Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Bluetooth-basierte Kommunikation

Funken in rauer Umgebung

In der unternehmenseigenen Gießerei der MPG Mendener Präzisionsrohr GmbH werden die zu schmelzenden Metalle über Chargierwagen zu den Öfen transportiert. Funklösungen von Phoenix Contact sollen hier eine störungsfreie Kommunikation in der rauen Industrieumgebung sicherstellen. Damit tragen sie zur Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit sowie zur Reduzierung von Instandhaltungskosten bei.



Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Die MPG Mendener Präzisionsrohr GmbH produziert und verarbeitet seit über 150 Jahren Metalle. Das ehemals als Metallwerke GmbH bekannte Unternehmen hat sich dabei auf die Herstellung von Nahtlosrohren spezialisiert. Das am Nordrand des Sauerlands in Menden gelegene Werk umfasst unter anderem eine eigene Gießerei, Strangpressen, Walzen sowie die Endbearbeitung. Mehr als 13 Prozent des gesamten Energiebedarfs – rund 1,6 Millionen Kilowattstunden – werden umweltfreundlich durch Blockheizkraftwerke und Photovoltaikanlagen erzeugt. Neben den Wärmetauschrohren in verschiedenen Kupferlegierungen bietet das Unternehmen Rippenrohre, Drallrohre sowie Bimetall- und Sicherheitsdoppelrohre an. Pro Monat fertigen die 150 Mitarbeiter zwischen 200 und 250 Kilometer Rohre. Diese werden in einer Vielzahl von Anwendungen zum Wärmen oder Kühlen eingesetzt. Dazu gehören der Kraftwerks- und Anlagenbau, Raffinerien, Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die Automobilindustrie, der Schiffbau sowie wärme- und klimatechnische Anlagen.

 

Funktechnologie für ausgedehnte Anlagen

Das Produkt-Portfolio von Phoenix Contact umfasst seit mehr als zehn Jahren Wireless-Technologien für die industrielle Nutzung. Die speziellen Anforderungen des Marktes führten seinerzeit zur Entwicklung der proprietären Technologie Trusted Wireless, die stetig fortgesetzt wurde. Mit der Version 2.0 erhält der Anwender nun eine Lösung, die sich insbesondere für die drahtlose Weiterleitung von Sensor- und Aktor-Informationen sowie zur Übertragung geringer bis mittlerer Datenmengen in ausgedehnten Anlagen eignet. Bei freier Sicht lassen sich Distanzen von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern zwischen zwei Funkteilnehmern überbrücken. Die wesentlichen Merkmale von Trusted Wireless 2.0 sind:

Hohe Anforderungen an Material und Technik

Die Wärmetauschrohre müssen nicht nur hohen Anforderungen genügen, sondern bis zu 40 Jahre einwandfrei funktionieren. Deshalb werden die Vormaterialien in der Gießerei über die normgerechte Qualität hinaus für den jeweiligen Anwendungsfall optimiert. Ein Stapler befördert sie dann zu den schienengeführten Chargierwagen, deren Position von Sensoren erfasst wird. Sobald der Deckel des Ofens geöffnet ist, fährt der Chargierwagen vor. Das Rohmaterial wird anschließend über eine Unwucht-Schwingrinne in den Schmelzofen transportiert, wo die Schmelze zum Gießen der Rohrrohlinge erzeugt wird. Die Chargierrinnen sind als robuste Schraub- und Schweißkonstruktion vibrationsfest ausgeführt. Aufgrund der speziellen ‚Sandwich-Bauart‘ mit niedertourigen Vibrationsmotoren verringert sich die unvermeidliche Geräuschemission deutlich. MPG nutzt Chargierwagen der in Recklinghausen ansässigen Cyrus Schwingtechnik GmbH. Das 1976 gegründete Unternehmen produziert maßgeschneiderte und nahezu wartungsfreie Maschinen für unterschiedliche industrielle Branchen wie Gießerei-, Schmiede- und Recycling-Industrie. Das Produktspektrum von Cyrus beinhaltet unter anderem Chargiermaschinen, die Öfen verschiedener Größe und Anordnung beschicken. Die fahrbaren Wagen bestehen aus einem Fahrwerk, Bunker, einer Unwucht-Schwingrinne und der elektrischen Steuerung. Für die Steuerungstechnik ist die Bregar Systemtechnik e.K. aus Oberhausen verantwortlich, die sich auf Lösungen rund um die Automatisierung von Bewegungsabläufen sowie Komplettsysteme mit Verkabelung und Schaltschränken spezialisiert hat.

