragsfertiger, die größere Mengen günstiger produzieren können, werden gerne Kostensenkungspotenziale gehoben. Da dies nicht nur die großen Hersteller, sondern jeweils auch die nachgelagerten Tier-1-Lieferanten mittlerweile so umsetzen, erhöht sich die Komplexität in der Supply Chain um ein Vielfaches. Der zweite Trend ist der globale Absatz und der damit verbundene Kundenservice. Unternehmen lagern ihre Produktion direkt in das Land oder zumindest den Kontinent aus, in dem sich ihre Kunden befinden. Dies optimiert nicht nur Kosten, sondern verbessert durch kurze Wege auch den Kundenservice in den jeweiligen Regionen. Zusätzlich wird die Komplexität durch eine stetig wachsende Produktvielfalt erhöht. Ein gutes Beispiel ist hier das Smartphone. Alle sechs Monate gibt es inzwischen neue Modelle. Passend zu dieser Entwicklung werden Flatrates angeboten, die es den Kunden ermöglichen, jedes Jahr ein neues Smartphone zu erhalten.

Interne und externe Risiken minimieren

Durch Naturkatastrophen und geopolitische Ereignisse entstehen zuerst interne Risiken. Die unternehmenseigenen, internen On-Premise-IT-Systeme sind anfällig, wenn es zu großen Störungen kommt. So haben beispielsweise sowohl das Christchurch Erdbeben in Neuseeland, die Flutkatastrophen in Thailand oder Australien 2010 und 2011, als auch der Tsunami in Japan 2011 nicht nur die Supply Chain empfindlich gestört, sondern zuerst die IT Infrastruktur vieler Unternehmen an den jeweiligen Standorten stark beschädigt. Dadurch war es Unternehmen über einen längeren Zeitraum kaum möglich, an notwendige Daten zu Lieferkette und Beständen zu kommen, wodurch das Management der Krise weiter erschwert wurde. Cloud-Systeme können dies beheben, da sie mit einem gemeinsamen, zentral gelagerten Datenbestand arbeiten und von vielen verschiedenen Standorten aus einen kontinuierlichen Zugriff auf Daten und Applikationen ermöglichen. Frost und Sullivan haben dies in einer Studie näher untersucht und 200 IT-Verantwortliche bei Unternehmen aus dem Bereich Herstellung, Distribution und Logistik befragt. 26 Prozent bestätigten, dass sie negative Erfahrungen mit solchen Unterbrechungen gemacht haben. 65 Prozent dieser Befragten gaben an, dass die entstandenen Schäden geringer gewesen wären, wenn sie ihre Applikationen in der Cloud gehabt hätten. 47 Prozent gaben an, Cloud-Lösungen aus diesem und aus Kostengründen bereits einzusetzen.

Externe Risiken

Die weitaus größere Bedrohung für eine Supply Chain liegt allerdings in externen Risiken. Durch Erdbeben, Hafenstreiks, Bürgerkriege oder Orkane kommt es zum Ausfall von Lieferanten, Produktionsanlagen oder Transportwegen. Das Hauptproblem liegt dabei fast immer in der fehlenden Transparenz. Ganz einfach: was ich nicht sehen kann, kann ich nicht managen. Oft bemerkt man diese Störungen gar nicht oder aber zu spät, um ohne größeren Schaden reagieren zu können. Der Grund dafür sind fehlende Daten, schlechte Datenqualität und fehlende Zusammenarbeit, sowie der Austausch von Daten mit allen Partnern in der Supply Chain in nahezu Echtzeit. Obwohl seit mehr als zehn Jahren der Begriff ‚End-to-End-Visibility‘ immer wieder auf der To-Do-Liste der Supply-Chain-Entscheider steht und viele Lösungsanbieter sich genau darauf spezialisieren, gibt es bis heute nur wenig überzeugende Ansätze. Circa 80 Prozent der benötigten Daten, die eine ausreichende Transparenz gewährleisten würden, befinden sich außerhalb der eigenen Unternehmen. Für eine umfassende Transparenz benötigen Unternehmen also die Daten von ihren direkten vor- und nachgelagerten Partnern gleichzeitig und in Echtzeit. Für ein solches Szenario wurden ERP- und EDI-Systeme allerdings nie entwickelt. ERP-Systeme organisieren die internen Daten und EDI steuert zuverlässig und sicher den Datenaustausch zwischen zwei Partnern in festgelegten Formaten und Protokollen. Globale Supply Chains sind aber längst keine Ketten mehr, sondern Netzwerke in denen jeder mit jedem interagiert. Die Anwendung von Business Networks in der Cloud verspricht diesen Umstand für die Supply Chain nun genau aufzugreifen. Die Funktionsweise lässt sich an einem einfachen Beispiel gut erklären. In einem innovativen many-to-many Business Netzwerk in der Cloud gibt es ein neues Informationsmodell. Dort erhält jeder Teilnehmer im Netzwerk eine ‚Profil Seite‘ und die jeweiligen Teilnehmer greifen alle auf diese eine Seite nach bestimmten Regeln zu.

