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Cloud Computing

Auf dem Weg in die Wolke

Product Lifecycle Management und Produktkonstruktion sind unterwegs in die Cloud. Dafür gibt es viele Gründe: So lernen beispielsweise Unternehmen zunehmend die Flexibilität, Skalierbarkeit und Kostenstrukturen von Cloud-Plattformen zu schätzen. Aber auch die technologischen Rahmenbedingungen ändern sich stetig. Und mit ihnen die Anforderungen an die Fachkräfte. Auf dem Weg in die Cloud sind aber noch viele Herausforderungen zu meistern.



Eduard Marfà ist EMEA Marketing Director – Lifecycle Collaboration Software bei Siemens PLM Software. Bild: Siemens PLM Software

Viele Unternehmen sehen die Vorteile von Cloud-basierten PLM-Lösungen. Trotzdem bestehen noch einige Punkte, die kritisch betrachtet werden. Datenschutz und Datensicherheit verursachen tiefe Sorgenfalten. Darüber hinaus gibt es Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Mit der steigenden Anzahl erfolgreicher Einsatzszenarien wird die Cloud-Technologie allerdings immer besser angenommen und die Themen Sicherheit und Authentifizierung haben für die meisten Cloud-Anbieter oberste Priorität. Dadurch verlieren die Anwender zusehends die Scheu vor der Technologie. Moderne Verschlüsselungsverfahren sollen sicherstellen, dass die Daten während der Übertragung geschützt sind. Als Beleg dafür mag gelten, dass weltweit viele Regierungsorganisationen und Streitkräfte einen Teil ihrer Software-Systeme in die Cloud verlegt haben.

Große Datenmengen

Im Prinzip verhält sich PLM wie jede andere Anwendung auch, die in die Cloud migriert wird. Beim Einsatz von Konstruktionswerkzeugen fallen aber häufig große Datenmengen an, beispielsweise durch komplexe 3D-Visualisierungen. Für einen effizienten Projektablauf müssen die Reaktionszeiten außerdem möglichst kurz sein. Entsprechend groß war bisher die Zurückhaltung, die Anwendungen und die damit verbundenen Daten in die Cloud zu verschieben. Hier hat aber die Verbreitung von Breitbandverbindungen und die zuverlässige Erreichbarkeit der großen Anbieter für Veränderung gesorgt. Inzwischen ist die Technologie auf einem Level, auf dem sich PLM in der Cloud fast genauso bedienen lässt wie eine lokal installierte Anwendung. Einige Anwender befürchten auch, dass sie durch den Cloud-Ansatz von einem Anbieter abhängig werden könnten. Die freie Wahl der Anwendungen lässt sich aber sichern, indem PLM in der Cloud auf einer Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Plattform implementiert wird, statt auf Software-as-a-Service (SaaS) zu setzen. Sind diese Bedenken berücksichtigt, dann bietet eine Cloud-Installation viele praktische Vorteile für den Bereich PLM.

Wie bei allen Cloud-basierten Systemen ist auch hier eine schnelle Installation auf einer dynamisch skalierbaren Infrastruktur möglich. Sie lässt sich einfach anpassen, sobald sich die Anforderungen in einem Projekt ändern. Darüber hinaus können sich IT-Abteilungen auf das Application Management konzentrieren, statt die Infrastruktur zu verwalten. Der Geschäftsbetrieb ist dabei durch eingebaute Redundanzen gesichert. Die Installation in der Cloud macht darüber hinaus die Anschaffung und Wartung zusätzlicher Hardware überflüssig, für die wiederum Platz und Personal bereitgestellt werden müssten. Die globale Präsenz von zertifizierten Cloud-Anbietern erweitert die Reichweite von Anwendungen und Services. Durch Virtualisierung und die Möglichkeit, Ressourcen leicht aufzuteilen und neu zuzuweisen, können neue Umgebungen für hausinterne Tests, Entwicklungen und Schulungen schnell aufgesetzt werden. Je nach Bedarf lassen sie sich in Betrieb nehmen und auch wieder deinstallieren. PLM in der Cloud versetzt Hersteller in die Lage, Informationen über Produktentwicklungen zu konsolidieren, Änderungsaufträge und Anfragen zu bündeln und die Kommunikation mit den Zulieferern zu verbessern – und das ohne aufwendige Installation vor Ort.