Teuer, störanfällig und wartungsintensiv

In der Vergangenheit wurden die Signale wie die Wagenposition, Störmeldungen, Start/Stopp oder Not-Halt über Kabeltrommeln zwischen der Zentralsteuerung und der lokalen Maschinensteuerung übertragen. Das leitungsgebundene Konzept erwies sich allerdings als teuer, störanfällig und wartungsintensiv. Thomas Vos, bei Bregar für die Steuerungstechnik zuständig, sagt: „Bei der Suche nach einer alternativen Kommunikationslösung bin ich auf die Funktechnik von Phoenix Contact aufmerksam geworden.“ Als Kabelersatz verwendet Bregar nun Wireless-Multiplexer, die auf der Bluetooth-Technologie basieren. „Mit dem Wireless-Mux werden die Signale von den Chargierwagen zur zentralen Maschinensteuerung gefunkt“, erläutert Vos. „So lassen sich die Daten selbst in dieser rauen Industrieumgebung einfach und wirtschaftlich weiterleiten.“ Wegen der guten Erfahrungen mit den Funksystemen des Blomberger Automatisierungsanbieters setzt Bregar diese in vielen Anwendungen für unterschiedliche Kommunikationsanforderungen ein. Applikationen, in denen deutlich mehr Signale über größere Distanzen ausgetauscht werden müssen und zudem noch Hindernisse wie Rolltore zu überwinden sind, können beispielsweise mit dem Radioline-Funksystem umgesetzt werden. Radioline arbeitet mit der proprietären Trusted Wireless-Technologie, die speziell zur Übertragung geringer bis mittlerer Datenmengen in ausgedehnten Anlagen entwickelt worden ist.

Inbetriebnahme ohne Software

Der bei MPG genutzte Wireless-Mux wird überall dort verwendet, wo wenige digitale oder analoge Ein- und Ausgangssignale drahtlos mit einer entfernten oder beweglichen Station kommuniziert werden müssen. Das Gerät leitet 16 digitale und zwei analoge Signale bidirektional weiter, so dass es ein 40-adriges Signalkabel ersetzt. Als Wireless-Technologie kommt der internationale Bluetooth-Standard gemäß IEEE 802.15.1 in der Version 1.2 zum Einsatz, der im kosten- und lizenzfreien 2,4-GHz-Frequenzband funkt. Aufgrund des integrierten schnellen adaptiven Frequenzsprungverfahrens (AFH) erweist sich die Kommunikation als robust und zuverlässig. Außerdem stört sie eventuell vor Ort installierte WLAN-Systeme gemäß IEEE 802.11b/g nicht, denn Bluetooth erkennt entsprechend belegte Kanäle automatisch und entfernt sie aus der eigenen Sprungtabelle. Auf diese Weise können beide Funksysteme ohne gegenseitige Störung auch in unmittelbarer Nähe betrieben werden. Die effiziente Frequenznutzung erlaubt ferner den Parallelbetrieb zahlreicher Bluetooth-Systeme an einem Ort. Die Wireless Mux-Module lassen sich ohne Software einfach in Betrieb nehmen: anschließen, einschalten und schon arbeitet die Funkstrecke. Die Verbindung wird dabei ständig überwacht. Sollte sie massiv gestört oder unterbrochen sein, werden die Ausgänge in den definierten Zustand ‚Low‘ zurückgesetzt und dies per Diagnose-LED am Modul visualisiert. Darüber hinaus informiert eine Anzeige zur Link-Qualität den Anwender permanent über die Verbindungsgüte. Trotz der Zykluszeit von weniger als zehn Millisekunden sehen die Wireless Mux-Module eine Übertragungsreserve von vier Telegramm-Wiederholungen innerhalb der Zykluszeit vor. Eine eingebaute Fehlerkorrektur ermöglicht zudem die Behebung vieler einfacher Kommunikationsfehler bereits im Empfänger. Mit dem Wireless Mux können Reichweiten zwischen 50 und 100 Metern in der Industriehalle sowie von mehr als 200 Metern im freien Feld überbrückt werden.

