Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Automatisierung

Generalsanierung bei laufendem Betrieb

Prozess- und verfahrenstechnische Anlagen sind meist jahrzehntelang in Betrieb. Währenddessen müssen immer mal wieder Anlagenteile oder einzelne Komponenten ausgetauscht werden. In der Regel lassen sich die entsprechenden Arbeiten gut in den für Wartungszwecke ohnehin geplanten Stillstandszeiten erledigen, teilweise sogar während des laufenden Betriebs. Bei dem Garnhersteller Cordenka GmbH & Co. KG stand vor einiger Zeit aber eine Generalsanierung an, Messtechnik, Prozessleitsystem und Energieversorgung sollten umfassend erneuert werden. Nahezu ohne den laufenden Produktionsbetrieb zu beeinträchtigen, hat Rösberg Engineering das Projekt umgesetzt.

Die Messwarte im Jahr 2007, noch mit konventionellen Messtafeln bestückt, und die neue Messwarte nach der Modernisierung. Bilder: Cordenka GmbH & Co. KG / Rösberg Engineering GmbH

Die Cordenka GmbH & Co. KG ist Hersteller von industriellem Rayon-Garn. Dieses hochfeste Garn dient zum Beispiel als Verstärkungsmaterial in Hochleistungsreifen, Schläuchen und Verbundwerkstoffen. Außer den rund 32.000 Tonnen Garn pro Jahr werden am Standort Obernburg und im polnischen Gorzow auch noch etwa 18.000 Tonnen Gewebe für die Reifenindustrie produziert. Eine wichtige Rolle bei der Garnproduktion spielt das Spinnbad: Rayon besteht zu 100 Prozent aus Zellulose. In einem mehrstufigen Prozess wird dieser natürliche Rohstoff in ein hochfestes Multifilamentgarn für technische Anwendungen umgewandelt. Als erstes entsteht Viskose. Der Zellstoff wird durch Reaktion mit Natronlauge und Kohlenstoffdisulfid in Lösung gebracht. Nach Filtration und Entgasung ist die Lösung fertig zum Verspinnen. In der Spinnerei wird sie durch Spinndüsen in das Spinnbad gepresst, wo sie sich zersetzt und den Faden bildet, der nach Verstreckung, Fixierung sowie Wäsche nass aufgewickelt und anschließend weiter veredelt wird. Der Hauptkreislauf versorgt dazu die Spinnerei ständig mit frischem Spinnbad; gebrauchtes Medium wird abgepumpt, filtriert und durch Säurezugabe sowie Erhitzen wieder aufbereitet. Der Rückgewinnungskreislauf entfernt überschüssiges Wasser durch Eindampfen und überschüssiges Natriumsulfat durch Kristallisation mit anschließender Kalzinierung aus dem Spinnbad.

Technik hielt viele Jahre

Die Automatisierungstechnik, die sich hinter diesem Kreislauf verbirgt, leistete viele Jahre zuverlässig ihre Dienste. Um auch zukünftig auf der sicheren Seite zu sein, standen allerdings umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen an. Hard- und Software entsprachen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik; Ersatzteilverfügbarkeit war nur noch bedingt gewährleistet; außerdem wurden Instandhaltung und Service immer aufwendiger. Deshalb entschloss sich der Anlagenbetreiber zu einer umfangreichen Generalsanierung, die nach einer zweijährigen Planungsphase ab 2008 umgesetzt wurde.