Wie bei Linked-In

Bild: GT Nexus Europe GmbH [2]

Bild: GT Nexus Europe GmbH

Man kann sich das ähnlich vorstellen wie ein Profil beim Business Netzwerk LinkedIn. Wenn nun jemand den Lieferzeitpunkt für ein Produkt auf seiner Seite ändert, wird es sofort für das gesamte Netzwerk sichtbar. Zumindest für die Teilnehmer, die diese Informationen sehen dürfen. In der Supply Chain, wo viele Unternehmen nicht nur mit Profilen, sondern auch mit einer Vielzahl sich ständig verändernden Objekten, Prozessen, Dokumenten und Organisationen arbeiten, birgt dieses Informationsmodell hohes Potential für umfassende Transparenz. Wenn es in einem solchen Netzwerk bei einem Vorlieferanten oder dessen Logistikdienstleister zu Verzögerungen kommt, wissen nicht nur die beiden davon, sondern automatisch und zeitgleich auch der nächste Lieferant, der Kunde und das Produktionswerk. Wenn dann noch kommunizierende Objekte wie im Bereich IoT oder Industrie 4.0 Informationen austauschen, ist dies ein sinnvolles Informationsmodell für vollständige Transparenz.

Supply Chain Visibility in Echtzeit

Mithilfe dieser Art von Business Networks in der Cloud kann man das Ziel der End-to-End Supply Chain Visibility in Echtzeit erreichen. Es lassen sich sogar bestehende EDI- und/oder Web-EDI-Systeme in ein solches Netzwerk einbinden, ebenso wie Wetter- und geopolitische Daten. Dadurch wird die Supply Chain wesentlich flexibler und sicherer. Es lassen sich zusätzlich signifikante Bestands- und Transportkostenreduzierungen realisieren, Planungsprozesse und Beziehungen mit Geschäftspartnern werden verbessert und die Kundenzufriedenheit wird erhöht. Die gewonnene Datenqualität dieser Systeme erhöht zudem das Potential von Business-Intelligence-Lösungen für die Supply Chain. So war beispielsweise ein Unternehmen durch die gewonnene Transparenz eines solchen Cloud-Business-Netzwerks während des Hafenstreikes 2015 in Amerika in der Lage, fast in Echtzeit zu sehen, welche Häfen wie schnell beziehungsweise langsam arbeiteten, an welchen Häfen zu einem Zeitpunkt X überhaupt noch Waren zu verschiffen waren und wo sich gerade welche Artikel, in welchem Container, auf welchem Truck befanden. Dieses Unternehmen konnte somit sehr schnell und zielgerichtet bestimmte Häfen meiden, die Schiffe zu anderen Häfen umleiten oder rechtzeitig auf andere Transportwege und zu anderen Logistikdienstleistern umschalten.