Innovation und Zusammenarbeit

Einmal installiert, kann ein PLM-System in der Cloud die Zusammenarbeit und den Innovationsgrad im Unternehmen oft deutlich steigern. Sollen aktuelle Produktdaten optimal genutzt werden, müssen sie nach Bedarf über Unternehmensgrenzen hinweg nahtlos zugänglich sein – und zwar sowohl für Zulieferer als auch für Kunden. Dies gilt insbesondere für Hightech-Unternehmen, die häufig auf Outsourcing setzen. Konstruktion und Fertigung benötigen Daten aus mehreren Abteilungen. Sie müssen gemeinsam an Änderungen arbeiten und Fertigungsdaten so schnell wie möglich weitergeben. Cloud-basierte Anwendungen sind daher geeignet, um Daten in räumlich weit verteilten Unternehmen zu übertragen. Eine Cloud ist standortunabhängig. Daher steht ein solches PLM-System jedem zur Verfügung, der Zugang zum Internet hat. So lassen sich komplexe Produktdaten in einem Unternehmen, das sich schnell wandelt und auf verschiedene Standorte verteilt ist, besser verwalten – eine neue Stufe des ‚Concurrent Engineering‘. Firmen, die schon auf Cloud-basiertes PLM setzen, überdenken nun ihre herkömmlichen Herangehensweisen in Sachen Innovation. Sie suchen nach Wegen, um die Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung zu stärken. Durch Cloud-basiertes PLM fällt es Anwendern im gesamten Unternehmen leichter, Wissen aus früheren Produktentwicklungszyklen abzuleiten, abweichende Konstruktionsaktivitäten zu koordinieren und ein breites Spektrum von Messgrößen zu analysieren. Das reicht von der Markteinführungsdauer bis hin zur Materialstückliste.

Cloud und Mobilität

Der letzte Baustein für ein umfassendes Cloud-PLM-System ist die Mobilität. Allerdings treiben PLM und Konstruktionssysteme viele mobile Endgeräte an ihre Leistungsgrenze – besonders Smartphones und Tablets sind für diese Anwendungen nicht ausgelegt. Nachdem aber in einer Cloud-Umgebung die Schwerstarbeit im Back-End geleistet wird, ist der Zugriff auf Anwendungen mit iPad und Co. auf verschiedene Weise möglich. Ingenieure werden zwar auch in Zukunft kaum komplizierte Konstruktionen auf einem Tablet oder Smartphone erstellen. Einfachere Aufgaben lassen sich mit mobilen Endgeräten durchaus erledigen: Änderungen können bewertet werden, die Kommunikation mit anderen Beteiligten am Projekt ist möglich, ebenso lassen sich Simulationsergebnisse überprüfen. All das kann die Zusammenarbeit und die Produktivität verbessern. Zusammengefasst zeigen diese Effekte das Potenzial der Cloud, fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Auf dieser Basis liefern Hersteller bessere Produkte, und zwar effizienter und in engerer Zusammenarbeit als bisher.

Verteilte Teams

Produkt-Innovationen sind für jedes Unternehmen extrem wichtig. Aber produzierende Betriebe sind einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt und müssen schnellere Entwicklungszyklen bewältigen als jemals zuvor. Auf der anderen Seite sind die Teams in Konstruktion und Engineering immer weiter verteilt, und Outsourcing ist auf dem Vormarsch. Das Ergebnis: Die Zusammenarbeit wird immer wichtiger, aber auch immer schwieriger. Der Cloud-basierte Ansatz im PLM-Bereich kann hier vieles erleichtern. Damit kann jeder von überall aus sicher auf die aktuellen Konstruktionen zugreifen und fundierte Entscheidungen treffen. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit Kollegen im gesamten Unternehmen sowie mit Partnern außerhalb der Organisation möglich, um gemeinsam bessere Produkte zu entwickeln. Aber um dahin zu kommen, ist es zunächst nötig, die Herausforderungen und Ängste rund um Cloud-PLM anzugehen. Hat schließlich jeder Anwender Zugang zu den Werkzeugen, Daten und Ressourcen, die er braucht, wird enge Zusammenarbeit möglich.


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