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Analysedaten in Kreditverhandlungen

Besseres Verständnis durch spezifische Ratingkennzahlen

Zum erfolgreichen Geschäftsbetrieb brauchen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus in der Regel Banken als Partner, die vorübergehend auftretenden Kapitalbedarf bereit stellen. Für die Banken stellt sich die Herausforderung, diese Kunden richtig zu bewerten und einzuordnen. Unternehmen stehen vor der Frage, welche Werte sie als Grundlage für Verhandlungen mit ihrem Controlling-Instrumentarium ermitteln. Spezifische Ratingkennzahlen, welche die klassischen Ratingmethoden unterstützen, können dabei sehr hilfreich sein.

Bild: Fotolia – Andreas F/Damir K

Das klassische Unternehmensrating bezieht sich vor allem auf zurückliegende Geschäftsperioden. Um die finanzielle Lage der Unternehmen einzuschätzen wird also sozusagen ein Blick in den Rückspiegel geworfen und aus den vorliegenden Geschäftsergebnissen ein Bild über den Zustand eines Unternehmens erzeugt. Dabei werden die Vermögensstruktur, die Bilanzstruktur, die Vermögenslage, die Finanzlage und die Ertragslage des Unternehmens unter die Lupe genommen. Unter der Annahme, dass auch die folgenden Geschäftsperioden einen ähnlichen Verlauf nehmen werden wie die Zurückliegenden, wird so die Bonität eines Unternehmens eingeschätzt. Diese Verfahrensweise ist über viele Jahre angewendet worden, ist jedoch nach Meinung vieler Experten, insbesondere Hinsichtlich der zurückliegenden, tiefen Finanzmarktkrise, nicht mehr ausreichend.

Grenzen dynamischer Ratingverfahren

Um eine bessere Möglichkeit zur Einschätzung von zukünftiger Geschäftsentwicklung zu bekommen, wurden vor einiger Zeit Methoden entwickelt, die eine Blick nach vorne ermöglichen sollen und unter dem Begriff dynamisches Rating bekannt sind. Hier werden unterschiedliche Geschäftsentwicklungsszenarien simulativ durchgerechnet und auf dieser Grundlage mehrjährige Plan Gewinn- und Verlustrechnungen (GuV) so wie mehrjährige Plan Bilanzen aufgestellt. Weiterhin werden Entwicklungsprognosen über den Verschuldungsgrad und die Verschuldungsdauer so wie über die Bestandsfestigkeit erzeugt. Zusätzlich werden Entwicklungsprognosen zu Eigenkapitalunterlegung und Schuldendienstfähigkeit erarbeitet und schließlich die Besicherungsentwicklung geprüft. War das klassische Rating also der Blick in den Rückspiegel, so wirft man jetzt zusätzlich einen Blick in die Glaskugel. Diese Methode ist als Ergänzung des klassischen Rating sicherlich zielführend und angemessen, wenn auch das Risiko für die Validität der Aussagen abnimmt, je weiter der Prognosezeitraum in der Zukunft liegt. Dennoch lösen diese beiden Methoden nicht das grundsätzliche, kommunikative Problem zwischen Bank und Maschinenbauunternehmen.



Kumulierte Ratingkennzahlen als Präsentationsgrundlage:?Die Verbindung von Daten aus Berichtswesen, Produktion und Prognosewerkzeugen kann Produzenten die überzeugende Darstellung ihrer wirtschaflichen Leistung erleichtern. Bild: VDMA

Spezifische Ratingkennzahlen für Investitionsgüterhersteller

Die Menschen, die als Angestellte einer Bank in der Verantwortung dafür sind, die Bonität eines Maschinenbauunternehmens zu beurteilen, tun sich notwendigerweise schwer das Geschäft ihres Kunden richtig zu verstehen und einzuordnen. Die organisatorische und methodische Logik der Wertschöpfungsprozesse in einem Fertigungsunternehmen sind einem Bankangestellten in der Regel fremd und undurchsichtig. Andererseits ist das Potenzial eines Maschinen- oder Anlagenbauunternehmens nicht vollständig aus reinen Finanzkennzahlen, seien sie nun in der Vergangenheit entstanden oder für die Zukunft projiziert, darstellbar. Notwendig sind daher Kennzahlen, die der Bank eine bessere Möglichkeit zur Einschätzung ihres Geschäftspartners aus dem Maschinenbau geben, ohne dass sie selbst den Maschinenbau tiefgreifend verstehen müssen.

Ein Beispiel soll diesen Ansatz demonstrieren: Ein Unternehmen des Maschinenbaus erzielt in seinem Kerngeschäft, der Herstellung und dem Verkauf von Maschinen, einstellige Deckungsbeiträge. Im Bereich des Servicegeschäftes dagegen, werden sehr komfortable, zweistellige Deckungsbeiträge erzielt. Wenn nun das Maschinenbauunternehmen gegenüber der Bank schlüssig darlegen kann, dass im Verlaufe der letzten drei Jahre das Kerngeschäft von 90 Prozent auf 85 Prozent zugunsten des Servicegeschäfts zurückgegangen ist, das von zehn auf 15 Prozent wuchs, so sind diese Zahlen durch den Verantwortlichen der Bank sehr einfach nachzuvollziehen, ohne dass er zwischenzeitlich ein Maschinenbauexperte geworden ist. Offensichtlich verfolgt sein Kunde jedoch eine Strategie, ergebnisstarke Bereiche seines Unternehmens zu entwickeln, was seine Bonität natürlich verbessert. Diese spezifischen Ratingkennzahlen lassen sich unter anderem durch Werkzeuge der Busniess Intelligence aus den im Betrieb verfügbaren Datenquellen ermitteln und können so das klassische Rating und das dynamische Rating ergänzen.


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