Alternative zum Kabel

Die bei MPG eingerichtete Funkstrecke funktioniert seit über sechs Jahren störungsfrei. „Durch Verwendung der Wireless-Lösungen von Phoenix Contact haben wir zahlreiche Herausforderungen gelöst sowie viel Geld eingespart“, zieht Thomas Vos ein positives Resümee, dem sich die zuständigen Mitarbeiter von Cyrus und MPG anschließen. Für alle zeigt sich Funk als echte Alternative, auf die sie bei zukünftigen Projekten gerne wieder zurückgreifen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Seit gut eineinhalb Jahren betreibt Simus Systems eine Online-Plattform, auf der Auftraggeber und Auftragnehmer die Metallbearbeitung von Bauteilen kalkulieren - und das Interesse am Tool ist rege. Anwender laden ihr CAD-Modell hoch und erhalten eine valide Vorkalkulation des geplanten Bauteils.‣ weiterlesen

Erst die Interoperabilität von Maschinen und Anlagen ermöglicht Unternehmen die Teilhabe an neuen digitalen Strukturen und ist Grundvoraussetzung für neue digitale Geschäftsmodelle. Durch interoperable Schnittstellen können neue Maschinen effizienter integriert werden. Die VDMA-Studie ‘Interoperabilität im Maschinen- und Anlagenbau‘ zeigt die Relevanz von interoperablen Schnittstellen und dazugehörigen Standards in den Unternehmen.‣ weiterlesen

Im Gewerbebau gehört ein differenziertes Zutrittsmanagement zum Standard der meisten Ausschreibungen. Für Betriebe lohnt es, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn die Infrastruktur sollte später neue Anforderungen im Besuchermanagement ohne hohe Mehrkosten abbilden können.‣ weiterlesen

Die Vor- und Nachteile von SQL-, NoSQL- und Cloud-Datenbanken in Produktionsumgebungen werden noch immer diskutiert. Es wird höchste Zeit für ein Datenbankmanagement-System, das die Stärken aller drei miteinander verbindet.‣ weiterlesen

Predictive Maintenance, oder auch vorausschauende Instandhaltung, bildet einen der primären Anwendungsfälle im Spektrum der Industrie 4.0. Doch noch sind viele Unternehmen von den Ergebnissen enttäuscht, nachdem ihnen die technische Umsetzung gelungen ist. Eine planvolle Roadmap beugt dem vor, indem ein vorteilhafter Rahmen um das Werkzeug gezogen wird.‣ weiterlesen

Das Systemhaus Solid System Team wird von einer Doppelspitze geleitet. Neben Werner Heckl ist seit 1. April auch Torsten Hartinger mit der Geschäftsführung betraut.‣ weiterlesen

Materialise erwirbt Kaufoption von MES-Anbieter Link3D. Mögliche Übernahme könnte den Weg zum cloudbasierten Zugriff auf die 3D-Druck-Software-Plattform von Materialise ebnen.‣ weiterlesen

Ist die IoT-Infrastruktur in der Fertigung erst einmal installiert, müssen die erfassten Daten analysiert und in Nutzen überführt werden. Dabei kommt Event-Streaming-Technologie vor allem dann in Frage, wenn Anwender ihre Daten echtzeitnah verarbeiten wollen.‣ weiterlesen

Frank Possel-Dölken (Phoenix Contact) ist neuer Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. Er übernimmt das Amt von Frank Melzer (Festo).‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige