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Fördertechnik wie im Hochregallager

3D-Visualierung für Parkhaus-Anlagen

Fördertechnik wie im Hochregallager

Die Lödige Industries GmbH hat sich der Unterstützung von Förder- und Logistikprozesssen verschrieben. Der Produktbereich 'Car Park Solutions' des Maschinenbau-Unternehmens plant und realisiert Systeme, um Autos vollautomatisch in Großanlagen zu parken und anschließend wieder an die Fahrzeughalter auszuliefern.

Die Lödige Industries GmbH aus Warburg verwendet die Factory Design Suite von Autodesk, um moderne Luftfrachtanlagen- und Parkhauskonzepte zu entwickeln und weltweit umzusetzen. Bild: Lödige Industries GmbH

Das Familienunternehmen Lödige Industries GmbH hat sich auf Maschinenbau auf die Bereiche Fördertechnik und Logistik spezialisiert. Der Mittelständler aus Nordrhein-Westfalen hat damit den Sprung von der Herstellung einzelner Maschinen zur weltweit agierenden Gruppe geschafft, die aktuell mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt. Zusätzlich zum Stammsitz in Warburg ist das Unternehmen mit Firmensitzen in Hong Kong, London, New York und Doha vertreten. Für die Konstruktion und Simulation der Maschinen greift der Maschinenbauhersteller auf Software für den Entwurf und die Simulation komplexer Anlagen zurück.

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, mit maßgeschneiderten Produkten, neue Märkte zu erschließen. Mit diesem Ansatz konnte Lödige Industries weltweit verschiedene Großaufträge in unterschiedlichen Branchen gewinnen. So realisierte das Unternehmen beispielsweise im Jahr 2004 die Luftfracht-Terminals am internationalen Flughafen von Hong Kong. Dieses Projekt umfasste unter anderem die Konstruktion und den Bau von vier Regalbediengeräten oder ‚Elevating Transfer Vehicles‘ (ELV). Die Fahrzeuge von 45 Metern Höhe nutzen Mitarbeiter des Flughafens, um Luftfrachtcontainern im Hochregal des Cargo-Terminals just-in-time ein- und auszulagern. Zur Konstruktionsplanung verwendet Lödige die 3D-fähige Konstruktions- und Simulationslösung Autodesk Inventor. Zwar setzte das Unternehmen bereits seit dem Jahr 1991 die Konstruktionssoftwäre Autodesk Autocad ein, benötigte jedoch speziell für komplexe Projekte erweiterte Funktionen und Simulationsoptionen für 3D-Konstruktionen.

540 Fahrzeuge pro Stunde bewegen

Anfang des Jahres 2011 erhielt der Produktbereich ‚Car Park Solutions‘ von Lödige einen Großauftrag aus Aarhus in Dänemark: Das Unternehmen wurde mit der Umsetzung eines automatischen Parksystems mit rund 1.000 Stellplätzen betraut. Nach Fertigstellung sollen Autos innerhalb einer Minute vollautomatisch geparkt werden. Es galt, 540 Fahrzeuge innerhalb einer Stunde über Aufzüge und auf Förderbändern bewegen zu können. Bei Abholung sorgt das System dafür, dass das Fahrzeug dem Halter in wenigen Minuten zurückgebracht wird. „Die Schwierigkeiten bei diesem Projekt bestehen darin, dass mehrere Architekten und Bauunternehmen beteiligt sind und jeder mit unterschiedlichen Systemen arbeitet“, sagt Jurij Loginov, System-Ingenieur bei Lödige. „Wir haben uns daher frühzeitig beraten lassen, welche Lösung von Autodesk den Ansprüchen dieses internationalen Großprojekts am besten gerecht wird. Daraufhin präsentierte uns unser Ansprechpartner bei Autodesk die neue Factory Design-Suite, die eine kombinierte 2D- und 3D-Lösung zur Anlagenplanung und -optimierung enthält. Entscheidungsfindungen lassen sich verbessern, Planungsprozesse beschleunigen und problemlos nahezu alle Fremddaten anderer Unternehmen einlesen, weiterverarbeiten und versenden.“

Planungswerkzeuge im Einsatz:?Die Simulation der Einfahrkabine in ein Parksystem erfolgt über eine Lösung für die Fabrikplanung. Der Maschinenbauer zeichnet für Konzeption und Fördertechnik verantwortlich, für die bautechnische Gestaltung müssen aber auch Daten mit Architekten und Bauunternehmen ausgetauscht werden können. Bild: Lödige Industries GmbH

Von der Konstruktion bis zur technischen Prüfung

Das IT-System für die Fabrikplanung umfasst unter anderem die Lösungen Autocad und Inventor. Zusätzlich ist sie um werksspezifische Funktionen erweitert. Die Lösung gestattet dem Maschinenbau-Unternehmen, auf unterschiedliche Visualisierungswerkzeuge zurückzugreifen. Auch Module für die technische Überprüfung stehen zur Verfügung, darunter auch Autodesk Navisworks . Damit kann das Unternehmen eine geplante Anlage bereits vor der Fertigstellung in drei Dimensionen virtuell erleben.

Das Software-Paket umfasst Bibliotheken mit 3D-Farbkomponenten, eine automatische Umwandlungsfunktion von 2D-Zeichnungen in 3D-Layouts und weitere Werkzeuge. Nach 30 Tagen kostenfreier Testnutzung entschied sich das Traditionsunternehmen aus Warburg schließlich für den Einsatz der neuen Software-Suite. Allerdings kommt die Lösung in einer individuellen Zusammenstellung zum Einsatz, die genau auf die Bedürfnisse des Maschinenbauspezialisten abgestimmt sind: „Wir nutzen die Factory Design Suite mit den Komponenten Autocad Architecture, Autodesk Navisworks Simulate und Autocad Mechanical zur Maschinenbauplanung sowie 3DS Max Design für Animationen“, sagt Loginov.

Bereits von Projektbeginn an habe sich der Einsatz der Lösung für Lödige Industries gelohnt: Die integrierte Anwendung der Systemmodule gestaltet sich einfacher, strukturierter und übersichtlicher als die Nutzung von Einzelkomponenten. Layoutvorschläge lassen sich in 3D-Modellen anstatt in 2D-Zeichnungen auf mehreren ‚Layer‘ genannten Ebenen visualisieren. Virtuelle ‚Durchflug-Ansichten‘ eines Objektes generiert das System zügig, und digitale Kollisions- sowie Platzbeschränkungsanalysen unterstützen das frühzeitige Beheben von Fehlern, bevor es zu Problemen während der Installation kommen kann.

Beispiele einer fertigen Einfahrkabine in Berlin:?Der Fahrzeugbesitzer stellt sein Gefährt auf der markierten Fläche ab. Dann übernimmt die Fördertechnik von Lödige Industries den Fahrzeugtransport bis zum Stellplatz – und die anschließende Auslieferung des Autos an den Fahrer. Bild: Lödige Industries GmbH

Komplexe Aufgabe für den Entwicklungsbereich

Internationale Großprojekte wie das in Aarhus gestalten sich häufig komplexer als reguläre Anlagenplanungen und stellen die beteiligten Ingenieure vor vielfältige Herausforderungen. Aufgrund der übergreifenden Aufgabenstellung, die enge Abstimmungsprozesse fordert, verursacht Großanlagenbau auch zunehmend größere Datenmengen. Und die digitalen Informationen können nicht einfach im Rechenzentrum abgelegt werden – die Daten müssen verarbeitet und anderen Projektbeteiligten zur Verfügung gestellt werden. Dabei hilft das vom Systemanbieter für den Datenaustausch zwischen CAD-Lösungen entwickelte Dateiformat DWG. Die nötigen Programmteile sind in der Simulationssuite enthalten und komprimieren große Datenmengen in leicht zu verarbeitende Dateien. Die Speicherbelastung für die Prozessbeteiligten kann somit auf ein Minimum reduziert werden.