Umfangreiche Maßnahmen

Im Rahmen des Projekts sollten alle Messgeräte gegen PA-Bus-fähige Komponenten getauscht und neue Messstellen ergänzt werden; es galt moderne Messwarten und Bedienstationen sowie ein neues Prozessleitsystem zu installieren. Zudem bestand auch bei der kompletten Niederspannungsversorgung Handlungsbedarf, da viele Verteiler an ihrem Aufstellungsorten einem erhöhten Korrosionsrisiko ausgesetzt waren, was man für die Zukunft verhindern wollte. Die Randbedingungen für dieses umfangreiche Projekt waren dabei alles andere als einfach: Die Rayon-Garn-Produktion läuft schließlich rund um die Uhr und die Sanierungsmaßnahmen sollten den laufenden Betrieb nicht mehr als unbedingt notwendig beeinträchtigen. Vermeidbare Stillstandszeiten sind im Spinnbad in Obernburg schon aus wirtschaftlichen Gründen ebenso wenig tolerierbar wie bei den meisten anderen prozess- und verfahrenstechnischen Anlagen auch. Mit dem Karlsruher Unternehmen Rösberg Engineering fand Cordenka für dieses Modernisierungsprojekt jedoch einen Partner, mit dessen Engineering-Dienstleistung sich Feinplanung und Koordination der zahlreichen an der Sanierung beteiligten Gewerke umsetzen ließen, nahezu ohne den laufenden Produktionsbetrieb zu beeinträchtigen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Der VDMA hat die Produktionsprognose für das laufende Jahr angehoben. War der Verband bisher von einem Zuwachs von 4 Prozent ausgegangen, so rechnet man nun mit einem Produktionsplus von 7 Prozent.‣ weiterlesen

Roboter gehören zum Rückgrat der smarten Fabrik. Doch die Automaten könnten außerhalb der Fabriken viel leisten. Das Dresdner Unternehmen Wandelbots hat jetzt eine Lösung entwickelt, die den Robotereinsatz auch für kleine und mittlere Unternehmen vieler Branchen interessant machen soll. Ein Industrie-PC von Kontron übernimmt in diesem System eine zentrale Aufgabe.‣ weiterlesen

Die Auftragsbücher der deutschen Industrieunternehmen füllen sich und die Produktion nimmt zu. Laut Ifo-Konjunkturumfrage liegen die Produktionserwartungen im März sogar auf dem höchsten Stand seit 1991.‣ weiterlesen

xyzWieviel sind Daten wert? Welche Daten sind für die Effizienzsteigerung der Produktion, die Qualitätssteigerung der Produkte oder neue Geschäftsmodelle für die produzierende Industrie und ihre Dienstleistungen von Nutzen und wie kann ihr Wert gemessen und beziffert werden? Am 13. Januar 2021 konstituierte sich dazu der Fachausschuss 7.24 Big Data in der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik neu, um die Experten-Empfehlung VDI/VDE 3715 'Data Assets' zu entwickeln. Im Fachausschuss wird ein metrischer Standard entwickelt für die Ermittlung des ökonomischen Wertes technikbezogener Daten innerhalb der Wertschöpfungskette.‣ weiterlesen

Zutrittskontrollsysteme dokumentieren Aufenthaltszeiten, können bei der Corona-Kontaktverfolgung unterstützen und ermöglichen die individuelle Arbeitszeiterfassung. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung, der Pandemie sowie dem Trend zum dezentralen Arbeiten lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuellen Anforderungen.‣ weiterlesen

Mit dem Security Operations Center will Vinci Energies Cybersecurity-Spezialisten vernetzen. Die Eröffnung ist für das zweite Halbjahr 2021 vorgesehen.‣ weiterlesen

Plus 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben die deutschen Maschinen und Anlagenbauer in Ihren Auftragsbüchern verzeichnet. Dabei kamen besonders aus dem Ausland mehr Aufträge.‣ weiterlesen

In der Softwareentwicklung gewinnen die Low- und No-Code-Plattformen zunehmend an Bedeutung. Doch neben den Vorteilen etwa in Sachen Geschwindigkeit oder Handhabung sind dem Low-/No-Code-Ansatz noch Grenzen gesetzt, etwa wenn es zu komplex wird.‣ weiterlesen

Low-Code/No-Code-Entwicklungen bieten Potenzial für Industrieunternehmen. Dadurch wird Software-Programmierung auch Mitarbeitern zugänglich, die nicht über tiefes Fachwissen verfügen. Mendix hat in einer Studie untersucht, wie es um den Low-Code/No-Code-Ansatz in Deutschland bestellt ist.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige