Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Industrie 4.0-Projekt – ‚Enable KMU‘

Appstore für Einzelfertiger

Durch die Digitalisierung sollen hiesige KMU ihre Produktivität verbessern und auf dem weltweiten Markt mithalten können. Um auch Unternehmen mit weniger Ressourcen digitale Helfer zur Verfügung zu stellen, arbeiten Forschung, IT-Firmen und Produzenten im Rahmen des Projektes ‚Enable KMU‘ am Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie (IPT) derzeit an einer App-Plattform für industrielle Anwendungen.

Bild: WZLforum gGmbH

Bild: WZLforum gGmbH

Die deutsche Wirtschaft ist durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geprägt. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen ist die Dichte von Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern nach einer Studie des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) auffallend hoch. Die Herausforderung dieser Unternehmen liegt häufig darin, dem Kostendruck an globalisierten Märkten standzuhalten. Hohe Fertigungsqualität, Zuverlässigkeit und kurze Lieferzeiten sind deshalb häufige Unique Selling Propositions (USP) erfolgreicher deutscher KMU. Doch auch bei diesen Merkmalen verschärft sich die Situation durch Wettbewerber aus dem südostasiatischen und südamerikanischen Raum zunehmend.

Mit Blick auf KMU erdacht

Gerade zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der KMU in Deutschland wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 initiiert. Das Ziel des Projektes ist die Erschließung von neuartigen Geschäftsmodellen und das Ausschöpfen von Optimierungspotentialen in der Produktion für stark individualisierte Produkte durch cyber-physische Systeme. Letztlich gilt es, die deutsche Industrie zu unterstützen und durch technologischen Vorsprung für die Zukunft auszurüsten. Industrie 4.0 bedeutet die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion durch die Einführung der Smart Factory und der Entwicklung von intelligenten Lösungen zur Steigerung von Produktivität und Qualität. Die Digitalisierung lässt sich dabei in die folgenden aufeinander aufbauenden Evolutionsstufen gliedern: Datenerfassung, Einführung und Nutzen von Assistenzsystemen, Vernetzung und Integration, Dezentralisierung und schließlich Selbstorganisation und Autonomie der Produktionsmaschinen und -anlagen.

Oft fehlt es an Ressourcen

Während große Unternehmen in der Lage sind, die Schritte der Digitalisierung gewinnbringend zu realisieren, herrschen in KMU meist andere Voraussetzungen und Randbedingungen. Einerseits besitzen KMU in der Regel nicht die notwendigen Ressourcen und Kapazitäten, um eigenständig Industrie 4.0-Ansätze zu erforschen und zu entwickeln. Deshalb sind sie auf externe Unterstützung angewiesen, die mit hohen finanziellen Aufwänden verbunden sein kann. An den hierfür erforderlichen Mitteln fehlt es häufig. Zum anderen erfordert die Einführung von Industrie 4.0-Technik die Transformation der vorhandenen Arbeitsweise, die in KMU oft schwierig zu überwinden ist. Fälschlicherweise kann der Eindruck entstehen, dass die vierte industrielle Revolution primär nur für große Unternehmungen vorteilhaft wäre. Hier setzt das Forschungsvorhaben ‚Enable KMU‘ (Entwicklung anwenderbasierter Lösungen in der Einzelfertigung für KMU) an, indem es die Technologien der Industrie 4.0 für KMU zugänglich machen will. Das Ziel ist die Befähigung zur selbstständigen Digitalisierung und Vernetzung der Produktion durch modulare, skalierbare und preiswerte Teillösungen. Dazu wird im Projekt eine Smart Service-Plattform entwickelt, die den Digitalisierungsprozess in KMU befähigt und begleitet. Die Plattform stellt verschiedene Applikationen bereit, die Unternehmen bei ihren täglichen Aufgaben in der Produktion unterstützen. Die Smart Service-Plattform funktioniert ähnlich wie der App-Store von Apple oder der Playstore von Google. Die Nutzer können die bereitgestellten Apps auf einer Plattform auswählen und anwenden. Die Apps der Plattform sollen Firmen beispielsweise bei ihrer Produktionsplanung, der Parametrierung von Maschinenparametern sowie der Echtzeit-Aufbereitung und Dokumentation von Produktionsdaten unterstützen. Durch den webbasierten Ansatz entsteht nur ein geringer technischer Aufwand für die Anwender, um die Programme direkt von einem beliebigen Browser aus zu verwenden. Nachfolgend werden zwei Apps und deren Funktionsweise skizziert:

Die Job.Info-App

Viele produzierende KMU haben großes Interesse an einer Applikation, die ein einfaches Determinieren notwendiger Fertigungsschritte für einen Auftrag ermöglicht. Verschiedene Diskussionen mit Anwendern ergaben, dass eine einfache Visualisierung aktueller Bearbeitungszustände einschließlich Bauteilpositionen und Kommentarfunktion für die bearbeitenden Mitarbeiter wünschenswert sind. Die Job.Info-App orientiert sich an aktuellen Social Media-Konzepten wie Facebook oder Twitter und soll den Informationsaustausch für Mitarbeiter und Geschäftsführung verbessern. In einem nächsten Schritt soll die Applikation um eine App für den Vertrieb erweitert werden, die vom Außendienst per Smartphone aufgerufen werden kann. Somit können die Mitarbeiter unterwegs einen Blick auf die aktuelle Auftrags- und Auslastungssituation der eigenen Produktion werfen, um Geschäftspartner fundiert über mögliche Liefertermine informieren zu können.

Die Resource.Wiki-App

Gerade für Einzelfertiger kann eine betriebsinterne Wissensplattform auf Produktionsebene sinnvoll sein, um das Erfahrungswissen langjähriger Mitarbeiter zugänglich zu machen. Da nur geringe Stückzahlen gefertigt werden, ist die Parametrierung der einzelnen Werkzeugmaschinen bei Verwendung von bestimmten Materialen für ein spezifisches Erzeugnis oft schwierig. Deshalb wird im Rahmen des Projektes die Resource.Wiki-App entwickelt, die als betriebsinternes Erfahrungshandbuch dienen soll. Dort lassen sich zunächst alle Werkzeugmaschinen, die Materialien und bisher gefertigten Erzeugnisse inklusive ihrer Eigenheiten beschreiben. Diese Beschreibung beinhaltet Parametersätze, die sich in der Vergangenheit für bestimmte Maschine-Werkzeug-Werkstoff-Kombinationen bewährt haben, sodass bei der Fertigung neuer Erzeugnisse auf diese Werte zurückgegriffen werden kann.

Das Programm Job.Info (oben) soll die einzelnen Arbeitsschritte eines Auftrages übersichtlich darstellen und gleichzeitig Kommunikationsmöglichkeiten bieten. Das Werkzeug Resource.Wiki (unten) stellt ein internes Wikipedia über Maschinen, Werkzeuge, Werkstoffe und Produkte dar. Gerade das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter soll sich so im Unternehmen verteilen lassen. Bilder: WZLforum gGmbH

Das Programm Job.Info (oben) soll die einzelnen Arbeitsschritte eines Auftrages übersichtlich darstellen und gleichzeitig Kommunikationsmöglichkeiten bieten. Das Werkzeug Resource.Wiki (unten) stellt ein internes Wikipedia über Maschinen, Werkzeuge, Werkstoffe und Produkte dar. Gerade das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter soll sich so im Unternehmen verteilen lassen. Bilder: WZLforum gGmbH

Vom Demonstrator in den Betrieb

Das Konsortium von Enable KMU setzt auf ein Zusammenwirken von Forschung, Entwicklung und Anwendung. Auf Basis erzielter Forschungsergebnisse wird die Smart Service-Plattform prototypisch beziehungsweise durch einen Demonstrator realisiert, bevor Industriebetriebe die Programme versuchsweise einsetzen. Neben den digitalen Helfern soll die Plattform Firmen auch dabei unterstützen, Lean Production-Methoden einzuführen, um die Prozesskosten und den Energiebedarf im Unternehmen über weitere Hebel zu reduzieren.


Das könnte Sie auch interessieren:

Recalo aus Laatzen ist auf Dienstleistungen im Bereich Asset- und Ladungsträger-Management spezialisiert. Vor allem beim Pooling von Mehrwegladungsträgern richtet sich der Anbieter mit einem sehr individualisierbaren Angebot an Fertigungsunternehmen.‣ weiterlesen

Lieferkettenschwierigkeiten verursachen rund 20 Prozent der Kosten von Fertigungsunternehmen, errechnen Fachleute. Robotergestützte Prozessautomatisierung kann viele der Stolpersteine aus dem Weg räumen, die zu diesen Ausgaben führen. Denn sie machen keine Fehler, halten sich an Regeln und arbeiten pausenlos - im Büro, Lieferantenmanagement und bei der Prozessoptimierung.‣ weiterlesen

Stimmen die Artikeldaten? Sind die Stammdaten genau und rechtskonform? Diese Fragen entscheiden über die Qualität fundamentaler Datenquellen. Wenn sich Fehler in die Stammdaten eingeschlichen haben, wirken sie womöglich quer durch alle Datenbanken und Prozesse hindurch. Diese und weitere Stolpersteine fasst folgende Checkliste zusammen.‣ weiterlesen

Viele neue Produkte und Geschäftsmodelle erfahren heutzutage Geburtshilfe durch Simulation. Mit digitalen Zwillingen verschmelzen Grenzen zwischen simulierten und realen Produktwelten. Entwicklung und Fertigung lassen sich so deutlich effizienter organisieren.‣ weiterlesen

Nach ersten Schätzungen geht das Ifo-Institut von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal aus. Erst im zweiten Quartal gehen die Experten wieder von einem Zuwachs aus.‣ weiterlesen

Die Forschungspartner Technische Hochschule Deggendorf und die Technische Universität München sowie den beiden Unternehmen Schindler & Schill (EasyLogix) und Systema haben das BMWi-ZIM-Projekt MobiCM erfolgreich abgeschlossen. Ziel war die Entwicklung eines Systems zur Zustandsüberwachung von Produktionsmaschinen.‣ weiterlesen

Die Engineering-Plattform DesignSpark von RS Components hat die Marke von einer Million Mitglieder geknackt. Seit seiner Einführung 2010 unterstützt die Plattform Ingenieure, Techniker und Studierende mit einer Vielzahl an technischen Tools und Ressourcen.‣ weiterlesen

Die Normungsorganisationen DIN und VDE DKE haben eine Kooperationsvereinbarung mit 'Enterprise Singapore' getroffen. Die Zusammenarbeit soll unter anderem die Bereiche Industrie 4.0 sowie künstliche Intelligenz umfassen.‣ weiterlesen

Als globale Krise ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung für die Automobilindustrie. Der Absatz neuer PKW ging weltweit um 23 Prozent, in Europa sogar um 27 Prozent zurück. VDA-Geschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel erläutert, wie sich die Branche gegen die Krise stemmt und dabei ihre Flexibilität unter Beweis stellt.‣ weiterlesen

Pandemien gehören im aktuellen Allianz-Risiko-Barometer zu den größten Bedrohungen für Unternehmen. Die damit einhergehenden Sorgen haben sogar den Klimawandel verdrängt, der in der aktuellen Erhebung den 9. Platz belegt.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige